Urheberrechtsverletzungswahnsinn: 5000 Euro Strafe, pro Tag
Posted by Bastian • Wednesday, March 16. 2011 • Category: Aktuell: , The Pirates Gospel
Picassos Guernica gehört wohl zu einem seiner bekanntesten Werke (immerhin kenn sogar ich, als Banause, es). Er malte es nachdem die spanische Stadt Gernika während des spanischen Bürgerkriegs durch einen Luftangriff zerstört wurde und das Gemälde zeigt eindringlich die Konsequenzen von Krieg.
Nadia Plesner ist eine dänische Künstlerin, die zur Zeit in den Niederlanden studiert. Sie hat Picassos Idee aufgegriffen und mit der Darfurnica ein Gemälde geschaffen, dass sich mit den Konsequenzen der Darfur-Krise, sowie der Gleichgültigkeit unserer Medien zu dem Thema beschäftigt. Anstatt den Blick nach Darfur zu wenden, beschäftigt sich der Rest der Welt lieber damit das Schicksal von C-Promis wie Paris Hilton zu verfolgen.
Und genau mit diesem Werk hat sie, nach Ansicht eines niederländischen Gerichts, eine Urheberrechtsverletzung begangen. Allerdings haben nicht die Rechteinhaber von Picassos Werk sie verklagt. Sondern Louis Vuitton, die damit den Titel Spitzen-Vollkoffer sowas von der verdient haben. Der Grund wieso geklagt wird: In dem Gemälde von Plesner sieht man ein afrikanisches Kind, welches neben einem hässlichen Hündchen eine Tasche, die an Louis Vuittons Design angelehnt ist, trägt.
Das Gericht, vor welches Louis Vuitton gezogen ist, hat ihnen recht gegeben. Und das ganz ohne Plesner anzuhören. Sie soll jetzt für jeden Tag an dem das Gemälde so weiter existiert 5000 Euro an Louis Vuitton zahlen. Damit darf sie das Werk auch weder ausstellen, noch auf ihrer Webseite zeigen. Eine englische Übersetzung der gerichtlichen Anordnung ist bereits online.
In wie weit es von Louis Vuitton klug ist, dieses Werk über gerichtliche Urteile entfernen zu wollen sei mal dahingestellt (Streisand, anyone?). Ob es in dem Fall wirklich um den Schutz eines Designs geht, oder ob es Louis Vuitton doch mehr darum geht, dass man nicht im Kontext von Kriegsverbrechen und hungernden Kindern gesehen will ebenso. Aber der Fall zeigt mal wieder ziemlich eindrücklich, wie Schutzrechte für geistiges Eigentum genutzt werden können, um die Meinungsfreiheit und die künstlerische Freiheit zu unterdrücken.
Und da helfen eben auch, die so oft als Lösung herbeigesehnten, Schranken im Urheberrecht oder Fair Use-Klauseln in meinen Augen nicht wirklich weiter. Nicht nur, weil es für den Laien nicht wirklich ersichtlich ist ob man sich noch durch Schranken oder Fair Use gedeckten Bereich bewegt. Sondern auch, weil es erstmal ziemlich egal ist, ob man Recht bekommen würde.
Finanzstarke Unternehmen, wie die Majorlabels oder hier eben Louis Vuitton, können schlicht erstmal klagen und damit eine Menge Druck auf Betroffene ausüben. Mit einem ausreichend auf IP-Rechte spezialisiertem Team und einem ausreichend hohen Streitwert ausgestattet, wird sich jeder, der so angeklagt wird, überlegen ob es ihm den Stress wert ist: Lange Klagewege gegen Konzerne, mit ungewissem Ausgang und der Möglichkeit am Ende zu verlieren und dann horrende Summen zu zahlen? Wer will das schon auf sich nehmen? Kein Wunder, dass viele deshalb auf außergerichtliche Einigungen zurückgreifen.
Gerade bei den IP-Rechten bleibt es wohl dabei: Recht haben, Recht bekommen und Gerechtigkeit sind drei verschiedene Paar Schuhe. Nadia Plesner wird sich erfreulicherweise gegen das Vorgehen wehren.
*UPDATE* Bei Twitter bin ich auf ein schönes Alternativ-Muster für die Handtäschen hingewiesen worden.
Nadia Plesner ist eine dänische Künstlerin, die zur Zeit in den Niederlanden studiert. Sie hat Picassos Idee aufgegriffen und mit der Darfurnica ein Gemälde geschaffen, dass sich mit den Konsequenzen der Darfur-Krise, sowie der Gleichgültigkeit unserer Medien zu dem Thema beschäftigt. Anstatt den Blick nach Darfur zu wenden, beschäftigt sich der Rest der Welt lieber damit das Schicksal von C-Promis wie Paris Hilton zu verfolgen.
Und genau mit diesem Werk hat sie, nach Ansicht eines niederländischen Gerichts, eine Urheberrechtsverletzung begangen. Allerdings haben nicht die Rechteinhaber von Picassos Werk sie verklagt. Sondern Louis Vuitton, die damit den Titel Spitzen-Vollkoffer sowas von der verdient haben. Der Grund wieso geklagt wird: In dem Gemälde von Plesner sieht man ein afrikanisches Kind, welches neben einem hässlichen Hündchen eine Tasche, die an Louis Vuittons Design angelehnt ist, trägt.
Das Gericht, vor welches Louis Vuitton gezogen ist, hat ihnen recht gegeben. Und das ganz ohne Plesner anzuhören. Sie soll jetzt für jeden Tag an dem das Gemälde so weiter existiert 5000 Euro an Louis Vuitton zahlen. Damit darf sie das Werk auch weder ausstellen, noch auf ihrer Webseite zeigen. Eine englische Übersetzung der gerichtlichen Anordnung ist bereits online.
In wie weit es von Louis Vuitton klug ist, dieses Werk über gerichtliche Urteile entfernen zu wollen sei mal dahingestellt (Streisand, anyone?). Ob es in dem Fall wirklich um den Schutz eines Designs geht, oder ob es Louis Vuitton doch mehr darum geht, dass man nicht im Kontext von Kriegsverbrechen und hungernden Kindern gesehen will ebenso. Aber der Fall zeigt mal wieder ziemlich eindrücklich, wie Schutzrechte für geistiges Eigentum genutzt werden können, um die Meinungsfreiheit und die künstlerische Freiheit zu unterdrücken.
Und da helfen eben auch, die so oft als Lösung herbeigesehnten, Schranken im Urheberrecht oder Fair Use-Klauseln in meinen Augen nicht wirklich weiter. Nicht nur, weil es für den Laien nicht wirklich ersichtlich ist ob man sich noch durch Schranken oder Fair Use gedeckten Bereich bewegt. Sondern auch, weil es erstmal ziemlich egal ist, ob man Recht bekommen würde.
Finanzstarke Unternehmen, wie die Majorlabels oder hier eben Louis Vuitton, können schlicht erstmal klagen und damit eine Menge Druck auf Betroffene ausüben. Mit einem ausreichend auf IP-Rechte spezialisiertem Team und einem ausreichend hohen Streitwert ausgestattet, wird sich jeder, der so angeklagt wird, überlegen ob es ihm den Stress wert ist: Lange Klagewege gegen Konzerne, mit ungewissem Ausgang und der Möglichkeit am Ende zu verlieren und dann horrende Summen zu zahlen? Wer will das schon auf sich nehmen? Kein Wunder, dass viele deshalb auf außergerichtliche Einigungen zurückgreifen.
Gerade bei den IP-Rechten bleibt es wohl dabei: Recht haben, Recht bekommen und Gerechtigkeit sind drei verschiedene Paar Schuhe. Nadia Plesner wird sich erfreulicherweise gegen das Vorgehen wehren.
*UPDATE* Bei Twitter bin ich auf ein schönes Alternativ-Muster für die Handtäschen hingewiesen worden.


9 Comments
Egal was man tut, es kann ja schon von irgendeinem auf der Welt schon mal in irgendeiner Form erstellt sein. Hieße im Klartext, man müsste erstmal aufwendige Recherchen anstellen, die viel Geld kosten, um nicht in irgendeiner Form gegen irgendwelche Copyrights zu verstossen.
@MJ: Ja, das ist ein generelles Problem. Und selbst wenn man rausfindet, dass etwas bereits urheberrechtlich geschützt ist, dann ist es ein riesen Aufwand herauszufinden, wer der Rechteinhaber ist. Bei der Darfurnica ist das eigentlich kein Problem, allerdings ist es für mich relativ offensichtlich, dass die Verwendung hier erlaubt sein sollte.
b) LV hat Nadia angeschrieben und sie gebeten (so, dass ein Verfahren verhindert werden kann), dass Design zu verändern oder zu entfernen. Anstatt darauf zu antworten, hat sie den Brief auf ihrer Website veröffentlicht.
c) Sie hat nicht von Anfang an alles gespendet, sondern lediglich 30% ihrer Einnahmen. Damit hat sie in meinen Augen versucht mit LV Geld zu machen.
Ich halte nicht viel von LV (man muss schon blind sein um die Taschen zu mögen) und wie das Verfahren abgelaufen ist scheint mir nicht unbedingt rechtsstaatlich zu sein, aber diese Informationen sollten schon erwähnt werden.
Wegen Spenden:
PLEASE HELP ME RAISE FUNDS TO DEFEND MYSELF
Any donations can be transferred to this Dutch account:
R.M. Keesom
Account nr: 1057.26.818
BIC/SWIFT code: RABONL2U
Iban nr: NL02RABO0105726818
OR
to this Danish account:
M. Engelbrecht
Reg. nr: 3306
Account nr: 4083473037
BIC/SWIFT code: DABADKKK
Iban nr: DK9030004083473037
Please note, the accounts are not in my own name as I can risk to have my accounts seized by Louis Vuitton.
THANK YOU!
-- http://www.nadiaplesner.com/Website/darfurnica.php
ad a) Ja, die Tasche ist nahezu identisch in ihr Gemälde und auch das T-Shirt-Design eingeflossen. Die Details dazu findet man in der gerichtlichen Anordnung, die im Blogbeitrag verlinkt ist.
ad c) Das bewerte ich anders. Die Marke/das Design von LV muss es sich in meinen Augen gefallen lassen in der Kunst wiederverwertet zu werden, gerade durch eine kritische Betrachtung wie in dem Fall hier. Das die Künstlerin damit Geld verdient finde ich dabei absolut nicht schlimm. Abgesehen davon ist die Tasche (gerade bei der Darfurnica) sicherlich nicht zentraler Bestandteil des Kunstwerks (bei den T-Shirts kann man darüber streiten). Von daher ist, imho, es nicht „mit LV Geld machen wollen“.
Zu den Spenden hatte ich auf die schnelle keine Details gefunden, aber ich muss gestehen da auch nicht sonderlich tief gesucht zu haben.
Und hier noch der ergänzende Link mit mehr Informationen, den du posten wolltest, den das Blog dann aber nicht mehr wollte: http://la.racked.com/archives/2008/05/13/the_other_side_louis_vuitton_vs_nadia_plesner.php
Das ist Kunst (ob es einem gefällt oder nicht), auch wenn der Künstler damit Geld verdient.
Wo kommen wir denn hin, wenn Künstler mit ihrer Kunst kein Geld mehr verdienen dürfen.
Wenn dieses Urteil nicht gekippt wird, dann
-dürfen z.B. Fotografen keine Bilder von öffentlichen Platzen veröffentlichen
-Google muß Streetview einstellen (dort finden sich bestimmt tausende von Markenartikeln)
-Und LV sollte die Website sofort offline nehmen (dort finden sich u.a. Abbildungen von Flugzeugen, Autos und dem iPhone)
und ich müsste mir wahrscheinlich Gedanken machen ob ich hier 'iPhone' schreiben darf.
Trotzdem bleibt einem beim Lesen wohl nur Kopfschütteln. Was geht in solchen Richtern vor, dies als Urheberrechtsverletzung rechtskräftig zu verurteilen? Und die Künstlerin mit einer solch horrenden Strafe zu belangen?
Tod der freien Kunst, kann man da nur sagen.
Add Comment