AG $something == Experten?
Posted by Bastian • Tuesday, June 1. 2010 • Category: Aktuell: , The Pirates GospelVertraust du AGs? Also ich weiss gar nicht wie oft ich diesen Spruch schon gehört habe: «Aber PG/AG/AK Irgendwas sagt, $irgendwas, die müssen es doch wohl wissen». Und so langsam ist es wohl endgültig an der Zeit manchen Leuten genau diesen Zahn mal zu ziehen. Es stimmt so generell einfach nicht. Also eigentlich stimmt es sogar meistens nicht. Wer in der Bundes-AG Bildung der Piratenpartei aktiv ist oder war wird das nachvollziehen können. Die wohl mit Abstand aktivsten Personen vertreten vor allem eins: Partikulärinteressen.
Ganz egal ob das Kind nun Home- Un- oder Deschooling in der AG Bildung oder «Rettung des toten Pferds Crewkonzept» in der PG Satzung heisst. Das ist nur zu menschlich und auch völlig normal. Man sollte sich nur bewusst machen, dass Experten™ sich im Zweifel nicht dadurch definieren, dass sie sich selbst dieses oder ein vergleichbares Label geben sondern schlicht dadurch welche Kompetenzen und welches Wissen sie sich zu einem Thema angeeignet haben.
Um sich selbst ein wohl klingendes Präfix zu einem Thema zu geben braucht es nicht viel. So schaffe ich es sicher auch in kurzer Zeit die AG Kosmologie zu gründen obwohl ich schon an der einfachsten Mechanik zu scheitern drohe. Was mich dann aber im Zweifel nicht davon abhalten würde die Interessen der Flat Earth Society dort zu verbreiten. Und wenn ich nun noch 2-3 ebenso fanatische Mitstreiter finde gibt das schon eine ganz formidable AG ab die man im Zweifel als vermeintliche Experten heranziehen kann: «Aber die AG Kosmologie sagt doch...» T(r)oll, oder?
Und jetzt komm mir bitte niemand mit dem Piraten-Todschlag-Argument: «Aber es kann doch jeder mitmachen in so einer AG um so einem Wahnsinn Einhalt zu gebieten». Klar, in einer Welt in der die Dimension Zeit keine Rolle spielt. De facto haben wir leider wohl alle ein Limit an Interessen was wir mit der uns gegebenen Zeit neben Job, Familie und vielleicht sogar noch Freunden noch ausfüllen können. Ganz abgesehen davon wie extrem motivierend es ist mit einem Haufen Leute in einer Arbeitsgruppe zu stecken die diametral unterschiedliche Ansichten vertreten und man vor allem darum streiten muss.
Deshalb der Appell: Bitte, bitte, bitte: Denkt vielleicht trotzdem noch einmal oder vielleicht sogar zweimal darüber nach wenn euch jemand etwas als «die AG sagt...» verkaufen will. Ja, das können Leute sein die Ahnung von einem Thema haben. Aber genauso gut einfach nur krude Spinner.



10 Comments
Zusätzlich lässt sich nicht selten auch ein fataler Zirkelschluss festellen: "Ich bin in der AG XYZ, also habe ich Ahnung von XYZ." Leider finden sich in einer ganzen Reihe von AGs Mitglieder, die nach diesem Grundprinzip argumentieren und daraus wiederum die fachliche Legitimation der AG begründen, zum betreffenden Thema ernst genommen zu werden. Oder genauer gesagt, jede abweichende (vielfach kompetentere) Meinung als irrelevant abzutun.
Dass AGs und PGs quasi wild und unkontrolliert gegründet werden können, schadet überdies der Reputation derjenigen Gruppen, in denen fachkundig und unvoreingenommen gute Arbeit geleistet wird.
Respekt muss man sich halt erarbeiten.
Aber prinzipiell trifft das Problem natürlich auch auf dienstleistende AGs zu.
Eine fiktive AG Technik könnte sich genauso aus Windows NT-Admins zusammensetzen wie eine fiktive AG Design aus einem Haufen Blinder. Nur bei denen würden die Fehler vermutlich schneller auffallen als bei einer politischen AG.
Im Großen und Ganzen gebe ich Dir Recht. Es gibt allerdings bei erarbeiteten Ergebnissen von AGen IMO ein ganz anderes, noch gravierenderes Problem, das in der Struktur begründet ist. Ausnahmsweise taugt hier die AG Bildung nicht als abschreckendes Beispiel, da sich hier ausreichend konträre Strömungen befinden (die die AG allerdings mehr oder weniger lähmen). Nehmen wir eine fiktive *AG Forellenzucht*. In dieser AG wedrden sich nun überwiegend Anhänger von Forellenzucht befinden. Die meisten anderen werden die Arbeit der AG wenig bemerken. Damit hat die AG schonmal eine sehr eingeschränkte Sicht auf die Dinge. Sollte die AG jetzt auf die Idee kommen, nur noch zuchten der Hommingberger Gepardenforelle zu erlauben, mag das aus AG Sicht gut und vernünftig sein, aus objektiver Sicht möglicherweise ungünstig. Ebenso neigen solche AGen zu sehr feingranularen Beschlüssen (Siehe diverse Anträge zum bpt10-). Gefährdet sind z. B. die AG Drogen, Umwelt, Energie.
Jetzt haben wir nur noch ein praktisches Problem: Wie auf der Antragsliste des #bpt10- zu erkennen war, sind die Anträge von Einzelpersonen häufig noch wesentlich weniger zustimmungsfähig, als die von AGen, von Ausnahmen abgesehen. Woran erkennt man jetzt, dass Aussagen und Anträge von AGen oder AG-Mitgliedern Sinn machen? Eine Vorschlagsliste:
- Menschenverstand einschalten
- falls möglich nachfragen
- Einzelmeinungen erstmal skeptisch betrachten
Des weitern sollten Ausarbeitungen und Anträge der AGen frühzeitig und offensiv zur Diskussion gestellt werden, eventuell sogar in Teilergebnissen oder zunächst als Richtungsanträge gestellt werden. Des weiteren sehe ich bei AGen und Anträgen Führungsstärke der Vorstands gefragt, so wie eine solide Gesamtvorgehensweise. Einfach AGen so laufen zu lassen und zu glauben, die Basis wirds schon richten, so wie dann gute Ergebnisse zu erwarten, ist einer der gefährlicheren Irrtümer im Bezug auf Basisdemokratie. Das fürht entweder zu Stillstand, weil sich in der AG nichts bewegt (Bildung), Stillstand weil die Ergebnisse nicht breit genug tragfähig sind (Drogen) oder zu überhasteten Beschlüssen (lptnds09-). In Einzelfällen kann es natürlich auch funktionieren, z. B. hat das Konzept der Bauen und Verkehr AG zahlreiche Anhänger gefunden.
Gruß
Arne
Natürlich muss man damit irgendwann an eine größere Öffentlichkeit um dann eben zu merken wo noch Fehler sind, was nicht mehrheitsfähig ist etc. Was man eben nicht machen darf ist zu sagen «wird schon richtig sein, die AG hat sich ja gekümmert».
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