Gedankenstücke

(m)ein Leben durch den Sucher

Eindrücke von der SIGINT

Posted by Bastian • Monday, May 24. 2010 • Category: Aktuell: , i left my home
Von Samstag bis Heute fand die diesjährige SIGINT im Mediapark Köln statt. 3 Tage voller Mate, Meta und spannender Vorträge, mässig informativer Panels und dem obligatorischen Socialising beim Tschunk. Auf ein paar Panels & Vorträge möchte ich dabei noch mal kurz eingehen.

Das Panel zum Thema Urheberrecht mit dem frisch wiedergewählten Jens Seipenbusch und Vertretern der Contentmafia ergab wenig neues. Die Mafia findet Raubkopien doof denn Leistung muss sich wieder lohnen. Außerdem würde ja kein Künstler mehr Werke produzieren wenn dafür nicht das liebe Geld winkt. Das ist natürlich Blödfug, denn wer nur des Geldes wegen Zeug produziert sollte das bitte nicht Kunst nennen. Und sich selbst auch gefälligst nicht Künstler sondern vielleicht besser Contentmafia-Zuarbeiter. Kunst funktioniert einfach nicht in dem man die nächste Münze in den Schlitz wirft.

Künstler™ die auch Kunst™ produzieren tun das im Regelfall aus purer intrinsischer Motivation heraus, weil sie es wollen und sich über das Medium ihrer Wahl ausdrücken wollen. Wenn dabei noch Geld abfällt: Gerne. Wenn nicht ist das aber halt so. Weder mit meinen Tweets, noch meinen Blogposts, noch meinen Fotos habe ich in den letzten Jahren irgendwann einmal Gewinne erzielt. Aufgehört habe ich seltsamerweise trotzdem nicht.

Und natürlich beschwerte sich die Contentmafia mal wieder über die bösen 1-Click-Hoster ala Rapidshare und Tracker-Anbieter ala The Pirate Bay. Weil die Leute verdienen ja Geld im Internet mit den Produkten anderer Leute. So weit so richtig. Nur sollte sich die Mafia auch genauso einmal fragen wieso andere Menschen es geschafft haben im Internet funktionsfähige Geschäftsmodelle zu entwickeln während sie hauptsächlich jammern wie schrecklich doch alles ist. Eine Lösung war dann auch auf diesem Panel nicht in Sicht.

Am Sonntag Morgen gab es die Keynote «Yes We Could: Hackers in Government» von Nick Farr. So circa seine These auf den Punkt gebracht: Hacker wären ideal um Politik zu machen aufgrund ihrer Problemlöse-Strategien, weil sie es gewohnt sind in Netzwerken zu arbeiten und weil sie sich nicht davor scheuen auch unbequeme Wahrheiten anzusprechen. Während der gemeine Politiker bislang keine Ahnung hat, keine sinnvollen Lösungsmöglichkeiten sucht und vor allem Leute anlügt um bloss wiedergewählt zu werden.

Kann man sicher so sehen und die Idee ist auch wirklich charmant. Leider übersieht diese These wohl mindestens zwei Probleme die Hacker davon abhalten quasi automatisch bessere Politik zu machen: Zum einen ist es ein elementarer Unterschied ob man irgendwelchen Code bzw. sein System Zeile für Zeile auseinandernimmt oder ob man den politischen Code/das politische System ändern will. Während man bei Software relativ ungezwungen von außen auf ein System einwirkt muss man sich für die Politik in das System begeben, Teil davon werden und sich zumindest gewissen Spielregeln beugen. So wie man die zugrunde liegende Physik von E-Systemen halt auch nicht einfach umgehen kann.

Und zum anderen ist die Frage ob es wirklich ein Vorteil ist, den Leuten schonungslos die Wahrheit ins Gesicht zu sagen oder ob ein guter Prozentsatz von Wahlberechtigten nicht einfach angelogen werden will. Sprich: Wird man dafür gewählt, dass man Leuten ins Gesicht sagt, dass ihr System broken ist? Ich meine die FDP verspricht auch hauptsächlich immer wieder unrealistische Steuersenkungen. Und obwohl so langsam jedem klar sein sollte, dass da nur der Wunsch Vater des Gedanken ist wählen immer noch ausreichend viele Leute eine Lüge.  

Heute Mittag gab es dann noch den Vortrag «Antropofagia» von Martin Butz zum Thema Menschenfresser und Kultur. Eine frühe Fassung seines Talks habe ich im Februar schon auf dem Bildungscamp in Köln gesehen, mittlerweile hat er seinen Vortrag aber noch etwas ausgebaut und vor allem um ein «Manifest der Aneignung» ergänzt. Das Ganze ist de facto ein Plädoyer für einen spielerischen Umgang mit Kunst & Kultur und für eine Remix/Mash-Up/Something-Culture. Das «Manifest der Aneignung» umfasst folgende Punkte die ich für recht unterschreibenswert halte:

1) Stelle immer die Frage: Was hat das mit mir zu tun?
2) Solange du bastelst und lernst, lebst du. Perfektionismus verhindert mehr als er bewirkt.
3) Gebrauchsanweisungen sind nicht unbedingt deine. Wann und wie die Dinge gebrauchstauglich sind, entscheidest du.
4) Stelle deine Selbstbestimmung sicher und übernimm Verantwortung. Vertraue in wichtigen Dingen keinem Experten.
5) Arbeite mit dem was da ist. Es ist immer etwas da.

Das Gender-Panel fand ich ziemlich lahm muss ich gestehen. Was vielleicht aber auch daran lag, dass nur Leute mit gleichen Ansichten auf der Bühne saßen. Das macht Diskussionen erfahrungsgemäß nicht ganz so spannend. Aber ja: Diskriminierung ist doof, Vorurteile auch wenn man sie nicht revidieren kann. Egal ob das nun wegen des Geschlechts, der sexuellen Orientierung, der Hautfarbe, der Anzahl Arme oder anderer generischer Kategorisierungen passiert. Und ja: Man sollte den Mit-Lebewesen denen man begegnet mit einem Mindestmaß an Respekt begegnen. Nichts neues im Westen möchte man meinen, ist aber wohl auch im Jahre 2010 noch nicht überall angekommen.

Lohnenswert wird es sicherlich auch sein sich die Aufzeichnung des Vortrags «Hoist The Colours!» von Roland Gratzer anzuschauen. Es geht also um so wirkliche Piraten mit Schiffen & Co. Sehr kurzweilig gehalten mit sehr viel Humor. 

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