Gedankenstücke

(m)ein Leben durch den Sucher

Post Privacy – Seine Gendaten und persönliche Merkmale teilen?

Posted by Bastian • Tuesday, August 30. 2011 • Category: Aktuell: , The Pirates Gospel
Zusammen mit Philipp, arbeite ich zusammen an einem Projekt, das sich mit dem öffentlichen zur Verfügung stellen von genetischen Informationen befasst. Wie der eine oder andere vielleicht mitbekommen hat, habe ich meine Gen-Test-Ergebnisse, direkt nachdem ich sie von 23andMe geliefert bekommen habe, zu GitHub geladen. Dort stehen sie jetzt für jeden Interessierten zum Download bereit, zusammen mit ein paar kleinen Skripten zur Analyse der Gen-Marker. Damit bin ich weder alleine, noch der erste. Aber wie viele Leute würden sich eigentlich dafür entscheiden, ihre Daten so zu teilen? Immerhin sind das Daten, die nicht nur so personenbezogen sind, wie es Daten überhaupt nur sein können. Sondern auch Daten, die potentiell mehr verraten als jede Krankenakte. Genau das macht die Daten aber (zusammen mit Krankenakten) zu einer spannenden Grundlage, für die Wissenschaft. Mit ausreichend vielen solcher Gen-Daten, kann man zum Beispiel neue Assoziationen zu Krankheiten ausfindig machen.



23andMe hat dies, gepaart mit Fragebögen, die von den Kunden ausgefüllt wurden, schon häufiger unter Beweis gestellt und die Ergebnisse auch veröffentlicht. Aber die Rohdaten von den Kunden bleiben natürlich, aus Datenschutzgründen (und vermutlich auch um nicht endlos verklagt zu werden), unter Verschluss. Und so können nur jene Dinge getestet werden, die für die 23andMe entweder das ok gibt und entsprechende Umfragen einstellt, oder die 23andMe selbst in den Sinn kommen. Viel cooler wäre es natürlich, wenn die Daten dafür offen rumliegen würden, und jeder sich seine eigenen Studien ausdenken könnte. Klar, da wird nicht jeder mitmachen wollen und seine vermeintlich sensiblen Daten veröffentlichen wollen. Aber wie viele Leute wären trotzdem bereit dazu? Und würden damit Open Science ermöglichen? 



Genau das würden Philipp und ich gerne rausfinden, und haben deshalb eine kleine Umfrage gebaut, die genau das abfragt. Hier geht’s zur englischen Variante und hier zur deutschen Variante (Bitte nur an einer davon teilnehmen). Ihr würdet uns einen riesigen Gefallen tun, wenn ihr daran teilnehmen und sie noch etwas weiterverbreiten könntet.

Koch-Mehrin: Ich bin nutzlos, befördert mich

Posted by Bastian • Thursday, June 23. 2011 • Category: Aktuell: , The Pirates Gospel
Silvana Koch-Mehrin, Noch-Europa-Politikerin der FDP, ist ja in der Vergangenheit schon negativ aufgefallen, nämlich mit chronischer Abwesenheit im Parlament. Dann kam auch noch dieses Internet vorbei und hat nicht nur gezeigt, dass sie nicht nur zu faul ist sich ins Parlament zu bewegen. Sondern hat auch nachgewiesen, dass sie offensichtlich nicht in der Lage ist ihren Kopf zum denken zu benutzen. Denn auch sie hat es nicht geschafft eine eigene Doktorarbeit zu schreiben, sondern musste sich per Copy & Paste das entsprechende Werk zusammenklicken (lassen). Dementsprechend hat die Universität Heidelberg ihr auch den Doktortitel aberkannt, schliesslich habe sie keine „selbständige wissenschaftliche Arbeit“ abgeliefert. Und weil das ja noch nicht peinlich genug ist, hat sie sich noch weiter entblödet und sich damit verteidigt, dass die Uni ja schuld sei, schliesslich wäre ja damals schon klar gewesen, dass sie zu doof ist.

So weit, so hohl. Aber jetzt wurde Koch-Mehrin auch noch zum Vollmitglied des Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie. Und als wäre es nicht schon genug Ironie, dass in diesen Ausschuss ausgerechnet jemand kommt, dem die Energie für Sitzungsbesuche genauso fehlt wie das Basiswissen über Forschung (Immerhin die Verbindung zur Industrie kann man bei der FDP aber sicherlich ungesehen glauben...): Sie ersetzt Jorgo Chatzimarkakis, ebenfalls Noch-Europa-Politiker der FDP, dessen Doktorarbeit von der Uni Bonn gerade auch wegen Plagiatsverdachts untersucht wird.

Wieso Plagiate in der Wissenschaft nichts verloren haben, habe ich ja schon mal versucht zu erklären. Und dabei hat sich seit Guttenberg auch nichts geändert. Umso erfreulicher ist es, dass einige spontan entschlossene Scilogger sich heute direkt an einen Petitionstext gemacht haben. Und fordern, dass Koch Mehrin doch bitte zurücktreten solle, denn: Es ist inakzeptabel, dass jemand, der sich des akademischen Betrugs schuldig gemacht hat, in einem Ausschuss sitzt, der die europäische Forschungspolitik und ihre Finanzierung überwacht.

Mehr muss man dazu auch gar nicht sagen. Hier geht es zum kompletten Petitionstext, wo man auch mitzeichnen kann. So möge der Ausschuss denselbigen jetzt bitte verlassen.

Urheberrechtsverletzungswahnsinn: 5000 Euro Strafe, pro Tag

Posted by Bastian • Wednesday, March 16. 2011 • Category: Aktuell: , The Pirates Gospel
Picassos Guernica gehört wohl zu einem seiner bekanntesten Werke (immerhin kenn sogar ich, als Banause, es). Er malte es nachdem die spanische Stadt Gernika während des spanischen Bürgerkriegs durch einen Luftangriff zerstört wurde und das Gemälde zeigt eindringlich die Konsequenzen von Krieg.

Nadia Plesner ist eine dänische Künstlerin, die zur Zeit in den Niederlanden studiert. Sie hat Picassos Idee aufgegriffen und mit der Darfurnica ein Gemälde geschaffen, dass sich mit den Konsequenzen der Darfur-Krise, sowie der Gleichgültigkeit unserer Medien zu dem Thema beschäftigt. Anstatt den Blick nach Darfur zu wenden, beschäftigt sich der Rest der Welt lieber damit das Schicksal von C-Promis wie Paris Hilton zu verfolgen.

Und genau mit diesem Werk hat sie, nach Ansicht eines niederländischen Gerichts, eine Urheberrechtsverletzung begangen. Allerdings haben nicht die Rechteinhaber von Picassos Werk sie verklagt. Sondern Louis Vuitton, die damit den Titel Spitzen-Vollkoffer sowas von der verdient haben. Der Grund wieso geklagt wird: In dem Gemälde von Plesner sieht man ein afrikanisches Kind, welches neben einem hässlichen Hündchen eine Tasche, die an Louis Vuittons Design angelehnt ist, trägt.

Das Gericht, vor welches Louis Vuitton gezogen ist, hat ihnen recht gegeben. Und das ganz ohne Plesner anzuhören. Sie soll jetzt für jeden Tag an dem das Gemälde so weiter existiert 5000 Euro an Louis Vuitton zahlen. Damit darf sie das Werk auch weder ausstellen, noch auf ihrer Webseite zeigen. Eine englische Übersetzung der gerichtlichen Anordnung ist bereits online.

In wie weit es von Louis Vuitton klug ist, dieses Werk über gerichtliche Urteile entfernen zu wollen sei mal dahingestellt (Streisand, anyone?). Ob es in dem Fall wirklich um den Schutz eines Designs geht, oder ob es Louis Vuitton doch mehr darum geht, dass man nicht im Kontext von Kriegsverbrechen und hungernden Kindern gesehen will ebenso. Aber der Fall zeigt mal wieder ziemlich eindrücklich, wie Schutzrechte für geistiges Eigentum genutzt werden können, um die Meinungsfreiheit und die künstlerische Freiheit zu unterdrücken.

Und da helfen eben auch, die so oft als Lösung herbeigesehnten, Schranken im Urheberrecht oder Fair Use-Klauseln in meinen Augen nicht wirklich weiter. Nicht nur, weil es für den Laien nicht wirklich ersichtlich ist ob man sich noch durch Schranken oder Fair Use gedeckten Bereich bewegt. Sondern auch, weil es erstmal ziemlich egal ist, ob man Recht bekommen würde.

Finanzstarke Unternehmen, wie die Majorlabels oder hier eben Louis Vuitton, können schlicht erstmal klagen und damit eine Menge Druck auf Betroffene ausüben. Mit einem ausreichend auf IP-Rechte spezialisiertem Team und einem ausreichend hohen Streitwert ausgestattet, wird sich jeder, der so angeklagt wird, überlegen ob es ihm den Stress wert ist: Lange Klagewege gegen Konzerne, mit ungewissem Ausgang und der Möglichkeit am Ende zu verlieren und dann horrende Summen zu zahlen? Wer will das schon auf sich nehmen? Kein Wunder, dass viele deshalb auf außergerichtliche Einigungen zurückgreifen.

Gerade bei den IP-Rechten bleibt es wohl dabei: Recht haben, Recht bekommen und Gerechtigkeit sind drei verschiedene Paar Schuhe. Nadia Plesner wird sich erfreulicherweise gegen das Vorgehen wehren.

*UPDATE* Bei Twitter bin ich auf ein schönes Alternativ-Muster für die Handtäschen hingewiesen worden.

Zukunft durch Bildung – Kraft durch Freude

Posted by Bastian • Monday, February 14. 2011 • Category: Aktuell: , The Pirates Gospel
Sehr geehrter Herr Greshake,

ihre Webseite http://twitter.com/gedankenstuecke weist ein hohes Maß an Qualität, Aktualität und Vernetzung mit Leser und anderen Webseites auf. Aus diesem Grunde treten wir an Sie heran, um Ihnen ein auch für Ihre Webseite interessantes Projekt vorzustellen.
Emails die schon so anfangen, da kann man sich ja sicher sein, dass es entweder nicht so richtig doller Spam ist oder, dass man von vermeintlichen PR-Genies, Social Media-Beratern oder SEO-Experten auf Linkfang angeschrieben wurde. In diesem Fall wohl eine Kombination aus allem... Eine Marketing-Agentur die eine selbsternannte Bildungsumfrage unterstützt...
Viele politische und gesellschaftliche Themen erhalten heutzutage zumeist nur dann öffentliche Präsenz, wenn Menschen wie Sie auf Ihren Web-Angeboten auf wichtige Themen aufmerksam machen und sich mit anderen Kommunikatoren vernetzen.
Und in der Regel funktioniert das auch ganz ohne PR-Agentur, die kostenlose Werbung haben will. Oder wer hat in Tunesien oder Ägypten die PR-Kampagne auf Twitter und Facebook organisiert?
Ein Thema, welches die Unterstützung von Kommunikatoren wie Ihnen in Deutschland verdient hat, ist das Thema Bildung.
Ich fühle mich ja gleich so in die Verpflichtung genommen, weil in HTML-Mails geschrieben wird, dass ein Thema wichtig ist. Und ich nur ganz alleine zur Rettung der Welt beitragen kann...
Die Methode der Online-Befragung vertritt den demokratischen Gedanken des Internets. Jeder kann frei seine Meinung äußern und jede Meinung hat dasselbe Gewicht.
Und wer das größere PR-Budget hat, der wird gehört. Das ist der demokratische Gedanke von Marketing-Heinis. Davon wie repräsentativ Online-Umfragen sind mal ganz zu schweigen. Vielleicht sollte man mal das Bildblog oder Pharyngula befragen...
Den Initiatoren BILD, Hürriyet, Roland Berger Strategy Consultants und der Bertelsmann Stiftung ist es wichtig, dass bei dieser Online-Befragung nicht die Initiatoren, sondern das Thema der Umfrage im Vordergrund steht. Bildung geht alle etwas an, aktuell und zukünftig ist ein funktionierendes Bildungssystem eminent wichtig für Deutschland.
Da haben sich ja die richtigen Leute gefunden. Die BILD hat mit BILDung ja so viel zu tun wie mit Journalismus. Und den Strategy Consultants und der Bertelsmann Stiftung geht es natürlich genauso um den Wert von echter Bildung, und nicht etwa um möglichst effiziente Arbeitskräfte. Oder wie die Bertelsmann Stiftung in ihrem Leitbild in schönstem Neusprech formuliert: „Die Grundsätze unternehmerischer, leistungsgerechter Gestaltung [sollen] in allen Lebenslagen zur Anwendung gebracht werden.” Leistungsgerechtigkeit, der feuchte Traum der FDP... Fragt mal Leute die von Bildung ein bisschen Ahnung haben, was die davon halten.
Prominente Testimonials wie unter anderem Bundespräsident Christian Wulff, Franz Beckenbauer, Moderatorin Nazan Eckes, Comedian Atze Schröder, TV-Koch Horst Lichter, Volkssänger Heino und viele weitere konnten gewonnen werden, um die Studie zu unterstützen.
Jetzt bin ich überzeugt! Wenn ein fundamentalistischer Christ, ein netzweitbekannter Abmahn-Assi und ein abgewrackter Schlagerstar eine Bildungsstudie unterstützen, wie könnte ich dann nicht? Immerhin scheinen die Testimonials ja vor allem als abschreckende Beispiele zu fungieren: „Passt auf liebe Kinder, das könnte aus euch werden, wenn ihr nix ordentliches lernt.” Für etwas anderes können die nicht wirklich taugen, oder?
Sie können mit Ihrem Webangebot entscheidend dazu beitragen, dass sich möglichst viele Mitbürger an der Umfrage beteiligen und so Bewegung in das Thema kommt. Zudem erhalten Sie von uns regelmäßig aufbereiteten Content und exklusive Informationen. Zusätzlich erstellen wir eine Verlinkung zu Ihrer Webseite auf dem offiziellen facebook-Profil der Bildungsstudie und erwähnen Ihren Twitter-Account auf @tuthiernichtszusache.
Gibt es ernsthaft Blogger, außer dem Pallenberg, die auf die Masche mit „exklusiven” Informationen reinfallen?
Wichtiger Hinweis: Diese E-Mail kann Betriebs- oder Geschäftsgeheimnisse oder sonstige vertrauliche Informationen enthalten. Sollten Sie diese E-Mail irrtümlich erhalten haben, ist Ihnen eine Kenntnisnahme des Inhalts, eine Vervielfältigung oder Weitergabe der E-Mail ausdrücklich untersagt. Bitte benachrichtigen Sie uns und vernichten Sie die empfangene E-Mail. Vielen Dank.
Genau, erst mal Spam versenden und hoffen, dass er bzw. sein Inhalt veröffentlicht wird und dann so einen nichtigen Footer in der eMail unterbringen... Ich weiss ja nicht...

Die gesamte Kampagne ist genau das, was man am Blogger-Internet-Marketing-Zeugs eigentlich nur verabscheuen kann. Die Hoffnung auf einfache Backlinks, Blogger die für ihre PR-Maßnahmen nicht bezahlt werden sollen, den demokratischen Anteil des Internets nicht im Ansatz verstanden, und dazu auch noch organisiert von einigen der fiesesten Organisationen in ganz Deutschland.

Ich hab mich spaßeshalber mal ein bisschen durch die Umfrage geklickt. Und vom wissenschaftlichen Standpunkt her dürften die Ergebnisse in etwa so repräsentativ und aussagekräftig wie die INDECT-Fragebögen sein. Gleichzeitig offenbaren die (meist ohne Freitext-Option festgelegten...) Antwortoptionen, welches Geistes Kind die Umfrage ist: Bei der Frage danach wer entscheiden sollte auf welche weiterführende Schule ein Kind kommt stehen zur Auswahl: „Eltern“, „Lehrer“, „Lehrer & Eltern“, „Die Noten“. Von den Kindern? Keine Spur... Und auch die anderen Fragen haben mehr den Tenor von „Bildung für alle? Ist das gerecht gegenüber denen, die Arbeiten?”.

Ein schönes Beispiel dafür, wie man das Internet nicht verstanden haben kann und wie man Umfragen nicht aufziehen sollte, wenn man sich echten Erkenntnisgewinn verspricht...

Verleger und das Internet...

Posted by Bastian • Wednesday, February 9. 2011 • Category: Aktuell: , The Pirates Gospel
Mit dem Start-Up Commentarist gab es, zumindest kurzzeitig, auch in Deutschland mal wieder eine ganz nette Idee: Die Seite aggregierte von über 1000 Journalisten Kommentare und Meinungsartikel und sortierte sie Kategorien zu. Neben der Überschrift und einem kurzen Anriss gab es dann den Link zu den Artikeln in voller Länge, zu den Webseiten auf denen die Kommentare erschienen sind. Im Endeffekt also nichts anderes als Google News für Meinungsartikel. Dummerweise haben sie ihre Pläne dabei ohne den Starrsinn und den fehlenden Verstand, in Dingen neue Medien, von deutschen Verlegern gemacht: Denn sowohl die Süddeutsche als auch die FAZ haben sofort rechtliche Schritte angedroht. Und deshalb ist die Plattform damit auch schon wieder offline.

Eine ausführliche Beschreibung und sehr gute Bewertung der gesamten Vorgänge findet man beim Spiegelfechter und ich teile seine Einschätzung so weit. Hier sieht man jetzt schon wo hin die Reise der Verleger mit einem ja bereits angedachten Leistungsschutzrecht gehen soll: Nämlich ins Land der unbegrenzen Einnahmequellen. Es wäre ja auch zu schön, wenn man Google News, Plattformen wie Commentarist und auch jeden Blogger für Text-Auszüge zur Kasse bitten könnte um so doppelt zu verdienen. Denn was die Verlage ja gerne unter den Tisch fallen lassen: Sie verdienen so schon an jeder Verlinkung potentiell ganz gut. Durch Besucher die über Verlinkungen von Google, Blogs & Co zu ihnen kommen steigen nicht nur die Besucherzahlen sondern auch ihre Reichweite. An der sich wiederum die Preise für Werbung festlegen lassen. Und so hilft jeder Klick entspannt dabei sich die Taschen zu füllen. Oder was glaubt ihr, wieso wirklich jede Nachrichten-Seite aus den Verlagen mit strunzdummen Foto-Klickstrecken daher kommt? Anstatt aber jedem für Verlinkungen die Füße zu küssen droht man lieber mit dem Anwalt.

Und irgendwie habe ich den Eindruck, dass auch die Verleger einfach nicht verstanden haben welches die eigentlichen Chancen des Webs sind. Denn die Zeiten des One-Size-Fits-All sind im Web eindeutig angezählt. Immer mehr Leute beziehen ihre Nachrichten auf sie zugeschnitten: Ob über den RSS-Reader, ihre Twitter-Timeline, Facebook, Flipboard oder, ganz ohne Wissen um die Technik dahinter, über die "dynamischen Lesezeichen" im Browser. Warum sollte ich mir auch den Boulevard-Teil nach Hause liefern lassen, wenn ich nur das politische Tagesgeschehen verfolgen will? Oder eben per Hand alle Verlagswebseiten nach klugen Kommentaren abgrasen?

Denn das liebe Verlagshäuser ist die Zukunft. Auch wenn ihr RSS aus schon nicht verstanden habt, wie eure verstümmelten Feeds, mit nichtssagenden Symbolbildchen und 1 1/2 Sätzen langen Anrissen beweisen. Ihr spekuliert darauf, dass Nutzer deshalb auf eure Seite kommen und euch Klicks bescheren. Aber ich will irgendwie nicht so recht daran glauben, denn für meinen Teil verzichte ich lieber ganz auf eure Feeds. Oder lasse mir die lesbare Form direkt über Readability ausgeben. Ob euch das Klicks bringt: Keine Ahnung. Aber zumindest ist es Werbefrei. Das man Volltext-Feeds anbieten kann, die dann sogar Werbung beinhalten zeigen die deutschen ScienceBlogs. Und ich verrate euch was: Anders als im Browser haben nur die wenigsten Leute im Feedreader einen Werbeblocker installiert.

Aggregatoren bieten dabei so viele Vorzüge im Kampf gegen das, was Cory Doctorow in einem seiner Romane im Vorwort so schön umschreibt: "The big problem isn't piracy, it's obscurity." Menschen die sonst nie auf die Idee gekommen wären eure Angebote zu nutzen, sei es Mangels Wissen darum oder Mangels Interesse am Gesamtpaket, kommen dadurch auf eure Webseite. Ein Beispiel, das zeigt wie es gut funktioniert, ist der Aggregator "Give me something to read", der aus Instapaper-Empfehlungen eine handverlesene Liste großartiger Artikel erzeugt. Aber dafür muss man natürlich Vertrauen in die Qualität der eigenen Angebote und Inhalte haben. Wenn das nicht da ist, dann hilft aber auch kein Schreien nach strengeren Gesetzen mehr...

Wikileaks

Posted by Jochen Schäfer • Tuesday, January 18. 2011 • Category: Aktuell: , The Pirates Gospel
Wikileaks wird zur Zeit massiv angegriffen, sowohl auf der technischen bzw. strukturellen Ebene - z.B. DNS-Sperren bzw. Kontosperren von Paypal, Mastercard und Visa - als auch auf der persönlichen Ebene - Bedrängen von Wikileaks-Mitarbeitern und Aufrufe zur Ermordung von Julian Assange. Im folgenden möchte ich diese Angriffe einordnen.

Warum wird Wikileaks angegriffen?
Nichts auf der Welt ist so mächtig wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist.  (Victor Hugo)
Immer wenn eine neue Idee entsteht, die den Status quo bedroht, ruft diese bei den Machthabern eine starke Reaktion gegen die Idee hervor. Dies war auch so im Umfeld eines Ereignisses, auf das die Pfälzer zu recht stolz sind: Das Hambacher Fest.

Nachdem Napoleon 1815 endgültig gescheitert war, wurde die Pfalz, die seit 1793 von Frankreich annektiert war, unter die Verwaltung des Königreichs Bayern gestellt. Bayern musste allerdings die Einhaltung der Pfälzer Verfassung mit den von der Französischen Revolution inspirierten Rechten und Freiheiten garantieren.

1830 löste die Julirevolution in Paris auch in der Pfalz Unruhen aus, die die Bayern durch Einschränken der Bürgerrechte zu unterdrücken versuchten. Die Verfassung ignorierend wurden politische Veranstaltungen verboten und Zensur eingeführt.

Daher wurde am 29. Januar 1832 im pfälzischen Zweibrücken der „Deutsche Preß- und Vaterlandsverein“ mit dem Ziel gegründet, durch unabhängige Journalisten und Pressefreiheit die nationale Einheit Deutschlands in einem freiheitlichen Europa zu erreichen.

Der Verein formulierte also Ziele, die den Herrschenden nicht gefallen konnte. Einerseits konnte ein vereintes Deutschland den Fürsten nicht gefallen, die damit Macht eingebüßt hätten. Andererseits musste den deutschen Fürsten die liberale und freiheitliche Pfälzer Verfassung ein Dorn im autoritären Auge sein.

Ein halbes Jahr nach der Vereinsgründung fand das Hambacher Fest statt. Dies war ein europäisches Ereignis und gilt heute als der Höhepunkt des Vormärzes. Getarnt als Volksfest unterliefen die Veranstalter die verfassungswidrige Rechtslage und riefen in ihren Reden zum Widerstand gegen die Repression auf.

Zwar wurden die Wortführer des „Deutschen Preß- und Vaterlandsvereins“ danach verhaftet und eingesperrt. Dies konnte aber letztlich die Deutschen Revolutionen 1848/49 nicht verhindern. Folgerichtig finden sich die in der Paulskirchenverfassung 1849 zum ersten Mal für Gesamtdeutschland formulierten Bürgerrechte im Kern unverändert auch in der Weimarer Verfassung und im Grundgesetz wieder.

Auch die Versuche Wikileaks abzuschalten, haben bisher nur eine gewaltige Solidarisierung gebracht und jeden Versuch, die Inhalte von Wikileaks aus dem Internet zu entfernen, durch über 1000 Spiegelungen vollkommen zunichte gemacht. Auch die persönlichen Angriffe auf Julian Assange und seine Mitarbeiter könnten höchstens dazu führen, dass Wikileaks seinen Dienst, das anonyme Whistleblowing zu unterstützen, einstellt. Aber die gerade gestarteten Projekte, wie OpenLeaks und WAZ Recherche zeigen, dass die Zeit der Idee von Whistleblowing und Plattformen zur Unterstützung von Whistleblowing gekommen ist.

Wikileaks ist dabei nur der Anfang. Die Entwicklung anderer System und der Druck auf diese werden dazu führen, dass diese Systeme stetig verbessert und immer weitere Nutzerkreise finden werden. Die Erfahrung mit dem Kampf zwischen der Contentindustrie und Napster ist nur ein aktuelles Beispiel für diese Entwicklung.

Die Machthaber dieser Welt werden sich aber darauf einstellen müssen, dass sie ihre politischen Spielchen nicht mehr im Dunkeln machen können, sondern das Flutlicht der Whistleblower auch den letzten Winkel ausleuchten wird.


Ein Gast-Beitrag von Jochen Schäfer, der ihn auch bei der Piratenpartei Rheinland-Pfalz, bei der er Beauftragter für Whistlebowing ist, veröffentlicht hat. Jochen ist Vorsitzender im Kreisverband Rhein-Pfalz und war hauptverantwortlicher Autor der Punkte des Grundsatzprogramms der Piratenpartei zum Thema Whistleblowing.

Das Personal Genome Projekt – Ein Privacy-Albtraum?

Posted by Bastian • Friday, January 7. 2011 • Category: Aktuell: , The Pirates Gospel
Vor Weihnachten gab es bei der Bierologie schon ein paar Buchtipps von Philipp und mir. Leider habe ich Here Is A Human Being (At The Dawn Of Personal Genomics) gerade erst durchgelesen. Sonst wäre das sicherlich auf der Liste der empfehlenswerten Bücher gelandet. Denn das Buch von Misha Angrist - bislang glaube ich nur auf englisch erschienen - ist für jeden der sich auch nur Ansatzweise für Genetik interessiert extrem spannend. Grundlagen der Genetik mit Fallbeispielen wie BRCA2 (Ein Gen was bei der Entwicklung von Brustkrebs eine Rolle spielt), werden genauso erklärt wie moderne Sequenziermethoden und alles in allem gibt es rund um die Sequenzierung des menschlichen Genoms eine Abhandlung über das Human Genome Project (HGP), die Entwicklung auf dem Markt des Next Generation Sequencing hin zu den Personal Genomics-Firmen wie deCODEme und 23andme.

Kernstück der gesamten Geschichte ist allerdings das Personal Genome Project (PGP), was versucht die Genome von möglichst vielen Menschen zu veröffentlichen. Und Angrist ist selbst einer der ersten 10 Teilnehmer. Der Gründungs-Mythos des PGP ist eigentlich schnell erzählt: Nachdem sowohl Venter als auch das HGP die ersten Genome fertiggestellt haben musste man leider doch recht schnell anerkennen, dass rein genomische Daten leider nicht von ganz so viel Wert sind, wie man gedacht haben könnte. Die Lösung die George Church mit dem PGP vorschlägt ist daher simpel: Man braucht einfach nur mehr Daten. Und im Idealfall hat man nicht nur mehr menschliche Genome zur Hand (die auch schon helfen, immerhin hat man so mehr Vergleichsdaten und kann Unterschiede finden), sondern auch mehr Daten über die Phänotypen die Menschen mit dem Genom ausprägen, genauso wie deren Lebenssituation. Nun, und genau das versuchen sie nun auch umzusetzen.

Da das PGP sehr viel Wert auf den freien Zugang zu den Daten legt, und diese unter einer Creative Commons Zero-Lizenz veröffentlicht, kann sich jeder auf der Webseite nicht nur den Zugang zu den DNA-Sequenzen der Teilnehmer verschaffen, sondern auch Krankendaten, Portraitfotos etc. einsehen. Für Privacy-Verfechter vermutlich ein Albtraum und wohl so ziemlich das Maximum was man in der Richtung an Offenheit erzeugen kann. Und auch bei der Podiumsdiskussion zum Thema Privatsphäre/Post Privacy bei der #om10 kam die Frage nach den Datenschutz-Problemen mit DNA auf. Und ein Grund den George Church für diese absolute Offenheit angibt (neben den offensichtlichen Vorteilen frei verfügbaren Daten) ist die Tatsache, dass man den Teilnehmern des PGP nicht ernsthaft zusichern kann, dass ihre Daten anonym bleiben. Denn auch ohne Namen lässt sich aus den Daten in vielen Fällen relativ gut die Person zurück zuordnen (erst Recht, wenn man die ganzen phänotypischen Daten) dazu rechnet.

Und auch das redigieren von Daten ist keine so einfache Lösung wie man sich das vorstellt: Als prominentes Beispiel wird James Watson, Mit-Entdecker der DNA-Struktur, angeführt. Dieser hatte sich vor der Veröffentlichung seines Genoms dazu entschlossen seine ApoE-Gene redigieren zu lassen. ApoE spielt bei der Ausbildung von Alzheimer eine Rolle und er wollte nicht wissen ob er eine Prädisposition dafür hat. Dementsprechend wurden die betreffenden Teile redigiert. Allerdings gelang es mehreren Leuten trotzdem seinen Genotyp herauszufinden. Und zwar über ein Phänomen welches sich Linkage Disequilibrium nennt: Chromosomale Neuordnungen passieren zufällig, allerdings bleiben dabei Gene, die eng nebeneinanderliegen, meist trotzdem zusammen (einfach da es unwahrscheinlich ist, dass genau an der kleinen Stelle dazwischen die Rekombination stattfindet). Und so konnte man alleine durch Kenntnis der umliegenden DNA-Sequenzen herausfinden welchen Genotyp Watson höchstwahrscheinlich hat.

So viel unsere Gene und unser Genom auch über uns verraten mögen: Bislang waren solche Informationen einzig und allein dadurch geschützt, dass die Sequenzierung einzelner Gene, von Genomen gar nicht erst zu reden, unglaublich komplex und teuer war. Denn genetische Informationen verteilen wir alle jeden Tag so ziemlich überall. Doch mittlerweile kann fast jeder der nicht gerade 2 linke Hände hat in seiner Küche anfangen DNA-Sequenzen zu entschlüsseln: Die entsprechenden Thermocycler und Sequenzer lassen sich mittlerweile für weniger als 500 US $ bei Ebay ersteigern. Und erfreulicherweise geht Angrist in seinem Buch auch auf die Do It Yourself-Biologen in ihren Küchen ein.

George Church und das PGP präsentieren auf jeden Fall eine ziemlich radikale Lösung für den Umgang mit diesen Entwicklungen.

IGEL: Gegen den feuchten Traum der Verlegerlobby

Posted by Bastian • Monday, December 13. 2010 • Category: Aktuell: , The Pirates Gospel
Die Verlegerlobby bastelt ja schon seit geraumer Zeit an ihren Wunschgesetzen. Hinter den Vorschlägen der „Leistungsschutzrechte für Presseverleger“ verbirgt sich dabei nichts anderes als der Wunsch überalterte Geschäftsmodelle durch auf sie optimierte rechtliche Bedingungen auch im 21. Jahrhundert noch unverändert fortzuführen. Wer will schon die Realität und dieses Internet anerkennen? Und wenn das Verklagen von Filesharern für die Musik- und Filmindustrie so tadellos funktioniert, wieso sollte das auch nicht mit Texten gehen? Besonders schön finde ich dabei die Vorstellung, dass man für das Verwenden von Snippets entlohnt werden möchte. Früher nannte man diese Dinger schlicht Zitate und waren nicht nur zentraler Bestandteil von wissenschaftlichen Arbeiten sondern auch eine ganz reguläre Kulturtechnik die so ziemlich von jedem verwendet wurden. Man munkelt sogar, dass Künstler, Autoren und Musiker sich dieser Technik bedient haben sollen...

Aber dieses Internet hat ja so vieles verändert. Und in diesem Netz taucht da auf einmal der Feind auf. Google News und überhaupt: Diese Suchmaschinen! Die nehmen doch glatt Zitate und nutzen diese um auf Verlagsangebote zu verlinken. Damit verlieren die Verlage natürlich Unsummen an Geld. Oder halt auch nicht... Denn ein guter Anteil der Besucher die sich auf die, mit Werbung zugepflasterten, Seiten der Verlage verirren kommen gerade über solche Quellen. Und mehr Besucher heissen auch mehr Werbeeinnahmen. Aber das macht ja nichts, diese Suchmaschinen bleiben böse. Da kann man auch schon mal vergessen, dass die Verlage ihre Inhalte aus freien Stücken frei und kostenlos zugänglich gemacht haben. Und es auch technisch ganz einfach wäre Pay-Walls zu errichten und Suchmaschinen-Roboter auszusperren. Denn vielleicht kann man ja noch ein paar Suchmaschinenbetreiber schröpfen...

Wer Links und Zitate als ungeheuerlich empfindet sollte sich einfach noch mal einen Nachhilfe-Kurs in „Wie funktioniert das Internet“ geben lassen. Genug SEO-Experten und Social Media-Berater gibt es bestimmt. Und sogar die haben das gerüchteweise ganz gut verstanden. Wer jetzt noch nicht genug hat von den abstrusen Ideen der Verleger kann sich seit heute glücklicherweise an einer zentralen Stelle über den (Un-)Sinn der Leistungsschutzrechte informieren: Bei der Initiative gegen ein Leistungsschutzrecht findet man nicht nur die Pro- und Contra-Argumente aufgelistet sondern auch die Meinungen aus Wirtschaft, Politik, Medien und Wissenschaft. Und man kann natürlich auch seine eigene Meinung dort hinterlassen. Und jetzt viel Spaß beim durchklicken. Die Verschwörungstheoretiker können sich dabei ja mal überlegen wieso in der Presse kaum etwas davon zu lesen ist

Was macht eigentlich der Dritte Korb?

Posted by Bastian • Friday, November 26. 2010 • Category: Aktuell: , The Pirates Gospel
Anfang des Monats bin ich, gemeinschaftlich mit Kathi, vom Bundesvorstand der Piratenpartei als Koordinator für die Arbeit zum Dritten Gesetz zur Regelung des Urheberrechts in der Informationsgesellschaft – oder auch kurz: dem 3. Korb – beauftragt worden. Ich hab mich auf die Zusammenarbeit mit Kathi gefreut und bislang haben wir vor allem hinter den Kulissen an dem Thema herumgewerkelt. Aber in der dieswöchigen Flaschenpost, dem Newsletter der Piraten, ist ein kurzes Interview mit uns erschienen. Okay, Interview ist dreist gelogen. Kathi und ich haben uns selbst die Fragen gestellt und wir wollen damit erstmal klar machen um was es überhaupt bei dem Thema geht und natürlich auch Mitstreiter finden. Im Text geht es vor allem um die Historie der ersten beiden Körbe und was man bislang vom dritten Korb erwarten darf. Ihr könnt die gesamte Flaschenpost als PDF herunterladen. Oder auch, etwas netter formatiert, direkt hier lesen:

Flaschenpost: Hallo Bastian. Hallo Kathi. Es ist schön, dass ihr euch dieses wichtigen Themas annehmt. Wie kam es zu dieser Beauftragung?

Bastian: Der ganze Urheberrechts- und Lizenz-Komplex begleitet mich jetzt schon seit ein paar Jahren und so hab ich natürlich auch die fatalen Urheberrechts-änderungen der letzten Jahre mit verfolgt. Seitdem im Juni die ersten Anhörungen zum Dritten Korb begonnen haben, hat sich bei den Piraten nicht mehr viel zu dem Thema getan. Inspiriert durch die gute Arbeit durch die Beauftragungen bei INDECT, ACTA & Co habe ich zusammen mit Kathi überlegt, ob es nicht sinnvoll wäre so etwas auch für den 3. Korb zu initiieren. Nachdem wir das Thema mit Wolfgang Dudda und Andreas Popp besprochen haben, kam es dann zu der Ausschreibung, für die sich sowohl Kathi als auch ich beworben haben. Und obwohl die Beauftragung vorläufig nur auf mich gefallen ist, werden wir das Thema zusammen bearbeiten. Gerade weil Kathi in Berlin bei den meisten Veranstaltungen direkt vor Ort mitwirken kann, bietet sich das natürlich besonders an.

Kathi: Ich war von Bastians Idee auch gleich begeistert. Durchs Studium (elende Theorie...) und durch die Arbeit in einer wissenschaftlichen Bibliothek (noch elendere Praxis) habe ich leidvolle Erfahrungen mit dem aktuellen Urheberrecht gemacht. Wenn nun um den Dritten Korb gerungen wird, müssen die Piraten dringend für die Rechte der Nutzer eintreten. Besonders die Privatnutzer - die wir alle sind - haben so gut wie keinen Fürsprecher in diesen Beratungen. Ich habe aber nur wenig Hoffnung, dass bei den nächsten Anhörungen die Piratenpartei irgendwie einbezogen wird. Das, was wir bisher davon mitbekommen konnten, kam ausschließlich von den wenigen engagierten Urheberrechtlern und Wissenschaftlern, die angehört wurden. Die spärliche Presseberichterstattung drehte sich fast nur um eigenes Terrain, das Leistungsschutzrecht für Presseverleger.

Flaschenpost: Um was handelt es sich überhaupt genau bei dem dritten Korb?

Bastian: Als "Dritter Korb" wird das dritte „Gesetz zur Regelung des Urheberrechts in der Informationsgesellschaft“ bezeichnet, das derzeit von Justizministerium und Bundestag vorbereitet wird. Die umfangreiche Reform des deutschen Urheberrechts wurde durch die Richtlinie zum Urheberrecht im Informationszeitalter der Europäischen Union von 2001 nötig. Und obwohl der Titel der Richtlinie und der Gesetze sich so fortschrittlich anhört, sollte man sich davon unter keinen Umständen blenden lassen. In den ersten beiden "Körben" wurde das Urheberrecht unter dem Einfluss der Verwerter- Lobby und auf Kosten der Allgemeinheit massiv verschärft.

Kathi: Die bekanntesten Beispiele dafür sind in Piratenkreisen wohl das Verbot von "offensichtlich rechtswidrig hergestellten Vorlagen" Privatkopien anzufertigen und der rechtliche Schutz von DRM-Systemen. Aber auch im Bereich Bildung und Wissenschaft wurde die Nutzung von geschützten Werken in Intranets sehr restriktiv, um nicht zu sagen, realitätsfern gefasst. Diese Sachen wurden bereits im Ersten Korb 2003 durch die rot- grüne Koalition beschlossen.
Dem Zweiten Korb von 2007 verdanken wir schließlich die Kriminalisierung von Peer-To-Peer-Tauschbörsen und die anschließenden Massenabmahnungen. Aber zum Beispiel auch, dass Bibliotheken digitalisierte Werke an Computer-Arbeitsplätzen nur so häufig anzeigen dürfen, wie analoge Varianten im Bestand vorhanden sind. Die sich durch die Digitalisierung ergebenden Chancen wurden hier eindeutig verspielt. Und die Bedingungen in der Privatkopie-Schranke wurden in beiden Gesetzen so weit ausgedehnt, das diese heute praktisch nicht mehr zu gebrauchen ist.

Bastian: Und es ist zu befürchten, dass sich die Lage nach dem Dritten Korb nicht verbessern, sondern noch weiter verschlechtern wird...

Flaschenpost: Wie weit ist denn der Prozess um den dritten Korb?

Bastian: Die Arbeit an dem Dritten Korb hat im Juni diesen Jahres angefangen. Federführend war bisher das Bundesjustizministerium, weshalb die Konsultationen unter Ausschluss der öffentlichkeit stattfanden. Und so hatten nicht nur wir als Piraten keine Möglichkeit daran teilzunehmen, sondern es wurde auch die breite öffentlichkeit so ihrer Mitwirkung in diesem Stadium beraubt. Stattdessen wurden mit den Lobbyvertretern der Verwertungsindustrie mal wieder die üblichen Verdächtigen an den Tisch gebeten. Wenn im nächsten Jahr der Deutsche Bundestag bzw. der Rechtsausschuss die Beratungen übernimmt, hoffen wir, dass dies transparenter geschieht. Einer der zentralen Punkte soll zumindest das Urheberrecht für den Wissenschafts- und Bildungssektor sein. Bislang wurden Forderungen seitens der Wissenschaftsgemeinschaft immer vertröstet, und so ist es kein Wunder, dass Deutschlands Open-Access-Bewegung in vielen Bereichen noch in den Kinderschuhen steckt. Wir unterstützen die Forderungen des Aktionsbündnis „Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft“ und hoffen, dass dieser Zusammenschluss von zahlreichen Wissenschaftsorgansiationen genug Gehör findet. Und auch wenn mittlerweile viele Fraktionen angekündigt haben ein unabdingbares Zweitverwertungsrecht zu begrüßen, sollte man hier weiterhin wachsam sein.

Kathi: Außer zur Förderung von Open Access hat man wenigstens noch eine Anhörung zum Problem der "verwaisten Werke" durchgeführt. Das sind solche nicht wenigen Werke, dessen Rechteinhaber nicht auffindbar oder feststellbar sind. Dies ist bei einem Urheberrecht, das 70 Jahre nach dem Tod des Urheber andauert, schon beinahe vorprogrammiert, zumal bei Werken, an denen mehrere Personen beteiligt sind wie zum Beispiel Filme. Das Fatale an der Situation ist, dass zum Beispiel Archive und Museen, die solche Werke gerne digitalisieren und verfügbar machen würden (und es wegen Medienzerfalls sogar müssen!), dies nicht dürfen bzw. sich strafbar machen, wenn sie es dennoch tun. Im Zweifelsfall können sie für ihre Arbeit, das kulturelle Erbe zu erhalten, verklagt werden. Dieses Risiko gehen öffentliche Institutionen - im Gegensatz zu Google - in der Regel nicht ein. Hier müssen also dringend Regelungen geschaffen werden, die den allgemeinen Zugang zu diesen Werken ermöglicht und sichert.

Bastian: Ein wichtiger Punkt bei dem wir Piraten die Augen unbedingt offenhalten und aktiv werden sollten, ist das Leistungsschutzrecht für Presseverleger, das in den letzten Wochen und Monaten oft durch die Medien geisterte. Die Verlage arbeiten auf ein eigenes Schutzrecht hin, durch das zur Vervielfältigung nutzbare Geräte mit Abgaben belegt werden sollen. So wie Urheber bzw. Verwerter durch Pauschalabgaben auf Druckern, CD-Rohlingen, Computern etc. entschädigt werden, wollen die Verleger nun ihre "Leistung" noch einmal zusätzlich entlohnt haben. Dabei ist besonders bedenklich, dass sich die Entwüfe der Verlage gegen Suchmaschinen wenden. Dienste, die nur kleine Informations-Häppchen aggregieren, remixen und verlinken, wie Google News beispielsweise, sollen so nicht nur zur Vergütung gezwungen werden. Gleichzeitig wollen die Verlage ein Verbotsrecht eingeräumt haben. Damit wackelt sogar die Freiheit des Zitats und damit die Informations- und Meinungsfreiheit! Leider hat sich die Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger bisher hinter diese Forderung gestellt.

Kathi: Darüber hinaus sind Dinge wie eine weitere Einschränkung der Privatkopie und auch ein Verbot intelligenter Aufnahmesoftware für Webradios im Gespräch. Es gibt also mehr als genug Gründe, wieso wir uns sorgen sollten.

Flaschenpost: Und was können wir Piraten dagegen unternehmen?

Bastian: Damit der Dritte Korb nicht zu so einem der Allgemeinheit schädlichen Machwerk verkommt, müssen auch wir Piraten jetzt aktiv werden. Und das heißt vor allem den Widerstand in der breiten Bevölkerung zu aktivieren und so gut es geht zu bündeln, um das Feld nicht wieder der Verwerter-Lobby zu überlassen. Im ersten Schritt sind wir gerade dabei hier den Kontakt zu ähnlich eingestellten Organisationen herzustellen. Und da das Feld Urheberrecht kein gerade Kleines ist, brauchen wir natürlich noch Unterstützung. Sei es durch Leute, die in der Materie bereits tief drin stecken, sei es durch Leute die Werbematerial entwerfen können, Texter und ja: Eigentlich all diese Dinge, die man für eine Kampagne benötigt. Denn auch wenn der Gesetzesentwurf noch vergleichsweise am Anfang steht, sollten wir uns darauf einstellen, dass wir auch mit diesem Thema auf die Straße müssen.

Kathi: Und wenn man weiterdenkt, ist eine breite Diskussion und eine weitergehende Positionierung der Piraten zum Urheberrecht natürlich sehr wichtig. Auch
da gibt es noch viel zu tun, wie man bei den Diskussionen zu den Urheberrechts-Anträgen auf dem Parteitag in Chemnitz gesehen hat. Aber das ist eine andere Baustelle. :-)

Keine Angst!

Posted by Bastian • Tuesday, November 23. 2010 • Category: Aktuell: , The Pirates Gospel
Natürlich habe ich Angst vor Terror

„Terror, der (Substantiv, m)
Bedeutungen:[1] Schreckensherrschaft.
[2] Systematische Verbreitung von Angst und Schrecken.

Herkunft:Der Staatsphilosoph Thomas Hobbes (1588-1679) betrachtete den „terror of legal punishment“, den Schrecken gesetzlicher Bestrafung, als notwendige Voraussetzung für das Funktionieren eines Staates. Während der französischen Revolution war „terreur“ die Selbstbezeichnung der Herrschaft Robespierre's und der Jakobiner. In dieser Zeit fand der Begriff Terror Eingang in die deutsche Sprache.“

siehe auch: http://de.wiktionary.org/wiki/Terror

Ja, vor genau der Art Terror habe ich Angst. Nämlich vor der Form den die Regierung zur Zeit verbreitet. Und zwar viel viel mehr als es ein paar durchgeknallte Spinner mit angeblichen Bomben jemals auszulösen vermögen. Denn wer terrorisiert hier eigentlich wen?

Bastian Greshake
http://www.twitter.com/gedankenstuecke


Ja, ausgerechnet ich, der Mensch der die Worte „Keine Angst“ systemweit durch das Makro /ka auslösen kann. Aber ernsthaft: Unter Wir haben keine Angst gibt es eine schöne Aktion die sich gegen die aktuelle Hysterie und Panikmache wegen der Terrorwarnungen zu stellen. Oben könnt ihr meinen Beitrag dazu lesen. Und vielleicht hat hier ja noch der eine oder andere Lust seinen Beitrag einzureichen. Text, Standbild, Video, Audio. Werdet kreativ.

Ein kurzes Fazit vom Netzpolitischen Kongress

Posted by Bastian • Sunday, November 14. 2010 • Category: Aktuell: , The Pirates Gospel
Die Bundestagsfraktion der Grünen hatte für die letzten beiden Tage zu ihrem Kongress zu Netzpolitik in den Räumen des Paul-Löbe-Haus geladen und zusammen mit dem bezaubernden Herrn Urbach habe ich mich auch auf den Weg dahin gemacht. Und eigentlich kann ich das Fazit was gestern Abend auf der Abschluss-Party diskutiert wurde nur unterschreiben: Es ist gut, dass das Thema bei den Grünen ankommt und das man versucht sich Wissen dazu anzueignen. Allerdings stecken die Grünen als Gesamtpartei so ziemlich in den Kinderschuhen was das angeht, auch wenn es vereinzelte Mitglieder gibt die in Netzpolitik schon fit sind. Sauer aufgestossen ist mir dabei allerdings die Tatsache, dass oft so getan wurde, als wären die Grünen per se schon kompetent was das Thema Netzpolitik angeht. Gerade die Eröffnungsrede von Renate Künast war dabei nicht mehr als ein zusammengegoogeltes Buzzword-Bingo. Dabei war das mangelnde Wissen mehr als einmal offensichtlich. Dabei ist es nicht verwerflich, dass man keine Ahnung hat wovon man redet und sich deshalb Hilfe sucht. Aber irgendwie sollte man dann auch schon so ehrlich sein und das auch offen zugeben können und nicht den Experten vorspielen.

Sonst hat diese Hilfestellung glaube ich ganz gut geklappt, so mein Eindruck in den Gesprächen am Rande. Für Leute die in den Themen nicht seit Jahren drin stecken gab es einen guten Überblick über die aktuellen Debatten. Besonders positiv aufgefallen ist mir dabei die Rede von Reto Hilty zum Urheberrecht die man auch als PDF runterladen kann und die aktuelle Situation ziemlich gut zusammenfasst. Weniger spannend war hingegen der Workshop „Jenseits der Korbflechterei. Interessenausgleich im Urheberrecht” der am Freitag morgen stattfand, was aber auch daran lag, dass der Workshop dermaßen voll bzw. überfüllt war, dass es doch mehr auf ein reines konsumieren für die meisten hinausgelaufen ist (oh, und daran, dass die Kulturflatrate immer noch nicht tot ist).
Ebenfalls sehr spannend fand ich die Barcamp-Session zum Öffentlichkeitsbegriff von Hannah Arendt bei der unter anderem @9er0, @mspro, @elicee, @jensbest, @rka und der @herrurbach und ich dabei waren. Von @9er0 gibt es dazu auch bereits einen Blogbeitrag der den Slot behandelt.

Zwei Dinge sollte man beim nächsten Mal noch optimieren: Erstmal sollte keine Vermischung bzw. Überschneidung von Workshops & Barcamp-Slots stattfinden, da letztere auf jeden Fall darunter leiden. Und das ist schade, denn gerade mehr Interaktivität hätte dem Kongress oft gut getan. Und es muss mehr Pausen geben: Das Programm war voll und es wurde wie üblich standardmässig überzogen. Dabei Leben so Kongresse von den Pausen wo man sich austauschen und kennenlernen kann. Und ja: Man übt noch. Und das ist gut. Glückwunsch zum Auftakt.

Hinter verschlossenen Türen: ACTA

Posted by Bastian • Wednesday, October 27. 2010 • Category: Aktuell: , The Pirates Gospel
Andre, der in Münster den Vortrag zum neuen Personalausweis gehalten hat, hatte mich vor einiger Zeit gefragt ob ich nicht in Bochum im Labor einen kurzen Vortrag über ACTA halten könnte. Und eigentlich hätte ich das auch gerne getan. Aber leider ist mir dann der Umzug nach Frankfurt kurzfristig dazwischen gekommen. Erfreulicherweise hat sich aber Philip bereit erklärt die Aktion zu übernehmen und für mich einzuspringen.

Lange Rede, kurzer Sinn: Gestern Abend fand der Vortrag statt und freundlicherweise wurde der Vortrag nicht nur live gestreamt sondern auch aufgezeichnet. Hier eingebettet findet ihr die Aufzeichnung.

Die Glaubwürdigkeit von WikiLeaks

Posted by Bastian • Sunday, October 24. 2010 • Category: Aktuell: , The Pirates Gospel
WikiLeaks hat in letzter Zeit für viel Wirbel gesorgt. Erst war da das Video aus dem Irakkrieg, welches zeigt, wie aus einem Helikopter auf unbewaffnete und flüchtende Zivilisten geschossen wird. Kurz danach veröffentlichten sie zehntausende Militär-Dokumente aus dem Afghanistan-Krieg gefolgt von knapp 400 000 Dokumenten aus dem Irakkrieg am Freitag Abend, die zwischen 2004 und 2009 angefallen sind. Gleichzeitig mit diesen Erfolgen beim Whistleblowing wächst aber auch die Kritik an Wikileaks. Und das ganz unabhängig von den Skandalen um die Persona Assange und den Streitigkeiten innerhalb von WikiLeaks.

Bereits bei der Veröffentlichung des Videos unter dem Titel „Collateral Murder“ gab es Kritik daran, dass WikiLeaks ihre zuvor neutrale Rolle aufgegeben haben und stattdessen als Editor aufgetreten sind und dem Video nicht nur einen eindeutigen Titel gegeben haben, sondern das Video auch zurechtgeschnitten und kommentiert haben. Auch wenn dieser Schritt im Sinne der Erregung von Aufmerksamkeit noch gerechtfertigt werden könnte, ist dies gleichzeitig schon ein erster Schritt weg von ihrem eigenen Anspruch: Nämlich Dokumente zu veröffentlichen, solange sie nur neu sind (selbst unabhängig davon, ob sie echt oder ein Fake sind).

Bei der Veröffentlichung der Dokumente aus Afghanistan wurden ca. 15 000 Dokumente zurückgehalten. Mit der Begründung, dass man hier die Namen der Informanten rauslöschen müsste, damit sie nicht den Taliban zum Opfer fallen. Was im ersten Moment nach einem vernünftigen Grund klingt, besiegelt allerdings den weiteren Vertrauensverlust in WikiLeaks. Ganz abgesehen von der Effizienz der Maßnahme: Denn das Löschen der Namen von Informanten zu deren Schutze funktioniert nur unter der Voraussetzung, dass die Daten/Dokumente nicht an anderer Stelle auch an die Öffentlichkeit gelangt sind.

Was in meinen Augen eine ziemlich vermessene Ansicht ist. Wieso sollten Informationen, die es einmal an die Öffentlichkeit geschafft haben, nicht auch an anderer Stelle wieder schaffen? Wenn man hier davon ausgeht, dass Dokumente auch öfter geleaked werden, erweist man dem Schutz der Informaten mit der Zensur der Namen nur einen Bärendienst. Denn sollten die Taliban in die Hände eines Original-Dokuments gelangen, ist es dank der Arbeit von WikiLeaks auf einmal ein leichtes, sämtliche Namen der Informanten herauszubekommen, ähnlich wie es bei DNS-Zensur der Fall ist, wenn die Sperrlisten leaken. Denn alles was ein findiger Terrorist noch machen muss, ist einmal "diff" in seine UNIX-Shell zu tippen und am Ende noch „Todesliste“ über das Ergebnis zu schreiben. Informantenschutz sieht irgendwie anders aus.Assange gibt gegenüber CNN sogar unverhohlen zu, dass es sich bei der Löschung der Namen in erster Linie um eine PR-Aktion handelt, und macht in einem Interview auch klar, dass Informatenschutz natürlich nicht gilt, wenn er fragt.

Bei der Veröffentlichung der Dokumente aus dem Irak-Krieg geht man daher auch gleich noch einen Schritt weiter und löscht lustig noch mehr Details aus den einzelnen Berichten. Und führt damit den eigenen Grundsatz völlig ad absurdum und begräbt die eigene Glaubwürdigkeit. Da WikiLeaks alles andere als nachvollziehbar arbeitet, ist nun überhaupt nicht mehr klar, welche Informationen unter den Tisch gefallen sind und ob hier wirklich der Schutz von Informanten oder doch nur Agenda-Setting der Grund war. Durch dieses Vorgehen tut sich WikiLeaks keinen Gefallen und es operiert rein auf Basis der arroganten Grundannahme, dass Informationen nicht an anderer Stelle auch an die Öffentlichkeit gelangen.

Aber was wäre die Alternative? Sollte man Menschenleben dadurch gefährden, dass man die Namen einfach mit veröffentlicht? Aber fragen wir doch lieber mal andersrum: Ist es eine Gefahr, wenn die Namen mit veröffentlicht werden? Wenn man davon ausgeht, dass Leaks so oder so vorkommen, macht es keinen Unterschied, ob man die Namen entfernt oder in den Dokumenten lässt (außer, dass die diff-Methode eben nicht mehr funktioniert). Und allgemeiner betrachtet muss man sagen, dass Informationen in der Vergangenheit ihren Wert daraus bezogen haben, dass sie selten waren. Für „geheime“ Informationen ist das immer noch der Fall. Durch eine bedingungslose, allgemein zugängliche Veröffentlichung entwertet man solche Daten immens und stellt auf der Informationsebene Waffengleichheit her.

Leider liegt WikiLeaks nicht besonders viel an der bedingungslosen und allgemein zugänglichen Veröffentlichung. Denn nicht nur sämtliche Dokumente, die in den letzten Jahren veröffentlicht wurden, sind mittlerweile nicht mehr zugänglich. Selbst Collateral Murder und die War Diaries aus Afghanistan sind mittlerweile nicht mehr bei WikiLeaks zu finden. Herbert Snorasson, ein ehemaliger Mitarbeiter von WikiLeaks, sagte in einem Interview mit der ZEIT: „Ich glaube, es ist gar nicht so wichtig, wer als Quelle genannt wird. Es ist einfach nur wichtig, dass die Information ans Tageslicht kommt.“

Auf WikiLeaks kann man sich dabei wohl leider nicht mehr verlassen.

Death Of ACTA

Posted by Bastian • Wednesday, October 20. 2010 • Category: Aktuell: , The Pirates Gospel
Der Rapper Dan Bull hat mit Death Of ACTA nun einen Song mit sehr schön produziertem Video vorgestellt der sich nicht nur mit dem Anti-Counterfeiting Trade Agreement beschäftigt sondern ausnahmsweise auch mal nicht aus dem direkten Umfeld der Piratenpartei stammt. Viel Spass beim Hören.

Der neue Personalausweis

Posted by Bastian • Wednesday, October 13. 2010 • Category: Aktuell: , The Pirates Gospel
Gestern Abend gab es Besuch beim Stammtisch der Piraten in Münster. Neben einem Vertreter von Greenpeace der die Aktion „Donnerstag ist Veggie-Tag” vorgestellt hat (Die Idee ist Donnertags auf Fleisch zu verzichten um dem Klimawandel entgegenzuwirken, denn die Fleischproduktion ist einer der größten Verursacher von Treibhausgasen) gab es von Andre Kasper einen sehr guten Vortrag zum neuen Personalausweis. Der Ausweis war ja nun häufiger in der Kritik wegen angeblicher Sicherheitslücken. Vom unbemerkten Auslesen bis zum Identitätsdiebstahl gingen die Vorwürfe zu der Technik im ePerso.

Einen viel weniger hysterischen und vor allem mit mehr Fakten gespickten Vortrag gab es dann gestern Abend. Der Tenor des Vortrags: Der Ausweis ist gar nicht so unsicher wie man einem glauben machen möchte und die Funktionen sind auch gar nicht so dumm. Ja, die elektronischen Funktionen lassen sich zerstören. Und ja, wer ein einfaches Lesegerät benutzt der sollte darauf achten, dass sich keine Malware auf seinem Computer befindet. Was nun aber auch schon ganz ohne ePerso so war. Denn mit Keyloggern kommt man heutzutage schon ganz bequem an die Logins für eBay, Paypal & Co wenn man denn will.

Problematischer sind da schon die Kosten die der neue Personalausweis verursacht. Nicht nur bei den Bürgern bei der Anschaffung, sondern auch bei den Kommunen die entsprechende Infrastruktur anschaffen und warten müssen. Genauso wie der Bestand an biometrischen Fotos die dem Staat damit auf einmal exklusiv zur Verfügung stehen und in Maschinerien wie der von INDECT geplanten eingesetzt werden können. Wir haben den Vortrag auch aufgezeichnet. Ton und Bild sind leider nicht wirklich optimal, aber wer sich eine Stunde Zeit nehmen will um sich abseits der Hysterie informieren will kann hier fündig werden: Als MP4-Version sowie auch als OGG Video.