Gedankenstücke

(m)ein Leben durch den Sucher

Respekt - in homöopathischen Dosen

Posted by Bastian • Wednesday, July 14. 2010 • Category: Aktuell: , don't crash the ambulance
Es ist Sommerloch. Und als Thema kommt mal wieder die Homöopathie aus der Ecke gesprungen. Andere Esoterik, wie Fussball oder hellsehende Cephalopoden, hatten wir ja nun auch genug. Auf jeden Fall wollen wohl einige Politiker von CDU und SPD, dass homöopathische Verarschungen Therapien nicht weiter von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden. So weit so gut, finde zumindest ich. Denn in den Dutzenden Studien zur Wirksamkeit von homöopathischen Therapien konnte immer nur eins nachgewiesen werden: Keine Wirksamkeit die über den beliebten Placebo-Effekt hinausgeht.

Und nein, dann ist es nicht ungefährlich wie so mancher glauben mag: Wenn die Homöopathen ohne Grenzen in Ländern der dritten Welt einfallen, um dort Zuckerkugeln und Wasser als Heilmittel an Mann und Frau zu bringen, dann sollte man das nicht tolerieren oder als belustigend abtun. Genauso wenig wie man es akzeptieren sollte wenn Menschen versuchen ihre krebskranken Kinder mit wirkungslosen Mitteln zu heilen.  

Und deshalb sehe ich auch nicht ein wieso die Gesellschaft als Ganzes dafür zahlen sollte, dass Leute „Medikamente” nehmen wollen die nachweislich nicht funktionieren. Sowohl Don Dahlmann als auch Johnny Haeusler schlagen allerdings einen anderen Ton an. Da werden Einzelfallgeschichten bei denen Homöopathie angeblich geholfen haben soll heran zitiert und außerdem: Was sind schon diese lächerlichen 9 Millionen Euro die man sparen könnte wenn man solche Nicht- Alternativ-Behandlungen nicht mehr bezahlen würde?

Und obwohl beide mehr oder weniger davon ausgehen, dass nicht die Behandlung sondern die psychologischen Seiteneffekte Linderung verschaffen: Irgendwie wird angenommen, dass Homöopathie dann ja so schlecht nicht sein kann. Und das halte ich, ganz abseits der oben genannten Gefahren, für etwas kurzsichtig. Denn ja: Homöopathen nehmen sich mehr Zeit für ihre Patienten. Vielleicht prinzipienbedingt, vielleicht aber auch weil sie wissen wie gut sich damit Geld machen lässt. Und das Motiv spielt auch gar keine Rolle. Denn wenn das mehr an Zeit, das mehr an Fürsorge und das gesteigerte Interesse am Patienten wirklich einen positiven Effekt auf die Genesung hat dann haben die kleinen Kugeln genau keinen Einfluss darauf.

Deshalb dürfte es dann wohl eine etwas zu kurz gegriffene Schlussfolgerung sein wenn man wegen dieser positiven Effekte die Homöopathie finanzieren will. Sinnvoller wäre es da wohl mit dem Geld dafür zu sorgen, dass echte Ärzte sich mehr und besser um ihre Patienten kümmern (können). Es liegt nicht nur an der Arroganz der Ärzte sondern auch an den Arbeitsbedingungen, dass es momentan nicht stattfindet. Denn im Alltag von Ärzten und gerade in Krankenhäusern bleibt dafür leider faktisch keine Zeit. Und das kann und sollte man kritisieren und ändern.

Anstatt den Respekt und auch die Menschlichkeit gegenüber Patienten hier auf einem homöopathischen Niveau zu halten sollte man dort angreifen. Und das bitte mit einer wirksamen Dosis.

0 Trackbacks

  1. No Trackbacks

2 Comments

Display comments as (Linear | Threaded)
  1. Besser hätte ich diesen Artikel auch nicht schreiben können. Genau das fordere ich!
  2. Danke, dann bin ich ja froh wenn der hauseigene Blog-Mediziner das auch so sieht. Du hattest mir ja ein paar mal von den Problemen die es im Alltag gibt erzählt. :-)

Add Comment


Enclosing asterisks marks text as bold (*word*), underscore are made via _word_.
Standard emoticons like :-) and ;-) are converted to images.
E-Mail addresses will not be displayed and will only be used for E-Mail notifications.
BBCode format allowed