Zentralabitur Fluch oder Segen?
Posted by Bastian • Tuesday, May 10. 2011 • Category: Aktuell: , We Don't Need No Education
Heute hat mein Deutsch-Leistungskurs die Abiklausur geschrieben. Für mich war es das erste Mal Leistungskurs (vorher hatte ich immer nur Grundlurse) und das erste Mal Zentralabitur.
Ja. Ich war nervös vorm Öffnen der Umschläge mit den Aufgaben. Es gab dafür allerdings keinen wirklichen Grund. Der Kurs war der beste, den ich je hatte. Sie sind auch gut vorbereitet und es gibt drei Auswahlaufgaben. Da ist doch für jedem normalerweise etwas dabei. Insofern war es aber trotzdem noch interessant, welche Schwerpunkte die Auswahlkommission setzen würde.
1. Auswahlaufgabe: Analyse eines Auszuges aus "Berlin Alexanderplatz" mit anschließender Rezension für eine Schülerzeitung.
(Hat keiner ausgewählt. Hätte ich auch nicht genommen, vor allem deshalb, weil mir die Textstelle zu nichtssagend war.)
2. Auswahlaufgabe: Analyse eines Sachtextes zum Thema "Globalisierung" mit anschließendem Vergleich zu den Positionen des Autors eines 2. Textes
3. Auswahlaufgabe: Analyse eines Kommentars zum Thema "Internet" mit anschließender Erörterung (Das wäre mein Favorit gewesen, hätte ich selbst schreiben müssen).
Ich glaube zunächst mal nicht, dass mehr Standardisierung alle Probleme des Bildungssystem lösen kann (vermutlich nicht mal ein paar davon), weil hier Objektivität vorgetäuscht wird, die es nach meiner Erfahrung nicht geben wird. Zudem lässt es wenig Spielraum für Entfaltung von individuellen Lernwegen.
Auf der anderen Seite kann ich dem Zentralabitur durchaus etwas abgewinnen, dies ist aber vor allem eine subjektive Empfindung.
Dieser Deutsch-Leistungskurs war sehr leistungsstark, die Schüler überdurchschnittlich sozial kompetent, interessiert in alle Richtungen, mit einem offenen Geist und ganz viel Bereitschaft, über ihren Horizont zu schauen.
In diesem Kurs war es somit gleich, welche Themen uns vorgesetzt wurden, weil alles gut lief. Ich fand die Themenauswahl vielfältig (Globalisierung, Brecht: Hl. Johanna, Büchner: Woyzeck, Döblin: Berlin Alexanderplatz, politische Lyrik von Heine, Heym, Fried und zum Ende eine Reihe über Medien, Wirkung, Medienkritik).
Darüber hinaus lief es so gut, dass wir auch über die eigentlichen Abithemen rechts und links nach anderen spannenden Themen gucken und dies diskutieren konnten. Aktuelles, Banales, Tiefsinniges, Lustiges, Philosophisches, Trauriges usw.
Es gibt m.E. noch einen Vorteil des Zentralabiturs: Ich muss nichts zurückhalten. Alle Materialien, die ich habe, alle Interpretationen, alle Texte, die ich im Internet finde, kann ich ungefiltert weitergeben. Das kommt meinen Forderungen nach Transparenz nahe und macht es möglich, dass man sich gemeinsam auf eine quasi externe Prüfung vorbereitet. Das verringert die Hierarchie und ist eine Form der gemeinschaftlichen Weiterentwicklung, die mir sehr entgegen kommt.
Ich habe so viel gelernt in diesem Kurs. Viele Themen waren auch für mich neu. Bei anderen Themen habe ich neue Sichtweisen kennen gelernt. Deshalb geht mein Dank an meine wundervollen Schüler und Schülerinnen! (Ich werde dann schon ein wenig sentimental;-)
Geht hinaus und macht die Welt besser. Ihr habt alles Zeug dafür!
Zur Person: Birgit Rydlewski, 41 Jahre alt, Lehrerin für Wirtschaftswissenschaften und Deutsch am Richard-von-Weizsäcker-Berufskolleg in Dülmen/Lüdinghausen, digital immigrant, politisch engagiert.
Ja. Ich war nervös vorm Öffnen der Umschläge mit den Aufgaben. Es gab dafür allerdings keinen wirklichen Grund. Der Kurs war der beste, den ich je hatte. Sie sind auch gut vorbereitet und es gibt drei Auswahlaufgaben. Da ist doch für jedem normalerweise etwas dabei. Insofern war es aber trotzdem noch interessant, welche Schwerpunkte die Auswahlkommission setzen würde.
1. Auswahlaufgabe: Analyse eines Auszuges aus "Berlin Alexanderplatz" mit anschließender Rezension für eine Schülerzeitung.
(Hat keiner ausgewählt. Hätte ich auch nicht genommen, vor allem deshalb, weil mir die Textstelle zu nichtssagend war.)
2. Auswahlaufgabe: Analyse eines Sachtextes zum Thema "Globalisierung" mit anschließendem Vergleich zu den Positionen des Autors eines 2. Textes
3. Auswahlaufgabe: Analyse eines Kommentars zum Thema "Internet" mit anschließender Erörterung (Das wäre mein Favorit gewesen, hätte ich selbst schreiben müssen).
Ich glaube zunächst mal nicht, dass mehr Standardisierung alle Probleme des Bildungssystem lösen kann (vermutlich nicht mal ein paar davon), weil hier Objektivität vorgetäuscht wird, die es nach meiner Erfahrung nicht geben wird. Zudem lässt es wenig Spielraum für Entfaltung von individuellen Lernwegen.
Auf der anderen Seite kann ich dem Zentralabitur durchaus etwas abgewinnen, dies ist aber vor allem eine subjektive Empfindung.
Dieser Deutsch-Leistungskurs war sehr leistungsstark, die Schüler überdurchschnittlich sozial kompetent, interessiert in alle Richtungen, mit einem offenen Geist und ganz viel Bereitschaft, über ihren Horizont zu schauen.
In diesem Kurs war es somit gleich, welche Themen uns vorgesetzt wurden, weil alles gut lief. Ich fand die Themenauswahl vielfältig (Globalisierung, Brecht: Hl. Johanna, Büchner: Woyzeck, Döblin: Berlin Alexanderplatz, politische Lyrik von Heine, Heym, Fried und zum Ende eine Reihe über Medien, Wirkung, Medienkritik).
Darüber hinaus lief es so gut, dass wir auch über die eigentlichen Abithemen rechts und links nach anderen spannenden Themen gucken und dies diskutieren konnten. Aktuelles, Banales, Tiefsinniges, Lustiges, Philosophisches, Trauriges usw.
Es gibt m.E. noch einen Vorteil des Zentralabiturs: Ich muss nichts zurückhalten. Alle Materialien, die ich habe, alle Interpretationen, alle Texte, die ich im Internet finde, kann ich ungefiltert weitergeben. Das kommt meinen Forderungen nach Transparenz nahe und macht es möglich, dass man sich gemeinsam auf eine quasi externe Prüfung vorbereitet. Das verringert die Hierarchie und ist eine Form der gemeinschaftlichen Weiterentwicklung, die mir sehr entgegen kommt.
Ich habe so viel gelernt in diesem Kurs. Viele Themen waren auch für mich neu. Bei anderen Themen habe ich neue Sichtweisen kennen gelernt. Deshalb geht mein Dank an meine wundervollen Schüler und Schülerinnen! (Ich werde dann schon ein wenig sentimental;-)
Geht hinaus und macht die Welt besser. Ihr habt alles Zeug dafür!
Zur Person: Birgit Rydlewski, 41 Jahre alt, Lehrerin für Wirtschaftswissenschaften und Deutsch am Richard-von-Weizsäcker-Berufskolleg in Dülmen/Lüdinghausen, digital immigrant, politisch engagiert.

