Gedankenstücke

(m)ein Leben durch den Sucher

Broelio - WTF?

Posted by Nico • Sunday, December 6. 2009 • Category: Aktuell: , The Pirates Gospel
Soeben ging eine sehr kuriose Aktion zu Ende. Unter der Bezeichnung "Operation Brölio" hatte ich am heutigen Sonntagabend zu einem öffentlichem Brainstorming auf Twitter aufgerufen. Gegenstand unserer geistigen Anstregung war eine SWOT-Analyse zu unserer Mitbewerberin mit dem christlichen Namen. Bei dieser Übung sollten die Stärken und Schwächen sowie die Chancen und Gefahren für die Partei von Herrn Rüttgers festgestellt werden. Hintergrund ist, dass der PG LTW2010 die Aufgabe obliegt, eine Strategie zu entwickeln, und dafür natürlich erstmal eine fundierte Bestandsaufnahme zu erfolgen hat.

Auf die Idee zu dem Namen bin ich durch eine vorangegane Aktion von @Veloc1ty und @Maltis gekommen. Diese hatten in einem spontanen Anfall von Kreativität bekannte Werbesprüche verfremdet und statt des ursprünglich beworbenen Produkts den Namen des Speiseöls "Brölio" eingefügt. Diese "neuen" Werbesprüche twitterten sie in die Welt. Aus dieser spontanen Aktion entwickelte sich ein kleiner Twitter-Hype und eine ganze Reihe von piratennahen Twittern beteiligte sich an der Schöpfung von "neuen" Werbesprüchen. Frei nach dem Motto: Brölio - Die Freiheit nehm´ ich mir. So stachelte man sich gegenseitig zu immer neuen Werbesprüchen an, so dass eine sehr respektable Anzahl dieser Sprüche bald über Twitter kursierte. Der hashtag #broelio schoss zwischenzeitlich in die TopTen.

Dies nahm ich zum Anlass, um dieses Vorgehen auch für die PG Landtagswahlkampf - offiziell PG LTW2010 - zu testen. Da wir sowieso eine SWOT-Analyse durchführen wollten, entschlossen wir uns kurzerhand hierbei ebenfalls den Kreativitätspool der Piraten anzuzapfen.

Zu einem festgelegten Zeitpunkt sollte ein Brainstorming zur CDU stattfinden, bei dem über die Stärken und Schwächen und die möglichen Chancen und Gefahren für die Partei diskutiert wird. Einerseits kann man so umständliche Anfahrtswege vermeiden, die anfallen, wenn man sich physisch trifft. Darüber hinaus ermöglicht ein Online-Dienst wie Twitter die Teilnahme von viel mehr Piraten als dies bei einem realen Treffen der Fall wäre.

Um die Spontanität zu erhalten sollte die Aktion nicht zu früh bekannt werden. Auf die Aktion wurde 48 Stunden vorher vage hingewiesen, ohne konkret mitzuteilen, welchen Zweck sie verfolgt. Erst 9 Stunden vorher dem festgelegten Termin habe ich eine ausführliche Mail über die NRW-Info-Mailingliste versendet. Aufgrund eines Serverausfalls erreichte die Mail die Empfänger jedoch nicht. Da ich nach dem Versand eine längere Strecke Bahn gefahren bin, hatte ich von dieser Kommunikationspanne leider erst viel zu spät erfahren und deshalb wussten viele Piraten auch nicht, worum es bei #broelio ging. Es kam zu einigen verwirrten Nachfragen auf Twitter und viele Piraten Beteiligten sich wahrscheinlich deshalb nicht, da sie den Sinn der Aktion nicht erkennen konnten. Trotzdem nahmen eine ganze Reihe von Piraten, die als Follower von mir von der Operation Brölio erfahren hatten, an dem Brainstorming teil.

Jeweils 15 min. wurde über die vier Unterthemen (Stärken, Schwächen, Chancen, Gefahren) über Twitter diskutiert. Der Ablauf war auch tatsächlich so, wie ich ihn mir erhofft hatte. Allerdings kamen die Tweets doch leicht verzögert, so dass ein Ideenfluss wie in einer echten Diskussionsrunde leider nicht zustande kam. Aber das Ergebnis konnte sich trotzdem sehen lassen.

Auch diesmal eroberte #broelio als hashtag die TopTen der Twitterrangliste. Nach einer Stunde war dann alles vorbei. Einige nicht-teilnehmenden Twitterer waren froh, nun nicht mehr "zugespammt" zu werden, obwohl andererseits einige Teilnehmer auch gerne noch weiter gezwitschert hätten. Aber angesichts der fortgeschrittenen Zeit, wäre das auch nicht das Wahre gewesen. Wir haben jedenfalls trotz der begrenzten Zeit interessanten Input für unsere Analysen bekommen.

Beim nächsten Mal werde ich hoffentlich mehr Glück bei der Informationspolitik haben, so dass dann noch mehr Leute teilnehmen und uns ihre Ideen mitteilen.

Wer noch Kritik, Anregungen oder Verbesserungsvorschläge hat, kann sie mir gerne mitteilen.

Aufgrund der fast ausschließlich positiven Resonanz möchte ich die Operation Brölio gerne fortsetzen. Angesichts verschiedener Mumble-Konferenzen scheint 22 Uhr eine praktikable Uhrzeit zu sein. Wenn wir die nächsten Abende weiter so kreativ sind, haben wir bis Freitag alle Mitbewerber durch.

Ich freue mich auf weiteren Input von Euch.

Teiler Döhrden


Die FDP - der Schrecken der Straße

Posted by Nico • Monday, November 30. 2009 • Category: Aktuell: , The Pirates Gospel
Heute wurden in mir Erinnerungen aus meiner Kindheit geweckt. Damals waren mir aus dem Kinderprogramm Friedrich und Friedrich aus der Serie "Luzie, der Schrecken der Straße" ans Herz gewachsen. Als ich heute erfuhr, dass die Bundesregierung dem SWIFT-Abkommen mit den USA zugestimmt hat, wurde ich unwillkürlich wieder an diese beiden Knetgummi-Figuren aus der CSSR erinnert.

Hatte sich nicht die FDP im gesamten Bundestagswahlkampf als Bürgerrechtspartei ausgegeben und noch im Koalitionsvertrag das hohe Lied des Datenschutzes gesungen? Wie kann es sein, dass gut einen Monat nach dem Abschluss scheinbar nichts mehr von dieser Vereinbarung gilt?

Wer geglaubt hat, dass die Selbstverleugnung einer Partei mit der SPD und ihrer Agenda 2010 ihren nicht mehr steigerbaren Höhepunkt erreicht hätte, sieht sich nun durch das rückratlose Verhalten der FDP getäuscht. Hier findet innerhalb von lediglich wenigen Tagen eine 180 Grad Kehrtwende statt, dass man sich eigentlich Sorgen um die liberale Halswirbelsäule machen müsste, wenn einem nicht gleichzeitig bewusst wäre, dass dieses Körperteil bereits durch ähnliche Manöver in der Vergangenheit ausgiebig trainiert worden ist. Angesichts des heutigen Abstimmungsverhaltens im Rat kann man ja schon von einer zirkusreifen Veranstaltung sprechen, der dieser Partei problemlos ausreichend Legitimität verleiht, um als Berufsvereinigung der Kontorsionisten aufzutreten. Wenn es Friedrich und Friedrich noch geben würde, wäre die Produktion von weiteren Folgen mit dem in der FDP vorhandenem Knetgummi über die nächsten Legislaturperioden gesichert.


Das ehemals liberale Gewissen (um hier mal eine neuerdings beliebte Redewendung aufzugreifen) der deutschen Parteienlandschaft ist offenbar dermaßen durch das eigene Führungspersonal sediert worden, dass selbst das Hirn eines Koma-Patienten größere EKG-Amplituden erzeugt.


Es ist schon im höchsten Maße erbärmlich, was hier geschieht, vor allem wenn man sich die hochtrabenden Vereinbarungen im Koalitionsvertrag anschaut, dessen Abschluss ja nun, wie gesagt, auch noch nicht so besonders lange her ist:


„Bei den Verhandlungen zum SWIFT-Abkommen werden wir uns für ein hohes Datenschutzniveau (strikte Zweckbindung, Löschung der Daten, klare Regelungen bezüglich Weitergabe an Drittstaaten) und einen effektiven Rechtsschutz einsetzen. Ein automatisierter Zugriff auf SWIFT von außen ist auszuschließen. Die Übermittlung der Daten wird an Tatbestandsvoraussetzungen geknüpft und aufgrund einer Bedrohungs- und Gefährdungsanalyse eingegrenzt. Die Menge der zu übermittelnden Daten ist möglichst gering zu halten. Das Abkommen ist unter Ratifizierungsvorbehalt zu stellen.“


Bei der anstehenden Diskussion wird von der „F“ „D“ P sicherlich der Einwand vorgebracht werden, dass man das Abkommen ja zeitlich zunächst auf neun Monate begrenzt habe. Es handelt dabei lediglich um letzte Reste von liberalen Reflexen gleich einem Huhn, das noch zuckt, obwohl ihm der Kopf abgeschlagen wurde. Diese Reflexe werden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlich nach der Landtagswahl in NRW abebben und verstummen. Wer schon bei der Einführung eines solchen Überwachungsinstruments keine Gegenwehr zeigt, auf den braucht man auch keine Hoffnungen verschwenden, wenn es um die in einem Dreivierteljahr anstehende Verlängerung des SWIFT-Abkommens geht. Mangels Drucks durch bevorstehende Wahlen, wird man sich hier wieder bereitwillig beugen – in welche Richtung auch immer.

Und auch auf das EU-Parlament sollte man sich in diesem Punkt nicht verlassen. Neun Monate sind eine lange Zeit, in der man sich noch schwerwiegende Gründe einfallen lassen kann, warum man als Europaparlamentsabgeordneter zwar mit großen Bedenken aber dann am Ende doch einer Verlängerung des Abkommens zustimmen musste. Wahrscheinlich wird man sich auch dann wieder auf einschlägige Fahndungserfolge berufen, die sich jedoch leider nicht verifizieren lassen. Dass man an dieser Stelle die Verkürzung der ursprünglich geplanten Laufzeit von zwölf Monaten auf nunmehr neun Monate als Verhandlungserfolg darstellen möchte, verdeutlicht das Ausmaß, in dem hier die EU gegenüber den USA zu Kreuze gekrochen ist.


Man hat nun die Gelegenheit an der schrittweisen Demaskierung einer Regierung teilzuhaben, die bereit ist, sämtliche Bürger- und insbesondere Datenschutzrechte über Bord zu werfen. Dies ist einerseits traurig, aber bietet uns als Piraten gleichzeitig die Chance, uns als explizite Bürgerrechtspartei zu positionieren. Hier ist es unsere Aufgabe, dem Wähler deutlich zu machen, dass er auch bei der Landtagswahl Zeichen setzen kann, indem er uns seine Stimme gibt. Über den Landtag können wir bei einem entsprechenden Ergebnis dafür sorgen, dass sich die Suche nach Mehrheiten im Bundesrat ab Juni 2010 für Schwarz-Gelb wesentlich schwieriger gestalten wird als bislang. Unsere Aufgabe ist daher, diese Alternative dem Wähler deutlich zu machen. Ich würde mich freuen, wenn es am Ende heißt: Die Piraten sind der Schrecken der FDP.

Teiler Döhrden

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