Gedankenstücke

(m)ein Leben durch den Sucher

Portale fürs Wohnzimmer

Posted by Bastian • Thursday, April 21. 2011 • Category: Aktuell: , with a wonder and a wild desire
Fast passend zum Launch von Portal 2 haben wir es nun geschafft unsere Spiegel im Wohnzimmer aufzuhängen. Aber nicht nur irgendwelche Spiegel, sondern welche, die bei passenden Lichtverhältnissen Portale simulieren. Wie man auf dem Foto glaube ich ganz schön erkennen kann. Die Grund-Idee dafür haben wir allerdings auch nur geklaut. Die Umsetzung haben wir aber ein bisschen angepasst. Wer selbst basteln will findet hier eine kurze Anleitung.

Portal

Was ihr benötigt:
  • 2 ovale Spiegel, z.B. die Kolja-Variante von IKEA, kosten nur 15,99 € das Stück 
  • LED-Lichtschläuche, 4-5 Meter länge sind mehr als ausreichend. Gibt’s bei Amazon oder Pollin. Kostenpunkt pro Schlauch zwischen 10-20 € 
  • Ein paar Dübel, Schrauben, Nägel und Abstandshalter. Dürften maximal 10 € im Baumarkt kosten
Im Endeffekt kommt man dann auf gute 80 € an Materialkosten. Die IKEA-Spiegel haben den Vorteil, dass die Wandbefestigung bereits im Lieferumfang enthalten ist, das erleichtert das Anbringen der Spiegel doch ganz gut. Damit man jetzt aber noch die Lichtschläuche hinter den Spiegel bekommt, muss man den gesamten Spiegel ein paar Zentimeter von der Wand abheben lassen. Genau dafür kann man im Baumarkt die passenden Abstandshalter erwerben.


Abstandshalter

Die gibt es unterschiedlichen Stärken, so dass man sich die passende Breite einfach auf eine Schraube zusammenstecken kann. Den so entstanden Abstand sollte man bei der Wahl der Schraubenlänge dann mit einfliessen lassen, sonst klappt die Konstruktion natürlich nicht.

Wir haben uns für 6 cm Abstand von der Wand entschieden (das reicht bei unseren Lichtschläuchen für 2-3 Windungen hinter dem Spiegel) und 10 cm lange Schrauben verwendet. Also passende Löcher in die Wand gebohrt, den Dübel ins Bohrloch gesteckt und dann einen lustigen Spieß auf die Schraube ziehen. Zu erst kommt die Spiegelbefestigung aus dem IKEA-Lieferumfang, dann die entsprechende Anzahl an Abstandshalter für den gewünschten Abstand. Und dann ab in die Wand damit.


Anbringung Lichtschlauch

Wenn die 4 Halterungen pro Spiegel in der Wand sind, dann schnappt man sich seinen Hammer und prügelt Nägel in die Wand, auf denen man nachher den Lichtschlauch anbringen kann. Idealerweise sollten die Nägel so angebracht sein, dass sie den Lichtschlauch nah am Spiegelrand herlaufen lassen, aber nicht so weit draußen, dass man den Schlauch direkt sehen kann. Da könnt ihr am besten selbst mal experimentieren, was für euch die besten Ergebnisse liefert.

Danach kann man dann den Lichtschlauch über die Nägel vorbei führen. Achtet darauf, dass ihr das ganze Straff zieht, damit es fest hängt und hinterher nicht doch hinter dem Spiegel hervorlugt. Und wenn ihr dann so weit seid, dann ab an die Wand mit dem Spiegel. Und fertig. Falls ihr noch Fragen dazu habt: Her damit. Und in der nächsten Heimwerker-Episode kann ich euch dann hoffentlich erklären, wie man ein Bällebad ins Wohnzimmer baut.


Portal orange


Wider das gegliederte Schulsystem

Posted by Bastian • Tuesday, April 12. 2011 • Category: Aktuell: , We Don't Need No Education
Nach ein paar Tweets hin und her habe ich mich nun doch entschlossen, kurz über das Thema zu bloggen.

Aufhänger waren unter anderem der Blogbeitrag von @ciffi (mit der Auffassung, das Schulsystem sei undemokratisch) sowie die Ausführungen von BigArne (als Verfechter eines gegliederten Schulsystems).

Meine Meinung wird in der Überschrift schon deutlich: Ich bin strikter Gegner eines gegliederten Schulsystems. @BigArne führt aus, dass er individuelle Förderung aber befürwortet. Individuelle Förderung halte ich auch für unabdingbar, allerdings behebt das m.E. nicht das grundsätzliche Problem der frühen Selektion.

Was macht das mit Kindern, wenn man ihnen im Alter von ca. 10 Jahren sagt, sie seien nicht gut genug (für das Gymnasium)?

Ich behaupte, dass ich unterschiedliche Schülertypen einschätzen kann. Ich unterrichte Hauptschüler, Realschüler, Gymnasiasten in unterschiedlichen Bildungsgängen am Berufskolleg (mit Schwerpunkt Wirtschaft und Verwaltung). Ja, es gibt Unterschiede, aber weit weniger als man als Laie landläufig meint. Studien (auch die bekannte Pisastudie) zeigen, dass die Unterschiede zwischen guten Hauptschülern und schlechten Gymnasiasten marginal sind. Es ist nicht der Intellekt, der sie unterscheidet, aber wenn sie mit ca. 16 bei uns landen, ist es die Geisteshaltung, die Einstellung zum Lernen, die manchmal unterschiedlich ist (aber auch da gibt es Überschneidungen). Ich habe Hauptschüler, die fleißig und intelligent sind und bei denen ich nicht sagen könnte, warum jemand mal befunden hat, diese Schüler dürften nicht aufs Gymnasium.

Es ist aber vor allem ein Unterschied im Selbstbewusstsein zu erkennen.

Zu Anfang eines Kurses lasse ich Schüler gerne 10 Eigenschaften aufschreiben, die sie an sich mögen/gut finden. Die Hauptschüler ziehen solche Aufgaben eher mal ins Lächerliche, aber vor allem deshalb, weil es ihnen sehr schwer fällt. Sie haben gelernt, Kritik zu hören. Sie haben sich daran gewöhnt, die Versager der Gesellschaft zu sein. Sie haben gelernt, zu "posen". Aber letztendlich fehlt ihnen der Glaube daran, etwas an ihrer Situation verändern zu können (erlernte Hilflosigkeit).

Wenn man sie fragt, warum sie glauben, dass sie nicht auf einem Gymnasium gelandet sind, antworten sie, dass sie zu faul, nicht schlau genug seien.
Rein objektiv stimmt das schlicht nicht, aber sie haben das gefressen und verinnerlicht.

Es geht um Anerkennung. Schüler frühzeitig auf unterschiedliche Schulformen aufzuteilen, wird zu einer self-fulfilling-prophecy, führt zu Frustration, Aggression, im schlimmsten Fall zu Resignation und Depression.

Ich gebe den Traum mit einer Schule für alle nicht auf. Ich möchte Schulen, in denen Schüler mit unterschiedlichsten Talenten zusammen und voneinander lernen können. Das muss selbstverständlich auch für Schüler mit Beeinträchtigungen gelten. Wie viel könnte meine jetzige Klasse Höhere Handelsschule davon profitieren, wenn z.B. ein blinder Schüler oder eine gehörlose Schülerin Teil der Klasse wären? Ich möchte flexiblen, respektvollen Umgang fördern, unabhängig davon, wer wo Stärken und wer wo Schwächen hat. An meine Schüler glaube ich an der Stelle, nur die Gesellschaft scheint ein solches System nicht für möglich zu halten.

Ich möchte Schulen (als Vorbild sehe ich unsere holländische Partnerschule), die projektorientierter arbeiten. In der jeder Schüler das Gefühl hat, so angenommen zu werden, wie er ist. In der Schüler sich finden und verwirklichen können. In der Schüler Spaß an Schule, Spaß am Lernen haben. Nicht jeder muss Studieren, nicht jeder muss Abitur machen, aber jeder soll eine aufrichtige Chance dazu haben, die wir heute, mit einem selektiven System verwehren.

Die verzweifelten Versuche, ein mehrgliedriges System aufrecht zu halten und stattdessen ein wenig Geld hier, ein wenig mehr Personal da zu fordern, sehe ich sehr skeptisch. Ich sehe da die Angst um die "heilige Kuh" Gymnasium und die Angst, die eigenen Kinder müssten gar mit den "Schmuddelkindern" zusammen lernen. Für mich hat das was von Doppelmoral. Ein paar schöne Stichworte ("individuelle Förderung") werden den toten Gaul Schulsystem nicht retten.

Den Preis, den wir in Kauf nehmen, sind Schüler, die in Hartz IV und Maßnahmen enden, weil sie aufgehört haben, an sich zu glauben.

Ja. Es wird Geld und Mittel und Lehrer brauchen, die das tragen können, aber ich bin für meine zukünftigen Schüler bereit, dafür zu kämpfen. Es wird Diskussionen brauchen und Politiker, die sich zutrauen, das zu verändern. Und je länger wir warten, desto mehr und mehr Schüler gehen unter in unserem System.

Lernen durch Lehren - Fazit aus dieser Reihe zum Thema "Kaufvertrag und Kaufvertragsstörungen"

Posted by Bastian • Friday, April 8. 2011 • Category: Aktuell: , We Don't Need No Education
"Was man lernen muß, um es zu tun, das lernt man, indem man es tut." – Aristoteles 

Abschlussbesprechung mit den Gruppen:

Gespannt war ich, wie offen die Schüler Kritikpunkte ansprechen. Sind die Gruppen schon so weit, offen über Probleme zu sprechen?

Aufgabe war: Unterrichtsstunde konzipieren und durchführen, Test dazu mit Korrektur und Besprechung als Vorbereitung auf die dann von mir gestellte Klausur 

Die Gruppenmitglieder waren in allen Gruppen eher vorsichtig hinsichtlich des Kommunizierens von Problemen innerhalb der eigenen Gruppe. Probleme bei den Unterrichtsstunden wurden aber ansonsten gut erkannt. Einige hatten die recht lange Vorbereitungszeit zunächst nicht gut genug genutzt (sondern sich mit unterrichtsfremden Themen beschäftigt) und am Ende wurde dann zum Termin hin die Zeit doch knapp. (Erläuterung: Wir haben aufgrund der neuen Herangehensweise und den komplexen Themen ca. 8 Wochen (mit ca. 3-4 Stunden pro Woche) an der Vorbereitung der Stunden gearbeitet)

Ich für meinen Teil bin der Meinung, dass es durchaus bei einigen Gruppen/Stunden Probleme gab, wobei ich die konzeptionellen Probleme weniger stark gewichtet habe als die offenkundig vorhandenen sachlichen Fehler in einigen Präsentationen/Aufgaben. Ich erwarte hier von Schülern, die einen Abschluss anstreben, der zum Studieren berechtigt (FHR), dass sie in der Lage sind, einen Themenbereich selbstständig weitgehend fehlerfrei aufzubereiten.

Wie haben die Schüler die Reihe empfunden?

Offensichtlich war dies das erste Mal bei nahezu allen Schülern, dass sie so frei an einem Thema gearbeitet haben. (Ich frage mich an der Stelle alle Jahre wieder, was eigentlich die Sek. I-Schulen machen. Gerne würde ich mal mit Lehrern aus den Zubringerschulen in unserem Kreis ins Gespräch kommen. Gar nicht in einer nur kritischen Form, aber um z.B. Anforderungen abzugleichen. Es ist für Schüler auch sehr frustrierend, wenn sie mit verhältnismäßig guten Noten bei uns ankommen und dann scheitern.)

Die meisten Gruppen sind aber eher in ihrer Zeitplanung unsicher gewesen, nicht so beim eigentlichen Inhalt. Da gab es nur bei zwei (von sieben) Gruppen Probleme. Überhaupt wurde das Gefühl "Unsicherheit" mehrfach genannt, aber diesen Punkt hatte ich in meinem Einstieg zur Reihe bereits als möglichen Faktor angesprochen.

Mehrere Gruppen fanden die Freiheit gut, mit der sie arbeiten und planen konnten. Die Problematik, aus einem großen Umfang von Material das für die Gruppe/Klasse passende auszuwählen, viel einigen Gruppen schwer. Es ist aber auch nur bei wenigen Gruppen versucht worden, über das vorhandene, von mir organisierte Material hinaus, eigene Rechercheergebnisse hinzuzufügen. Einige Schüler gaben zu, am Anfang sehr skeptisch gewesen zu sein. Sie waren dann überrascht, dass die Ergebnisse doch recht gut geworden sind (z.B. haben kaum Schüler gefehlt, wenn sie ihre Unterrichtsstunde halten sollten. Ich habe also das Gefühl, dass sie sich der großen Verantwortung auch gegenüber ihren Mitschülern sehr bewusst waren.) Es wurde zudem als Vorteil empfunden, dass man das eigene Thema wirklich sehr gut konnte für die Klausur.Ebenso wurde angesprochen, dass man durch die selbstständige Arbeit weniger abhängig vom Lehrer ist/Wird und Aspekte mehr hinterfragt, was man sonst im normalen Unterricht nicht tun würde. 

Die Klausur über diesen Teil ist zumindest deutlich besser ausgefallen als die davor geschriebene. Allerdings kommen hierfür als Grund mehrere Faktoren in Betracht: Der zweite Teil war eine große Rechnungswesenaufgabe. Hier haben wir einige Wochen investiert, um die Grundlagen nochmal zu wiederholen. Dies hat bei einigen Schülern zu Verbesserungen geführt. Außerdem ist es aufgrund diverser Gespräche und pädagogischer Maßnahmen m.E. insgesamt zu einer Verbesserung der Arbeitsatmosphäre und der Arbeitseinstellung gekommen. 

Eine Klausur über den zweiten Teil steht noch nach den Osterferien an. Die hierzu als Übung dienenden Tests sind von den Schülern noch nicht abschließend korrigiert und werden erst am Montag zurückgegeben und besprochen.

Die nun schon begonnene neue Unterrichtsreihe (zum Bereich "Marketing") baut auf den jetzt erworbenen Fähigkeiten auf, Sachgebiete selbstständig zu erarbeiten. Allerdings wird hier der Hauptaspekt auf der kreativen Gestaltung und Präsentation liegen. Die Schüler sollen anhand eines selbstgewählten fiktiven Produktes ein Marketingkonzept im Wettbewerb gegeneinander entwickeln, welches alle gängigen Bereiche des Marketings abdecken soll. Hierfür müssen die theoretischen Grundlagen erarbeitet werden. Darüber hinaus wird aber der Bereich gefördert, der in der Reihe mittels LdL zum Kaufvertrag eher vernachlässigt worden war und auch noch nicht so gut umgesetzt wurde: Das kreative Präsentieren/Visualisieren. 

Wir hatten viele Probleme in der Klasse, was z.B. die Geisteshaltung und Einstellung zum Lernen angeht. Ich bin deshalb sehr stolz auf meine Klasse, weil sich die Schülerinnen und Schüler mit einem komplexen Themenbereich erfolgreich selbstständig auseinandergesetzt haben.


Zur Person: Birgit Rydlewski, 41 Jahre alt, Lehrerin für Wirtschaftswissenschaften und Deutsch am Richard-von-Weizsäcker-Berufskolleg in Dülmen/Lüdinghausen, digital immigrant, politisch engagiert.

"Beamte streiken heimlich"

Posted by Bastian • Wednesday, April 6. 2011 • Category: Aktuell: , We Don't Need No Education
Angesichts meines "Personalentwicklungsgesprächs" habe ich mir ein paar Gedanken über meine Einstellung zu meiner möglichen Karriere und dem Beamtentum im Allgemeinen gemacht:


Fehlende Flexibilität 


Aufgaben, einmal verteilt, hat man für längere Zeit, wenn nicht gar für immer.


Mir erschließt sich der Sinn nicht. Ich glaube daran, dass Menschen vor allem dann gute Arbeit machen, wenn ihnen etwas Freude bereitet. Vielleicht ändern sich Bedingungen, vielleicht ändert sich die private Lebenssituation, man wird älter etc. Warum also nicht Aufgaben nur für eine Zeit verteilen? Warum nicht Aufgaben an Zulagen koppeln oder an Entlastung und nicht an Gehaltsstufen? 


Theoretisch und auch praktisch hat man derzeit die Situation, dass Menschen auf Stellen sitzen, in denen sie gar nicht mehr aufgehen. Im schlimmsten Fall baden das Schüler aus, im etwas weniger schlimmen Fall die Kollegen, die dann stattdessen die Aufgaben erledigen. 


Lehrerarbeitszeit


Keine Landesregierung traut sich da ran. (Auch kaum eine Schule, denn auch Schulen können selbstständig Modelle für ihr Kollegium entwickeln). Da scheint es viel Angst vor neuem Unmut, gar vor Rebellion, zu geben. Bloß nicht über Probleme sprechen, dann merkt es vielleicht keiner, scheint die Devise. 


Aufgaben/Belastung werden/wird nie wirklich gerecht verteilt werden. Das ist nicht nur in Schulen ein Problem. Wenn aber die Ungleichverteilung so deutlich wird, dass Unmut aufkommt oder im Gegenzug Resignation, dann läuft etwas falsch. (Wenn wir ehrlich sind, ist in Deutschland von Seiten der Lehrer keine große Revolution zu erwarten. Da sind einzelne Menschen, die es satt haben, aber in Summe erscheint mir die Masse so, dass sie froh sind, wenn alles so bleibt, wie es ist, nicht nur bei Arbeitszeitmodellen, auch bei anderen Veränderungen.)


Ich will nicht nörgeln. Ich freue mich über die Vielfalt meiner sechs Fächer (BWL, VWL, Rewe, Deutsch, Mathe,  Politik) in drei Bildungsgängen (Handelsschule, Höhere Handelsschule, Gymnasiale Oberstufe) an zwei Schulorten. Auch die Zusatzaufgaben (Admin Intranet, Beratungslehrerin, Kriseninterventionsteam) mache ich freiwillig, weil ich sie für sinnvoll und wichtig halte. Es gibt aber keine Entlastung dafür. Das ist alles zusätzlich zum normalen Alltag. (Es gibt aber immerhin eine Entlastung für Korrekturbelastung für das Fach Deutsch.)


Und so mag man mir nachsehen, wenn ich mich daran störe, dass es immer auch Kollegen gibt, die offensichtlich eine sehr ruhige Kugel schieben. Meine Möglichkeiten sind da gering. Als kleiner Lehrer (ich befinde mich da derzeit in der Einstiegsstufe vom Gehalt und vom "Ranking") kann man sich ärgern und dem aus dem Weg gehen. Genau bis zu dem Moment, wo ich in direkte Konfrontation einbezogen werde, sei es als Beratungslehrerin, weil Schülerin A ein Problem damit hat, dass Lehrer B sie beleidigt oder weil Kollegin C zu mir kommt, weil ich ja für irgendeine Aufgabe zuständig sei (die sie auch locker selbst erledigen könnte). 


Es ist aber an der Stelle -und nun komme ich zum Beamtenrecht zurück- auch vermutlich als Abteilungsleiter und Schulleiter so, dass man quasi doch nur sehr wenig machen kann, wenn jemand seinen Aufgaben wirklich nicht nachkommt oder gar ausfällig wird. 


Ich bin froh, dass ich Beamtin bin, vor allem, weil ich mit meiner Augenerkrankung weitgehend Schutz erwarten kann, selbst wenn es schlimmer werden sollte. Trotzdem hoffe ich, dass ich gegen alle Widrigkeiten auch mit einer möglichen anstehenden Beförderung nicht "käuflich" werde. (Diplomatischer soll ich werden beim Äußern von Kritik und mich besser ins System eingliedern.)


Ich hoffe sogar darüber hinaus, dass ich den Mut habe, auszusteigen, falls ich meinen Ansprüchen an die Arbeit nicht mehr gerecht werde. Falls ich keinen Spaß mehr habe, an dem was ich tue. Falls ich meinen Humor verliere. Oder falls es mir keine Freude mehr bereitet, mit Schüler, Kollegen und anderen Menschen eine Idee weiterzuentwickeln.
Zur Person: Birgit Rydlewski, 41 Jahre alt, Lehrerin für Wirtschaftswissenschaften und Deutsch am Richard-von-Weizsäcker-Berufskolleg in Dülmen/Lüdinghausen, digital immigrant, politisch engagiert.

Ein Intranet für unsere Schule

Posted by Bastian • Tuesday, March 22. 2011 • Category: Aktuell: , We Don't Need No Education

Weiß hier die rechte Hand eigentlich, was die linke tut?

Meine erste Schule, damals nach dem Referendariat, 2003.
Über 3.000 Schüler, drei Schulstandorte, ca. 160 Lehrer, diverse Bildungsgänge, Abteilungen, noch mehr Teams, Konferenzen. Wer hat hier eigentlich den Überblick? Die räumliche Distanz, aber auch das Chaos eines normalen Schultages (unter Umständen noch mit Fahrten zwischen den Standorten) zeigten mir bereits deutlich, dass digitale Vernetzung von Vorteil sein könnte.

Ich geriet weiterhin -weitgehend ohne mein Dazutun- in eine Fortbildung über Netzwerke in Schulen (der genaue Titel ist mir glatt entfallen).  Hieraus entstanden im „Intranet-Team“ die ersten Ideen, was eine Plattform für die Schule können soll. Wen müssen wir überzeugen? Mit wem muss man reden? Wer bezahlt das? Was darf es kosten? Wer entwickelt das?  Welche Anforderungen haben Kollegen/Schüler? Wie viel Zeit wird es brauchen? Für uns, aber auch in der Gesamtimplementierung. Einfach war: Der Informationsfluss sollte verbessert werden zwischen den Kollegen an den unterschiedlichen Schulstandorten. Zu viele Informationen gingen unter im Chaos der Fächer oder an den Pinnwänden. Der immense Kopierbedarf sollte verringert werden. Schwierig in der Praxis: Die Umsetzung hat letztendlich Jahre gedauert. Aber das, was wir heute als Lernplattform, Informationsbrett usw. benutzen, ist m.E. in den Jahren der Überarbeitung richtig gut geworden.

Jetzt aber mal ein wenig praktischer. Hier landet man, wenn man sich anmelden will:




Um einen Überblick zu behalten, haben wir folgende Namenskonventionen: Lehrer melden sich an mit nachname,  Schüler melden sich an mit nachname_vorname. Wir bestehen also auf Klarnamen, aber seien wir ehrlich: Im Beruf nennt sich vermutlich auch niemand „Wilder Hengst 24“. Es wäre ansonsten für die Administratoren fast unmöglich, Zuordnungen vornehmen zu können und Zugriffsrechte zu vergeben. Aber bremst dies Schüler auch aus? Im Positiven (weil es keine typischen Mobbingbereiche gibt; keine Freiräume, anonym zu handeln) oder eher im Negativen (weil es die Entfaltung beschränkt, weil man sich überwacht fühlt)? In unserem Intranet werden unterschiedliche Bereiche angeboten. Ein gemeinsamer Bereich für Schüler und Lehrer („Schule“). Hier können Stellenanzeigen, Termine für alle, Informationen etc. abgelegt werden.




Für die Lehrer auch sehr wichtig: Das „Lehrerzimmer mit allem, was eine Pinnwand im Lehrerzimmer gewöhnlich bietet. Weiterhin gibt es Teamräume/Fachgruppenräume für Lehrer und/oder Schüler, Klassenräume für Kurse/Klassen etc. Ein ganzer Teil unseres Schullebens lässt sich dadurch vereinfachen. Einladungen für Konferenzen werden dort veröffentlicht, man kann auf der Plattform nach Stichworten suchen (und hoffentlich das Protokoll der Konferenz finden). Der Kalender bietet eine Gesamtübersicht aller Termine. Handouts für Referate müssen nicht mehr für alle kopiert werden, sondern können einfach von den Präsentierenden im Raum der Klasse eingestellt werden. Zur Abschlussprüfung stehen viele Informationen/Arbeitsblätter/Hausaufgaben/Linksammlungen einfach zur Verfügung. Der Nutzungsgrad ist dabei sowohl vom Interesse und Engagement der betreuenden Lehrkraft abhängig, aber natürlich auch davon, wie viele Informationen die Schüler von sich aus einstellen.

So sieht beispielsweise ein Teil eines Klassenraums aus (hier am Beispiel meines Deutsch Leistungskurses):




Außer der Unterteilung in diverse Ordnerstrukturen gibt es die Möglichkeit, Chats und ein Forum pro Raum einzurichten. Hier können Hausaufgaben, mögliche Klassenausflüge etc. diskutiert werden.




Ich liebe die Gruppenmailfunktion. Da alle Schüler meiner Kurse mit Mail angemeldet sind, kann man mit wenig Aufwand ganze Kurse per Mail erreichen.
Hier ein weiteres Beispiel aus meiner eigenen Klasse. In der sehr selbstgesteuerten Unterrichtsreihe zum „Kaufvertrag“ finden die Schüler in diesem Bereich ihre Gruppeneinteilung, Hinweise zum Arbeiten, einen Link zu den beliebten „Etherpads“, die Termine, wann welche Gruppe mit welchem Teilbereich ihre Unterrichtsstunde halten wird und den Link zu meinen Blogbeiträgen über diese Unterrichtsreihe.





Eine Plattform ist nur so gut wie ihre Anwender

Die ganz großen Schwierigkeiten sind bis heute geblieben. Es geht um Akzeptanz und um verlässliche Informationen. Das funktioniert aber eben nur, wenn die zuständigen Kollegen/Abteilungsleiter usw. die im Intranet veröffentlichten Inhalte aktuell halten, überprüfen, Abgelaufenes löschen, Wichtiges ergänzen, Termine lückenlos sind. Es geht um Zuverlässigkeit. Je mehr sich Kollegen darauf verlassen, dass z.B. keine Termine fehlen, desto mehr müssen alle darauf achten, dass neue Informationen, Terminverschiebungen, Raumänderungen etc.  kommuniziert werden. Eine recht breite Akzeptanz haben wir vor allem durch viele Schulungen erreicht, die wir angeboten haben. Nicht jedem Kollegen ist intuitiv klar, wie man Artikel hinzufügt, Dateien hochlädt etc. Schülern unterstelle ich zunächst einmal, dass sie viele Anwendungsmöglichkeiten schneller begreifen. Man sieht aber auch gelegentlich Probleme bei der Akzeptanz von Schülerseite. Das hatte ich so zu Beginn nicht erwartet. Eine Plattform der Schule ist halt nicht Facebook oder Schüler-VZ. Die Motivation, sich dort hineinzudenken, sich einzubringen, ein Profil zu gestalten, Links einzustellen und aktive gestaltend tätig zu werden, ist deutlich geringer als bei Netzwerken, die man in der Freizeit nutzt.
Warum ist das so? Hier erscheint langfristig eine Evaluation notwendig.

Ich wünsche mir zwar Ernsthaftigkeit, aber auch durchaus mehr Mut, selber Inhalte beizusteuern.  Die Wiki-Funktion wird kaum genutzt, auch Foren eher selten. Es gibt kaum Profile mit Bildern. Privates wird hier scheinbar ungern mit dem Schulalltag vermischt. Die Teilnahme an einem Schulintranet basiert eben nicht auf Freiwilligkeit, so wie das bei privat genutzten Angeboten im Bereich „social media“ der Fall ist, sondern die Schüler empfinden sich eventuell als Teil einer „Zwangsgemeinschaft“, sowohl in der Schule, der Klasse, aber eben auch im Intranet. In meiner Idealvorstellung wäre der Übergang nicht so hart und deutlich. Kann Schule nicht selbstverständlicher Teil des gesamten Lebens sein und damit Teil eines Gesamtprozesses lebenslangen Lernens?

Für die Technikfreaks:
Das steckt dahinter:




Vermutlich hätten wir auch in der Schule Kompetenz genug, um die Plattform selber zu betreiben. Allerdings ist dies sehr aufwändig, so dass wir den Auftrag außerhalb vergeben haben.  Damit haben wir ein Unternehmen, was uns als Ansprechpartner bei technischen Neuerungen, Problemen etc. zur Verfügung steht.


Zur Person: Birgit Rydlewski, 41 Jahre alt, Lehrerin für Wirtschaftswissenschaften und Deutsch am Richard-von-Weizsäcker-Berufskolleg in Dülmen/Lüdinghausen, digital immigrant, politisch engagiert. Kontakt über: rydlewski@gmx.net Telefon: 0177 7792284

Zur Schule: Richard-von-Weizsäcker-Berufskolleg, zwei große Schulstandorte in Lüdinghausen und Dülmen (plus angemietete Räume in einem Schulgebäude in der Nähe), Bildungsangebote in den Bereichen „Wirtschaft und Verwaltung“, „Ernährung und Hauswirtschaft“, „Sozial- und Gesundheitswesen“, „Technik und Agrarwirtschaft“ für Schüler ohne Abschluss bis zum Abiturienten oder Berufsschüler, Europaschule.

In welcher Gesellschaft möchte ich leben? Educamp Bremen #echb11

Posted by Bastian • Monday, March 21. 2011 • Category: Aktuell: , We Don't Need No Education
Ich bin noch überwältigt von allen Eindrücken. Bekannte getroffen, viele, wundervolle Menschen kennen gelernt, Anregungen erhalten, Diskussionen geführt usw.

Welche Sessions fand ich besonders gut?

Mir ist leider der Titel entfallen. Ein Kommunikationstrainer hat dargestellt, wie man als Lehrer (aber durchaus auch sonst in der Gesellschaft) in Situationen gerät, die ein Dilemma sind. Man möchte keine Noten geben, aber "das System" schreibt es einem vor.

Es ging um Authentizität, Echtheit. Er definierte Wahrhaftigkeit als Authentizität plus Angstfreiheit. Das hat mir sehr gut gefallen. Vor allem darüber hinaus, dass man nur dann emphatisch handeln könne, wenn man angstfrei sei.

Weitere Folge daraus: Aus dem Eindruck, seine Werte nicht leben zu können, kann Burnout entstehen.

Es gilt also: Jeder sollte immer mal reflektieren, warum man etwas tut. Was sind die Motive für mein Handeln? Passt das zu mir oder habe ich nur Angst, meinem Chef nicht zu gefallen? Angst vor dem Shitstorm der Parteikollegen, weil ich eine dort unpopuläre Meinung vertrete? Angst vor den Presseberichten?

Wenn meine Überzeugung ist, das "Richtige" zu tun, muss ich aber eventuell die Ängste hinterfragen. Gebe ich nur Noten, weil ich selektieren muss? Schreibe ich die Klausur so, weil das "immer so gemacht wurde"?
Twittere ich nur das, was von mir erwartet wird, damit ich nicht angreifbar bin?

Welche Fragestellungen bleiben bei mir offen?

Egal, auf welche Konferenz ich gehe, mir scheint es so, als würden verschiedene Themen immer wieder von unterschiedlichen Menschen angesprochen.

Wie soll sich Gesellschaft verändern? Wie funktioniert Teilhabe? Was muss dafür getan werden? Welche Medien können wobei helfen?

Mit einem Entwickler von Software kam auch die Frage nach der Vergütung auf. Er hat 9 Monate seiner Zeit in die Entwicklung gesteckt. Wie wird das nun an die Interessenten gebracht? Er muss davon leben, aber er hat durchaus auch Interesse an anderen Konzepten. Kann man so etwas frei verfügbar machen? Haben freiwillige Bezahlsysteme eine Zukunft? Ich finde die Idee großartig, selbst entscheiden zu können, was mir ein Produkt oder eine Dienstleistung wert ist. Aber von mir selbst denke ich auch, dass ich recht großzügig bin. Das trifft aber sicher nicht auf alle Menschen zu, oder? Kann man das lernen? In welcher Form von Gesellschaft?

Ein anderer großer Komplex war die Diskussion um Privatsphäre.  Lehrer scheinen da (auch bei einer Veranstaltung mit den eher offenen Exemplaren) sehr darauf bedacht zu sein, ihr Privatleben vor Schülern verbergen zu wollen. "Das geht die Schüler nichts an." Ich frage mich, ob ich eventuell zu naiv bin. Immer schon hatten meine Schüler ganz selbstverständlich meine Handynummer und private Mailadresse. Ich habe das immer als Bereicherung und Vereinfachung empfunden. Bei Krankmeldungen bekomme ich schnell morgens eine SMS. Man kann Nachfragen recht umgehend beantworten etc.

Meine Einstellung hierzu hat sich vor allem in der Kommunikation mit einigen Bekannten und Freunden geändert. Der tiefgreifende Einschnitt war aber sicher der Posten des Vorsitzes im LV NRW der Piraten. Mein halbes Leben war mit einem Schlag öffentlich. Sicher könnte man auch da mehr auf das Privathalten von privaten Informationen achten. Ich habe das für mich aber anders entschieden. Meine Badetweets scheinen immer noch Piraten zu beschäftigen;-) Ich bin mehrfach angegriffen worden für das Tweeten über private Dinge. Sex darf man nicht erwähnen (also sagen irgendwelche Leute). Das Problem hat man als Lehrer ähnlich. Lehrer haben nach weitläufiger Meinung keinen Sex zu haben. Und wenn schon, dann doch bitte schön heimlich.

Ich möchte aber in meiner Idealvorstellung eine Gesellschaft, in der man ganz selbstverständlich ein Mensch mit allen Facetten sein kann. Auch Lehrer waren mal betrunken, auch Lehrer machen Fehler, auch Lehrer heulen mal und sogar Sex soll da gelegentlich vorkommen.

Es ist die Entscheidung jedes Lesers, ob ihn das interessiert. Die Entscheidung, ob man etwas offen kommuniziert, sollte aber m.E. nicht auf der Angst basieren, dass irgendwer irgendetwas gegen einen verwenden könnte.

Nun kann ich als Beamte vielleicht gut reden, mögen einige denken. Vielleicht ist meine Beförderung gefährdet, wenn ich zu offen bin, wenn ich offen kritisiere, wenn ich nicht immer systemkomform handele, wenn ich nicht bei der "richtigen" Partei bin.

Aus Angst verbiegen möchte ich mich aber sicher nicht. Das bedeutet auch, dass wir etwas verändern müssen. Menschen müssen weniger erpressbar sein.

Dafür möchte ich eine Gesellschaft, die Individualität verkraftet und unterschiedliche Meinungen. Eine Gesellschaft, die verzeihen kann.
Birgit Rydlewski ist, 41 Jahre alt, Lehrerin für Wirtschaftswissenschaften und Deutsch am Richard-von-Weizsäcker-Berufskolleg, Lüdinghausen/Dülmen

Urheberrechtsverletzungswahnsinn: 5000 Euro Strafe, pro Tag

Posted by Bastian • Wednesday, March 16. 2011 • Category: Aktuell: , The Pirates Gospel
Picassos Guernica gehört wohl zu einem seiner bekanntesten Werke (immerhin kenn sogar ich, als Banause, es). Er malte es nachdem die spanische Stadt Gernika während des spanischen Bürgerkriegs durch einen Luftangriff zerstört wurde und das Gemälde zeigt eindringlich die Konsequenzen von Krieg.

Nadia Plesner ist eine dänische Künstlerin, die zur Zeit in den Niederlanden studiert. Sie hat Picassos Idee aufgegriffen und mit der Darfurnica ein Gemälde geschaffen, dass sich mit den Konsequenzen der Darfur-Krise, sowie der Gleichgültigkeit unserer Medien zu dem Thema beschäftigt. Anstatt den Blick nach Darfur zu wenden, beschäftigt sich der Rest der Welt lieber damit das Schicksal von C-Promis wie Paris Hilton zu verfolgen.

Und genau mit diesem Werk hat sie, nach Ansicht eines niederländischen Gerichts, eine Urheberrechtsverletzung begangen. Allerdings haben nicht die Rechteinhaber von Picassos Werk sie verklagt. Sondern Louis Vuitton, die damit den Titel Spitzen-Vollkoffer sowas von der verdient haben. Der Grund wieso geklagt wird: In dem Gemälde von Plesner sieht man ein afrikanisches Kind, welches neben einem hässlichen Hündchen eine Tasche, die an Louis Vuittons Design angelehnt ist, trägt.

Das Gericht, vor welches Louis Vuitton gezogen ist, hat ihnen recht gegeben. Und das ganz ohne Plesner anzuhören. Sie soll jetzt für jeden Tag an dem das Gemälde so weiter existiert 5000 Euro an Louis Vuitton zahlen. Damit darf sie das Werk auch weder ausstellen, noch auf ihrer Webseite zeigen. Eine englische Übersetzung der gerichtlichen Anordnung ist bereits online.

In wie weit es von Louis Vuitton klug ist, dieses Werk über gerichtliche Urteile entfernen zu wollen sei mal dahingestellt (Streisand, anyone?). Ob es in dem Fall wirklich um den Schutz eines Designs geht, oder ob es Louis Vuitton doch mehr darum geht, dass man nicht im Kontext von Kriegsverbrechen und hungernden Kindern gesehen will ebenso. Aber der Fall zeigt mal wieder ziemlich eindrücklich, wie Schutzrechte für geistiges Eigentum genutzt werden können, um die Meinungsfreiheit und die künstlerische Freiheit zu unterdrücken.

Und da helfen eben auch, die so oft als Lösung herbeigesehnten, Schranken im Urheberrecht oder Fair Use-Klauseln in meinen Augen nicht wirklich weiter. Nicht nur, weil es für den Laien nicht wirklich ersichtlich ist ob man sich noch durch Schranken oder Fair Use gedeckten Bereich bewegt. Sondern auch, weil es erstmal ziemlich egal ist, ob man Recht bekommen würde.

Finanzstarke Unternehmen, wie die Majorlabels oder hier eben Louis Vuitton, können schlicht erstmal klagen und damit eine Menge Druck auf Betroffene ausüben. Mit einem ausreichend auf IP-Rechte spezialisiertem Team und einem ausreichend hohen Streitwert ausgestattet, wird sich jeder, der so angeklagt wird, überlegen ob es ihm den Stress wert ist: Lange Klagewege gegen Konzerne, mit ungewissem Ausgang und der Möglichkeit am Ende zu verlieren und dann horrende Summen zu zahlen? Wer will das schon auf sich nehmen? Kein Wunder, dass viele deshalb auf außergerichtliche Einigungen zurückgreifen.

Gerade bei den IP-Rechten bleibt es wohl dabei: Recht haben, Recht bekommen und Gerechtigkeit sind drei verschiedene Paar Schuhe. Nadia Plesner wird sich erfreulicherweise gegen das Vorgehen wehren.

*UPDATE* Bei Twitter bin ich auf ein schönes Alternativ-Muster für die Handtäschen hingewiesen worden.

Lernen erfolgreich gestalten

Posted by Bastian • Saturday, March 12. 2011 • Category: Aktuell: , We Don't Need No Education
Ein Rückblick auf diese Veranstaltung (natürlich aus meiner sehr subjektiven Sicht).

Für so einen frühlingshaft schönen Tag hatten sich in meinen Augen eine doch recht große Anzahl interessierter Lehrer um 10.00 Uhr im Goldsaal in Dortmund eingefunden, um der Eröffnungsrede von Frau Löhrmann zu lauschen. Ich muss gestehen, dass ich noch nicht ganz wach war und im zweiten Teil davon -auch aufgrund der hohen Buzzwortdichte- einfach gedanklich abgedriftet bin.

Erfreulich bei solchen Werbeveranstaltungen der Schulbuchverlage sind natürlich die kostenlosen Getränke. Überhaupt war der gesamte Kongress kostenlos, nicht umsonst, hoffe ich.

Den Werbecharakter merkt man dann natürlich in einigen Veranstaltungen auch recht massiv. Die Verlage wollen ihre Produkte verkaufen. Das gilt auch für die Hersteller von Whitebords (über die ich den ersten Vortrag besuchte). Das darauf vorgestellte Programm "Pfifficon" (Freiburger Verlag) ist sicher so einsetzbar. Die älteren Leser unter euch werden sich vielleicht an "Der große Preis" erinnern. So ähnlich ist dieses Programm auch aufgebaut. Ich setze solche Spiele auch ohne Whitebord schon gerne als Wiederholung und Auflockerung im Unterricht ein.

Inspiration:

Wolfgang Matthes, den ich dann im zweiten Vortrag bewundern durfte, hat zwar auch mindestens ein Buch geschrieben und will das sicher auch gerne verkaufen, aber dies war dem Vortrag wirklich nicht anzumerken. Von den wenigen Einblicken kann ich mir gut vorstellen, dass dies ein Lehrer ist, bei dem der Unterricht richtig Spaß macht, weil er mit so viel Begeisterung und Charisma bei der Sache war. Der Vortrag war dementsprechend kurzweilig und viel zu schnell vorbei.

Der Mann vom Ministerium (Richard Stigulinszky), der dann im Anschluss über "Systematische Unterrichtsentwicklung im BK - konsequente Strukturierung von Bildungsangeboten, Curricula, Handreichungen, Beratung und Lehrerfortbildung" informieren wollte, hatte es dementsprechend bei mir schwer. In solchen Vorträgen habe ich immer wieder das Gefühl, dass eine Vision/Inspiration/eine weiterentwickelnde Idee von Schule fehlt. Meine Kritik via Twitter muss ich trotzdem insofern korrigieren, dass ich im Anschluss noch ein angenehmes Gespräch mit ihm hatte, was mir zumindest gezeigt hat, dass hier eine Öffnung für Ideen, wie Schule in 10 Jahren sein könnte vorhanden ist.

Im deutschen Schulsystem sind aber wohl keine Revolutionen zu erwarten...

Eigentlich wollte ich noch einen vierten Vortrag besuchen über Abitur online, bin aber stattdessen nochmal durch die Ausstellung der Schulbuchverlage geschlendert.

Neben den mir weitgehend bekannten Medien ist mir ein Verlag in all den Jahren noch gar nicht aufgefallen, weshalb ich ihn hier extra erwähne: Der Wochenschauverlag.

Die Antwort auf meine Anfrage, ob die regelmäßige Ausgabe der Zeitung "Wochenschau" mit unterschiedlichen interessanten Themen auch als pdf bezogen werden kann, erwarte ich per Mail...

Insgesamt hat sich die Veranstaltung gelohnt, allerdings waren die Pausen zwischen den einzelnen Beiträgen sehr kurz. Das haben wir bei der "Open Mind" besser gelöst, finde ich. Auch würde ich mir bei solchen Kongressen mehr Diskussionsmöglichkeiten wünschen. Vortrag/Impuls über 30 min. und danach Diskussion. Schließlich sind wir alle Experten und können durchaus mitreden beim Thema "Bildung".
Birgit Rydlewski ist, 41 Jahre alt, Lehrerin für Wirtschaftswissenschaften und Deutsch am Richard-von-Weizsäcker-Berufskolleg, Lüdinghausen/Dülmen

Rollentausch: Die erste Unterrichtsstunde meines Kurses

Posted by Bastian • Wednesday, March 9. 2011 • Category: Aktuell: , We Don't Need No Education
Ich gebe zu. Ich war nervös. Die Vorbereitungszeit war sicher lang genug, aber die Themen für eine an selbstständiges Arbeiten noch nicht gewöhnte Gruppe auch recht komplex. Außerdem hatte ich in den zahlreichen betreuten Gruppenarbeitsstunden mitunter das Gefühl, dass die Arbeit zu oberflächlich war (was sich leider in dieser Gruppe bestätigt hat).

Die erste Stunde hatte die Themen "Zustandekommen und Inhalte des Kaufvertrages".

Einige Fehler konnte ich anhand der vorab eingereichten Materialien im Vorfeld finden, bei einigen Inhalten zeigten sich die Schwächen aber erst im Verlauf der Unterrichtsstunde. Ich bin gerne bereit, über strukturelle Probleme hinwegzusehen, aber nach sechs Wochen Vorbereitungszeit tue ich mich schwer mit sachlichen Fehlern.

Einige Hinweise von mir (z.B. den Einstieg über einen Fall zu wählen, um überhaupt zu verdeutlichen, warum dieses Thema bearbeitet wird, um also die Problemstellung anzureißen) wurden leider nicht beachtet.

Die erste Stunde war also insgesamt noch sehr schwach. Trotzdem musste ich jetzt gucken, die Gesamtgruppe nicht zu sehr zu demotivieren, denn letztendlich sollen alle möglichst aus den Fehlern lernen, so dass dies eventuell im Verlauf der nächsten Stunden besser werden kann.

Der Einstieg erfolgte über eine Powerpointpräsentation. (Wie gewöhne ich Schülern ab, zu glauben, dass Powerpoint die Lösung für alles ist? Dieses Hauptsache "Powerpoint". Von wem haben die das nur?) Das Hauptproblem an der Stelle war aber  eher noch das relativ sinn- und planlose Hintereinanderreihen von Fachbegriffen (teilweise noch falsch verwendet).

Ich habe als erste Hilfestellung bei Twitter dieses Video empfohlen bekommen, was ich meinen Schülern gleich weitergeleitet habe:




Und hier noch eins:




(Besonders Beispiele für die erste Folie habe ich letztens noch in einem anderen Kurs gesehen.)

Aber zurück zur Unterrichtsstunde:

Insgesamt enthielten alle Materialien recht viele Rechtschreibfehler. Da besteht wenig Ehrgeiz, eine Arbeit auch schön gestalten zu wollen, scheint mir. (Oder merken die Schüler das einfach nicht?)

Die Verteilung der Aufgaben innerhalb der Gruppe (mit zwei Schülerinnen und zwei Schülern) war sehr unausgewogen. Während ein Schüler recht eifrig Hilfestellung anbot bei der Gruppenarbeit in der Erarbeitungsphase, wirkten die restlichen Schüler überfordert bis gelangweilt. Hier ist mir nicht einmal wirklich klar, ob die Thematik bei allen Schülern überhaupt ausreichend erarbeitet worden war.

Die Präsentation der Gruppenergebnisse in der Erarbeitungsphase wirkte unnötig, denn die Ergebnisse wurden nicht aufgenommen, sondern an der Tafel gab es anschließend vorgefertigte Lösungen, die nicht viel zu tun hatten mit den Lösungen der Gruppen. (Das passiert aber durchaus auch Referendaren.)

Die Struktur war verbesserungswürdig, es wurde zu oft gesprungen zwischen verschiedenen Bereichen des Themas. Es fehlten sinnvolle Visualisierungen (das Plakat am Ende der Stunde war zu klein und daher keine Hilfe).

Am Ende wurde die Zeit knapp, so dass ein komplettes Arbeitsblatt weggefallen ist.

Es ist also noch ein weiter Weg bis zu wirklich selbstständiger Arbeit, aber bis zum Abschluss haben wir auch noch 1,5 Jahre Zeit ;-)

Es erscheint mir auf der Basis dieser Erfahrung sinnvoll, alle Unterlagen plus die komplette Planung vor einer solchen Unterrichtsstunde einzusehen, um Fehlerquellen früher ausschließen zu können.

Zudem ist mir (im Falle von unvorhersehbaren Problemen) nicht klar, wann ich eingreifen soll. Bei manchen sachlichen Fehlern hoffe ich eventuell zu lange auf das Korrektiv der gesamten Gruppe. Wenn ich aber unmittelbar eingreife, frustriere ich unter Umständen sehr früh. Da muss ich sicher noch einen entsprechenden Weg für mich finden.

Die Besprechung der Stunde fand ich zunächst etwas mühsam, da die Gruppe selbst kaum Aussagen machen konnte über die Qualität ihrer Arbeit. Die Anmerkungen der beurteilenden Gruppe (die sich mit Hilfe von Bewertungsbögen eine Meinung gebildet hatte) war aber anschließend recht fundiert und mit guten Verbesserungsvorschlägen.



Ich gebe also die Hoffnung noch nicht auf und freue mich auf die nächsten Stunden mit den Themen "Annahmeverzug", "Mangelhafte Lieferung/Schlechtleistung" und "Lieferverzug" .


Wie es weiterging:

Um den geneigten Leser nicht zu langweilen, fasse ich die nächsten Stunden kurz zusammen:

In den stattgefundenen weiteren Stunden gab es gute Ideen (Rollenspiele, Fälle etc.), aber auch immer wieder ähnliche Probleme, die ich zukünftig angehen will:

Foliengestaltung gelingt nicht (Schriftgröße zu klein, viel Text, kaum Anschaulichkeit)

Strukturprobleme (Inhalte in eine sinnvolle Reihenfolge zu bringen, gelingt nicht durchgängig)

Teilweise gab es auch noch sachliche Defizite (diesbezüglich haben die Gruppen nach den von ihnen ausgewerteten Tests nächste Woche auch noch die Gelegenheit, Fragen und Begriffe zu wiederholen und zu klären für die dann entscheidende Klausur).

Visualisierung gelingt kaum; Themen werden zu wenig systematisch aufbereitet und dargestellt, Anschaulichkeit fehlt

Gerade im kreativen Bereich können wir alle noch lernen. Ich kann z.B. auch kaum zeichnen. Deshalb habe ich mir mal ein Buch (Vorsicht Werbung) bestellt (und hoffe, dort Anregungen zu finden, die ich zusammen mit den Schülern zur Verbesserung unserer Fähigkeiten einsetzen kann).  Auch hierzu folgt natürlich demnächst ein Erfahrungsbericht...
Birgit Rydlewski ist, 41 Jahre alt, Lehrerin für Wirtschaftswissenschaften und Deutsch am Richard-von-Weizsäcker-Berufskolleg, Lüdinghausen/Dülmen

Relevanzkriterien

Posted by Bastian • Tuesday, March 1. 2011 • Category: Aktuell: , i love my computer
Das allgemeine Informationsüberangebot im Netz verstört ja so manchen. Um der Flut an Daten Herr zu werden nutzt jeder so seine eigenen Mechanismen. Manche lesen nur einzelne Newsseiten, direkt im Browser. Andere abonnieren so viele RSS-Kanäle wie irgendwie möglich und markieren einfach regelmäßig alles als gelesen. Und hoffen dann darauf, dass die relevanten Informationen schon so oft veröffentlicht werden, dass sie nicht untergehen weil die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass man sie irgendwann liest. Wieder andere nutzen eine ganze Reihe sozialer Filter und lassen sich dadurch informieren.

Meine Informationen beziehe ich vor allem aus einem Haufen RSS-Feeds (145 sind es laut Google Reader zur Zeit), darunter Feeds von Zeitungen, von Blogs, von Aggregatoren wie ResearchBlogging und abseits davon aus meiner Twitter-Timeline und durch Twitter-Suchen. Während die RSS-Feeds zumindest zum Großteil von mir selbst angelegt wurden (wenn man das Sharing-Feature des Google Readers mal vernachlässigt) erfüllt die Timeline den sozialen Filter und spült da Links und Quellen nach oben.

Je häufiger einzelne Links gepostet werden, desto wichtiger oder relevanter sind sie dabei vermutlich. Auch wenn man, dank der nativen Retweet-Funktion, nicht mehr wirklich einen Überblick darüber bekommt wie oft einzelne Artikel empfohlen werden, ist das eigentlich ein ganz gutes Maß für den Impact einzelner Links. Allerdings: Wenn man nicht den ganzen Tag vor seiner Timeline liest und jeden einzelnen Tweet liest, dann ist es nicht ganz trivial mitzubekommen, welche Links gerade „heiss“ sind. Außerdem ist das im Kopf mitzählen wie oft etwas gepostet wurde keine dankbare Aufgabe. Und vor allem eine Aufgabe für die Computer mit ihrer Fähigkeit zu zählen viel besser geeignet sind.

Mit Paper.li, Twittertim.es & Co gibt es zwar schon automatisierte Lösungen um die eigene Timeline auszuwerten. Aber ich hab mir deshalb selbst eine kleine Lösung für das Problem gebastelt. Zum Teil aus Neugier, zum Teil um eine selbst-gehostete Lösung und zum Teil auch einfach „weil es geht“.

Auf dem Server der auch den Phylomemetic Tree hostet läuft sowieso 24 Stunden lang am Tag mein irssi. Und neben dem Rumhängen in IRC-Chats nutze ich es, via twirssi, auch für Twitter. Und da die gesamte Timeline dort sowieso mitgeloggt wird lag es relativ nah diese Datenquelle dafür zu verwenden. Und so parst ein kleines Python-Script jetzt am Ende jeden Tages sämtliche Links des Tags aus dem Logfile, verwandelt die Short-URLs gegebenenfalls wieder in die Ziel-Adressen, erstellt das Histogramm für den Tag und baut aus den häufigsten Links des Tages einen RSS-Feed. Und der ist öffentlich zugänglich, falls ihr euch also dafür interessiert was ich jeden Tag so lese, dann viel Spaß damit.

Und hier der obligatorische Disclaimer: Das Ding hab ich gestern Nachmittag kurz zusammengehackt. Es ist also nicht fertig und hat noch Fehler. Z.B. sind die Umlaute in den Titeln manchmal zerschossen.

Die nächste Leseliste

Posted by Bastian • Friday, February 18. 2011 • Category: Aktuell: , with a wonder and a wild desire

Seit der letzten Leseliste hab ich mich wieder durch ein paar Bücher durchgewühlt. Was seitdem durch den eBook-Reader des Vertrauens gegangen ist: 



  • Biosensors gibt es als kostenloses PDF und ist eine ganz spannende Sammlung von Essays über, nunja, halt Biosensoren. Denn es ist gar nicht so einfach chemische Komponenten nachzuweisen (Chemiker mögen mich da korrigieren, aber so weit ich an meine Chemie-Praktika zurückdenken kann ist es nicht wirklich trivial und eine Heidenarbeit in Stoffgemischen einzelne Komponenten nachzuweisen). Daher versucht man bei Biosensoren einfach von der Natur hergestellte Detektoren zu verwenden. Viele Stoffe werden von unserem Körper ja bereits durch Proteine sehr gut erkannt und verwendet. Wenn man die Proteine auf Materialen in Nano-Größe immobilisiert, dann kann man daraus ganz tolle Sensoren bauen. Ist ganz spannend zu lesen, setzt aber vermutlich ein Grundwissen in Chemie & Biologie vorraus. 

  • The Expression of the Emotions in Man and Animals von Charles Darwin, denn der Mann hat ja nicht nur entscheidend zur Entstehung der Evolutionstheorie beigetragen sondern war nebenbei auch an Botanik, Ökologie, Taubenzucht und eben auch Verhaltensbiologie interessiert. In dem Buch beschäftigt er sich mit Gesten und Mimik in Mensch und Tier und offenbart dabei nicht nur, dass er ein hervorragender Beobachter war, sondern auch wie Gesten & Mimik ebenfalls evolutionäre Wurzeln haben. Disclaimer: Man merkt dem Buch den Entstehungszeitpunkt an, man sollte also im Kontext lesen können.

  • Dann kamen auch wieder 2 Bücher von Cory Doctorow dran: For The Win ist wieder ein Roman über Jugendliche, so wie Little Brother zuvor. Diesmal geht es aber nicht um den Überwachungsstaat sondern über Ökonomie. Dabei kann der Leser nicht nur viel über die Grundlagen der Wirtschaftstheorie (und so spannende Dinge wie das Coarse-Theorem) erfahren sondern auch darüber wie das Internet die Wirtschaft verändert. Und weil es ein Roman ist wird das ganze nicht langweilig trocken präsentiert sondern es geht um jugendliche Gold-Farmer die in MMORPGs ihr Geld verdienen, ausgebeutet werden und eine globale Gewerkschaft gründen. Gibt es auch wieder kostenlos als eBook.

  • Das zweite Werk von Doctorow war die Kurzgeschichtensammlung With a Little Help. Dabei geht es unter anderem um Netzwerke die sich wie Ameisenkolonien verhalten (man Vergleiche es mit dem B.A.T.M.A.N.-Protokoll der Freifunker), die Enstehung der ersten echten künstlichen Intelligenz oder auch darum wie Google böse wird. Ebenfalls umsonst als eBook erhältlich. Aber Cory freut sich über Spenden für das Buch.

  • Access to Knowledge in the Age of Intellectual Property ist ein extrem umfangreiches Werk welches Essays zum Komplex Copyrigh, Freier Zugang zu Wissen & Co enthält. Dabei geht es nicht nur um die offensichtlichen Vorzüge und die Revolution im Bereich freies Wissen durch das Internet. Sondern auch um Probleme: In wie weit können wir überhaupt von wirklich offenem Zugang reden, wenn ein Großteil der Weltbevölkerung nach wie vor einfach gar keinen Zugang hat. Und auch die Problematik im Bereich Pharmapatente (Man denke an HIV, Malaria etc.) werden beleuchtet.

  • Gene und Stammbäume ist dann wieder mal ein biologisches Lehrbuch, von einem meiner ehemaligen Professoren mitgeschrieben und behandelt sehr eingängig das gesamte Thema der phylogenetischen Stammbaum-Rekonstruktion. Wer also Wissen möchte wie man aus Gen-Sequenzen die Abstammung der Arten (und noch einiges mehr) rekonstruieren kann, der kann hier nachlesen. In den ersten Kapiteln werden dabei auch die Grundlagen der notwendigen Biochemie recht allgemeinverständlich wiederholt. Im Mittelteil geht es dann viel um Algorithmen und Software-Tools die dafür existieren (mit guten Step-By-Step-Anleitungen, dürfte aber doch mehr was für Biologen sein). Und gegen Ende gibt es dann noch ein paar Beispiele über Wissen, was mit solchen Methoden generiert wurde. 

  • Und auf Hinweis von Philipp hin habe ich mir dann auch noch The Diary of a Resurrectionist durchgelesen. Dabei geht es darum wie die Anatomen im Grossbritannien des 19. Jahrhunderts an ihre Leichen für ihre Kurse gekommen sind. Denn mit dem steigenden Bedarf an ärztlicher Ausbildung stieg auch der Bedarf an anatomischer Ausbildung. Da es keine Gesetze zur Eröffnung von Anatomieschulen gab wurden reihenweise solcher Schulen eröffnet. Und damit stieg auch der Bedarf an Leichen für Lehrzwecke. Dummerweise gab es offiziell nur eine Quelle dafür: Die Leichen der zum Tode verurteilten. Und das waren bei weitem nicht genug um den Bedarf zu decken.

    "Glücklicherweise" war die Exhumierung von Verstorbenen zu dem Zeitpunkt aber kein Verbrechen (was mit Verschiffung in die Kolonien oder dem Tod hätte bestraft werden können) sondern nur ein Vergehen, sprich: Als Strafe gab es maximal ein Bußgeld oder einen Gastaufenthalt im Knast. Und diese Kombination führte dazu, dass alsbald sämtliche Schulen mit dem neugeschaffenen "Berufsstand" der Ressurectionists zusammengearbeitet haben. Die haben des Nachts Gräber geplündert und die Leichname an die Schulen verkauft.Das eigentliche Tagebuch macht nur den kleinsten Teil des Buchs aus, stattdessen gibt es aber eine sehr schöne Einordnung dazu wie es dazu gekommen ist, wie die Resurrectionists ihrem Job nachgegangen sind und wie man dieses Vorgehen schlussendlich abgestellt hat und wieso das Problem in anderen Ländern so nicht vorhanden war.

Und jetzt viel Spaß beim lesen. Denn wenn ich das richtig sehe, dann müsste es erfreulicherweise sämtliche hier genannten Titel kostenlos als eBook oder PDF geben.

Etikettenschwindel?

Posted by Bastian • Wednesday, February 16. 2011 • Category: Aktuell: , We Don't Need No Education
Im Rahmen des pädagogischen Tages unserer Schule habe ich teilgenommen an dem Modul "Selbstgesteuertes Lernen", durchgeführt von einem Moderator der Bezirksregierung Münster.

Vorab: Es gab durchaus spannende Gespräche mit Kollegen, es gab auch Erweiterungen zu Methoden, die ich noch nicht kannte, aber trotzdem bleibt irgendwie das Gefühl zurück, dass dort längst bekannte und von vielen Kollegen angewendete Methoden unter neuem Namen ("Segel") "verkauft" wurden.

Ich empfinde Lernen nicht per se als "selbstgesteuert", nur weil Gruppenpuzzle oder ähnliche Methoden dabei vorkommen. Letztendlich waren, zumindest bei dem heute kennen gelernten Teil, alle "Methodenketten" sehr stringent durchgeplant. Sicher ist es schön, wenn die Schüler bei "Methodenkette 5" gleich wissen, in welcher Form sie das Grobraster Einzelarbeit, Gruppenarbeit, Präsentation/Sicherung durchführen sollen, trotzdem empfinde ich das nicht als "selbstgesteuert".

Ich muss allerdings dazu sagen, dass ich mich mit weiterer Literatur unter diesem Stichwort bisher nicht beschäftigt habe und dass im weiteren Verlauf der Entwicklung solcher selbstständiger Phasen durchaus etwas angedacht sein könnte, was meiner Definition von "selbstgesteuert" näher komme, aber bis zu diesem Moment bin ich ein wenig enttäuscht.

Natürlich muss man bei solchen Fortbildungen für ein großes Lehrerkollegium darauf achten, dass man alle Kollegen ansprechen kann und vielleicht wäre ein größerer Schritt in eine andere Richtung von Schule für einige Kollegen zu viel auf einmal.

Wünschen würde ich mir aber, dass Lehrerkollegien, Steuergruppen, Moderatoren etc. auch den Mut finden, Paradigmenwechsel nicht nur vorzuschlagen, sondern diese auch konsequenter zu durchdenken.

Ich wünsche mir auch Fortbildungen, die konkrete Handlungshilfen im Alltag geben, aber darüber hinaus wünsche ich mir auch Fortbildungen/Veranstaltungen etc., bei denen Ideale von Schule durchdacht werden können.

Ich wünsche mir mehr Utopie, mehr Traum von einer besseren Schule, mehr wirkliche individuelle Förderung, mehr Mut.

Welche Formen von Schule mit welchen Möglichkeiten wollen wir in 10 Jahren?
Birgit Rydlewski ist, 41 Jahre alt, Lehrerin für Wirtschaftswissenschaften und Deutsch am Richard-von-Weizsäcker-Berufskolleg, Lüdinghausen/Dülmen

Zukunft durch Bildung – Kraft durch Freude

Posted by Bastian • Monday, February 14. 2011 • Category: Aktuell: , The Pirates Gospel
Sehr geehrter Herr Greshake,

ihre Webseite http://twitter.com/gedankenstuecke weist ein hohes Maß an Qualität, Aktualität und Vernetzung mit Leser und anderen Webseites auf. Aus diesem Grunde treten wir an Sie heran, um Ihnen ein auch für Ihre Webseite interessantes Projekt vorzustellen.
Emails die schon so anfangen, da kann man sich ja sicher sein, dass es entweder nicht so richtig doller Spam ist oder, dass man von vermeintlichen PR-Genies, Social Media-Beratern oder SEO-Experten auf Linkfang angeschrieben wurde. In diesem Fall wohl eine Kombination aus allem... Eine Marketing-Agentur die eine selbsternannte Bildungsumfrage unterstützt...
Viele politische und gesellschaftliche Themen erhalten heutzutage zumeist nur dann öffentliche Präsenz, wenn Menschen wie Sie auf Ihren Web-Angeboten auf wichtige Themen aufmerksam machen und sich mit anderen Kommunikatoren vernetzen.
Und in der Regel funktioniert das auch ganz ohne PR-Agentur, die kostenlose Werbung haben will. Oder wer hat in Tunesien oder Ägypten die PR-Kampagne auf Twitter und Facebook organisiert?
Ein Thema, welches die Unterstützung von Kommunikatoren wie Ihnen in Deutschland verdient hat, ist das Thema Bildung.
Ich fühle mich ja gleich so in die Verpflichtung genommen, weil in HTML-Mails geschrieben wird, dass ein Thema wichtig ist. Und ich nur ganz alleine zur Rettung der Welt beitragen kann...
Die Methode der Online-Befragung vertritt den demokratischen Gedanken des Internets. Jeder kann frei seine Meinung äußern und jede Meinung hat dasselbe Gewicht.
Und wer das größere PR-Budget hat, der wird gehört. Das ist der demokratische Gedanke von Marketing-Heinis. Davon wie repräsentativ Online-Umfragen sind mal ganz zu schweigen. Vielleicht sollte man mal das Bildblog oder Pharyngula befragen...
Den Initiatoren BILD, Hürriyet, Roland Berger Strategy Consultants und der Bertelsmann Stiftung ist es wichtig, dass bei dieser Online-Befragung nicht die Initiatoren, sondern das Thema der Umfrage im Vordergrund steht. Bildung geht alle etwas an, aktuell und zukünftig ist ein funktionierendes Bildungssystem eminent wichtig für Deutschland.
Da haben sich ja die richtigen Leute gefunden. Die BILD hat mit BILDung ja so viel zu tun wie mit Journalismus. Und den Strategy Consultants und der Bertelsmann Stiftung geht es natürlich genauso um den Wert von echter Bildung, und nicht etwa um möglichst effiziente Arbeitskräfte. Oder wie die Bertelsmann Stiftung in ihrem Leitbild in schönstem Neusprech formuliert: „Die Grundsätze unternehmerischer, leistungsgerechter Gestaltung [sollen] in allen Lebenslagen zur Anwendung gebracht werden.” Leistungsgerechtigkeit, der feuchte Traum der FDP... Fragt mal Leute die von Bildung ein bisschen Ahnung haben, was die davon halten.
Prominente Testimonials wie unter anderem Bundespräsident Christian Wulff, Franz Beckenbauer, Moderatorin Nazan Eckes, Comedian Atze Schröder, TV-Koch Horst Lichter, Volkssänger Heino und viele weitere konnten gewonnen werden, um die Studie zu unterstützen.
Jetzt bin ich überzeugt! Wenn ein fundamentalistischer Christ, ein netzweitbekannter Abmahn-Assi und ein abgewrackter Schlagerstar eine Bildungsstudie unterstützen, wie könnte ich dann nicht? Immerhin scheinen die Testimonials ja vor allem als abschreckende Beispiele zu fungieren: „Passt auf liebe Kinder, das könnte aus euch werden, wenn ihr nix ordentliches lernt.” Für etwas anderes können die nicht wirklich taugen, oder?
Sie können mit Ihrem Webangebot entscheidend dazu beitragen, dass sich möglichst viele Mitbürger an der Umfrage beteiligen und so Bewegung in das Thema kommt. Zudem erhalten Sie von uns regelmäßig aufbereiteten Content und exklusive Informationen. Zusätzlich erstellen wir eine Verlinkung zu Ihrer Webseite auf dem offiziellen facebook-Profil der Bildungsstudie und erwähnen Ihren Twitter-Account auf @tuthiernichtszusache.
Gibt es ernsthaft Blogger, außer dem Pallenberg, die auf die Masche mit „exklusiven” Informationen reinfallen?
Wichtiger Hinweis: Diese E-Mail kann Betriebs- oder Geschäftsgeheimnisse oder sonstige vertrauliche Informationen enthalten. Sollten Sie diese E-Mail irrtümlich erhalten haben, ist Ihnen eine Kenntnisnahme des Inhalts, eine Vervielfältigung oder Weitergabe der E-Mail ausdrücklich untersagt. Bitte benachrichtigen Sie uns und vernichten Sie die empfangene E-Mail. Vielen Dank.
Genau, erst mal Spam versenden und hoffen, dass er bzw. sein Inhalt veröffentlicht wird und dann so einen nichtigen Footer in der eMail unterbringen... Ich weiss ja nicht...

Die gesamte Kampagne ist genau das, was man am Blogger-Internet-Marketing-Zeugs eigentlich nur verabscheuen kann. Die Hoffnung auf einfache Backlinks, Blogger die für ihre PR-Maßnahmen nicht bezahlt werden sollen, den demokratischen Anteil des Internets nicht im Ansatz verstanden, und dazu auch noch organisiert von einigen der fiesesten Organisationen in ganz Deutschland.

Ich hab mich spaßeshalber mal ein bisschen durch die Umfrage geklickt. Und vom wissenschaftlichen Standpunkt her dürften die Ergebnisse in etwa so repräsentativ und aussagekräftig wie die INDECT-Fragebögen sein. Gleichzeitig offenbaren die (meist ohne Freitext-Option festgelegten...) Antwortoptionen, welches Geistes Kind die Umfrage ist: Bei der Frage danach wer entscheiden sollte auf welche weiterführende Schule ein Kind kommt stehen zur Auswahl: „Eltern“, „Lehrer“, „Lehrer & Eltern“, „Die Noten“. Von den Kindern? Keine Spur... Und auch die anderen Fragen haben mehr den Tenor von „Bildung für alle? Ist das gerecht gegenüber denen, die Arbeiten?”.

Ein schönes Beispiel dafür, wie man das Internet nicht verstanden haben kann und wie man Umfragen nicht aufziehen sollte, wenn man sich echten Erkenntnisgewinn verspricht...

Lernen lernen

Posted by Bastian • Saturday, February 12. 2011 • Category: Aktuell: , don't crash the ambulance, We Don't Need No Education
Wo waren wir stehen geblieben? (An der Stelle habe ich mal einen Duden bemüht. Ich muss nämlich gestehen, dass ich diese Getrennt- und Zusammenschreibung der Rechtschreibreform (oder der Reform der Reform) nicht immer stimmig finde.)

Meine Klasse arbeitet in Gruppen an der Unterrichtsreihe zum Kaufvertrag mittels "Lernen durch Lehren".

Im Laufe der Gruppenarbeit haben wir diverse Gespräche in der Klasse geführt, wie diese Arbeit im Idealfall laufen könnte. Ok. Ich habe geredet und die Klasse hat mehr oder minder gut zugehört.

Ich muss sagen: Diese Woche hatte ich mehrfach echt so einen Hals. (Und das durchaus im tatsächlichen Sinne. Ich bin ätzend verspannt von dem ganzen Ärger.) Ich muss weiter ausholen: Lehrer sein ist zu dieser Zeit des Jahres anstrengend. Da stehen Zeugnisse an (die gerne auch noch Fehler haben und dann mehrfach gedruckt werden). Diverse Fortbildungen lagen gerade jetzt (weil dann angeblich ruhiger ist. Witzig...) Jedenfalls würde ich nicht ausschließen, dass ich dann sowieso etwas angespannter bin als im Alltagsgeschäft. Hinzu kam aber erschwerend, dass die Leistungen der Klasse sich in der Zeugnisliste massiv wiederfinden. Faktisch würden mit den Zeugnissen 9! Schüler oder Schülerinnen der Klasse das Schuljahr schaffen. Von 29. Das ist frustrierend. Nicht nur für die Schüler, sondern auch für mich.

Ich habe meine Klasse nämlich sehr gern. Ich möchte, dass möglichst viele den Weg in die Oberstufe und zur Abschlussprüfung erfolgreich absolvieren.

Realistisch betrachtet sieht das derzeit nicht so gut aus. Zu dem üblichen Stress standen also in dieser Woche diverse Gespräche mit Kollegen, anderen Beratungslehrern, Fachlehrern, meinem Schulleiter und natürlich Einzelgespräche mit den Schülern an. (Nächste Woche steht dann noch zusätzlich der Elternsprechtag an.)

Jetzt komme ich aber endlich zum eigentlichen Problem:

Gestern noch haben wir, also ich... darüber geredet, dass ich sehen will, dass die Schüler auch etwas für ihren Abschluss tun. Dazu gehört für mich angesichts der fortgeschrittenen Zeit bis zu den zu haltenden Unterrichtsstunden auch, dass die Schüler bei einem Stundenausfall nicht rumgammeln oder zu Mc Do fahren, sondern die Zeit mit sinnvollen Tätigkeiten ausfüllen (dabei können sie durchaus selbstständig entscheiden, ob das nun aktuell gerade bei Mathe, Rechnungswesen oder der Arbeit für BWL in den Gruppen wichtiger ist).

Alleine klappt das aber einfach nicht. Wie ich es drehe und wende: Einige Schüler nutzen jede erdenkliche Möglichkeit, um abzuhauen oder andere Sachen zu machen.

(Nein. Das sind nicht alle Schüler. Es gibt auch viele in der Klasse, die super arbeiten. Ja. Ich sehe das!)

Aber die Schüler, mit denen ich quasi täglich darüber diskutiere, sind mir zu viele.

Ohne Aufsicht (manchmal auch mit) ist es total laut in der Klasse. Ich kann Rewe auch im Schlaf, wenn es sein muss, aber bei der Lautstärke fällt es selbst mir schwer, eine etwas anspruchsvollere Aufgabe korrekt zu beenden.

Es ist für viele Schüler enorm schwer, sich selber Inhalte anzueignen. Ich mache den Schülern keinen Vorwurf, denn ich gehe davon aus, dass sie nie die Gelegenheit hatten, dies zu lernen. Was aber in aller Welt haben einige Sek. I-Schulen eigentlich gemacht in all den Jahren?

Meine Vorstellung von Schule besteht eben nicht aus vorgetanztem Frontalunterricht. Leider ist die Umstellung auf andere Methoden auch für Lehrer sehr anstrengend, wie ich gerade feststelle.

Es geht nicht vordergründig um Inhalte. Im Moment geht es mir vor allem darum, dass die Schüler am Ende des Jahres gelernt haben, sich selber mit Wissen/Sachinhalten auseinanderzusetzen. Viele geben mir zu schnell auf. Wir reden hier von 3-10 Seiten Text, anspruchsvoll ja, aber nicht unüberwindbar. Schließlich haben das Generationen von kaufmännischen Angestellten vorher auch schon geschafft.

Wir haben vor 5 Wochen mit der Arbeit an den Themen begonnen. Dafür sind wir nach meiner Einschätzung nicht weit genug in einigen Gruppen. Bei einigen Schülern sitzen nicht einmal im Grundsatz die Sachinhalte. Von Planung einer Unterrichtsstunde sind wir da noch sehr weit entfernt.

Parallel haben wir in dieser Zeit in einer Doppelstunde pro Woche die Grundlagen des Rechnungswesens wiederholt. Ebenfalls in Gruppen, die sich je nach Leistungsstand zusammenfinden konnten.

Hier klappt die Arbeit mittlerweile recht ordentlich. Leider fällt es aber auch an dieser Stelle einigen Schülern schwer, Defizite auszugleichen, weil dann nachmittags oder am Wochenende Aufgaben bearbeitet werden müssten.

Die Zeit für solche ausführlichen Wiederholungsphasen habe ich in diesem Schuljahr nur, weil das Schuljahr recht lang ist.

Ich nehme mir auch gerne diese Zeit für solche freien Arbeitsphasen, aber je näher wir den angedachten Terminen für die zu haltenden Unterrichtsstunden im Fach BWL kommen, desto unruhiger bin ich bezüglich der bisherigen Ergebnisse.

Vielleicht brauchen die Schüler aber auch den Termindruck, um wirklich zur Sache zu kommen. (Sowas kenne ich bei mir auch. Stichwort: Prokrastination)

"Nebenbei" erhoffe ich mir auch noch eine Zunahme von sozialen und anderen Kompetenzen in dieser Reihe: Sich als Teil einer Gruppe zu empfinden, die Verantwortung dafür wahrzunehmen (auch für die gesamte Klasse, denn das werden die Inhalte sein, die Teil der nächsten Klausur sind), Zuverlässigkeit, aber auch das Interesse über den normalen Stundenplan hinaus, Aufgaben und Nachbereitung als etwas Selbstverständliches zu begreifen im Prozess des lebenslangen Lernens.
Birgit Rydlewski ist, 41 Jahre alt, Lehrerin für Wirtschaftswissenschaften und Deutsch am Richard-von-Weizsäcker-Berufskolleg, Lüdinghausen/Dülmen

Verleger und das Internet...

Posted by Bastian • Wednesday, February 9. 2011 • Category: Aktuell: , The Pirates Gospel
Mit dem Start-Up Commentarist gab es, zumindest kurzzeitig, auch in Deutschland mal wieder eine ganz nette Idee: Die Seite aggregierte von über 1000 Journalisten Kommentare und Meinungsartikel und sortierte sie Kategorien zu. Neben der Überschrift und einem kurzen Anriss gab es dann den Link zu den Artikeln in voller Länge, zu den Webseiten auf denen die Kommentare erschienen sind. Im Endeffekt also nichts anderes als Google News für Meinungsartikel. Dummerweise haben sie ihre Pläne dabei ohne den Starrsinn und den fehlenden Verstand, in Dingen neue Medien, von deutschen Verlegern gemacht: Denn sowohl die Süddeutsche als auch die FAZ haben sofort rechtliche Schritte angedroht. Und deshalb ist die Plattform damit auch schon wieder offline.

Eine ausführliche Beschreibung und sehr gute Bewertung der gesamten Vorgänge findet man beim Spiegelfechter und ich teile seine Einschätzung so weit. Hier sieht man jetzt schon wo hin die Reise der Verleger mit einem ja bereits angedachten Leistungsschutzrecht gehen soll: Nämlich ins Land der unbegrenzen Einnahmequellen. Es wäre ja auch zu schön, wenn man Google News, Plattformen wie Commentarist und auch jeden Blogger für Text-Auszüge zur Kasse bitten könnte um so doppelt zu verdienen. Denn was die Verlage ja gerne unter den Tisch fallen lassen: Sie verdienen so schon an jeder Verlinkung potentiell ganz gut. Durch Besucher die über Verlinkungen von Google, Blogs & Co zu ihnen kommen steigen nicht nur die Besucherzahlen sondern auch ihre Reichweite. An der sich wiederum die Preise für Werbung festlegen lassen. Und so hilft jeder Klick entspannt dabei sich die Taschen zu füllen. Oder was glaubt ihr, wieso wirklich jede Nachrichten-Seite aus den Verlagen mit strunzdummen Foto-Klickstrecken daher kommt? Anstatt aber jedem für Verlinkungen die Füße zu küssen droht man lieber mit dem Anwalt.

Und irgendwie habe ich den Eindruck, dass auch die Verleger einfach nicht verstanden haben welches die eigentlichen Chancen des Webs sind. Denn die Zeiten des One-Size-Fits-All sind im Web eindeutig angezählt. Immer mehr Leute beziehen ihre Nachrichten auf sie zugeschnitten: Ob über den RSS-Reader, ihre Twitter-Timeline, Facebook, Flipboard oder, ganz ohne Wissen um die Technik dahinter, über die "dynamischen Lesezeichen" im Browser. Warum sollte ich mir auch den Boulevard-Teil nach Hause liefern lassen, wenn ich nur das politische Tagesgeschehen verfolgen will? Oder eben per Hand alle Verlagswebseiten nach klugen Kommentaren abgrasen?

Denn das liebe Verlagshäuser ist die Zukunft. Auch wenn ihr RSS aus schon nicht verstanden habt, wie eure verstümmelten Feeds, mit nichtssagenden Symbolbildchen und 1 1/2 Sätzen langen Anrissen beweisen. Ihr spekuliert darauf, dass Nutzer deshalb auf eure Seite kommen und euch Klicks bescheren. Aber ich will irgendwie nicht so recht daran glauben, denn für meinen Teil verzichte ich lieber ganz auf eure Feeds. Oder lasse mir die lesbare Form direkt über Readability ausgeben. Ob euch das Klicks bringt: Keine Ahnung. Aber zumindest ist es Werbefrei. Das man Volltext-Feeds anbieten kann, die dann sogar Werbung beinhalten zeigen die deutschen ScienceBlogs. Und ich verrate euch was: Anders als im Browser haben nur die wenigsten Leute im Feedreader einen Werbeblocker installiert.

Aggregatoren bieten dabei so viele Vorzüge im Kampf gegen das, was Cory Doctorow in einem seiner Romane im Vorwort so schön umschreibt: "The big problem isn't piracy, it's obscurity." Menschen die sonst nie auf die Idee gekommen wären eure Angebote zu nutzen, sei es Mangels Wissen darum oder Mangels Interesse am Gesamtpaket, kommen dadurch auf eure Webseite. Ein Beispiel, das zeigt wie es gut funktioniert, ist der Aggregator "Give me something to read", der aus Instapaper-Empfehlungen eine handverlesene Liste großartiger Artikel erzeugt. Aber dafür muss man natürlich Vertrauen in die Qualität der eigenen Angebote und Inhalte haben. Wenn das nicht da ist, dann hilft aber auch kein Schreien nach strengeren Gesetzen mehr...