Gedankenstücke

(m)ein Leben durch den Sucher

Lernen lernen

Posted by Bastian • Saturday, February 12. 2011 • Category: Aktuell: , don't crash the ambulance, We Don't Need No Education
Wo waren wir stehen geblieben? (An der Stelle habe ich mal einen Duden bemüht. Ich muss nämlich gestehen, dass ich diese Getrennt- und Zusammenschreibung der Rechtschreibreform (oder der Reform der Reform) nicht immer stimmig finde.)

Meine Klasse arbeitet in Gruppen an der Unterrichtsreihe zum Kaufvertrag mittels "Lernen durch Lehren".

Im Laufe der Gruppenarbeit haben wir diverse Gespräche in der Klasse geführt, wie diese Arbeit im Idealfall laufen könnte. Ok. Ich habe geredet und die Klasse hat mehr oder minder gut zugehört.

Ich muss sagen: Diese Woche hatte ich mehrfach echt so einen Hals. (Und das durchaus im tatsächlichen Sinne. Ich bin ätzend verspannt von dem ganzen Ärger.) Ich muss weiter ausholen: Lehrer sein ist zu dieser Zeit des Jahres anstrengend. Da stehen Zeugnisse an (die gerne auch noch Fehler haben und dann mehrfach gedruckt werden). Diverse Fortbildungen lagen gerade jetzt (weil dann angeblich ruhiger ist. Witzig...) Jedenfalls würde ich nicht ausschließen, dass ich dann sowieso etwas angespannter bin als im Alltagsgeschäft. Hinzu kam aber erschwerend, dass die Leistungen der Klasse sich in der Zeugnisliste massiv wiederfinden. Faktisch würden mit den Zeugnissen 9! Schüler oder Schülerinnen der Klasse das Schuljahr schaffen. Von 29. Das ist frustrierend. Nicht nur für die Schüler, sondern auch für mich.

Ich habe meine Klasse nämlich sehr gern. Ich möchte, dass möglichst viele den Weg in die Oberstufe und zur Abschlussprüfung erfolgreich absolvieren.

Realistisch betrachtet sieht das derzeit nicht so gut aus. Zu dem üblichen Stress standen also in dieser Woche diverse Gespräche mit Kollegen, anderen Beratungslehrern, Fachlehrern, meinem Schulleiter und natürlich Einzelgespräche mit den Schülern an. (Nächste Woche steht dann noch zusätzlich der Elternsprechtag an.)

Jetzt komme ich aber endlich zum eigentlichen Problem:

Gestern noch haben wir, also ich... darüber geredet, dass ich sehen will, dass die Schüler auch etwas für ihren Abschluss tun. Dazu gehört für mich angesichts der fortgeschrittenen Zeit bis zu den zu haltenden Unterrichtsstunden auch, dass die Schüler bei einem Stundenausfall nicht rumgammeln oder zu Mc Do fahren, sondern die Zeit mit sinnvollen Tätigkeiten ausfüllen (dabei können sie durchaus selbstständig entscheiden, ob das nun aktuell gerade bei Mathe, Rechnungswesen oder der Arbeit für BWL in den Gruppen wichtiger ist).

Alleine klappt das aber einfach nicht. Wie ich es drehe und wende: Einige Schüler nutzen jede erdenkliche Möglichkeit, um abzuhauen oder andere Sachen zu machen.

(Nein. Das sind nicht alle Schüler. Es gibt auch viele in der Klasse, die super arbeiten. Ja. Ich sehe das!)

Aber die Schüler, mit denen ich quasi täglich darüber diskutiere, sind mir zu viele.

Ohne Aufsicht (manchmal auch mit) ist es total laut in der Klasse. Ich kann Rewe auch im Schlaf, wenn es sein muss, aber bei der Lautstärke fällt es selbst mir schwer, eine etwas anspruchsvollere Aufgabe korrekt zu beenden.

Es ist für viele Schüler enorm schwer, sich selber Inhalte anzueignen. Ich mache den Schülern keinen Vorwurf, denn ich gehe davon aus, dass sie nie die Gelegenheit hatten, dies zu lernen. Was aber in aller Welt haben einige Sek. I-Schulen eigentlich gemacht in all den Jahren?

Meine Vorstellung von Schule besteht eben nicht aus vorgetanztem Frontalunterricht. Leider ist die Umstellung auf andere Methoden auch für Lehrer sehr anstrengend, wie ich gerade feststelle.

Es geht nicht vordergründig um Inhalte. Im Moment geht es mir vor allem darum, dass die Schüler am Ende des Jahres gelernt haben, sich selber mit Wissen/Sachinhalten auseinanderzusetzen. Viele geben mir zu schnell auf. Wir reden hier von 3-10 Seiten Text, anspruchsvoll ja, aber nicht unüberwindbar. Schließlich haben das Generationen von kaufmännischen Angestellten vorher auch schon geschafft.

Wir haben vor 5 Wochen mit der Arbeit an den Themen begonnen. Dafür sind wir nach meiner Einschätzung nicht weit genug in einigen Gruppen. Bei einigen Schülern sitzen nicht einmal im Grundsatz die Sachinhalte. Von Planung einer Unterrichtsstunde sind wir da noch sehr weit entfernt.

Parallel haben wir in dieser Zeit in einer Doppelstunde pro Woche die Grundlagen des Rechnungswesens wiederholt. Ebenfalls in Gruppen, die sich je nach Leistungsstand zusammenfinden konnten.

Hier klappt die Arbeit mittlerweile recht ordentlich. Leider fällt es aber auch an dieser Stelle einigen Schülern schwer, Defizite auszugleichen, weil dann nachmittags oder am Wochenende Aufgaben bearbeitet werden müssten.

Die Zeit für solche ausführlichen Wiederholungsphasen habe ich in diesem Schuljahr nur, weil das Schuljahr recht lang ist.

Ich nehme mir auch gerne diese Zeit für solche freien Arbeitsphasen, aber je näher wir den angedachten Terminen für die zu haltenden Unterrichtsstunden im Fach BWL kommen, desto unruhiger bin ich bezüglich der bisherigen Ergebnisse.

Vielleicht brauchen die Schüler aber auch den Termindruck, um wirklich zur Sache zu kommen. (Sowas kenne ich bei mir auch. Stichwort: Prokrastination)

"Nebenbei" erhoffe ich mir auch noch eine Zunahme von sozialen und anderen Kompetenzen in dieser Reihe: Sich als Teil einer Gruppe zu empfinden, die Verantwortung dafür wahrzunehmen (auch für die gesamte Klasse, denn das werden die Inhalte sein, die Teil der nächsten Klausur sind), Zuverlässigkeit, aber auch das Interesse über den normalen Stundenplan hinaus, Aufgaben und Nachbereitung als etwas Selbstverständliches zu begreifen im Prozess des lebenslangen Lernens.
Birgit Rydlewski ist, 41 Jahre alt, Lehrerin für Wirtschaftswissenschaften und Deutsch am Richard-von-Weizsäcker-Berufskolleg, Lüdinghausen/Dülmen

Beim Fußballspiel verlasse ich doch auch nicht vor Ende das Feld, oder?

Posted by Bastian • Saturday, January 29. 2011 • Category: Aktuell: , don't crash the ambulance, We Don't Need No Education
In dieser Woche war ich am Mittwoch wegen einer Fortbildung abwesend. Da meine Klasse die Unterrichtsreihe zum "Kaufvertrag und den Leistungsstörungen" selbstständig mittels "Lernen durch Lehren" erarbeitet, war dies eine gute Gelegenheit für den Test, wie gut denn die selbstständige Arbeit klappt, wenn ich nicht zur Aufsicht vor Ort bin.

Die Gruppen sollten daher in der 6. und 7. Stunde nach Sport einen freien Raum aufsuchen und dort ihre Arbeit fortführen. Klar. Zu der Zeit, nach Sport, das ist schon erhöhter Schwierigkeitsgrad;-)Ich hatte ausdrücklich dabei gesagt, dass ich keinen anderen Lehrer zur Aufsicht vorbeischicken werde, sondern darauf vertraue, dass die Gruppen alles selber regeln.

Freitag haben wir dann besprochen, wie gut (oder eben nicht) das funktioniert hat.

Mir auferlegte Bedingungen für die Reflexion: Es wird nichts bewertet davon. Nichts wird gegen die Gruppe/Schüler verwendet. Ich notiere keine Fehlstunden. Aber dafür möchte ich Aufrichtigkeit und ehrliche Äußerungen.Die Gruppen haben kurz Zeit, sich intern zu besprechen. Was hat gut geklappt? Wo gibt es Verbesserungsbedarf? Wer hat aus der Gruppe gefehlt? Warum? Dann haben wir die Ergebnisse der Reflexion im Plenum besprochen.

Kurzfassung (aus meiner Vorstandstätigkeit als "running gag" bekannt: Ich habe mich geärgert.)

Der für die Klasse gebuchte und von mir vorgesehene Raum war abgeschlossen. (Lehrerzimmer und Sekretariat zu der Zeit nicht mehr besetzt.) So ein Orgaproblem ist ärgerlich, allerdings gab es durchaus Alternativen, an die aber kaum jemand gedacht hat: Einfach einen anderen Raum im Gebäude nehmen, einen Lehrer aus einem Raum fragen, in dem noch Unterricht ist, in einer Kneipe weiterarbeiten usw. Hier fehlt noch Problemlösekompetenz (vielleicht auch Phantasie).

Fazit: Nur ein kleiner Teil der Schüler ist wirklich zum Arbeiten geblieben. Die Absprache in den Gruppen hat leider nach meinem Empfinden auch nicht sehr gut geklappt.

Einige Schüler sind gegangen, ohne dies mit der Gruppe abgesprochen zu haben.An der Stelle fehlt mir bei einigen Schülern noch das Gefühl von Verantwortung für eine Gruppe und das Ergebnis.

Ich denke auch, dass in den Gruppen noch nicht genug kommuniziert wird (auch Kritik wird untereinander nach meinem Empfinden zu wenig geäußert). Die Themen/Inhalte werden zudem noch nicht ausreichend als Gruppe diskutiert. Oft teilen Gruppen lieber Inhalte auf, was leicht dazu führen kann, dass das große Ganze aus den Augen verloren wird und unter Umständen auch nicht jeder wirklich über das gesamte Thema Bescheid weiß.

Ich will aber nicht nur meckern. Es gab auch Gruppen (oder Teile von Gruppen), die bei der Reflexion den Eindruck machten, dass sie gut organisiert sind und auch sehr sinnvoll weitergearbeitet haben.

Letzendlich wird sich das Ergebnis sowieso erst am Ende zeigen, nämlich dann, wenn die Unterrichtsstunden gehalten werden und wenn sich in den beiden Klausuren zeigt, wie gut die Schüler sich zusammen/gegenseitig darauf vorbereitet haben.
Birgit Rydlewski, 41 Jahre alt [alles gute zum Geburtstag auch hier im Kleingedruckten noch mal] , Lehrerin für Wirtschaftswissenschaften und Deutsch am Richard-von-Weizsäcker-Berufskolleg, Lüdinghausen/Dülmen; derzeit 1. Vorsitzende des LV NRW der Piratenpartei Deutschland

Aller Anfang ist schwer oder: Macht Verantwortung Angst?

Posted by Bastian • Friday, January 14. 2011 • Category: Aktuell: , don't crash the ambulance, We Don't Need No Education
Ihr Abschluss, Ihre Unterrichtsreihe, Ihre Verantwortung.

Die Gruppenauswahl

Nach kurzer Diskussion hat sich die Klasse für Zufallsgruppen entschieden. Ich sehe den Vorteil darin, dass sich eben nicht die Schüler zusammenfinden, die einen ähnlichen Leistungsstand haben, sondern die Gruppen gut gemischt sind mit Menschen mit ganz unterschiedlichen Schwerpunkten/Interessen und Kompetenzen. Zudem erhoffe ich mir, dass sich die Gruppenarbeit zusätzlich positiv auf das Klassenklima auswirkt (welches aber ohnehin gut ist).

Anschließend haben die Gruppen selbst festgelegt, welche Gruppe welches Thema bearbeiten möchte.

Nach kurzer Einleitung zum Thema und Austeilen der Materialien für die einzelnen Gruppen (mit Übersichten, Sachdarstellungen und Aufgabenbeispielen) überlasse ich die Gruppen erst einmal ihrem Findungsprozess. Zunächst habe ich aber angeregt, Organisatorisches zu besprechen (Kontaktdaten, Vorgehensweise etc.), um danach mit dem Sichten des Materials (plus Recherche im Internet) zu beginnen.

Die Gruppen gehen sehr unterschiedlich vor. Einige Schüler diskutieren die Medienauswahl ("Powerpoint"), bevor sie sich mit dem Thema beschäftigen. Einige recherchieren sehr gezielt. Bei anderen nehme ich sehr viel Unsicherheit wahr. ("Was sollen wir überhaupt machen?" "... 90-min. Präsentation..." "Frau Rydlewski, was bedeutet Begriff x?")

Gleichzeitig laufen natürlich ebenso gruppendynamische Prozesse ab. In den meisten Gruppen gibt es Wortführer. Das sind meist die Schüler, die auch sonst in Gesprächen im Plenum (also der gesamten Klasse) Vorreiter sind (durchaus in unterschiedliche Richtungen, das kann also auch der jemand sein, der eher Unfug macht;-))

Mein persönlicher Frust beginnt zu dem Zeitpunkt, als Schüler eben halt ganz andere Dinge machen: Gespräche über Fußball, chatten oder anderes Zeug im Internet, irgendetwas spielen (mit Ton!)

Da fällt es mir schlicht schwer, den "Beißreflex";-) zu unterdrücken. Es gelingt mir auch nicht gänzlich. Da meine Ansprüche an die Unterrichtsreihe aber sind, dass die Schülerinnen und Schüler eben lernen sollen, mehr Verantwortung selbst zu übernehmen, muss ich von der Kontroll- und Überwachungsidee wegkommen, schon deshalb, weil ich nicht daran glaube, dass die Auseinandersetzung mit Inhalten nur dann funktioniert, wenn jemand dahinter steht und zum Arbeiten antreibt.

Also Memo an mich: Auf Provokationen nicht eingehen, als Hilfe zur Verfügung stehen, den Schülern den Freiraum lassen, ihren Weg selbst zu suchen (und zu finden).

Ich hoffe zudem auf den Fortschritt aufgrund von Gruppendynamik. (Kleiner Exkurs: Meist machen Gruppen verschiedene Phasen durch. Im Moment sind wir im Bereich des "Formings", also der Findungsphase in der Gruppe, in der zunächst die geltenden Konventionen im Sinne der Vorsicht und für den Erhalt von Sicherheit beibehalten werden. Erst in der nächsten Phase ("storming") sind Konflikte aufgrund von unterschiedlichen Zielvorstellungen zu erwarten.) Es ist also durchaus denkbar, dass irgendwann Mitschüler darauf reagieren, wenn die Beschäftigung mit themenfremden Gebieten überwiegt oder die Beschäftigung einer parallelen Gruppe die Arbeit der eigenen Gruppe behindert (z.B. durch unangemessene Lautstärke).

Bisher sind bei der Beobachtung der Gruppen sonst noch wenig Probleme auszumachen. (Auch im Gespräch im Plenum am Abschluss der Woche zeigt sich, dass das Sichten der Materialien noch nicht beendet ist und daher noch nicht so viele Fragen zu klären sind.) Ich habe vorgeschlagen, die Gruppenarbeitsphasen auch atmosphärisch angenehm zu gestalten (vielleicht mit Tee/Kaffee oder Gebäck). Das müssen die Gruppen aber für sich selbst entscheiden.

Erst der Inhalt, dann die Medien!

Nach meiner Einschätzung (siehe oben) beschäftigen sich einige Gruppen schon zu viel mit den möglichen Medien ("Lasst uns was mit Powerpoint machen.") und zu wenig mit den Inhalten. Ich habe in den Raum geworfen, dass die Medien zu dem passen sollten, was ich damit erreichen will und damit vom Inhalt, der Struktur der Stunde etc. abhängig. (Steuere ich damit schon zu viel?)

Zudem ist es erst mit Kenntnis der Inhalte möglich, Vernetzungen zwischen den thematisch eng zusammenhängenden Gruppen/Inhalten zu versuchen.

Bis zum Ende der nächsten Woche sollen die Gruppen auch entscheiden, wie viel Zeit sie schätzungsweise für die Erarbeitung brauchen werden, so dass wir grob Termine für die zu haltenden Unterrichtsstunden ausmachen können.

Ich sehe sonst die Gefahr, dass die Arbeit zu wenig zielgerichtet abläuft. Auf der anderen Seite möchte ich nicht zu früh Druck aufbauen in Form von Terminen, die eingehalten werden müssen. Also schon wieder ein Dilemma.

Bei dieser Reihe kann ich mich derzeit vor allem auch sportlich betätigen, weil die Gruppen im Klassen- und im PC-Raum arbeiten dürfen und diese Räume an genau entgegengesetzen Stellen des Gebäudes liegen ;-)

Fortsetzung folgt....

Birgit Rydlewski, 40 Jahre alt, Lehrerin für Wirtschaftswissenschaften und Deutsch am Richard-von-Weizsäcker-Berufskolleg, Lüdinghausen/Dülmen; derzeit 1. Vorsitzende des LV NRW der Piratenpartei Deutschland

Lernen durch Lehren

Posted by Bastian • Tuesday, January 11. 2011 • Category: Aktuell: , don't crash the ambulance, We Don't Need No Education
Was ist damit eigentlich gemeint?

"Bei LdL lernen die Schüler den neuen Stoff, indem sie ihn lehren, also didaktisch aufbereiten, ihren Mitschülern präsentieren und mit ihnen zusammen, also aktivierend erarbeiten. Nicht Monologe der Schülerexperten oder Dialoge mit den besten Schülern stehen im Vordergrund, sondern "Polyloge", also die konzentrierte Vernetzung aller Schüler." (Quelle)

Vorerfahrungen

In den letzten Jahren habe ich in mehreren Kursen Unterrichtseinheiten in dieser Form durchgeführt, zuletzt in meinem Deutsch Leistungskurs in der Jahrgangsstufe 12 bei der Reihe zum Theaterstück "Die heilige Johanna der Schlachthöfe" von Brecht.

Einerseits möchte ich gerne, dass die Schüler lernen, selbstständig Informationen zu suchen, zu bewerten und didaktisch aufzubereiten. Auf der anderen Seite habe ich seit einigen Jahren im Winter Probleme mit einer (vermutlich entzündlichen) Netzhauterkrankung, die mich immer wieder für einige Wochen aus dem Schuldienst nimmt, weil dann die Sehstärke rapide abnimmt. Ich bereite also meine Schüler auch darauf vor, diese Zeit ohne meine körperliche Anwesenheit sinnvoll zu nutzen.

In meinem Leistungskurs (in dem aber ohnehin sehr selbstständige Schüler sind) lief diese Einheit mit Begleitung durch mich via Chat und Mail nach meiner Einschätzung sehr gut. Kollegen, die Stunden der Schüler gesehen haben in meiner Abwesenheit, waren ebenfalls von der Qualität der Unterrichtsstunden begeistert. Hier ist aber ganz klar das Ergebnis vor allem deshalb so gut ausgefallen, weil die Schülergruppe insgesamt sehr leistungsstark ist und auch alleine sehr gut arbeitet.

Trotzdem erwähnten die Schüler auch hier eine gewisse Unsicherheit vor der abschließenden Klausur, die nicht so groß war bei dem darauf folgenden (und von mir wieder intensiver begleiteten) Drama "Woyzeck".

Der aktuelle Kurs

Die von mir nun aktuell durchgeführte Unterrichtsreihe findet in einem Kurs der Höheren Handelsschule statt. Die Schüler wollen am Ende des Bildungsganges mit der Abschlussprüfung den schulischen Teil der Fachhochschulreife erreichen. Die Klasse befindet sich im ersten Jahr des zweijährigen Bildungsganges. Ich bin dort als Klassenlehrerin mit den Fächern Volkswirtschaftslehre und Betriebswirtschaftslehre mit Rechnungswesen (mit insgesamt 8 Stunden Unterricht in der Woche.) Wir kennen uns also derzeit ein halbes Jahr. Die Schüler und Schülerinnen kommen von unterschiedlichen Schulen der Sekundarstufe I und bringen dementsprechend sehr unterschiedliche Kompetenzen mit.

Aufgrund der freundlichen Atmosphäre unterrichte ich die Klasse sehr gerne. Leider sind aber in mehreren Hauptfächern (so auch bei mir) die Leistungen in Form der Noten in Klausuren etc. im Durchschnitt schwach. Hausaufgaben werden nur von einer geringen Anzahl der Schüler gewissenhaft erledigt. Einige Schüler weisen hohe Fehlzeiten auf.

Aufgrund der Probleme mit den Leistungen habe ich diverse Gespräche mit der Klasse geführt und eine Umfrage durchgeführt. Auffällig finde ich bei den Ergebnissen der Umfrage, dass ein großer Teil der Klasse nicht gerne zur Schule geht, aber gerne etwas Neues lernt.

Mir ist zudem aufgefallen, dass sich Schüler, die z.B. wegen Krankheit gefehlt haben, sehr schwer tun, behandelten Stoff selbstständig nachzuarbeiten. Gerade im Bereich "Rechnungswesen" führt dies zu Defiziten in den Grundlagen, auf die das gesamte Schuljahr zurückgegriffen werden muss.

Da ich aber die Schüler und Schülerinnen der Klasse durch die Bank weg für intelligent genug halte, einen guten Abschluss zu erreichen, möchte ich das Experiment "Lernen durch Lehren" gerade in diesem Kurs versuchen.

Während der Diskussion über Lernkultur und Gestaltung von Schule habe wir im Unterricht bereits dieses Video gemeinsam gesehen und diskutiert, was m.E. recht gut illustriert, welche Probleme Schule eigentlich aufwirft:



Als Vorinformation habe ich zu dem Zeitpunkt bereits vorgestellt, wie ich mir die nächste Unterrichtsreihe vorstelle und warum ich es für sinnvoll und notwendig erachte, vom "normalen" Unterrichtskonzept abzuweichen.

Der Sprung ins kalte Wasser oder keine halben Sachen

Meine Überlegungen, mit welchem Komplexitätsgrad ich einsteigen möchte, habe ich damit beendet, dass ich keine kleinen Häppchen anbieten möchte, sondern gleich "richtig" mit praxisrelevanten Themen einsteigen werde.

Die Schüler sind fast volljährig und ich glaube derzeit, dass sie durch den (auch aus früheren Schulen) gewohnten Frontalunterricht ihre Flexibilität und Selbstständigkeit zugunsten einer Konsumhaltung eingebüßt haben.

Ich möchte nun, dass die Schüler die Verantwortung für ihren Abschluss selbst in die Hand nehmen. (Natürlich unter meiner ständigen Begleitung)

Die kommende Unterrichtsreihe wird den "Kaufvertrag" behandeln, ein komplexes Thema mit vielen Facetten, aber auch vielen Praxisbeispielen. Es ist schließlich auch für jeden Verbraucher bares Geld wert, zu wissen, was man bei einem defekten MP3-Player für Rechte geltend machen kann.

Die Unterrichtsreihe bietet zudem viele Unterteilungsmöglichkeiten, so dass eine Aufteilung der Klasse in 7 Gruppen (bei 29 Schülern) angestrebt wird.

Zu Beginn der Unterrichtsreihe zeige ich eine kurze Präsentation mit den nach meiner Einschätzung wichtigen Aspekten von "Lernen durch Lehren".  Bitte nicht schlagen: Aus Zeitmangel ist es was mit Powerpoint geworden...




Ich freue mich sehr auf diese Unterrichtsreihe, weil ich hoffe, dass die Schüler endlich zeigen können, wozu sie wirklich fähig sind. Ich glaube, dass sie derzeit ihre vielen Fähigkeiten gar nicht richtig einsetzen.

Und nun geht es auch endlich los... (Fortsetzung folgt)

Birgit Rydlewski, 40 Jahre alt, Lehrerin für Wirtschaftswissenschaften und Deutsch am Richard-von-Weizsäcker-Berufskolleg, Lüdinghausen/Dülmen; derzeit 1. Vorsitzende des LV NRW der Piratenpartei Deutschland

Respekt - in homöopathischen Dosen

Posted by Bastian • Wednesday, July 14. 2010 • Category: Aktuell: , don't crash the ambulance
Es ist Sommerloch. Und als Thema kommt mal wieder die Homöopathie aus der Ecke gesprungen. Andere Esoterik, wie Fussball oder hellsehende Cephalopoden, hatten wir ja nun auch genug. Auf jeden Fall wollen wohl einige Politiker von CDU und SPD, dass homöopathische Verarschungen Therapien nicht weiter von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden. So weit so gut, finde zumindest ich. Denn in den Dutzenden Studien zur Wirksamkeit von homöopathischen Therapien konnte immer nur eins nachgewiesen werden: Keine Wirksamkeit die über den beliebten Placebo-Effekt hinausgeht.

Und nein, dann ist es nicht ungefährlich wie so mancher glauben mag: Wenn die Homöopathen ohne Grenzen in Ländern der dritten Welt einfallen, um dort Zuckerkugeln und Wasser als Heilmittel an Mann und Frau zu bringen, dann sollte man das nicht tolerieren oder als belustigend abtun. Genauso wenig wie man es akzeptieren sollte wenn Menschen versuchen ihre krebskranken Kinder mit wirkungslosen Mitteln zu heilen.  

Und deshalb sehe ich auch nicht ein wieso die Gesellschaft als Ganzes dafür zahlen sollte, dass Leute „Medikamente” nehmen wollen die nachweislich nicht funktionieren. Sowohl Don Dahlmann als auch Johnny Haeusler schlagen allerdings einen anderen Ton an. Da werden Einzelfallgeschichten bei denen Homöopathie angeblich geholfen haben soll heran zitiert und außerdem: Was sind schon diese lächerlichen 9 Millionen Euro die man sparen könnte wenn man solche Nicht- Alternativ-Behandlungen nicht mehr bezahlen würde?

Und obwohl beide mehr oder weniger davon ausgehen, dass nicht die Behandlung sondern die psychologischen Seiteneffekte Linderung verschaffen: Irgendwie wird angenommen, dass Homöopathie dann ja so schlecht nicht sein kann. Und das halte ich, ganz abseits der oben genannten Gefahren, für etwas kurzsichtig. Denn ja: Homöopathen nehmen sich mehr Zeit für ihre Patienten. Vielleicht prinzipienbedingt, vielleicht aber auch weil sie wissen wie gut sich damit Geld machen lässt. Und das Motiv spielt auch gar keine Rolle. Denn wenn das mehr an Zeit, das mehr an Fürsorge und das gesteigerte Interesse am Patienten wirklich einen positiven Effekt auf die Genesung hat dann haben die kleinen Kugeln genau keinen Einfluss darauf.

Deshalb dürfte es dann wohl eine etwas zu kurz gegriffene Schlussfolgerung sein wenn man wegen dieser positiven Effekte die Homöopathie finanzieren will. Sinnvoller wäre es da wohl mit dem Geld dafür zu sorgen, dass echte Ärzte sich mehr und besser um ihre Patienten kümmern (können). Es liegt nicht nur an der Arroganz der Ärzte sondern auch an den Arbeitsbedingungen, dass es momentan nicht stattfindet. Denn im Alltag von Ärzten und gerade in Krankenhäusern bleibt dafür leider faktisch keine Zeit. Und das kann und sollte man kritisieren und ändern.

Anstatt den Respekt und auch die Menschlichkeit gegenüber Patienten hier auf einem homöopathischen Niveau zu halten sollte man dort angreifen. Und das bitte mit einer wirksamen Dosis.

Deutscher Paket Dienst

Posted by Dominik • Friday, August 1. 2008 • Category: Aktuell: , don't crash the ambulance
Wunderbar die Zeiten der Internetbestellung. Man klickt ein paar Seiten an, man bezahlt und schon kommt es nach einigen Tagen zu Dir nach Hause. Aber leider scheint der Deutsche Paket Dienst da nicht wirklich zuverlässig. Bei mir ist zwar heute ein Paket angekommen, aber die Frage ist nur in welchem Zustand.

Es sollte eigentlich eine W-Lan Antenne sein, das was ich erhalten habe, ist leider totaler Schrott. Auf dem einen Bild erkennt man noch den freundlichen Hinweis:






Sehr geehrter DPD Kunde, leider wurde dieser DPD ParcelLetter beim Transport beschädigt. Um einen sicheren Weitertransport zu gewährleisten, wurde Ihr DPD ParcelLetter mit dieser Schutzhülle versehen. Vielen Dank für ihr Verständnis. Ihr DPD


Ich hab für vieles Verständnis, aber nicht dafür, dass die Typen noch nicht mal bei mir Klingeln! Geschweige denn beim Nachbarn. Denn so hätte ich das Paket gar nicht erst angenommen. Die sollten mal ihre Mitarbeiter besser schulen. Ein Beweis mehr, dass man mit DPD nichts senden sollte.

Digitalisiert

Posted by Bastian • Thursday, March 27. 2008 • Category: Aktuell: , don't crash the ambulance
Der Busfahrer, der mich heute nach der Arbeit nach Hause gefahren hat, ist auch endgültig im digitalen Zeitalter angekommen. Zumindest ist das die beste Erklärung die mir dafür einfällt, dass bei ihm sowohl Gas- als auch Bremspedal nur 2 Positionen kannten: An/Aus. Was dazu führte, dass alle Fahrgäste lustig durch den Bus geflogen sind die komplette Fahrt über, was auch kein Wunder ist bei dem Stop & Go in der überfüllten Innenstadt...
Oder kann der Arme sich einfach nicht daran gewöhnen, dass das Pedal links einfach nur die Bremse ist und nicht die Kupplung?

Parkrebell

Posted by Bastian • Thursday, January 10. 2008 • Category: Aktuell: , don't crash the ambulance
Ticket

Memo: Richtig Tanken

Posted by Bastian • Monday, January 29. 2007 • Category: Aktuell: , don't crash the ambulance
Apropos Auto: Wenn man schon notgedrungen an eine Zapfsäule fährt die auf der falschen Seite ist sollte man nah genug dran halten dass der Stutzen auch in den Tank kommt, sonst muss man sein Auto ein Stück zurückschieben und man kommt sich ganz schön doof vor.

Immerhin ein Beitrag zur Gesundheit und Umwelt sein Auto zu schieben.

Immer schön langsam

Posted by Bastian • Monday, January 29. 2007 • Category: Aktuell: , don't crash the ambulance
Das sind mir immer die liebsten Leute, fahren ein Riesen-SUV und tragen das Ding fast um die Kurve um dann innerorts mit 20 rumzutuckern, vermutlich reichte das Geld nichtmehr für Sprit...

Eisig

Posted by Bastian • Tuesday, January 23. 2007 • Category: Aktuell: , don't crash the ambulance
Der Winter kommt, oder ist schon da.

Sprich man sollte früher als sonst aufstehen wenn man mit dem Auto fahren will.

Alleine schon wegen des Eiskratzens. Sonst freut man sich total daraüber wenn man die Scheiben von außen freigekratzt hat nur um dann zu merken, dass man das Schloß auch wohl aufeisen sollte.
Und selbst wenn man dann im Auto ist kann man noch nicht losfahren wenn die Scheiben auch von innen zugefroren sind.

Und so kann man ganz gut Vorlesungen verpassen.

Mal wieder...

Posted by Bastian • Wednesday, January 17. 2007 • Category: Aktuell: , don't crash the ambulance
...hinter dem Fenstergummi den schlecht laminierten Zettel von wegen "Gib mir dein Auto damit ich es nach Afrika verschiffen kann" gehabt.
Doch mittlerweile in besserem Deutsch als beim vorletzten Mal, anstatt "Zahle mehr wie alle anderen" steht da nun "Ich zahle Ihnen mehr als jeder andere!".

Sollte der Blogeintrag wenigstens etwas gebracht haben?

Danke..

Posted by Bastian • Tuesday, December 12. 2006 • Category: Aktuell: , don't crash the ambulance
.. an den freundlichen LKW-Fahrer der mir heute fast hinten reingefahren wäre an einer roten Ampel.

Mit einem 40-Tonner sollte man schon einen kleinen Sicherheitsabstand einhalten und wenn man das schon nicht macht wenigstens nicht die Bildzeitung lesen, wichsen oder sich nen Kaffee machen sondern auf die Straße achten.
Achso, das hast du gemacht, na gut, wer kann schon ahnen, dass diese kleinen Autos vor einem einfach so vor einer roten Ampel halten.

Im Endeffekt hab ich Glück gehabt, dass es eine leere Rechtsabbiegerspur gab auf der jener LKW dann seine letzten Meter Bremsweg hinter sich bringen konnte und so im Endeffekt vor mir Stand, sonst wäre ich wohl unter dem LKW gewesen.

Arschloch!

Rot!

Posted by Bastian • Monday, December 11. 2006 • Category: Aktuell: , don't crash the ambulance
Manchmal da gibt es so Tage, da macht es auch mit dem Auto keinen Spaß zur Uni zu fahren.
In etwa dann wenn alle, aber wirklich alle Ampeln von der Haustür an bis zum Parkhaus genau dann auf Rot springen wenn man davor steht.

Normalerweise sind auf der Strecke, immerhin eine der Hauptpendleradern, alle auf grüne Welle geeicht...

Besser Autos ankaufen

Posted by Bastian • Thursday, November 16. 2006 • Category: Aktuell: , don't crash the ambulance
Es hat ja schonmal jemand so ein nettes Kärtchen am Wagen gelassen. Gespickt mit schlechtem Deutsch.


Bessere Werbung

Dieser Versuch den ich heute am Wagen hatte zeigt wie man es besser macht.

Auf der Vorderseite das übliche Sprüchlein ala "kaufe alte Schrottwagen um sie dann in Afrika zu verscherbeln", die Rückseite ist abgebildet. Jede Menge Telefonnummern die nützlich sein könnten.
Die Chance das man so ein Kärtchen behält weil man glaubt, dass es nochmal nützlich werden wird birgt gleichzeitig die Möglichkeit das im Falle eines Falles man zuerst die Nummer das Ankäufers auch noch dabei hat.

Clever.