Gedankenstücke

(m)ein Leben durch den Sucher

Koch-Mehrin: Ich bin nutzlos, befördert mich

Posted by Bastian • Thursday, June 23. 2011 • Category: Aktuell: , The Pirates Gospel
Silvana Koch-Mehrin, Noch-Europa-Politikerin der FDP, ist ja in der Vergangenheit schon negativ aufgefallen, nämlich mit chronischer Abwesenheit im Parlament. Dann kam auch noch dieses Internet vorbei und hat nicht nur gezeigt, dass sie nicht nur zu faul ist sich ins Parlament zu bewegen. Sondern hat auch nachgewiesen, dass sie offensichtlich nicht in der Lage ist ihren Kopf zum denken zu benutzen. Denn auch sie hat es nicht geschafft eine eigene Doktorarbeit zu schreiben, sondern musste sich per Copy & Paste das entsprechende Werk zusammenklicken (lassen). Dementsprechend hat die Universität Heidelberg ihr auch den Doktortitel aberkannt, schliesslich habe sie keine „selbständige wissenschaftliche Arbeit“ abgeliefert. Und weil das ja noch nicht peinlich genug ist, hat sie sich noch weiter entblödet und sich damit verteidigt, dass die Uni ja schuld sei, schliesslich wäre ja damals schon klar gewesen, dass sie zu doof ist.

So weit, so hohl. Aber jetzt wurde Koch-Mehrin auch noch zum Vollmitglied des Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie. Und als wäre es nicht schon genug Ironie, dass in diesen Ausschuss ausgerechnet jemand kommt, dem die Energie für Sitzungsbesuche genauso fehlt wie das Basiswissen über Forschung (Immerhin die Verbindung zur Industrie kann man bei der FDP aber sicherlich ungesehen glauben...): Sie ersetzt Jorgo Chatzimarkakis, ebenfalls Noch-Europa-Politiker der FDP, dessen Doktorarbeit von der Uni Bonn gerade auch wegen Plagiatsverdachts untersucht wird.

Wieso Plagiate in der Wissenschaft nichts verloren haben, habe ich ja schon mal versucht zu erklären. Und dabei hat sich seit Guttenberg auch nichts geändert. Umso erfreulicher ist es, dass einige spontan entschlossene Scilogger sich heute direkt an einen Petitionstext gemacht haben. Und fordern, dass Koch Mehrin doch bitte zurücktreten solle, denn: Es ist inakzeptabel, dass jemand, der sich des akademischen Betrugs schuldig gemacht hat, in einem Ausschuss sitzt, der die europäische Forschungspolitik und ihre Finanzierung überwacht.

Mehr muss man dazu auch gar nicht sagen. Hier geht es zum kompletten Petitionstext, wo man auch mitzeichnen kann. So möge der Ausschuss denselbigen jetzt bitte verlassen.

Open Course - Was ich bisher dabei empfunden habe

Posted by Bastian • Sunday, June 12. 2011 • Category: Aktuell: , We Don't Need No Education
Es geht um diese Aktion mit dem Thema Zukunft des Lernens.

1. Woche: Ich war noch total motiviert. Warum muss sich in der Bildungslandschaft überhaupt etwas verändern?
Ich habe noch einigermaßen fleißig mitdiskutiert, vor allem, weil ich daran glaube, dass Bildung (in meinem Fall jetzt Schule) auch ganz anders funktionieren könnte. Freier. Individueller. Mit mehr Spaß. Und mehr Chancen für alle.

2. Woche: Social Networks
Netzwerken finde ich toll. Ich liebe Twitter. Aber ich sehe auch zunehmend, wie ich an meine Grenzen komme. Parallel laufen Abiklausuren. Während also irgendwo in der Bildungslandschaft die immer gleichen Leute zu Vorträgen auflaufen, denke ich in der Schule darüber nach, warum schon wieder die Herrentoilette versaut wurde. Nicht ohne Neid verfolge ich Diskussionen auf Twitter, erliege aber immer mehr dem Gefühl, dass ich so als "normaler" Lehrer gar nicht Teil dieses Netzwerks von voll coolen Bildungshackern bin. Also widme ich mich den zum Teil existentiellen Ängsten meiner Schüler, ob sie das Schuljahr schaffen, statt auf Antworten von Experten zu hoffen, die bei Twitter oft auch gar nicht antworten wollen. (Ich hoffe, das klingt jetzt nicht zu frustriert, aber meine Versuche, mit Institutionen, Gruppen und Einzelpersonen auf Twitter zu kommunizieren, hat gelegentlich gezeigt, dass Kommunikation hier nicht funktioniert. Da sind die Accounts, die Twitter vor allem als Selbstdarstellungsplattform nutzen. Die Institutionen, die auf Fragen nicht mal antworten und für die Twitter nur nettes Marketingspielzeug ist.)

3. Woche: Lerntechnologien
Da habe ich mich so allmählich aus der Diskussion gezogen. Ich habe ein IPad. Meine Schule ist wirklich gut ausgestattet, was Technik angeht. Ich glaube, mehr ist im Moment einfach pragmatisch nicht drin. Und löst Technik wirklich die Probleme? Es bleiben also für mich zunehmend mehr Fragen als Antworten.

4. Woche: Lernumgebungen
Mittlerweile sind eine Menge Tools und Möglichkeiten erwähnt worden, die ich vorher gar nicht kannte. Das ist grundsätzlich toll, aber im Moment fehlt mir die Zeit, mich damit überhaupt auseinanderzusetzen. Ich beschränke mich also auf das wöchentliche Erstellen des Etherpads und bremse mich selber aus an der Frage, wie ihr das alle eigentlich macht im normalen Alltag? Blogs schreiben, mit Technik spielen. Familie bespaßen. Wohnung aufräumen. Klausuren korrigieren.

5. Woche: Mobile
Mobile Technik. Oder so...

6. Woche: Lernszenarien
Ich habe bisher alle Vorträge mehr oder minder konzentriert verfolgt. Dieser hier hat mich geärgert. Ich habe vermutlich nicht richtig zugehört, hatte aber kurz das Gefühl, die Darstellungen könnte man mit "eher trivial" überschreiben. Schüler haben auch noch Freunde. Gehen auch noch vor die Tür.

Das erinnert mich andererseits aber auch an die Diskussion mit einem Kollegen letztens im Lehrerzimmer: "Ihr lest morgens schon eure Mails?" "Ja. Das mache ich gleich als erstes." "Also ich lese höchstens die Zeitung." "Ich auch. Aber auf dem Pad. Und dann gleich die Feeds von mehreren Zeitungen." Unterschiedliche Welten. Zeitung lesen auf dem Pad ist offenbar bei vielen Menschen nicht als gleichwertig anerkannt. Hallo? Es ist unter Umständen dieselbe Zeitung.

Also hänge ich gerade zwischen den Welten. Möchte etwas verändern. Möchte lernen. Schule revolutionieren und scheitere an meinem Zeitmanagement. Auf dem Tisch liegen 18 Prüfungsklausuren (Deutsch, Höhere Handelsschule).

Und ich scheitere noch an etwas Anderem. Für mich funktioniert Lernen nicht, wenn ich nicht auch mal Austausch mit Menschen habe, mit denen man sich treffen kann. Ich liebe diese Online-Netzwerke, aber für mich geht nichts über einen Plausch beim Tee, bei dem man sich auch mal in die Augen sehen kann.

Zur Person: Birgit Rydlewski, 41 Jahre alt, Lehrerin für Wirtschaftswissenschaften und Deutsch am Richard-von-Weizsäcker-Berufskolleg in Dülmen/Lüdinghausen, digital immigrant, politisch engagiert.

Eine kurze Leseliste

Posted by Bastian • Tuesday, June 7. 2011 • Category: Aktuell: , with a wonder and a wild desire
Ein kurzer Einwurf über 3 Bücher die ich vor kurzem gelesen habe:
  • An Optimist's Tour of the Future von Mark Stevenson schaut sich an mit was für Veränderungen wir in den nächsten Jahren rechnen können. Während der gemeine Techno-Pessimist davon ausgeht, dass wir alle wegen einer amoklaufenden Künstlichen Intelligenz, wegen grauen Nano-Schleims der die Welt fressen will, oder auch wegen des Klimawandels draufgehen werden, hat sich Mark Stevenson dem Thema aus einer erfreulicheren Perspektive genähert. Werden wir dank moderner Biotechnologie ewig leben, Blinde wieder (oder auch erstmalig) sehend machen und mit passenden Prothesen verlorene Gliedmassen verbessert wieder anbauen können? Werden wir Künstliche Intelligenzen erschaffen, die für uns Wissenschaft betreiben, Hypothesen aufstellen, testen und verbessern können? Und werden wir das Uncanny Valley hinter uns lassen, um endlich mehr Roboter im Alltag einzusetzen? Und was für Methoden werden wir einsetzen können, um den Klimawandel aufzuhalten, rückgängig zu machen und wie wird das unseren Alltag verändern? Wer auf solche Fragen spannende und kreative Antworten hören möchte, der wird bei Stevenson fündig. Wer noch auf die Singularität kann das Buch beruhigt lesen.
  • The Greatest Show on Earth von Richard Dawkins, fand ich hingegen einen echten Reinfall. Nicht unbedingt, weil das Buch schlecht ist, aber Dawkins nimmt sich das Thema «Wieso Evolution wahr ist» vor, weil er das, zumindest seiner Meinung nach, in all seinen anderen Büchern bislang vernachlässigt hätte. Ob dem so ist, darüber kann man streiten, aber vor allem präsentiert Dawkins hier einfach die gesamten Fakten mit vielen Beispielen. Die man nur dummerweise schon alle kennt, wenn man nur ein paar seiner anderen Bücher gelesen hat. Jene Leute können also beruhigt auf die Lektüre verzichten. Falls man das noch nicht getan hat, und einen entspannt lesbaren Einstieg in das Thema sucht, dann macht man damit nichts verkehrt. 
  • The Poisoner's Handbook von Deborah Blum ist, entgegen des Titels, keine direkte Anleitung dazu, wie man seine Frau um die Ecke bringt, um an ihre Lebensversicherung zu kommen. Stattdessen beschäftigt sich Blum mit dem New York der 1920-1930er Jahre. Eine Zeit die nicht nur als Hochzeit von Jazz und Prohibition in die Geschichte eingegangen ist, sondern auch ein Paradies für Giftmörder war. Und auch deshalb die Geburt der medizinischen Forensik begründet hat. Dank Blum kann man die Geschichte von Alexander Gettler und Charles Norris, den beiden Köpfen hinter der Forensik, verfolgen. Dazu gibt es einen Haufen Kriminalfälle, an denen die beiden gearbeitet haben, genauso wie einen Überblick darüber, welche Gifte damals populär waren, wie sie wirken und wie man sie entdecken kann. Ein schönes Stück Wissenschaftshistorie, und man muss weder Mediziner noch Chemiker sein, um Blums Buch folgen zu können.
Die Links sind wieder Amazon-Partner-Links. Ihr bezahlt nicht mehr, wenn ihr darüber bestellt. @Senficon und ich bekommen aber wieder 1-2 Bälle fürs Bällchenbad bezahlt.