Lei(s)tung muss sich wieder lohnen!
Posted by Bastian • Tuesday, June 1. 2010 • Category: Aktuell: , The Pirates Gospel
Nun, überlegen wir doch mal wie das mit diesem ominösen Wert und dem Preis von Dingen so ist. Ganz einfach mag man eigentlich meinen. So ein Schwein kostet Geld, die Aufzucht davon, das Futter, die Haltung im Allgemeinen (so ein Stall will ja auch gebaut werden) etc. pp. Am Ende hat das Schwein also eine Summe gekostet und diese Summe können wir dann auch verlangen wenn wir es, schnitzelweise, an den Mann bringen. Klar, es könnte so einfach sein.
Ist es aber nicht. Denn wer zufälligerweise Vegetarier ist, der wird im Zweifel mal gar keinen Preis dafür zahlen wollen, weil es ihm nichts Wert ist. Und genau dieser Wert ist irgendwie immer etwas ganz persönliches und keine dem Ding inhärente Eigenschaft. Trotzdem, im großen und ganzen klappt das Prinzip, auch weil wir halt nicht in einer Welt leben in der einem Schnitzel einfach so in den Mund fliegen und es Menschen gibt die bereit sind einen Preis X dafür zu zahlen.
Trotzdem gibt es auch Bestrebungen genau diese Verflechtung von Preis und Wert auszuhebeln, das Buzzword lautet «Zahle das, was du meinst, das es dir Wert ist». Was bei Dienstleistungen ganz hervorragend funktioniert - wenn ich von Zeit zu Zeit mal kleine Fotoshootings mache, dann auch oft nach dem Prinzip. In fast allen Fällen mit erfreulichem Ergebnis - könnte ja auch mit Waren funktionieren. Der Schnitzelliebhaber wird potentiell mehr für tolles, totes Tier zahlen als der erwähnte Vegetarier oder der Junkfood-Süchtling. Ob das in der Summe klappt? Wer weiss, vielleicht besser als das jetzige System...
Was aber schon in der analogen Welt hinkt wird in der digitalen Welt noch absurder. Diese Koppelung von Preis und Wert (genauso wie von Arbeit und Bezahlung übrigens). Analog hält die begrenzte Verfügbarkeit von Waren noch ein wenig den Daumen auf den Preisen, man erinnere sich: Schnitzel die nicht in den Mund fliegen. Doch alles was sich mit einer Abfolge von Einsen und Nullen darstellen kann ist nicht nur verlustfrei sondern auch nahezu unbegrenzt (Die Kosten für CPU Cycles und Speicherplatz sind heutzutage ja doch vernachlässigbar) kopierbar.
An einmal erstellten Daten, ganz egal ob Foto, Film oder Musik herrscht kein Mangel mehr. Und auch der Preis lässt sich schlicht nicht mehr nach dem Angebot diktieren. Stattdessen scheinen die Konsumenten sich wieder auf Werte zu besinnen. Egal was der Hollywood-Blockbuster in der Produktion gekostet hat, wenn er für mich persönl ich ohne Wert ist, dann gebe ich halt wieder ein paar Blöcke auf meiner Festplatte frei und gut ist. Während Leute durchaus bereit sind für gute Inhalte ihr Geld als Anerkennung auf den Tisch zu legen. Egal ob sie das nun über Flattr oder iTunes oder ein anderes Bezahlmodell tun oder ob sie ihr Geld direkt an den Künstler ihrer Wahl geben.
Und Kunst und Kultur waren nie ein wirklich lukratives Geschäft für den überwiegenden Großteil der Kulturschaffenden. Und wild kopiert wurde auch in der prä-digitalen Ära. Und hat trotzdem so manches Jahrhundert überstanden. Face it. Die digitale Revolution der Kopierbarkeit lässt sich nicht rückgängig machen, egal wie sehr man es auch versucht.
Trotzdem versuchen die Regierungen der Welt es immer und immer wieder und scheinen nicht zu verstehen wie sich die Welt schon geändert hat. Und das nicht nur Weltweit mit ACTA sondern auch direkt vor unserer Haustür. Der Rechtsausschuss des Europäischen Parlaments hat sich heute mit dem Gallo-Report beschäftigt. Das Fazit ist das Übliche: Filesharing ist eine Ausgeburt der organisierten Kriminalität und schadet der Wirtschaft™. Deshalb müssen ganz schnell Strategien daher wie man geistiges Eigentum schützen kann.
Bereiten wir uns schon mal auf die nächste Schlacht im Copywar vor. Und möge es am Ende heissen: Die (DSL-)Leitung muss sich wieder lohnen.


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