Gedankenstücke

(m)ein Leben durch den Sucher

Mehr Details zu INDECT

Posted by Bastian • Wednesday, September 8. 2010 • Category: Aktuell: , The Pirates Gospel
Die Piratenpartei hat heute, zusammen mit futurezone, 2 Dokumente zu INDECT veröffentlicht, die Einblick in die Ziele des Projekts und auch in die gesamte Planung geben. INDECT ist intern in 9 unterschiedliche Work-Packages unterteilt. Eines der Dokumente gibt einen guten Überblick über die verschiedenen Forschungsziele die in den einzelnen Work-Packages erreicht werden sollen. Darunter befinden sich die bekannten Ziele wie automatisierte, Algorithmen-basierte Videoüberwachung, Luftüberwachung durch Schwärme von computergesteuerten Drohnen, semantische Überwachung des Internets & Co.

Besonders spannend sind die Details die in dem zweiten Dokument über das Work-Package 1 gegeben werden. Das Ziel von diesem Paket ist es nämlich die Videoüberwachung weiter zu automatisieren. Denn bei den momentanen CCTV-Techniken ist der limitierende Faktor der Mensch. Ein einzelner Überwacher kann nur ein Maximum von X Überwachungskameras gleichzeitig im Auge behalten, irgendwo ist ja einfach Schluss mit der Aufnahmefähigkeit. Dieses “Problem” möchte man im INDECT-Projekt gerne damit umgehen, dass man Algorithmen entwickelt die auffälliges/verdächtiges/kriminelles Verhalten entdecken können und dem Überwacher am Monitor nur genau solche Szenen zeigt. Dadurch soll man eine Filterung erreichen und die Arbeit effizienter gestalten. So die Theorie.

Damit der Algorithmus aber erkennen kann welche Verhaltensweisen in dieses Raster fallen benötigt man natürlich Definitionen davon. Der Verhaltensbiologe würde vom klassischen Ethogramm sprechen. Und da Ethogramme von Verbrechern nicht so einfach zu bekommen sind hat man sich im INDECT-Programm doch ernsthaft für den guten, alten Fragebogen-Ansatz entschieden. Dabei hat man dann polnischen Polizisten Fragebögen vorgelegt, bei denen sie bitte ausfüllen sollten was, generell oder auch ortsspezifisch, für sie verdächtiges Verhalten ist.

Dabei sind dann Allgemeinplätze wie “Rennen”, “zu lange an einem Ort sitzen”, “in die falsche Richtung laufen” und andere großartige Definitionen rausgekommen. Auch ein Ethogramm will halt gelernt sein, nicht umsonst verbringt man in der Verhaltensbiologie viel Zeit damit genau diese Technik zu erlernen. Ich hatte es gestern schon getwittert, bei der Art von Planung von INDECT würde man von der DFG niemals Forschungsgelder bekommen. Und seine Ergebnisse würde man auch niemals in einem echten Journal publiziert kriegen: Die Polizisten die an der Umfrage teilgenommen haben sind zum Großteil nicht definiert, über deren Expertise liegt in den meisten Fällen keine Information vor, die gesamte Stichprobe der Befragten bleibt damit ein schwammiges Etwas und dessen sind sich die INDECT-Planer sogar bewusst...

Das die Ergebnisse der Fragebögen deshalb wertlos sind und im besten Fall die Vorurteile einer Stichprobe von Polizisten wiedergeben? Muss wohl so sein. Das automatisierte Überwachung anhand von Vorurteilen zu besonders abstrusen Ergebnissen führen wird? Steht außer Frage. Der Wissenschaftler in mir möchte nur weinen und schreien „Sucht euch gefälligst jemanden der Ahnung von Studiendesigns hat!” Aber das die INDECT-Planer eine eigene Art der Logik anwenden sieht man auch schön an anderen Punkten. Denn so sind die Leute ernsthaft der Ansicht, dass es eine Verbesserung für die Privatsphäre ist wenn wir alle nur 24 Stunden am Tag automatisiert überwacht werden.

Denn zum einen kann man ja die Speicherdauer der Bilder verkürzen wenn verdächtiges Verhalten automatisch erkannt wird. Wer also Unauffällig ist, dessen Bild wird gleich wieder überschrieben. Und zum anderen sieht ja auch kein Mensch was ich tue solange es nicht verdächtig ist. Erst wenn ich auffällig werde bekommt ein Mensch die Bilder von mir auf den Monitor. Brainfuck deluxe und der Tod der Unschuldsvermutung: Präventiv überwacht und verdächtig weil der Computer es sagt.

Aber das die INDECT-Planer ein seltsames Verständnis von Bürgerrechten und Menschenrechten haben zeigt sich auch schon an folgendem Zitat:
"Methods applied by the police are a step back as compared to those used by criminals. It is caused by two most important factors:
- Level of finance, which is fast and precisely allocated.
- Police have to respect the rule of law and human rights."
Mehr braucht man auch eigentlich nicht sagen. Die Dokumente gibt es auf den Servern der Piratenpartei zum Download und sind insgesamt gut 100 Seiten lang. Es gibt aber auch eine kurze Zusammenfassung der einzelnen Texte für all jene die nur wenig Zeit mitbringen.

Freiheit statt Angst - Ein paar Themen

Posted by Bastian • Tuesday, September 7. 2010 • Category: Aktuell: , The Pirates Gospel
Am kommenden Samstag findet in Berlin wieder die Demonstration „Freiheit statt Angst“, organisiert von einem Bündnis aus Parteien, Bürgerrechtsorganisationen et al., statt. INDECT, ACTA & Co zeigen es: Staatliche Überwachung ist und wird weiterhin ein Problem sein. Und auch wenn ich selbst für mich beanspruche, dass meine Daten offen sein dürfen, bin ich der Ansicht, dass Menschen selbst darüber entscheiden können sollen. Gerade bei staatlichen Maßnahmen ist das allerdings eigentlich nie gegeben.

Auch die Piraten, im letzten Jahr vor allem durch Flaggenschwenken, Techno-Truck und einen Mangel an Inhalten aufgefallen, werden wieder mit dabei sein. Spannender sind aber die Jungen Piraten die sich im Vorfeld mit einigen relevanten Themen auseinander gesetzt haben: Mit der Bildungscard und der Schüler-Datei, die zur Zeit in Berlin in der Diskussion ist.

Die Bildungscard ist das neue populistische Projekt der Bundesarbeitsministerin. Dass Kinder von Hartz-IV-Beziehern im Bildungsbereich durch Mangelversorgung konsequent schlechter behandelt werden, kommt so langsam auch in der Regierung an. Was wohl auch an dem entsprechenden Urteil des Bundesverfassungsgerichts liegt. Aber da Hartz-IV-Empfänger, wie ja jeder mit ausreichend Vorurteilen zu glauben weiß, ihr Geld sowieso nur für billigen Alkohol und Stopftabak ausgeben, kann man solchen Menschen ja nicht einfach mehr Geld für die Bildung ihrer Kinder geben. Stattdessen muss man das mit Gutschein-Modellen machen...

Deshalb sollen die Kinder von Hartz-IV-Empfängern nach den Träumen des Bundesarbeitsministeriums bitte Chipkarten bekommen. Mit diesen sollen sie sich dann Musikschulen, Volkshochschulen aber auch den Zoo-Besuch etc. leisten können. Neben der ganz offensichtlichen Diskriminierung („Schau mal, der muss mit der Karte zahlen, dessen Eltern sind faule Arbeitslose“) übergeht man damit auch gleich das Erziehungsrecht der Eltern. Was ja gewollt ist, denn der gemeine Hartz-IV-Bezieher weiß ja offensichtlich nicht, was gut für seine Kinder ist... Dass man dabei all jene Kinder vernachlässigt, deren Eltern gerade über dem Hartz-IV-Satz liegen, ist da auch nur noch ein Kollateralschaden.

Ähnlich toll sind die Überlegungen der Berliner Landesregierung zur Schüler-Datei. Da die Verwaltung von Schülern ein bürokratischer Aufwand ist, sollen die Datensätze der Schüler nun dezentral verfügbar gemacht werden. So sollen Schulwechsel erleichtert werden, die Verteilung von Lehrern soll vereinfacht werden und all so Zeugs. Allerdings sollen die Daten nicht nur für die Schulen, die bei einem Schulwechsel Interesse daran haben, sondern für eine ganze Reihe von Behörden verfügbar gemacht werden. So sollen auch Polizei, Jugendämter, die Bewährungshilfe, Gesundheitsbehörden und einige andere Stellen Zugriff auf die Daten bekommen. Unter den Daten nicht nur relevantes Zeug wie Name, Adresse etc. sondern auch Dinge wie besuchte Förderungsmaßnahmen.

Klingt bedenklich? Oh ja. Wahlloser Zugang von Behörden auf solche Daten ist nicht nur an sich problematisch, sondern birgt erst recht die Gefahr von Leaks. Und durch die Einführung durch den Staat hat auch kein Schüler die Möglichkeit, sich dagegen zu wehren. In Brandenburg gibt es mit der Schüler-ID Pläne ein ähnliches System einzuführen, Bayern hat mit den Stimmen von CSU und FDP eine leicht entschärfte Version bereits verabschiedet. In Nordrhein-Westfalen wurden vergleichbare Bestrebungen nach Bedenken der Landesdatenschutzbehörde erst einmal eingestellt.

Auch 2010 gibt es also gute Gründe, die Freiheit statt Angst zu besuchen. Man sieht sich also am Samstag in Berlin.

Der Artikel ist auch als Gastbeitrag auf der Webseite der Jungen Piraten erschienen.

Was ist INDECT?

Posted by Bastian • Monday, September 6. 2010 • Category: Aktuell: , The Pirates Gospel
Jetzt dreht er also völlig durch. Erst quatscht er einen immer mit diesem ACTA voll und nun noch INDECT? Ich denke mir diese Abkürzungen wirklich nicht selber aus. INDECT steht für Intelligent information system supporting observation, searching and detection for security of citizens in urban environment und ist ein Projekt der EU in dessen Rahmen man an neuartigen Überwachungsmethoden arbeitet.

Dabei sollen bekannte Instrumente wie die Vorratsdatenspeicherung genauso benutzt und verknüpft werden mit Methoden wie der Analyse von Sozialen Netzwerken, Gesichtserkennung über biometrische Merkmale, Nummernschilderkennung. Und auch die unbemannte Luft-Überwachung durch Drohnen (z.B. Quadrocopter) ist Bestandteil des Projekts. Und, genau wie bei ACTA, sollen die Informationen für die Öffentlichkeit nun auf ein Minimum reduziert werden.

Scary Shit der sich stark nach 1984 anhört. Auf dem Landesparteitag der Piratenpartei Bayern hat @GrumblingGeek, der Koordinator der Piraten zum Thema, einen kurzen Vortrag zu INDECT gehalten den ich unten embedded habe. Ihr solltet euch die Zeit nehmen ihm zuzuhören.

Plädoyers offline zu sein?

Posted by Bastian • Saturday, September 4. 2010 • Category: Aktuell: , The Pirates Gospel
Ich hab gestern 2 Blogbeiträge gelesen die sich etwas kritischer mit diesem Internet beschäftigen als es mein letzter Eintrag getan hat. Zum einen wäre da der Text Tageshochsatz von Felix Moniac der bei Spreeblick erschienen ist.

«Mir kommt es heute immer häufiger so vor als liefe unsere Kultur darauf hinaus, dass wir uns unseres eigenen Daseins entledigen wollten. Warten wir nur auf den Tag, dass Roboter für uns aufstehen und unser Leben für uns leben? Das, was hier aussieht, wie die Plattitüde eines Feinds des Fortschritts, ist gar nicht so weit hergeholt. Man ersetze nur den Gang zur Bibliothek mit Google Books, den Einkauf mit dem Internet-Bestellservice, das Erinnern an alte Bauernregeln mit der Weather-App, die Kochüberlegung mit der vorschlagsgenerierenden Site — die Roboter sind schon überall!»
Felix Moniac

Der Text von Felix will ein Plädoyer sein. Für das Abschalten, das Erleben, das Spontane. Und wirkt dabei oft so, als ginge dies nur ohne die Roboter die sich überall in unser Leben einmischen und uns aus der echten™ Welt in digitale Welten zerren wollen. Doch gibt es diese strikte Trennung? Offline gleich gut, online gleich böse? Das ist die alte Schreckensvision: Menschen die vereinsamt vor ihren Rechnern sitzen und im Internet surfen. Und, obwohl es solche Fälle gibt, ist es nicht zur Regel geworden. So wie dem Internet kann man dies aber auch anderen Dingen vorwerfen: Büchern, Politik, Fernsehen, Musikinstrumenten, Freunden/Freundinnen und was euch noch so einfällt. Alles kann dazu führen, dass man die Schönheit™ von anderen Dingen nicht mehr wahrnimmt und verpasst.

Genauso kann man auch bemängeln, dass Menschen nicht mehr ohne Navigationsgerät fahren und sich deshalb vielleicht nicht mehr daran erfreuen, dass sie auf der Fahrt etwas von der Welt sehen können. Man kann aber auch sehen, dass es tausende von Menschen gibt die sich nicht nur trotz sondern auch wegen modernen Medien in der Natur umher bewegen. Die Wanderkarte und Straßenkreide ersetzt durch einen mobilen Zugang zum Internet und ein GPS-Gerät wird von vielen Menschen Geocaching betrieben. Und die Webseite mit Rezepten und Kochtipps ermöglicht es auch jenen Leuten zumindest einen Einstieg zu finden, die sonst nur dank Convenience Food überleben konnten. Werden wir also alle vor Langeweile sterben wegen des Internets? Ich denke nicht.

«Noch zielen "Aktivisten" der Digitale Armee Fraktion angeblich nur auf verpixelte Häuserfassaden von Google-Streetview-Gegnern. Aber wer garantiert denn dauerhaft, dass nicht die Namen und Gesichter der Hausbesitzer in einer weiteren Eskalationsstufe in eine Online-Prangerdatei gestellt werden? Oder jeder, der keine Lust hat auf die schöne, neue Onlinewelt? Nach dem Motto: Und willst Du nicht mein Facebook-Freund sein, dann schlag ich Dir den Schädel ein. Die Erfahrung der jüngeren Geschichte lehrt jedenfalls, dass sich die Aktivisten, die wenig später die RAF gründeten, nicht lange damit zufrieden gaben, Kaufhäuser abzufackeln.»
mark793

Der zweite Text über den ich gestolpert bin ist Unfreiwillige vor! von mark793, erschienen bei der dunklen Seite. Mark stört sich auch an der These, dass man eigentlich heute schon online sein müsse und sieht dies als Bedrohung. Der Rückzug ins Analoge als Lösung? Vermutlich nicht. Nicht nur, weil man dann die gesamte Kontrolle verliert. Sondern auch weil dies auf Dauer nicht mehr machbar sein wird. Bereits heute ist es eigentlich nicht mehr wirklich eine Option analog zu bleiben und dieser Druck wird in Zukunft steigen.

Wir benötigen keinen Rückzug ins Analoge, wir benötigen soziale Normen und Lösungsansätze mit den Möglichkeiten umzugehen. Technik ist per se wertfrei. Die Erfindung des Schwarzpulver wurde für bunte Feuerwerkskörper genauso genutzt wie als Treibladung für Schusswaffen. Auf Schienennetzen bewegt sich der Personen- und Güterverkehr, in der Vergangenheit wurde es zur Deportation benutzt. Endgültig verdammt haben wir deshalb keine dieser Techniken und haben Möglichkeiten gefunden damit umzugehen. Den ersten Führerschein gab es auch nicht vor der Erfindung des Automobils.

Anstatt Rückzüge zu feiern sollte wir lieber gemeinschaftlich schauen wie wir neue Techniken sinnvoll nutzen können.

Bloggen als Notwehr? Oder als Mittel, die Gesellschaft zu verändern?

Posted by Bastian • Wednesday, September 1. 2010 • Category: Aktuell: , The Pirates Gospel
Meine These zum Privacy-Panel auf der openmind #om10 war ja kurz und knackig: „Wer sein Leben öffentlich im Netz lebt, der verliert nicht seinen Job, sondern seine Angst.“ Das ist natürlich arg verkürzt. Aber ich sehe eigentlich 2 gute Gründe, wieso man ruhigen Gewissens Teile seines (Privat-)Lebens veröffentlichen kann und vielleicht auch sollte. Zum einen haben wir bereits einen gewissen Status Quo erreicht, der seinerseits viele neue Fragen aufwirft. Und das andere ist die Frage nach der Gesellschaft in der wir leben wollen.

Zum Status Quo hat mspr0 bereits einen sehr spannenden Artikel veröffentlicht. Denn es ist mitnichten so, dass einzelne Personen gezielt offline bleiben können. Lehrer, Dozenten, Handwerker, Ärzte, Restaurants und was nicht noch alles werden bereits online bewertet. Und das egal ob sie das wollen oder nicht. Das Internet gibt den Kunden/Usern die Möglichkeit, so auch jene aus der offline-Welt ins Netz zu ziehen. Vielleicht nicht in erster Linie deren Privatleben. Aber die Grenze ist, gerade bei Berufen wie Lehrern, doch eher schwammig.

Die hysterische Diskussion um Google Street View der letzten Wochen hat dabei auch andere Stilblüten hervorgebracht. Da wenden sich Leute an Lokalzeitungen, um über ihren Widerspruch zu Street View zu berichten, und lassen sich dann stolz vor ihrem Haus ablichten. Unter der Angabe des vollen Namens. Und dieser Artikel landet dann, erwartungsgemäß, im Netz. Dass Google durch die kleine Stichstraße niemals durchgefahren wäre, da dort keine Autos fahren können? Nur noch eine Randnotiz.

Ein anderes Beispiel um Street View: Eine junge Frau gibt BILD.de gegenüber an, dass sie gegen Street View ist, weil sie ja gerne oben ohne auf der Terrasse liegt und sie deshalb Angst vor Spannern durch Street View hat. Bild veröffentlicht das Foto der Frau, zusammen mit ihrem Namen und ihrem Wohnort. Die Abfrage nach der Adresse ist nur ein Telefonbuch weit entfernt. Und schon haben potentielle Spanner nicht nur eine Adresse bei der es sich lohnen könnte mal vorbeizuschauen, sondern sogar schon ein Foto von dem, was sie dort erwarten könnte. Ganz ohne Street View.

In dem Zusammenhang auch passend: Meine Betrachtung von Google Latitude und die Frage danach, in wie weit man die Daten von verschiedenen Personen zusammenführen kann, um über andere Personen an Informationen der eigentlichen „Zielperson” zu kommen. Und auch der Einwand von mspr0 bezüglich Google Goggles ist berechtigt. Denn die Technik, um Fotos von Personen einen Namen zuzuordnen, ist schon da. Apples iPhoto und auch Picasa von Google bieten so etwas bereits rudimentär an. Und es wird nicht mehr lange dauern, bis man von x-beliebigen Personen in der U-Bahn ein Foto schiessen kann, welches dann in eine Google-Suche umgewandelt wird. In wie weit solche Technik-Dinge unsere Gesellschaft verändern, ist noch völlig offen und wird wohl nur die Zeit zeigen.

Was man aber sieht: Offline bleiben kann nicht die Antwort sein. Außer man verweigert sich eines Jobs und verbleibt in seiner abgedunkelten Wohnung. Wer dies nicht tut, sollte aber vielleicht lieber online gehen und sich zumindest ein Stück Kontrolle zurückerobern. Denn wenn ich das öffentliche Bild über meine Person nur von anderen bestimmen lasse, habe ich gar keinen Einfluss darauf. Dies ändert sich aber schlagartig, wenn ich selbst das Zepter in die Hand nehme.

Mit jedem Tweet, jedem Facebook-Status-Update, jedem Blogpost beeinflusse ich das Bild über meine Person. Nicht zwingend zum Guten, allerdings schwäche ich damit den Gesamteinfluss von Dritten auf mein Bild. Bloggen als Notwehr quasi.

Aber dann gibt es noch die zweite Motivation, aus der man sich selbst öffentlich machen kann: In was für einer Welt wollen wir leben? Der Trend geht dazu, dass das Private als der Raum dargestellt wird, in dem man sein kann. Aber soll dies der Weisheit letzter Schluss sein? Und in wie weit ist es Freiheit, wenn man selbst nur im privaten Raum leben darf?

In früheren Zeiten war es zum Beispiel die Zugehörigkeit zur falschen Religion, die Betroffene nur im privaten Raum ausleben durften. Entsprechende Regelungen findet man beispielsweise zur Zeit des Islams auf der iberischen Halbinsel, ab 630 nach Christus: Andere Religionsgemeinschaften (solange sie Buchreligionen sind) werden geduldet, wenn sie Steuern für ihre Religionszugehörigkeit bezahlen und die Ausübung ihrer Religion auf den privaten Raum beschränken.

Heutzutage immer wieder herangezogen: Die Partyfotos im Social Network der Wahl, die der Personalchef dann als Begründung nutzt, um einen nicht einzustellen. Was in mindestens 2 Dimensionen zu kurz gedacht ist: Denn zum einen kann man relativ sicher davon ausgehen, dass auch der Personalchef ab und an mal einen über den Durst trinkt. Und eigentlich sollte das auch kein Kriterium dafür sein, ob er für den Job geeignet ist oder nicht. Und zum anderen dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis auch der Personaler aus einer Generation stammt, die Party-Fotos im Netz hat. Das Problem ist die vermeintliche Abnormalität des eigentlich Normalen. Und um diese Situation zu ändern, bedarf es Menschen, die offen dafür eintreten.

Ich wage mal zu behaupten, dass die immer besser werdende Situation von Menschen die nicht der Hetero-Normativität entsprechen auch damit zu tun hat, dass Menschen ihr Coming-Out haben, für sich einstehen und so der gefühlten Abnormalität entgegentreten. Der Erfolg der Szene rund um Homosexualität steht und fällt mit Leuten die dafür eintreten. Ein bekanntes Beispiel ist Jack McGeorge, der selbst aktiv gegen die Diskriminierung von BDSMlern vorgeht. Gleichzeitig war der gute Mann auch Waffeninspekteur der UNMOVIC im Irak. Nachdem sein Engagement in der BDSM-Szene bekannt wurde (er selbst hat daraus nie ein Geheimnis gemacht), sollte er, angefeuert von einer Medienkampagne, seinen Job bei der UN verlieren. Hans Blix, zu der Zeit Chef der UNMOVIC, verweigerte den Rücktritt, mit Berufung auf die Qualifikation von McGeorge.

Und das ist, zumindest meiner Meinung nach, der Punkt an den wir allgemein kommen sollten. Betrinkt euch, ladet die Fotos ins Netz und macht euren Job trotzdem gut. So what? Wir brauchen Toleranz gegenüber den Eigenheiten von Menschen. Gerade jetzt, wo wir sie dank Web 2.0 & Co ohne weiteres erfahren können und werden. Es ist klar, dass wir noch nicht so weit sind. Es gibt für Menschen immer noch gute Gründe, Privates privat zu halten. Sei es aus Angst um Job, Status oder wasauchimmer. Aber wer sein Leben offen leben kann, sollte sich überlegen, wieso er das nicht auch so handhaben sollte.

„Wer sein Leben öffentlich im Netz lebt, der verliert nicht seinen Job, sondern seine Angst.“ Denn was öffentlich liegt, das wird schnell öde und taugt nicht wirklich gut als Skandal. Bei McGeorge war der Fall weniger ein Zwangsouting als die Beschreibung von längst bekannten Tatsachen. Kein Wunder, dass er relativ entspannt “So What?” sagen konnte. Freiheit statt Angst? Ja, aber nicht, wenn dies heisst, nur im Privaten leben zu dürfen.

Verteidigt!

Posted by Bastian • Tuesday, August 24. 2010 • Category: Aktuell: , with a wonder and a wild desire
Heute war es dann so weit, ich hab die Verteidigung meiner Bachelorarbeit gehalten. Wer noch mal nachlesen möchte um was es bei der Arbeit ging wird bei der Bierologie fündig wo ich versucht habe es halbwegs Laien-verständlich zu erklären. In 20 Minuten heute habe ich dann noch mal den Leuten der Arbeitsgruppe erklärt was genau ich in den letzten Monaten so im Büro getrieben habe (also wenn ich nicht gerade Blogpostings geschrieben oder YouTube-Videos geschaut habe).

Hier gibt es nun für euch auch die Slides. Leider hat es beim Export von Keynote zu Slideshare nicht nur die Animationen der Folien zerschossen sondern auch ab und an die Phasen der Animation übereinander gedruckt. Trotzdem sollte klar werden, was der Inhalt ist. Falls es Bedarf an der Original-Keynote-Datei gibt meldet euch in den Kommentaren. Und nein, Ergebnisse gibt es noch keine.

Privacy-Podiumsdiskussion auf der #om10

Posted by Bastian • Saturday, August 21. 2010 • Category: Aktuell: , The Pirates Gospel
So langsam geht die Planungsphase für die openmind #om10 in die heiße Phase. Relativ kurzentschlossen wollen wir nun eine Kinderbetreuung anbieten um auch Eltern die Teilnahme zu ermöglichen, dazu sind schon viele Tickets weg (aber es gibt noch welche). Dazu sind schon jede Menge sehr spannende Beiträge eingegangen (und es können bis zum 23.08. noch Beiträge eingereicht werden) die ein weites, gesellschaftliches Feld abdecken.

Und heute können wir weitere Details zum ersten, festen Programmpunkt verraten. Nämlich die Besetzung des Podiums zu Privatssphäre, Datenschutz, Post Privacy & Co: Der Datenschutzbeauftragte der Piratenpartei Deutschland, Werner Hülsmann, und Ansgar Veltens, Politischer Geschäftsführer der Piratenpartei Rheinland-Pfalz, treten für den bekannten Datenschutz ein während Christian Heller (aka @plomlompom) und ich auf der anderen Seite stehen werden.

Unsere Gesichter gegen ACTA

Posted by Bastian • Thursday, August 19. 2010 • Category: Aktuell: , The Pirates Gospel
Wir haben es getan. Wir haben unsere Gesichter gezeigt. Gegen ACTA. Was ACTA ist, kann man auf den Blogs der Herren Urbach und Greshake, bei Stopp ACTA, La Qudrature du Net, Anti ACTA, Open ACTA, der Piratenpartei und auf vielen vielen weiteren Seiten nachlesen.

Wie nun schwerlich festzustellen ist, gibt es weltweite Poteste (sucht nur mal auf Twitter nach #ACTA). Doch warum dann diese Aktion? Nun, der Protest gegen ACTA ist vielfältig, aber allen fehlt etwas: Das Gesicht. Im Augenblick protestiert eine zum Großteil gesichtlose Masse, es wird sachlich argumentiert und die Gefahren aufgezeigt. Wie es scheint, interessiert das niemanden.
Also geben wir dem Protest ein Gesicht. Denn hinter den Protesten befinden sich nicht nur irgendwelche Pseudonyme die ihrem Frust Luft machen wollen. Sondern Menschen. Und die haben berechtige Angst vor ACTA und den Folgen des Abkommens.

Die Herren Urbach und Greshake riefen über ihre Blogs und Twitter auf, Gesichter zu ACTA einzusenden. Das konnten sie über eine schlichte Internetseite tun und ausser, dass sie erlaubten, dass die Bilder weiter verwendet werden, wussten sie auch nicht, was genau passiert. Nun, hier ist das Ergebnis - geschnitten vom fabulösen Herrn Greshake, nur für uns *husthust* vertont von den Nine Inch Nails. Genug der Worte, viel Spass damit:



Eine gekürzte Version wird zur Präsentation auf der Ars Technica eingereicht - um noch mehr Menschen die Gesichter gegen ACTA zu zeigen. Und ab September wird es auch eine Webseite zu der Aktion “Face against ACTA” geben.

On behalf of #sektion31: Stephan Urbach (tomate) & Bastian Greshake (gedankenstuecke)

Wissenschaftsstandort Münster

Posted by Bastian • Monday, August 16. 2010 • Category: Aktuell: , i love my computer
Im Blog Of Schemes and Memes hat Matt recht schön die wissenschaftlich interessanten Standorte Londons rausgearbeitet. Dabei sind Museen, Uni-Einrichtungen, Firmen, Verlage & Co die irgendwie mit Wissenschaft zu tun haben.



Science Map Münster auf einer größeren Karte anzeigen

Gestern Abend haben Yourie und ich angefangen das Ganze auf Münster zu übertragen. Hier seht ihr die vorläufigen Ergebnisse. In Rot sind Einrichtungen der Uni zu sehen, in Blau unabhängige Institute und in Gelb sind Museen eingezeichnet. Und natürlich fehlen noch jede Menge Institute & Co. Die Museen sind zwar schon ganz gut abgedeckt, allerdings habe ich mich bislang auf die naturwissenschaftlichen Institute im Westen der Stadt konzentriert. Einfach weil ich dort selbst am meisten aktiv war oder bin.

Wer also mithelfen will die Karte zu vervollständigen kann sich gerne in den Kommentaren melden, entweder nur mit dem Ort der fehlt oder mit dem Wunsch selbst mehr Punkte einzutragen. Wir fügen euch dann mit zur Autorenschaft hinzu.

*UPDATE* Matt hat die Karte von Münster nun auch in seinem Blog.

Zeigt eure Angst vor ACTA

Posted by Bastian • Friday, August 13. 2010 • Category: Aktuell: , The Pirates Gospel
ACTA wurde hier nun lange genug wieder ignoriert (Bad News, und keine Überraschung: Die Verhandlungen sind immer noch nicht vom Tisch). Deshalb ist es mal wieder an der Zeit mobil zu machen. Wieso wir alle panische Angst haben sollten vor dem fiesen Monstrum habe ich ja, mit Hilfe der Veröffentlichung von Axel Metzger ja schon versucht ein bisschen deutlich zu machen. Aber das lockt natürlich niemanden hinter dem Ofen hervor.

Und mein Lieblings-Anti-ACTA-Agent Stephan hat sich deshalb eine großartige Idee einfallen lassen: Face Against ACTA! Angelehnt an die letztjährige Aktion Ich bin Pirat bei der das eigene Foto mit einem kleinen Rahmen verziert wurde um seine Unterstützung auszudrücken geht das nun auch analog gegen ACTA. Und natürlich ist das Ziel die passenden Gesichtsausdrücke damit einzufangen: Frustriert, wütend, traurig, entsetzt. Sucht euch was aus. Den Generator für die Rahmen findet ihr bei Stephan. Falls ihr wollt könnt ihr sie auch direkt den Piraten unter einer CC-BY-SA-Lizenz anvertrauen um daraus so was wie Kunst zu machen. Und zur Verdeutlichung hier zwei Symbolbilder:



Marktradikaler Kommunismus in Parallelwelten

Posted by Bastian • Thursday, August 12. 2010 • Category: Aktuell: , The Pirates Gospel
Keine Angst, die große Zeit der Thesen ist vorbei. Und ich wollte jetzt auch nicht meine eigenen ans nächstbeste Imageboard posten. Aber spannend ist es doch wo sich dieses Internet einsortiert. Während die Verwertungsindustrie aka Content-Mafia immer wieder den Kommunismus des Internets ausruft und fürchtet, dass sich «alles für alle und zwar umsonst» durchsetzen könnte. Die, Vorsicht Buzzword, Internet-Aktivisten auf der anderen Seite fordern die Freiheit des Internets nicht weiter zu beschränken. Verkehrte Welt im Internet?

Vermutlich nicht ganz, denn irgendwie sind beide Ansätze, auf eine Art und Weise ja nicht ganz verkehrt. Denn das Internet ist, zumindest in Ansätzen, der feuchte Traum jedes Kommunisten. Wann waren kreative Produktionsmittel jemals so weit in den Händen eines jeden einzelnen? Auch wenn der Zugang zum Internet bei uns noch kein Grundrecht ist haben mehr Menschen den je die Möglichkeit sich Gehör zu verschaffen, sich auszudrücken. Die Preise für die Produktion von Bild, Ton und Video-Formaten sinken weiter und Produktionen die noch vor einigen Jahren Leuten mit viel Geld vorbehalten gewesen wären sind nun für fast jede erschwinglich geworden.

Auf der anderen Seite wird die Freiheit des Internets betont. Und dabei ist auch die Freiheit des Marktes gemeint. Doch anders als in der realen Welt™ wird online in den seltensten Fällen mit Geld bezahlt. Klar, Flattr, Google Ads & Co machen es möglich sich seine Werke auch versilbern zu lassen. Doch die eigentliche Währung ist Zeit. Denn jeder Rezipient hat, noch viel radikaler beschränkt als sein Geld, 2 Dinge zur Verfügung: Aufmerksamkeit und Zeit. Kein Kredit der Welt verhelfen einem zu mehr davon. Und dementsprechend überlegen die Leute auch was sie mit Aufmerksamkeit belohnen. Feedreader, Twitter und dieses ganze, soziale Zeugs im Internet ermöglicht es. Man bekommt die Nachrichten, Texte, Bilder, Videos die einen potentiell interessieren. Nach Hause geliefert und konsumfertig. Im Idealfall produziere ich daraus selbst wieder etwas und gebe es in den Kreislauf zurück.

Dinge die für mich nicht taugen fliegen dabei dann ganz einfach aus dem Reader, Leute die nichts spannendes auf Twitter verbreiten werden unfollowt. Jeder hat die Möglichkeit gelesen und gehört zu werden. Das recht darauf hat keiner. Und jeder hat die Freiheit jene Dinge zu ignorieren die für ihn keinen Mehrwert darstellen. Und so entsteht die unweigerliche Fragmentierung in Parallelgesellschaften im Internet. Da tummeln sich die Scienceblogs neben Homöopathie-Foren, genauso wie Katzenbildchen in friedlicher Koexistenz mit Torture Porn lebt. Und wohl kaum ein Reader wird dem anderen gleichen, auch wenn es im Internet-Mainstream Überlappungen gibt.

Und ich finde das ziemlich gut, so wie es ist. Denn in meinen Augen sind es alle 3 Faktoren die das Internet zu dem Medium gemacht haben wie wir es heute kennen und alltäglich nutzen: Freier Zugang zu den Produktionsmitteln, der Konkurrenzkampf um Aufmerksamkeit und die Fragmentierung in Zielgruppen. Problematisch wird es, wenn diese Freiheit und Gleichheit unter Beschuss gerät. Das Stichwort lautet Netzneutralität. Wenn bestimmte Dienste bevorzugt behandelt werden und ihre Daten schneller, besser oder zuverlässiger rund um die Welt transportieren können dann wackelt das Konstrukt.

Zum einen weil die Produktionsmittel damit de facto aus den Händen der Allgemeinheit genommen werden (Dienste können nur noch von jenen Angeboten werden die das nötige Kleingeld für eine bevorzugte Behandlung haben). Und zum anderen ist der Markt damit nicht mehr wirklich frei. Denn plötzlich spielt es wieder verstärkt eine Rolle wer Informationen anbietet. Zwar mag eine gute Idee immer noch eine gute Idee haben. Aber wie hoch ist die Motivation eine Alternative zu YouTube zu nutzen wenn sie dank QOS-Regeln so langsam ist, dass ich sie nicht bedienen mag?

Unter Pro Netzneutralität gibt es eine Petition die bereits von über 4000 Menschen unterzeichnet wurde und die sich dafür einsetzt den Status Quo zu erhalten.

Abgabe

Posted by Bastian • Tuesday, August 10. 2010 • Category: Aktuell: , with a wonder and a wild desire
In den letzten Tagen war es hier so ruhig, weil der Kampf gegen die Bachelor-Arbeit in die letzte Runde ging. Nachdem mehr oder weniger in der letzten Sekunde doch noch die Ergebnisse von den Servern ausgespuckt wurden habe ich ein paar Nachtschichten eingelegt um das ganze noch irgendwie schnell in Textform und ein paar Abbildungen zu giessen. Aber was soll ich euch mit Details langweilen, das kommt lieber später nett erklärt in die Bierologie.

Ein paar Kennzahlen: 6000 Zeilen Ruby-Code geschrieben, 300 Zeilen Shell-Scripte geschrieben, 13 Gigabyte an Ergebnisdaten produziert, 6634 Wörter in der Abschlussarbeit geschrieben, ungezählte Liter Kaffee und Club-Mate verkonsumiert. Und dann heute morgen? Einfach abgegeben. Einen Tag vor der ultimativen Deadline. Gedruckt, gebunden, den obligatorischen «Ich habe nicht geklaut»-Disclaimer unterzeichnet, im Prüfungsamt in zweifacher Ausführung abgegeben.

In zwei Wochen ist dann die abschliessende Präsentation der Arbeit und dann war es das. Bis dahin schon mal der Dank an alle: An alle die korrekturgelesen haben. An alle die mich mit Tweets, Blogposts, Bildern und Videos bei Laune gehalten haben. An alle die fachliche Ratschläge gegeben haben. Und natürlich an diejenigen die mich trotz Schlafmangel irgendwie ertragen haben. Und an jene die ich hier vergessen habe aufzuzählen. Jetzt wird erst einmal Schlaf nachgeholt.

Quo vadis? - Post Privacy und Datenspuren

Posted by Bastian • Monday, August 2. 2010 • Category: Aktuell: , The Pirates Gospel
Ich gehe mit meinen persönlichen Daten recht locker um. Sei es bei Facebook, Twitter, hier im Blog und überhaupt. Und auch mit Location-Services habe ich eigentlich kein Problem. Die Fotos bei Flickr geotagge ich in der Regel, meine Tweets eigentlich auch immer und auch bei Foursquare checke ich mich in irgendwelche Örtlichkeiten ein. Und bislang profitiere ich davon in vielerlei hinsicht. Als ich am Wochenende mit @plaetzchen zum Camp der Jungen Piraten nach Kyritz gefahren bin haben wir als erste Aktion auf der Autobahn auch Google Latitude wieder eingeschaltet und die Daten nicht nur für “Freunde”, also bei Latitude hinzugefügte User, freigegeben sondern allgemein publik gemacht. Das fanden wir beide auch völlig okay und so konnte prinzipiell jeder live mit verfolgen wo wir uns gerade befinden.

Auf dem Rückweg gestern kamen mir dann aber Zweifel ob ich das im Alltag auch so handhaben möchte. Denn Latitude lässt sich nun auch als Hintergrund-Anwendung betreiben und so wird bei jedem Wechsel einer Mobilfunkzelle die Position neu bestimmt und der Welt mitgeteilt. Und das fand sogar ich etwas unheimlich. Denn bei Foursquare und Twitter bestimme ich bei jedem mal aktiv, dass ich meine Geo-Koordinaten teilen möchte. Im Falle von Latitude fällt genau diese bewusste Entscheidung die jedes Mal getroffen wird weg. Aber im Endeffekt habe ich glaube ich selbst damit nicht mal ein so großes Problem. Während Locations bei Twitter & Co eindeutig in meiner Comfort Zone sind bin ich mir da bei Latitude noch nicht so ganz sicher.

Beim Thema Datenschutz geht es ja auch immer darum, dass man die verschiedenen Datenquellen miteinander verknüpft. Die bekannte Dystopie ist, dass die Krankenkasse oder die Versicherung mehr Geld von einem verlangt weil sie das Konsumverhalten bzw. den Lebenswandel kennt und man deshalb ein besonderes Risiko darstellt. Allerdings geht es dabei ja immer um die Verknüpfung von Daten einer Person. Und das Risiko trägt man in meinen Augen selbst: Alles was ich im Netz publiziere ist öffentlich einsehbar und kann von Dritten gelesen und neu kombiniert werden. So weit so gut und auch kein Problem, denn ich entscheide mich ja dafür, dass so zu handhaben.

Spannend wird es aber wenn man Daten von verschiedenen Quellen verknüpft. Wenn @plaetzchen schreibt, dass er nun zum JuPi-Camp fährt und ich sitze neben ihm im Auto gibt es damit auch direkt von ihm ein Bewegungsprofil. In dem Fall okay, denn wir haben uns beide dafür entschieden. Aber was ist wenn die Trennlinie nicht so scharf ist? Simples Beispiel: Person X twittert, dass Person Y zum Abendessen kommt. Wenn Person Y dabei fleissig mit Latitude seine Bewegungen verrät wird damit auch die Adresse von X aufgedeckt. Und das vielleicht ganz ohne, dass X das wollte, weil das völlig außerhalb der eigenen Comfort Zone ist. Während “lad keine Fotos von besoffenen Leuten zu StudiVZ hoch ohne die betreffenden Menschen zu fragen” recht simpel zu verstehen ist und eine klare Grenze über die Persönlichkeitsrechte zieht finde ich das in dem Fall nicht so einfach.  

Ich glaube nicht, dass sollte Person-to-Person-Verknüpfungen bereits maschinell im großen Maßstab über verschiedene Dienste gezogen werden. Rein technisch ist das aber eigentlich jetzt schon kein Problem mehr. Aber die Frage bleibt: Quo vadis?

DMCA-Befreiungen - Wo Licht ist...

Posted by Bastian • Wednesday, July 28. 2010 • Category: Aktuell: , The Pirates Gospel
Nachdem die von der EFF beantragten und auch Copyright Office bewilligten Befreiungen vom DMCA durchgekommen sind und entsprechend gefeiert wurden hat Techdirt gestern auf jene Anträge hingewiesen die abgelehnt wurden. Hier einige der abgelehnten Anträge:
Subscription based services that offer DRMprotected streaming video where the provider has only made available players for a limited number of platforms, effectively creating an access control that requires a specific operating system version and/or set of hardware to view purchased material; and Motion pictures protected by antiaccess measures, such that access to the motion picture content requires use of a certain platform.
Dieser Antrag bezieht sich sowohl auf DVDs die mit einem Ländercode versehen sind und deshalb in DVD-Playern nicht abspielbar sind als auch auf Streamingservices wie Netflix die bestimmte Plattformen wie Linux ausschliessen. Das Umgehen dieser Schutzmaßnahmen ist leider weiterhin illegal...
Lawfully purchased sound recordings, audiovisual works, and software programs distributed commercially in digital format by online music and media stores and protected by technological measures that depend on the continued availability of authenticating servers, when such authenticating servers cease functioning because the store fails or for other reasons; and Lawfully purchased sound recordings, audiovisual works, and software programs distributed commercially in digital format by online music and media stores and protected by technological measures that depend on the continued availability of authenticating servers, prior to the failure of the servers for technologists and researchers studying and documenting how the authenticating servers that effectuate the technological measures function.
Dies bezieht sich auf jene DRM-Maßnahmen die regelmässig zu Servern Kontakt herstellen müssen um weiterhin Zugriff auf Inhalte zu gewähren. Spieler werden das Problem vielleicht von den Ubisoft-DRM-Servern kennen. Wenn diese nicht erreichbar sind kann man auch nicht spielen. Was für kurze Zeiträume nur nervig ist wird dann zu einem Problem wenn Firmen auf einmal Pleite sind. Oder die Server abschalten weil die Wirtschaftlichkeit für sie nicht mehr gegeben ist.

Solche Fälle gab es bereits und es wäre begrüßenswert gewesen wenn das Umgehen von DRM für diesen Zweck legal wäre. Leider hat man sich dagegen entschieden. Die Begründung dafür ist, dass die Firmen die so Verfahren haben ihren ehemaligen Kunden angeboten haben das Geld zurückzuzahlen. Immerhin gelten aber die gleichen Rechte für alle:
Software and information recorded, produced, stored, manipulated or delivered by the software, that a forensic investigator seeks to copy, activate, or reverse engineer in order to obtain evidence in a court proceeding.
Auch Ermittler keine Sonderrechte beim Umgehen von DRM. Nach der Freude über die Ausnahmen der EFF zeigen diese Beispiele aber recht eindeutig wieso das System des DMCA völlig unpraktikabel und vor allem eins ist: Willkürlich. 

Tickets zum #om10 sind verfügbar

Posted by Bastian • Wednesday, July 28. 2010 • Category: Aktuell: , i left my home
Bevor ich es vergesse: Mittlerweile kann man die Tickets zur openmind #om10 bestellen. Bis zum 09.08. gibt es das Komplettpaket mit 2 Übernachtungen (Freitag & Samstag) in der Jugendherberge in Kassel sowie Vollverpflegung in der selbigen für 70 €. Danach werden die Tickets 85 € kosten. Wer keine Übernachtungsmöglichkeit braucht kann sich für 30 € ein Ticket ohne Übernachtungsmöglichkeit shoppen. Auch in dem ist die Vollverpflegung vor Ort enthalten.

Insgesamt gibt es maximal 120 Plätze, davon 90 mit Jugendherbergs-Übernachtung. Ein guter Teil der Tickets ist schon weg, wer also sicher gehen will noch einen Platz zu kriegen sollte sich vielleicht beeilen. Falls ihr selbst etwas präsentieren wollt: Bis zum 23. August habt ihr noch die Chance Beiträge einzureichen.