Lernen lernen
Posted by Bastian • Thursday, September 15. 2011 • Category: Aktuell: , We Don't Need No Education
Neues Schuljahr. Es ist mal wieder soweit: Seit einigen Jahren machen wir in der Höheren Handelsschule (richtig heißt das: "Zweijährige höhere Berufsfachschule für Wirtschaft und Verwaltung") ein Methodentraining zu Beginn jeder neuen Unterstufe.
Das Methodentraining besteht bei uns aus vier Modulen:
Wie die Überschrift schon andeutet versuche ich, das Modul "Lernen lernen" zu vermitteln. Dieses Jahr haben mein Teamkollege und ich das komplette Modul überarbeitet und testen es nun in der neuen Form.
Der aus wissenschaftlicher Sicht durchaus umstrittene Lerntypentest hält sich immer noch hartnäckig. Die Schüler machen sowas auch wirklich gerne, auch noch in höherem Alter. Ich würde das aber gerne fürs nächste Jahr ersetzen/austauschen/verbessern.
In diesem Jahr haben wir neu die Ausschnitte vom Republica Vortrag von Gunter Dueck hinzugenommen. Da die Schüler, wenn sie bei uns landen (also mit ungefähr 16 Jahren), schon einige Schulerfahrung mit sich bringen, halte ich es für notwendig, überhaupt erst einmal ein Problembewusstsein für eine sich ändernde Welt zu wecken. Ich favorisiere Menschenbild Y, muss aber, um Schüler dafür zu begeistern, zunächst die Erfahrungen der Jahre mit "Kästchenrechnen" und Druck überwinden. Bei uns sind Schüler freiwillig. Das muss ihnen selber aber auch klar werden. (Realistisch sind sie oft hier, weil sie nichts Anderes gefunden haben oder weil es dann noch weiter Kindergeld gibt. Wenn sie aber nun schon da sind, kann man m.E. auch etwas Gutes daraus machen.
Wir haben begleitend zu den Ausschnitten folgende Fragestellungen diskutiert:
Weiterhin haben wir spontan (und inspiriert durch diesen Artikel) die Frage von Motivation diskutiert. "Würden Sie Ihre Arbeit auch ohne Entgelt machen? Wenn nicht, kündigen Sie!"
Ich finde es immer ein wenig erschreckend, wie sehr Jugendliche ausschließlich Geld und Konsum als Motivator sehen. Ich wünsche mir, dass sie stattdessen irgendwann eine Arbeit machen können, die sie erfüllt, glücklich macht, zu der sie jeden Tag gerne gehen. Nur, was man mit Leidenschaft tut, macht man gut. Schüler sagen in der Diskussion aber oft, dass ihnen Zufriedenheit mit der Arbeit egal sei. Oder überspitzt: Für Geld würden sie alles machen.
Im Anschluss daran haben wir mittels der Expertenmethode (Schüler bereiten den Text vor und müssen ihn einem Mitschüler vorstellen) diesen Text diskutiert: "Was wir wirklich lernen müssen." Hierbei sollen von den Schülern bereits mehrere Ebenen bewältigt werden. Sie müssen den Text natürlich erst einmal verstehen (und das fällt vielen schon schwer). Sie müssen ihn aufbereiten und Stichpunkte verwenden, um den Kern, die Essenz der einzelnen Abschnitte an einen Mitschüler weitervermitteln zu können. Im letzten Teil müssen sie dann noch eine eigene Meinung dazu diskutieren können. (Es ist erschreckend, wie viele Schüler schon Probleme mit 5 Seiten Text haben. Das ist auch einer der Kritikpunkte der Schüler bei der Evaluation: "Der Text ist zu lang." Ich bin aber bei einem Bildungsgang, der in Studierfähigkeit (Fachhochschulreife) münden soll, nicht bereit, ganz auf längere Texte zu verzichten;-)
Zusätzlich zum Vormittagsprogramm haben wir zwei Nachmittage mit Aktivität gefüllt. Dienstag die traditionelle Kanutour auf der Werse/bei Münster. Resultat: Super Wetter und trotz vier gekenterter Boote war die Stimmung auch im Anschluss im Bus gut.
Heute endet das Methodentraining mit einem abschließenden gemeinsamen Grillen. Viele Schüler haben Salate/Brot/Kuchen etc. mitgebracht. Ich habe den Eindruck, das wird eine richtig gute Jahrgangsstufe. Nach vier Tagen bin ich aber auch froh, dass ich morgen wieder mal etwas Anderes unterrichten darf. Immer dieselben Inhalte zu vermitteln, wäre nichts für mich;-)
Zur Person: Birgit Rydlewski, 41 Jahre alt, Lehrerin für Wirtschaftswissenschaften und Deutsch am Richard-von-Weizsäcker-Berufskolleg in Dülmen/Lüdinghausen, digital immigrant, politisch engagiert.
Das Methodentraining besteht bei uns aus vier Modulen:
- Recherchieren, wissenschaftliches Arbeiten
- Texte verstehen
- Präsentieren
- Lernen lernen
Wie die Überschrift schon andeutet versuche ich, das Modul "Lernen lernen" zu vermitteln. Dieses Jahr haben mein Teamkollege und ich das komplette Modul überarbeitet und testen es nun in der neuen Form.
Der aus wissenschaftlicher Sicht durchaus umstrittene Lerntypentest hält sich immer noch hartnäckig. Die Schüler machen sowas auch wirklich gerne, auch noch in höherem Alter. Ich würde das aber gerne fürs nächste Jahr ersetzen/austauschen/verbessern.
In diesem Jahr haben wir neu die Ausschnitte vom Republica Vortrag von Gunter Dueck hinzugenommen. Da die Schüler, wenn sie bei uns landen (also mit ungefähr 16 Jahren), schon einige Schulerfahrung mit sich bringen, halte ich es für notwendig, überhaupt erst einmal ein Problembewusstsein für eine sich ändernde Welt zu wecken. Ich favorisiere Menschenbild Y, muss aber, um Schüler dafür zu begeistern, zunächst die Erfahrungen der Jahre mit "Kästchenrechnen" und Druck überwinden. Bei uns sind Schüler freiwillig. Das muss ihnen selber aber auch klar werden. (Realistisch sind sie oft hier, weil sie nichts Anderes gefunden haben oder weil es dann noch weiter Kindergeld gibt. Wenn sie aber nun schon da sind, kann man m.E. auch etwas Gutes daraus machen.
Wir haben begleitend zu den Ausschnitten folgende Fragestellungen diskutiert:
- Wie verändert sich die Berufswelt durch das Internet?
- Welche Berufe und Tätigkeiten werden dadurch überflüssig?
- Was macht einen "Professional" aus? (Und wie kommt man dahin?)
- Was versteht G. Dueck unter dem Menschenbild X und Y?
Weiterhin haben wir spontan (und inspiriert durch diesen Artikel) die Frage von Motivation diskutiert. "Würden Sie Ihre Arbeit auch ohne Entgelt machen? Wenn nicht, kündigen Sie!"
Ich finde es immer ein wenig erschreckend, wie sehr Jugendliche ausschließlich Geld und Konsum als Motivator sehen. Ich wünsche mir, dass sie stattdessen irgendwann eine Arbeit machen können, die sie erfüllt, glücklich macht, zu der sie jeden Tag gerne gehen. Nur, was man mit Leidenschaft tut, macht man gut. Schüler sagen in der Diskussion aber oft, dass ihnen Zufriedenheit mit der Arbeit egal sei. Oder überspitzt: Für Geld würden sie alles machen.
Im Anschluss daran haben wir mittels der Expertenmethode (Schüler bereiten den Text vor und müssen ihn einem Mitschüler vorstellen) diesen Text diskutiert: "Was wir wirklich lernen müssen." Hierbei sollen von den Schülern bereits mehrere Ebenen bewältigt werden. Sie müssen den Text natürlich erst einmal verstehen (und das fällt vielen schon schwer). Sie müssen ihn aufbereiten und Stichpunkte verwenden, um den Kern, die Essenz der einzelnen Abschnitte an einen Mitschüler weitervermitteln zu können. Im letzten Teil müssen sie dann noch eine eigene Meinung dazu diskutieren können. (Es ist erschreckend, wie viele Schüler schon Probleme mit 5 Seiten Text haben. Das ist auch einer der Kritikpunkte der Schüler bei der Evaluation: "Der Text ist zu lang." Ich bin aber bei einem Bildungsgang, der in Studierfähigkeit (Fachhochschulreife) münden soll, nicht bereit, ganz auf längere Texte zu verzichten;-)
Zusätzlich zum Vormittagsprogramm haben wir zwei Nachmittage mit Aktivität gefüllt. Dienstag die traditionelle Kanutour auf der Werse/bei Münster. Resultat: Super Wetter und trotz vier gekenterter Boote war die Stimmung auch im Anschluss im Bus gut.
Heute endet das Methodentraining mit einem abschließenden gemeinsamen Grillen. Viele Schüler haben Salate/Brot/Kuchen etc. mitgebracht. Ich habe den Eindruck, das wird eine richtig gute Jahrgangsstufe. Nach vier Tagen bin ich aber auch froh, dass ich morgen wieder mal etwas Anderes unterrichten darf. Immer dieselben Inhalte zu vermitteln, wäre nichts für mich;-)
Zur Person: Birgit Rydlewski, 41 Jahre alt, Lehrerin für Wirtschaftswissenschaften und Deutsch am Richard-von-Weizsäcker-Berufskolleg in Dülmen/Lüdinghausen, digital immigrant, politisch engagiert.

