Gedankenstücke

(m)ein Leben durch den Sucher

Quo vadis? - Post Privacy und Datenspuren

Posted by Bastian • Monday, August 2. 2010 • Category: Aktuell: , The Pirates Gospel
Ich gehe mit meinen persönlichen Daten recht locker um. Sei es bei Facebook, Twitter, hier im Blog und überhaupt. Und auch mit Location-Services habe ich eigentlich kein Problem. Die Fotos bei Flickr geotagge ich in der Regel, meine Tweets eigentlich auch immer und auch bei Foursquare checke ich mich in irgendwelche Örtlichkeiten ein. Und bislang profitiere ich davon in vielerlei hinsicht. Als ich am Wochenende mit @plaetzchen zum Camp der Jungen Piraten nach Kyritz gefahren bin haben wir als erste Aktion auf der Autobahn auch Google Latitude wieder eingeschaltet und die Daten nicht nur für “Freunde”, also bei Latitude hinzugefügte User, freigegeben sondern allgemein publik gemacht. Das fanden wir beide auch völlig okay und so konnte prinzipiell jeder live mit verfolgen wo wir uns gerade befinden.

Auf dem Rückweg gestern kamen mir dann aber Zweifel ob ich das im Alltag auch so handhaben möchte. Denn Latitude lässt sich nun auch als Hintergrund-Anwendung betreiben und so wird bei jedem Wechsel einer Mobilfunkzelle die Position neu bestimmt und der Welt mitgeteilt. Und das fand sogar ich etwas unheimlich. Denn bei Foursquare und Twitter bestimme ich bei jedem mal aktiv, dass ich meine Geo-Koordinaten teilen möchte. Im Falle von Latitude fällt genau diese bewusste Entscheidung die jedes Mal getroffen wird weg. Aber im Endeffekt habe ich glaube ich selbst damit nicht mal ein so großes Problem. Während Locations bei Twitter & Co eindeutig in meiner Comfort Zone sind bin ich mir da bei Latitude noch nicht so ganz sicher.

Beim Thema Datenschutz geht es ja auch immer darum, dass man die verschiedenen Datenquellen miteinander verknüpft. Die bekannte Dystopie ist, dass die Krankenkasse oder die Versicherung mehr Geld von einem verlangt weil sie das Konsumverhalten bzw. den Lebenswandel kennt und man deshalb ein besonderes Risiko darstellt. Allerdings geht es dabei ja immer um die Verknüpfung von Daten einer Person. Und das Risiko trägt man in meinen Augen selbst: Alles was ich im Netz publiziere ist öffentlich einsehbar und kann von Dritten gelesen und neu kombiniert werden. So weit so gut und auch kein Problem, denn ich entscheide mich ja dafür, dass so zu handhaben.

Spannend wird es aber wenn man Daten von verschiedenen Quellen verknüpft. Wenn @plaetzchen schreibt, dass er nun zum JuPi-Camp fährt und ich sitze neben ihm im Auto gibt es damit auch direkt von ihm ein Bewegungsprofil. In dem Fall okay, denn wir haben uns beide dafür entschieden. Aber was ist wenn die Trennlinie nicht so scharf ist? Simples Beispiel: Person X twittert, dass Person Y zum Abendessen kommt. Wenn Person Y dabei fleissig mit Latitude seine Bewegungen verrät wird damit auch die Adresse von X aufgedeckt. Und das vielleicht ganz ohne, dass X das wollte, weil das völlig außerhalb der eigenen Comfort Zone ist. Während “lad keine Fotos von besoffenen Leuten zu StudiVZ hoch ohne die betreffenden Menschen zu fragen” recht simpel zu verstehen ist und eine klare Grenze über die Persönlichkeitsrechte zieht finde ich das in dem Fall nicht so einfach.  

Ich glaube nicht, dass sollte Person-to-Person-Verknüpfungen bereits maschinell im großen Maßstab über verschiedene Dienste gezogen werden. Rein technisch ist das aber eigentlich jetzt schon kein Problem mehr. Aber die Frage bleibt: Quo vadis?

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