Gedankenstücke

(m)ein Leben durch den Sucher

Unverstanden

Posted by Bastian • Sunday, April 5. 2009 • Category: Aktuell: , i love my computer
Dieser Artikel von Jochen Stahnke bei FAZ.net über die re:publica ist ein einziger Rant. An sich nicht falsch ein wenig rumzumeckern, gehört ja auch zum bloggen dazu. Wobei, wollten die Leute bei der FAZ nicht so echten “Qualitätsjournalismus” liefern? Und Kritik an der re:publica kann man sicher üben, an vielen Punkten. Aber darum geht es auch gar nicht.

Denn es geht mir vor allem darum wie sehr sich der Autor selbst entlarvt. Da beschwert er sich ausführlich über die Masse der an ADHS leidenden Bloggern,
«Die meisten der vorwiegend männlichen Besucher Mitte dreißig haben mindestens ein Laptop, Blackberry oder iPhone auf dem Schoß und tippen beinahe sekündlich weitere Blogeinträge oder Twitter-Botschaften, im Fachjargon „Tweets“ genannt, ins Internet.Selbst Vorträgen wie dem des Wikipedia-Gründers Jimmy Wales schenkt kaum jemand volle Aufmerksamkeit.»
um dann selbst genau in die Falle zu rennen als er CC-Gründer Lawrence Lessig anzupöbeln versucht.
«Würde Lessig, einmal anders gefragt, auch von Immobilienmaklern, Steuerberatern und Rechtsprofessoren verlangen, dass sie auf ihren Besitzstand und die Bezahlung ihrer Leistungen verzichten?»
Deutlicher kann man gar nicht machen dass man Lessig bei seinem Vortrag entweder gar nicht zugehört hat weil man gleichzeitig schlechte Artikel schreiben musste oder weil man es schlicht nicht verstanden hat. Denn in seinem Vortrag hat er die ganze Zeit davon gesprochen das man endlich ein vernünftiges Zitierrecht für neue Medien einführen muss und das es endlich möglich sein soll Kunst in Form von Remixen zu ermöglichen. Desweiteren sprach er ausdrücklich davon dass das Urheberrecht für den Privatanwender gelockert werden muss da es überhaupt nichts bringt Menschen zu kriminalisieren.

Falls der Herr Autor zu beschäftigt war vor Ort zuzuhören sollte er sich den Talk hier nochmal ansehen, ab ca. Minute 46 kommt der relevante Teil. Von daher sind die Vergleiche auch überhaupt nicht zutreffend. Passender wäre der Makler dessen Angebote umsonst weiterverbreitet werden in neuen Zusammenhängen (bsp. Immobilien-Webseiten) oder der Rechtsprofessor dessen Arbeiten an neuen Stellen verbreitet werden.

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4 Comments

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  1. Man kann an dem Artikel ja einiges kritisieren, aber an einer Feststellung kommt man einfach nicht vorbei: Der Einstieg und der letzte Satz von Stahnkes Artikel sind geradezu schmerzhaft wahr.

    Die re:publica ist ein bisschen so wie ein Fachkongress, auf dem alle nur über Papers reden, die man eigentlich schon immer mal schreiben wollte.

    Weiß schon warum ich mir die ganzen Web-2.0-Konferenzen nur in sehr homöopathischen Dosen gebe.
  2. Das seh ich nicht ganz so. Alle Konferenzen & Kongresse kreisen schon von Natur aus um ihr eigenes Thema. Sonst wäre es doch auch einfach albern. Ich geh ja auch nicht zu einer Tagung von Chemikern und beschwer mich dann darüber das Weltpolitik gar nicht das Thema ist.

    Dazu kommt das eben doch über den Tellerrand geblickt wurde. Die Beiträge zu Blogs in Afrika & im Nahen Osten waren sehr sehr gut und gingen weiter über "Wie toll man in 140 Zeichen Werbung machen kann" heraus.

    Zur angeblich fehlenden Relevanz muss man glaub ich auch nicht viel sagen. Schau dir mal die Panorama-Abteilung von SpOn und Konsorten an. :-)
  3. Der Maßstab für die Relevanz der re:publica ist Naomi Campbells Unterwäsche? Gut dass ich nicht da war...

    Genau das ist doch das Problem: In der ganzen Welt schreiben Blogger über Politik, Umwelt, Gesellschaft, Armut etcetera etcetera. In Deutschland reden sie über's Internet. Und darüber, wie toll anderswo gebloggt wird.

    Web-Konferenzen, wo Themen-Blogger sich treffen, um ihr Thema voranzubringen, kenn ich (abgesehen von den EduCamps) praktisch gar nicht. Auf solche Konferenzen würde ich fahren
  4. Das war nur als Beispiel zu sehen das eben nicht immer ALLES Relevant ist. Und es gibt auch deutsche Blogs die sich nicht nur mit dem Internet und Web 2.0 beschäftigen. Du betreibst beispielsweise eins. Ich genauso :-)

    Blogs über Politik gibt es in Deutschland auch. Themenkonferenzen gibt es doch auch, siehe das bald anstehende Politcamp.

    Ich finde es aber ganz nett eben auch mal über den Tellerrand zu schauen um zu sehen was es da noch so gibt.

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