Gedankenstücke

(m)ein Leben durch den Sucher

Gedankenstücke

Posted by Kemal • Wednesday, December 2. 2009 • Category: Aktuell: , The Pirates Gospel
Und wieder ergreifen die Spalter und Denunzianten in diesem unseren Land das Wort und machen auf peinliche Art und Weise auf sich aufmerksam. Aaron reiht sich gerade ein in die Reihe der üblichen Polemiker wie Henryk Broder, Ralph Giordano oder Thilo Sarrazin. Die Zutaten sind stets gleich: ein paar Halbwahrheiten hier, ein paar Unwahrheiten dort, einmal umrühren, und fertig sind die Ressentiments. Wie durch Zauberhand hat man weite Teile der verängstigten und desinformierten Bevölkerung hinter sich. Rechtspopulismus pur. Ich wünschte wir hätten einen Bundesparteitag, und könnten ihm endlich dafür, und für weitere Dinge, die rote Karte zeigen.

Wer mich kennt weiß dass ich mit Religionen generell nicht viel anfangen kann. Jeder nach seiner Façon, soll doch jeder an das glauben was er oder sie für richtig hält. Und wenn es nach mir ginge, würden wir gar keine sogenannten Gotteshäuser bauen, für keine Religion. Das einzige was zählte, wären Aufklärung, Laizismus, der gesunde Menschenverstand und das Grundgesetz. Nun sieht die Realität aber anders aus, und offenbar haben die meisten Menschen das Bedürfnis sich zu versammeln und irgendetwas irgendwie gemeinsam irgendwo zu zelebrieren. Nun denn, so sei es. Aber dann bitteschön für alle gleich und fair. Wenn schon mit meinen Steuergeldern Kirchen und Synagogen gebaut werden, dann soll es auch Moscheen geben dürfen. Und zwar so, wie sie nun mal sind, mit Minaretten. Hinzu kommt noch, dass dafür nicht einmal unsere Steuermittel aufgewendet werden müssen. Man kann sich gerne darüber unterhalten wie hoch Minarette sein dürfen, oder wo Moscheen überhaupt gebaut werden sollten. Aber den Menschen vorschreiben wie sie ihre Moscheen zu bauen haben? Verlangen wir jetzt auch nach Kirchen ohne Kirchtürme? Eine Höhen-/Breitenbeschränkung für Synagogen?

Und soll mir bloß keiner weismachen die Bibel oder der Talmud seien weniger blutrünstig als der Koran. Oder demokratischer. Oder sonst irgendetwas. Kommt sowieso aus derselben Ursuppe. Im Übrigen streitet man sich teilweise darüber was gestern besprochen wurde, woher soll man heute wissen wie es der Prophet vor rund 2000 Jahren wirklich gesagt oder gar gemeint haben könnte? Der Koran sei im Gegensatz zur Bibel unverfälscht überliefert? Naja, wie ich schon sagte, jeder nach seiner Façon. Hauptsache niemand versucht mich zu missionieren, bei sowas sträuben sich mir generell die Nackenhaare. Geistige Brandstifter gibt es auf beiden Seiten

Die Schweiz. Wer hätte das gedacht. Enttäuschend. Direkte Demokratie? Funktioniert manchmal, und manchmal eben auch nicht.

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7 Comments

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  1. Ein kleiner Fehler hat sich in deinem durchaus guten Beitrag eingeschlichen. Der Prophet Mohammed lebte von ca. 570 bis 632 nach Christus und erst unter Osman im Jahre 653 fand die Kantonisierung des Korans statt. ;-)

    Dialog kann nur durch Wissen funktionieren, niemals durch Populismus!
  2. ...schreibt derjenige, der vor kurzem noch Konfessionsschulen forderte. Davon abgesehen, geht mir die Hetze gegen Aaron allmählich auf die Nerven. Vielleicht liegts daran, dass ich die Entscheidung in der Schweiz befürworte. Nicht, weil ich etwas gegen Muslime oder Minarette hätte, sondern, weil die schweizer Bürger noch ihre Meinung äußern können, ohne Angst zu haben, Nazi-Sprüche oder Tolleranz-Geschrei an den Kopf geworfen zu bekommen. Eines ist nämlich Fakt: Viele in der Bevölkerung haben Angst vor Islamisierung. Sowohl in der Schweiz, als auch in Deutschland. Nur hier traut sich niemand, es zu äußern, schließlich könnten Moslems sich ja beleidigt fühlen...
  3. Hallo Rene, sorry, da musst Du mich falsch verstanden haben, oder ich habe mich missverständlich ausgedrückt. Wenn es nach mir ginge hätten wir in Deutschland Laizismus, d.h. unsere Kinder würden sich nicht von Nonnen unterrichten lassen müssen, wir hätten keine Kruzifixe an den Wänden, kein Schüler trüge eine Kippa, und kein Mädchen ein Kopftuch. Ich sagte seinerzeit, dass ein Kind die nächstgelegene Grundschule nicht besuchen darf, weil es zufällig die falsche oder keine Konfession hat, und das auch noch, obwohl es sich um eine staatliche, d.h. aus Steuermitteln getragene, Schule handelt. Nun müssen diese Kinder zu einer weiter entfernten Grundschule gefahren werden, was --außer der Diskriminierung aus religiösen Gründen-- erhebliche Nachteile hat (Zeitverlust der Eltern, Gefahren auf dem längeren Schulweg usw.). Noch ein Wort zu dem "chronischen Beleidigtsein von Moslems" (Henryk Broder): es gibt sehr wohl einen kausalen Zusammenhang zwischen dem seit 9/11 aufgebauten neuen Feindbild Islam, und diesem Beleidigtsein. Man darf sich nicht wundern, dass das hof- und salonfähig gewordene Islam-Bashing der westlichen Hemisphäre auch eine Reaktion hervorruft, aber bitte nicht Ursache und Wirkung verwechseln. Von den Moslems wünsche ich mir dagegen etwas mehr Gelassenheit. Man macht sich durch die Wut im Bauch nur selbst zur Geisel, und die Spalter erreichen damit ihre Ziele das friedliche Zusammenleben zu stören. Viele Grüße, Kemal
  4. Der Streit läuft hier doch eigentlich zwischen dem Volk und der eigenen Verfassung.

    http://www.piratenpartei.de/node/986

    chamaeleo
  5. Kemal geht in seinem Beitrag auf eine interessante Frage ein: Wann "funktioniert" direkte Demokratie eigentlich? Wirklich nur dann, wenn eine Abstimmung zu einem Ergebnis geführt hat, das einem selbst genehm ist? Die Schweizer haben eine Entscheidung gefällt. Steht es uns wirklich zu, gleich am politischen System der Schweiz zu zweifeln, nur weil uns das Ergebnis einer Abstimmung unbequem ist? Könnte ja auch sein, dass viele Schweizer gar nicht "verängstigt" und "desinformiert" sind. Vielleicht haben sie einfach nur einen klaren Standpunkt. Und vielleicht sollten wir besser vor unserer eigenen Haustür kehren.

    Ist es tatsächlich so, dass sich die Mehrheit der Deutschen in einem Plebiszit für die Wiedereinführung der Todesstrafe aussprechen würden? Oder dafür, Kinderschändern ihr bestes Teil zu amputieren, wie es Aaron in seinem Beitrag nahe legt? Wenn das so ist, dann sind die Schweizer offenbar schlauer als die Deutschen.
  6. Also um mal für mich als möglichen Piratenwähler Klartext zu sprechen.

    Für mich ist das Piratenschiff klar in rechte Gewässer abgedriftet und droht dort zu sinken. Ich kann es echt nicht nachvollziehen wie ein Mitglied eines Parteibundesvorstandes einer Partei die sich selbst rühmt das Grundgesetz zu schützen einfach so klar Grundrechte difamieren kann und so fröhlich am rechten Rand fischt.
    Auch das sonstige abfeiern des Schweizersystem finde ich sehr kritisch. Denn das System ist halt ein grundlegend anderes. Und auch in der Schweiz ist nicht alles Gold was glänzt, oder finden jetzt die Piraten dann doch solche Sachen wie die Fichenaffäre toll?

    Ihr habt echt verdammt Glück, das die Medien noch nicht auf die Sache aufmerksam geworden sind, ansonsten würde mit Sicherheit das fröhliche „Piratenschiffe versenken“ Spiel losgehen. Auch das man sonst keine offiziellen Pressemitteilungen der Bundespartei oder des restlichen Bundesvorstandes zu dem Thema hört stimmt mich sehr bedenklich. Es sind schon Politiker für weniger parteischädigendes Verhalten gegangen. Wie z.B. Clement als er sein Atomlobbygewäsch in einer Kolumne losgelassen hat und somit den Wahlkampf der SPD geschadet hat. Daher zieht für mich auch dieses Wischiwaschi Argument „Das ist halt Arons persönliche Meinung“ nicht. Denn als Spitzenpolitiker einer Partei, vertritt man automatisch auch die Parteimeinung nach außen. Klar darf es dar durchaus Nuauncen geben, nur sollte doch bitte eine einheitliche Grundlinie erkennbar sein. Oder ist braunes Gedankengut und dessen stillschweigende Tolerierung nun euer neues Grundsatzprogramm.

    Ich jedenfalls habe beschlossen, dass ich die Piratenpartei solange nicht wählen werde, bis dieses rechte und staatsgefährliche Gedankengut aus der Partei verschwunden ist. Und da könnt ihr ein noch so tolles piratiges Pogramm haben. Es geht mir am Ar... vorbei. Denn bei einer Wahl wählt man nicht nur Pogramme, sondern nun mal auch Personen welche diese vertreten. Zwar Schade um die NRW Landtagswahl für Gedankenstücke und co, da ich mein Kreuz derzeit wohl voraussichtlich wo anders machen werde. Aber solange auch sonst ehr unklar ist wo man die Piratenpartei außerhalb der Netzpolitik im politischen Spektrum verordnen kann, und solche Äußerungen kommen, kann ich bei diesem derzeitigen Geisterkahn einfach nicht mit guten gewissen mein Kreuz machen.

    Übrigens wenn ihr von den Parteibasispiraten Aron wirklich los werden wollen würdet, warum fang ihr dann nicht mal an die Software Sonderparteitag zu installieren. Mit diesem Offlinetool kann man sich nämlich mal offen persönlich aussprechen und eventuelle Bundesvorstandsmitglieder von ihrem Posten deinstallieren.
  7. Ich kann verstehen, dass durch solche Aktionen wie die von Aaron der Eindruck entstehen mag, dass die Piraten sich selbst rechts überholen. Allerdings solltest du bedenken, dass dies hauptsächlich einige wenige - dafür sehr laute - Mitglieder betrifft (wie allgemein Piratenkommunikation, wer unsere Mailinglisten liest wird wissen was ich meine ;-)). Der Großteil der Piraten die ich kennengelernt habe, on- wie offline, würde ich - ganz platt im politischen Kompass verortet - als links-liberal ansehen.

    Aber ganz abgesehen davon: Wie soll man als (überzeugter) Pirat ernsthaft in die rechte Ecke kommen? Eines der Ziele soll doch der Erhaltung, Schutz und Rückausbau von Bürgerrechten sein. Darunter auch der Gleichheitsgrundsatz. Und was ich in der Diskussion um Aarons persönlich sehe sind ganz ganz viele Piraten die bedingungslos für Dinge wie Religionsfreiheit & Gleichheit vor dem Gesetz kämpfen.

    Ein Sonderparteitag wäre eine gute Sache, ist allerdings so gar nicht in unserer Bundes-Satzung vorgesehen (wenn ich nichts übersehen habe, bin mehr in der NRW-Satzung firm). Viel mehr benötigt man den Antrag von 10 % der Piraten und auch dann dauert es mindestens 6 Wochen bis der Parteitag stattfinden kann.

    Ich kann deine Skepsis verstehen. Was ich persönlich empfehlen kann um ein Bild von den Piraten zu kriegen ist einfach mal einen Stammtisch zu besuchen. Das hilft einen “neutraleren” Blick zu bekommen, da iRL-Treffen doch etwas ganz anderes sind als Blogposts/Mails & Co.

    Und zu der Wahl: Ich würde empfehlen erstmal das Programm zu lesen was wir im Januar vorlegen werden ;-)

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