Mehr Details zu INDECT
Posted by Bastian • Wednesday, September 8. 2010 • Category: Aktuell: , The Pirates Gospel
Die Piratenpartei hat heute, zusammen mit futurezone, 2 Dokumente zu INDECT veröffentlicht, die Einblick in die Ziele des Projekts und auch in die gesamte Planung geben. INDECT ist intern in 9 unterschiedliche Work-Packages unterteilt. Eines der Dokumente gibt einen guten Überblick über die verschiedenen Forschungsziele die in den einzelnen Work-Packages erreicht werden sollen. Darunter befinden sich die bekannten Ziele wie automatisierte, Algorithmen-basierte Videoüberwachung, Luftüberwachung durch Schwärme von computergesteuerten Drohnen, semantische Überwachung des Internets & Co.
Besonders spannend sind die Details die in dem zweiten Dokument über das Work-Package 1 gegeben werden. Das Ziel von diesem Paket ist es nämlich die Videoüberwachung weiter zu automatisieren. Denn bei den momentanen CCTV-Techniken ist der limitierende Faktor der Mensch. Ein einzelner Überwacher kann nur ein Maximum von X Überwachungskameras gleichzeitig im Auge behalten, irgendwo ist ja einfach Schluss mit der Aufnahmefähigkeit. Dieses “Problem” möchte man im INDECT-Projekt gerne damit umgehen, dass man Algorithmen entwickelt die auffälliges/verdächtiges/kriminelles Verhalten entdecken können und dem Überwacher am Monitor nur genau solche Szenen zeigt. Dadurch soll man eine Filterung erreichen und die Arbeit effizienter gestalten. So die Theorie.
Damit der Algorithmus aber erkennen kann welche Verhaltensweisen in dieses Raster fallen benötigt man natürlich Definitionen davon. Der Verhaltensbiologe würde vom klassischen Ethogramm sprechen. Und da Ethogramme von Verbrechern nicht so einfach zu bekommen sind hat man sich im INDECT-Programm doch ernsthaft für den guten, alten Fragebogen-Ansatz entschieden. Dabei hat man dann polnischen Polizisten Fragebögen vorgelegt, bei denen sie bitte ausfüllen sollten was, generell oder auch ortsspezifisch, für sie verdächtiges Verhalten ist.
Dabei sind dann Allgemeinplätze wie “Rennen”, “zu lange an einem Ort sitzen”, “in die falsche Richtung laufen” und andere großartige Definitionen rausgekommen. Auch ein Ethogramm will halt gelernt sein, nicht umsonst verbringt man in der Verhaltensbiologie viel Zeit damit genau diese Technik zu erlernen. Ich hatte es gestern schon getwittert, bei der Art von Planung von INDECT würde man von der DFG niemals Forschungsgelder bekommen. Und seine Ergebnisse würde man auch niemals in einem echten Journal publiziert kriegen: Die Polizisten die an der Umfrage teilgenommen haben sind zum Großteil nicht definiert, über deren Expertise liegt in den meisten Fällen keine Information vor, die gesamte Stichprobe der Befragten bleibt damit ein schwammiges Etwas und dessen sind sich die INDECT-Planer sogar bewusst...
Das die Ergebnisse der Fragebögen deshalb wertlos sind und im besten Fall die Vorurteile einer Stichprobe von Polizisten wiedergeben? Muss wohl so sein. Das automatisierte Überwachung anhand von Vorurteilen zu besonders abstrusen Ergebnissen führen wird? Steht außer Frage. Der Wissenschaftler in mir möchte nur weinen und schreien „Sucht euch gefälligst jemanden der Ahnung von Studiendesigns hat!” Aber das die INDECT-Planer eine eigene Art der Logik anwenden sieht man auch schön an anderen Punkten. Denn so sind die Leute ernsthaft der Ansicht, dass es eine Verbesserung für die Privatsphäre ist wenn wir alle nur 24 Stunden am Tag automatisiert überwacht werden.
Denn zum einen kann man ja die Speicherdauer der Bilder verkürzen wenn verdächtiges Verhalten automatisch erkannt wird. Wer also Unauffällig ist, dessen Bild wird gleich wieder überschrieben. Und zum anderen sieht ja auch kein Mensch was ich tue solange es nicht verdächtig ist. Erst wenn ich auffällig werde bekommt ein Mensch die Bilder von mir auf den Monitor. Brainfuck deluxe und der Tod der Unschuldsvermutung: Präventiv überwacht und verdächtig weil der Computer es sagt.
Aber das die INDECT-Planer ein seltsames Verständnis von Bürgerrechten und Menschenrechten haben zeigt sich auch schon an folgendem Zitat:
Besonders spannend sind die Details die in dem zweiten Dokument über das Work-Package 1 gegeben werden. Das Ziel von diesem Paket ist es nämlich die Videoüberwachung weiter zu automatisieren. Denn bei den momentanen CCTV-Techniken ist der limitierende Faktor der Mensch. Ein einzelner Überwacher kann nur ein Maximum von X Überwachungskameras gleichzeitig im Auge behalten, irgendwo ist ja einfach Schluss mit der Aufnahmefähigkeit. Dieses “Problem” möchte man im INDECT-Projekt gerne damit umgehen, dass man Algorithmen entwickelt die auffälliges/verdächtiges/kriminelles Verhalten entdecken können und dem Überwacher am Monitor nur genau solche Szenen zeigt. Dadurch soll man eine Filterung erreichen und die Arbeit effizienter gestalten. So die Theorie.
Damit der Algorithmus aber erkennen kann welche Verhaltensweisen in dieses Raster fallen benötigt man natürlich Definitionen davon. Der Verhaltensbiologe würde vom klassischen Ethogramm sprechen. Und da Ethogramme von Verbrechern nicht so einfach zu bekommen sind hat man sich im INDECT-Programm doch ernsthaft für den guten, alten Fragebogen-Ansatz entschieden. Dabei hat man dann polnischen Polizisten Fragebögen vorgelegt, bei denen sie bitte ausfüllen sollten was, generell oder auch ortsspezifisch, für sie verdächtiges Verhalten ist.
Dabei sind dann Allgemeinplätze wie “Rennen”, “zu lange an einem Ort sitzen”, “in die falsche Richtung laufen” und andere großartige Definitionen rausgekommen. Auch ein Ethogramm will halt gelernt sein, nicht umsonst verbringt man in der Verhaltensbiologie viel Zeit damit genau diese Technik zu erlernen. Ich hatte es gestern schon getwittert, bei der Art von Planung von INDECT würde man von der DFG niemals Forschungsgelder bekommen. Und seine Ergebnisse würde man auch niemals in einem echten Journal publiziert kriegen: Die Polizisten die an der Umfrage teilgenommen haben sind zum Großteil nicht definiert, über deren Expertise liegt in den meisten Fällen keine Information vor, die gesamte Stichprobe der Befragten bleibt damit ein schwammiges Etwas und dessen sind sich die INDECT-Planer sogar bewusst...
Das die Ergebnisse der Fragebögen deshalb wertlos sind und im besten Fall die Vorurteile einer Stichprobe von Polizisten wiedergeben? Muss wohl so sein. Das automatisierte Überwachung anhand von Vorurteilen zu besonders abstrusen Ergebnissen führen wird? Steht außer Frage. Der Wissenschaftler in mir möchte nur weinen und schreien „Sucht euch gefälligst jemanden der Ahnung von Studiendesigns hat!” Aber das die INDECT-Planer eine eigene Art der Logik anwenden sieht man auch schön an anderen Punkten. Denn so sind die Leute ernsthaft der Ansicht, dass es eine Verbesserung für die Privatsphäre ist wenn wir alle nur 24 Stunden am Tag automatisiert überwacht werden.
Denn zum einen kann man ja die Speicherdauer der Bilder verkürzen wenn verdächtiges Verhalten automatisch erkannt wird. Wer also Unauffällig ist, dessen Bild wird gleich wieder überschrieben. Und zum anderen sieht ja auch kein Mensch was ich tue solange es nicht verdächtig ist. Erst wenn ich auffällig werde bekommt ein Mensch die Bilder von mir auf den Monitor. Brainfuck deluxe und der Tod der Unschuldsvermutung: Präventiv überwacht und verdächtig weil der Computer es sagt.
Aber das die INDECT-Planer ein seltsames Verständnis von Bürgerrechten und Menschenrechten haben zeigt sich auch schon an folgendem Zitat:
"Methods applied by the police are a step back as compared to those used by criminals. It is caused by two most important factors:Mehr braucht man auch eigentlich nicht sagen. Die Dokumente gibt es auf den Servern der Piratenpartei zum Download und sind insgesamt gut 100 Seiten lang. Es gibt aber auch eine kurze Zusammenfassung der einzelnen Texte für all jene die nur wenig Zeit mitbringen.
- Level of finance, which is fast and precisely allocated.
- Police have to respect the rule of law and human rights."

