Kandidatur?
Posted by Bastian • Friday, December 23. 2011 • Category: Aktuell: , We Don't Need No Education
Auf der Mailingliste der Piraten von NRW wird schon über Kandidatur für die nächste Landtags- und Bundestagswahl nachgedacht. Ok. Das ist noch eine Weile hin, aber ich denke natürlich auch mal darüber nach, ob ich mir eine Kandidatur vorstellen könnte. Nach der Tätigkeit als 1. Vorsitzende bis Januar 2010 war ich wirklich froh, mit Piraten nichts mehr zu tun haben zu müssen. Die Anfeindungen können echt ganz schön übel sein. Ich habe keine Ahnung, ob das in anderen Parteien auch so ist. In kurzer Zeit habe ich mir durchaus ein paar Feinde gemacht. (Hintergrund: Eigentlich habe ich nur an der Stelle Position bezogen, als es um das zeitlich begrenzte Verbot der Gründung von Kreisverbänden ging. Das fand ich für eine Partei, die irgendetwas mit Freiheit machen will, unangemessen. Ich habe damals nichts gegen Crews gesagt. Es war nur meine Auffassung, dass ich den Gruppen vor Ort nicht vorschreiben wollte, wie sie sich zu organisieren haben. Offenbar hat das trotzdem dazu geführt, dass ich auf einmal zur Gruppe der KV-Leute gehörte und damit zum erklärten Feind der Crew-Befürworter.) Ich kann also gar nicht einschätzen, ob eine Kandidatur überhaupt Chancen hätte. Die Leute, die mich zu ihrem Feind erkoren hatten, wollten ja nicht reden, sondern lieber bashen via Twitter oder so. Bei solchen Auseinandersetzungen geht es selten wirklich um Argumente, sondern mehr um persönliches Angepimmel. Ich bin ziemlich sicher, dass ich an dieser Art Politik keinen Spaß habe. Überlässt man den Vollpfosten deshalb das Feld? Ich bin die, die voller Zweifel ist. Ständig. Das macht mich durchaus auch gut. Auf der anderen Seite macht es mich angreifbar. Ich kann nämlich durchaus drei Tage heulen wegen irgendwelcher Idioten, die anonym sexuelle Boshaftigkeiten in ein Pad schreiben (damals bei dem Bundesparteitag). Bin ich nicht deshalb schon untauglich für Politik? Zu dünnhäutig?
Ich habe bei meinen Überlegungen ein paar weitere Probleme.
Ich habe großartige Menschen im Bereich Bildung kennen gelernt. Ich habe die Möglichkeit gehabt, meinen Horizont zu erweitern und ich gehe davon aus, dass wir, um Bildung wirklich nach wissenschaftlichen Erkenntnissen zu verbessern, durchaus in der Politik ansetzen müssen. Das würde für eine Kandidatur sprechen.
Auf der anderen Seite darf man als Lehrer nicht gleichzeitig in der Politik (z.B. im Landtag) aktiv sein. Das wäre zeitlich wohl auch nicht möglich. Aber ich liebe meine Arbeit, zumal meine Schülerinnen und Schüler auch dafür sorgen, dass ich in jedem Fall auf dem Teppich bleibe. In der Vorstandszeit habe ich mich natürlich über gute Presse gefreut. Beinhaltet das aber nicht auch immer die Gefahr, sich von Medienpräsenz korrumpieren zu lassen? Ich will mich nicht verbiegen. Selbst wenn ich kandidiere, twittere ich immer noch aus der Badewanne. Ich mache nichts, weil "man das so macht" oder für die Wählbarkeit. Ein Journalist hat für die "Zeit" mal geschrieben, ich sei "erfrischend anders" und "entwaffnend ehrlich". Das will ich beibehalten.
Das habe ich auch als Lehrerin immer getan. Obwohl mir Professoren und Justitiare sagen, meine Tweets seien "justiziabel". Obwohl behauptet wird, Lehrer dürften wegen des Beamtenstatus nicht authentisch sein. Jedenfalls nur in gewissen Grenzen. Obwohl ich hätte längst Karriere in Schule machen können, wenn ich denn "systemkonformer" wäre. Es gibt Werte, die verkaufe ich nicht.
Eigentlich würde ich gerne beides machen. Lehrerin sein und Politik machen. Ich habe Schüler nie beeinflusst. Zumindest nicht bewusst. Aber einige wissen auch, dass ich mich politisch engagiere. Ich sehe da durchaus ein Dilemma. Auf der anderen Seite ist Politik immer zu weit weg von den Menschen, die sie betrifft. Es wird viel zu viel über Menschen entschieden statt mit ihnen. Meine Schüler sind meine Inspiration, weil sie an vielen Stellen ganz gleichberechtigt mit mir über Themen diskutieren können. Weil sie großartige Ideen haben. Weil sie tolle Reden halten und ansprechende Präsentationen machen können. Weil wir voneinander lernen können. Weil wir einander vertrauen und weil ich ihre Kritik ernst nehme. Ich würde die Politikerin sein wollen, die mit den Menschen redet, nicht über sie. Mir ist unklar, ob das Utopie ist....
Zur Autorin: Birgit Rydlewski, 41 Jahre alt, Lehrerin für Wirtschaftswissenschaften und Deutsch am Richard-von-Weizsäcker-Berufskolleg in Dülmen/Lüdinghausen, digital immigrant, politisch engagiert.
Ich habe bei meinen Überlegungen ein paar weitere Probleme.
Ich habe großartige Menschen im Bereich Bildung kennen gelernt. Ich habe die Möglichkeit gehabt, meinen Horizont zu erweitern und ich gehe davon aus, dass wir, um Bildung wirklich nach wissenschaftlichen Erkenntnissen zu verbessern, durchaus in der Politik ansetzen müssen. Das würde für eine Kandidatur sprechen.
Auf der anderen Seite darf man als Lehrer nicht gleichzeitig in der Politik (z.B. im Landtag) aktiv sein. Das wäre zeitlich wohl auch nicht möglich. Aber ich liebe meine Arbeit, zumal meine Schülerinnen und Schüler auch dafür sorgen, dass ich in jedem Fall auf dem Teppich bleibe. In der Vorstandszeit habe ich mich natürlich über gute Presse gefreut. Beinhaltet das aber nicht auch immer die Gefahr, sich von Medienpräsenz korrumpieren zu lassen? Ich will mich nicht verbiegen. Selbst wenn ich kandidiere, twittere ich immer noch aus der Badewanne. Ich mache nichts, weil "man das so macht" oder für die Wählbarkeit. Ein Journalist hat für die "Zeit" mal geschrieben, ich sei "erfrischend anders" und "entwaffnend ehrlich". Das will ich beibehalten.
Das habe ich auch als Lehrerin immer getan. Obwohl mir Professoren und Justitiare sagen, meine Tweets seien "justiziabel". Obwohl behauptet wird, Lehrer dürften wegen des Beamtenstatus nicht authentisch sein. Jedenfalls nur in gewissen Grenzen. Obwohl ich hätte längst Karriere in Schule machen können, wenn ich denn "systemkonformer" wäre. Es gibt Werte, die verkaufe ich nicht.
Eigentlich würde ich gerne beides machen. Lehrerin sein und Politik machen. Ich habe Schüler nie beeinflusst. Zumindest nicht bewusst. Aber einige wissen auch, dass ich mich politisch engagiere. Ich sehe da durchaus ein Dilemma. Auf der anderen Seite ist Politik immer zu weit weg von den Menschen, die sie betrifft. Es wird viel zu viel über Menschen entschieden statt mit ihnen. Meine Schüler sind meine Inspiration, weil sie an vielen Stellen ganz gleichberechtigt mit mir über Themen diskutieren können. Weil sie großartige Ideen haben. Weil sie tolle Reden halten und ansprechende Präsentationen machen können. Weil wir voneinander lernen können. Weil wir einander vertrauen und weil ich ihre Kritik ernst nehme. Ich würde die Politikerin sein wollen, die mit den Menschen redet, nicht über sie. Mir ist unklar, ob das Utopie ist....
Zur Autorin: Birgit Rydlewski, 41 Jahre alt, Lehrerin für Wirtschaftswissenschaften und Deutsch am Richard-von-Weizsäcker-Berufskolleg in Dülmen/Lüdinghausen, digital immigrant, politisch engagiert.





