Gedankenstücke

(m)ein Leben durch den Sucher

Portale fürs Wohnzimmer

Posted by Bastian • Thursday, April 21. 2011 • Category: Aktuell: , with a wonder and a wild desire
Fast passend zum Launch von Portal 2 haben wir es nun geschafft unsere Spiegel im Wohnzimmer aufzuhängen. Aber nicht nur irgendwelche Spiegel, sondern welche, die bei passenden Lichtverhältnissen Portale simulieren. Wie man auf dem Foto glaube ich ganz schön erkennen kann. Die Grund-Idee dafür haben wir allerdings auch nur geklaut. Die Umsetzung haben wir aber ein bisschen angepasst. Wer selbst basteln will findet hier eine kurze Anleitung.

Portal

Was ihr benötigt:
  • 2 ovale Spiegel, z.B. die Kolja-Variante von IKEA, kosten nur 15,99 € das Stück 
  • LED-Lichtschläuche, 4-5 Meter länge sind mehr als ausreichend. Gibt’s bei Amazon oder Pollin. Kostenpunkt pro Schlauch zwischen 10-20 € 
  • Ein paar Dübel, Schrauben, Nägel und Abstandshalter. Dürften maximal 10 € im Baumarkt kosten
Im Endeffekt kommt man dann auf gute 80 € an Materialkosten. Die IKEA-Spiegel haben den Vorteil, dass die Wandbefestigung bereits im Lieferumfang enthalten ist, das erleichtert das Anbringen der Spiegel doch ganz gut. Damit man jetzt aber noch die Lichtschläuche hinter den Spiegel bekommt, muss man den gesamten Spiegel ein paar Zentimeter von der Wand abheben lassen. Genau dafür kann man im Baumarkt die passenden Abstandshalter erwerben.


Abstandshalter

Die gibt es unterschiedlichen Stärken, so dass man sich die passende Breite einfach auf eine Schraube zusammenstecken kann. Den so entstanden Abstand sollte man bei der Wahl der Schraubenlänge dann mit einfliessen lassen, sonst klappt die Konstruktion natürlich nicht.

Wir haben uns für 6 cm Abstand von der Wand entschieden (das reicht bei unseren Lichtschläuchen für 2-3 Windungen hinter dem Spiegel) und 10 cm lange Schrauben verwendet. Also passende Löcher in die Wand gebohrt, den Dübel ins Bohrloch gesteckt und dann einen lustigen Spieß auf die Schraube ziehen. Zu erst kommt die Spiegelbefestigung aus dem IKEA-Lieferumfang, dann die entsprechende Anzahl an Abstandshalter für den gewünschten Abstand. Und dann ab in die Wand damit.


Anbringung Lichtschlauch

Wenn die 4 Halterungen pro Spiegel in der Wand sind, dann schnappt man sich seinen Hammer und prügelt Nägel in die Wand, auf denen man nachher den Lichtschlauch anbringen kann. Idealerweise sollten die Nägel so angebracht sein, dass sie den Lichtschlauch nah am Spiegelrand herlaufen lassen, aber nicht so weit draußen, dass man den Schlauch direkt sehen kann. Da könnt ihr am besten selbst mal experimentieren, was für euch die besten Ergebnisse liefert.

Danach kann man dann den Lichtschlauch über die Nägel vorbei führen. Achtet darauf, dass ihr das ganze Straff zieht, damit es fest hängt und hinterher nicht doch hinter dem Spiegel hervorlugt. Und wenn ihr dann so weit seid, dann ab an die Wand mit dem Spiegel. Und fertig. Falls ihr noch Fragen dazu habt: Her damit. Und in der nächsten Heimwerker-Episode kann ich euch dann hoffentlich erklären, wie man ein Bällebad ins Wohnzimmer baut.


Portal orange


Wider das gegliederte Schulsystem

Posted by Bastian • Tuesday, April 12. 2011 • Category: Aktuell: , We Don't Need No Education
Nach ein paar Tweets hin und her habe ich mich nun doch entschlossen, kurz über das Thema zu bloggen.

Aufhänger waren unter anderem der Blogbeitrag von @ciffi (mit der Auffassung, das Schulsystem sei undemokratisch) sowie die Ausführungen von BigArne (als Verfechter eines gegliederten Schulsystems).

Meine Meinung wird in der Überschrift schon deutlich: Ich bin strikter Gegner eines gegliederten Schulsystems. @BigArne führt aus, dass er individuelle Förderung aber befürwortet. Individuelle Förderung halte ich auch für unabdingbar, allerdings behebt das m.E. nicht das grundsätzliche Problem der frühen Selektion.

Was macht das mit Kindern, wenn man ihnen im Alter von ca. 10 Jahren sagt, sie seien nicht gut genug (für das Gymnasium)?

Ich behaupte, dass ich unterschiedliche Schülertypen einschätzen kann. Ich unterrichte Hauptschüler, Realschüler, Gymnasiasten in unterschiedlichen Bildungsgängen am Berufskolleg (mit Schwerpunkt Wirtschaft und Verwaltung). Ja, es gibt Unterschiede, aber weit weniger als man als Laie landläufig meint. Studien (auch die bekannte Pisastudie) zeigen, dass die Unterschiede zwischen guten Hauptschülern und schlechten Gymnasiasten marginal sind. Es ist nicht der Intellekt, der sie unterscheidet, aber wenn sie mit ca. 16 bei uns landen, ist es die Geisteshaltung, die Einstellung zum Lernen, die manchmal unterschiedlich ist (aber auch da gibt es Überschneidungen). Ich habe Hauptschüler, die fleißig und intelligent sind und bei denen ich nicht sagen könnte, warum jemand mal befunden hat, diese Schüler dürften nicht aufs Gymnasium.

Es ist aber vor allem ein Unterschied im Selbstbewusstsein zu erkennen.

Zu Anfang eines Kurses lasse ich Schüler gerne 10 Eigenschaften aufschreiben, die sie an sich mögen/gut finden. Die Hauptschüler ziehen solche Aufgaben eher mal ins Lächerliche, aber vor allem deshalb, weil es ihnen sehr schwer fällt. Sie haben gelernt, Kritik zu hören. Sie haben sich daran gewöhnt, die Versager der Gesellschaft zu sein. Sie haben gelernt, zu "posen". Aber letztendlich fehlt ihnen der Glaube daran, etwas an ihrer Situation verändern zu können (erlernte Hilflosigkeit).

Wenn man sie fragt, warum sie glauben, dass sie nicht auf einem Gymnasium gelandet sind, antworten sie, dass sie zu faul, nicht schlau genug seien.
Rein objektiv stimmt das schlicht nicht, aber sie haben das gefressen und verinnerlicht.

Es geht um Anerkennung. Schüler frühzeitig auf unterschiedliche Schulformen aufzuteilen, wird zu einer self-fulfilling-prophecy, führt zu Frustration, Aggression, im schlimmsten Fall zu Resignation und Depression.

Ich gebe den Traum mit einer Schule für alle nicht auf. Ich möchte Schulen, in denen Schüler mit unterschiedlichsten Talenten zusammen und voneinander lernen können. Das muss selbstverständlich auch für Schüler mit Beeinträchtigungen gelten. Wie viel könnte meine jetzige Klasse Höhere Handelsschule davon profitieren, wenn z.B. ein blinder Schüler oder eine gehörlose Schülerin Teil der Klasse wären? Ich möchte flexiblen, respektvollen Umgang fördern, unabhängig davon, wer wo Stärken und wer wo Schwächen hat. An meine Schüler glaube ich an der Stelle, nur die Gesellschaft scheint ein solches System nicht für möglich zu halten.

Ich möchte Schulen (als Vorbild sehe ich unsere holländische Partnerschule), die projektorientierter arbeiten. In der jeder Schüler das Gefühl hat, so angenommen zu werden, wie er ist. In der Schüler sich finden und verwirklichen können. In der Schüler Spaß an Schule, Spaß am Lernen haben. Nicht jeder muss Studieren, nicht jeder muss Abitur machen, aber jeder soll eine aufrichtige Chance dazu haben, die wir heute, mit einem selektiven System verwehren.

Die verzweifelten Versuche, ein mehrgliedriges System aufrecht zu halten und stattdessen ein wenig Geld hier, ein wenig mehr Personal da zu fordern, sehe ich sehr skeptisch. Ich sehe da die Angst um die "heilige Kuh" Gymnasium und die Angst, die eigenen Kinder müssten gar mit den "Schmuddelkindern" zusammen lernen. Für mich hat das was von Doppelmoral. Ein paar schöne Stichworte ("individuelle Förderung") werden den toten Gaul Schulsystem nicht retten.

Den Preis, den wir in Kauf nehmen, sind Schüler, die in Hartz IV und Maßnahmen enden, weil sie aufgehört haben, an sich zu glauben.

Ja. Es wird Geld und Mittel und Lehrer brauchen, die das tragen können, aber ich bin für meine zukünftigen Schüler bereit, dafür zu kämpfen. Es wird Diskussionen brauchen und Politiker, die sich zutrauen, das zu verändern. Und je länger wir warten, desto mehr und mehr Schüler gehen unter in unserem System.

Lernen durch Lehren - Fazit aus dieser Reihe zum Thema "Kaufvertrag und Kaufvertragsstörungen"

Posted by Bastian • Friday, April 8. 2011 • Category: Aktuell: , We Don't Need No Education
"Was man lernen muß, um es zu tun, das lernt man, indem man es tut." – Aristoteles 

Abschlussbesprechung mit den Gruppen:

Gespannt war ich, wie offen die Schüler Kritikpunkte ansprechen. Sind die Gruppen schon so weit, offen über Probleme zu sprechen?

Aufgabe war: Unterrichtsstunde konzipieren und durchführen, Test dazu mit Korrektur und Besprechung als Vorbereitung auf die dann von mir gestellte Klausur 

Die Gruppenmitglieder waren in allen Gruppen eher vorsichtig hinsichtlich des Kommunizierens von Problemen innerhalb der eigenen Gruppe. Probleme bei den Unterrichtsstunden wurden aber ansonsten gut erkannt. Einige hatten die recht lange Vorbereitungszeit zunächst nicht gut genug genutzt (sondern sich mit unterrichtsfremden Themen beschäftigt) und am Ende wurde dann zum Termin hin die Zeit doch knapp. (Erläuterung: Wir haben aufgrund der neuen Herangehensweise und den komplexen Themen ca. 8 Wochen (mit ca. 3-4 Stunden pro Woche) an der Vorbereitung der Stunden gearbeitet)

Ich für meinen Teil bin der Meinung, dass es durchaus bei einigen Gruppen/Stunden Probleme gab, wobei ich die konzeptionellen Probleme weniger stark gewichtet habe als die offenkundig vorhandenen sachlichen Fehler in einigen Präsentationen/Aufgaben. Ich erwarte hier von Schülern, die einen Abschluss anstreben, der zum Studieren berechtigt (FHR), dass sie in der Lage sind, einen Themenbereich selbstständig weitgehend fehlerfrei aufzubereiten.

Wie haben die Schüler die Reihe empfunden?

Offensichtlich war dies das erste Mal bei nahezu allen Schülern, dass sie so frei an einem Thema gearbeitet haben. (Ich frage mich an der Stelle alle Jahre wieder, was eigentlich die Sek. I-Schulen machen. Gerne würde ich mal mit Lehrern aus den Zubringerschulen in unserem Kreis ins Gespräch kommen. Gar nicht in einer nur kritischen Form, aber um z.B. Anforderungen abzugleichen. Es ist für Schüler auch sehr frustrierend, wenn sie mit verhältnismäßig guten Noten bei uns ankommen und dann scheitern.)

Die meisten Gruppen sind aber eher in ihrer Zeitplanung unsicher gewesen, nicht so beim eigentlichen Inhalt. Da gab es nur bei zwei (von sieben) Gruppen Probleme. Überhaupt wurde das Gefühl "Unsicherheit" mehrfach genannt, aber diesen Punkt hatte ich in meinem Einstieg zur Reihe bereits als möglichen Faktor angesprochen.

Mehrere Gruppen fanden die Freiheit gut, mit der sie arbeiten und planen konnten. Die Problematik, aus einem großen Umfang von Material das für die Gruppe/Klasse passende auszuwählen, viel einigen Gruppen schwer. Es ist aber auch nur bei wenigen Gruppen versucht worden, über das vorhandene, von mir organisierte Material hinaus, eigene Rechercheergebnisse hinzuzufügen. Einige Schüler gaben zu, am Anfang sehr skeptisch gewesen zu sein. Sie waren dann überrascht, dass die Ergebnisse doch recht gut geworden sind (z.B. haben kaum Schüler gefehlt, wenn sie ihre Unterrichtsstunde halten sollten. Ich habe also das Gefühl, dass sie sich der großen Verantwortung auch gegenüber ihren Mitschülern sehr bewusst waren.) Es wurde zudem als Vorteil empfunden, dass man das eigene Thema wirklich sehr gut konnte für die Klausur.Ebenso wurde angesprochen, dass man durch die selbstständige Arbeit weniger abhängig vom Lehrer ist/Wird und Aspekte mehr hinterfragt, was man sonst im normalen Unterricht nicht tun würde. 

Die Klausur über diesen Teil ist zumindest deutlich besser ausgefallen als die davor geschriebene. Allerdings kommen hierfür als Grund mehrere Faktoren in Betracht: Der zweite Teil war eine große Rechnungswesenaufgabe. Hier haben wir einige Wochen investiert, um die Grundlagen nochmal zu wiederholen. Dies hat bei einigen Schülern zu Verbesserungen geführt. Außerdem ist es aufgrund diverser Gespräche und pädagogischer Maßnahmen m.E. insgesamt zu einer Verbesserung der Arbeitsatmosphäre und der Arbeitseinstellung gekommen. 

Eine Klausur über den zweiten Teil steht noch nach den Osterferien an. Die hierzu als Übung dienenden Tests sind von den Schülern noch nicht abschließend korrigiert und werden erst am Montag zurückgegeben und besprochen.

Die nun schon begonnene neue Unterrichtsreihe (zum Bereich "Marketing") baut auf den jetzt erworbenen Fähigkeiten auf, Sachgebiete selbstständig zu erarbeiten. Allerdings wird hier der Hauptaspekt auf der kreativen Gestaltung und Präsentation liegen. Die Schüler sollen anhand eines selbstgewählten fiktiven Produktes ein Marketingkonzept im Wettbewerb gegeneinander entwickeln, welches alle gängigen Bereiche des Marketings abdecken soll. Hierfür müssen die theoretischen Grundlagen erarbeitet werden. Darüber hinaus wird aber der Bereich gefördert, der in der Reihe mittels LdL zum Kaufvertrag eher vernachlässigt worden war und auch noch nicht so gut umgesetzt wurde: Das kreative Präsentieren/Visualisieren. 

Wir hatten viele Probleme in der Klasse, was z.B. die Geisteshaltung und Einstellung zum Lernen angeht. Ich bin deshalb sehr stolz auf meine Klasse, weil sich die Schülerinnen und Schüler mit einem komplexen Themenbereich erfolgreich selbstständig auseinandergesetzt haben.


Zur Person: Birgit Rydlewski, 41 Jahre alt, Lehrerin für Wirtschaftswissenschaften und Deutsch am Richard-von-Weizsäcker-Berufskolleg in Dülmen/Lüdinghausen, digital immigrant, politisch engagiert.

"Beamte streiken heimlich"

Posted by Bastian • Wednesday, April 6. 2011 • Category: Aktuell: , We Don't Need No Education
Angesichts meines "Personalentwicklungsgesprächs" habe ich mir ein paar Gedanken über meine Einstellung zu meiner möglichen Karriere und dem Beamtentum im Allgemeinen gemacht:


Fehlende Flexibilität 


Aufgaben, einmal verteilt, hat man für längere Zeit, wenn nicht gar für immer.


Mir erschließt sich der Sinn nicht. Ich glaube daran, dass Menschen vor allem dann gute Arbeit machen, wenn ihnen etwas Freude bereitet. Vielleicht ändern sich Bedingungen, vielleicht ändert sich die private Lebenssituation, man wird älter etc. Warum also nicht Aufgaben nur für eine Zeit verteilen? Warum nicht Aufgaben an Zulagen koppeln oder an Entlastung und nicht an Gehaltsstufen? 


Theoretisch und auch praktisch hat man derzeit die Situation, dass Menschen auf Stellen sitzen, in denen sie gar nicht mehr aufgehen. Im schlimmsten Fall baden das Schüler aus, im etwas weniger schlimmen Fall die Kollegen, die dann stattdessen die Aufgaben erledigen. 


Lehrerarbeitszeit


Keine Landesregierung traut sich da ran. (Auch kaum eine Schule, denn auch Schulen können selbstständig Modelle für ihr Kollegium entwickeln). Da scheint es viel Angst vor neuem Unmut, gar vor Rebellion, zu geben. Bloß nicht über Probleme sprechen, dann merkt es vielleicht keiner, scheint die Devise. 


Aufgaben/Belastung werden/wird nie wirklich gerecht verteilt werden. Das ist nicht nur in Schulen ein Problem. Wenn aber die Ungleichverteilung so deutlich wird, dass Unmut aufkommt oder im Gegenzug Resignation, dann läuft etwas falsch. (Wenn wir ehrlich sind, ist in Deutschland von Seiten der Lehrer keine große Revolution zu erwarten. Da sind einzelne Menschen, die es satt haben, aber in Summe erscheint mir die Masse so, dass sie froh sind, wenn alles so bleibt, wie es ist, nicht nur bei Arbeitszeitmodellen, auch bei anderen Veränderungen.)


Ich will nicht nörgeln. Ich freue mich über die Vielfalt meiner sechs Fächer (BWL, VWL, Rewe, Deutsch, Mathe,  Politik) in drei Bildungsgängen (Handelsschule, Höhere Handelsschule, Gymnasiale Oberstufe) an zwei Schulorten. Auch die Zusatzaufgaben (Admin Intranet, Beratungslehrerin, Kriseninterventionsteam) mache ich freiwillig, weil ich sie für sinnvoll und wichtig halte. Es gibt aber keine Entlastung dafür. Das ist alles zusätzlich zum normalen Alltag. (Es gibt aber immerhin eine Entlastung für Korrekturbelastung für das Fach Deutsch.)


Und so mag man mir nachsehen, wenn ich mich daran störe, dass es immer auch Kollegen gibt, die offensichtlich eine sehr ruhige Kugel schieben. Meine Möglichkeiten sind da gering. Als kleiner Lehrer (ich befinde mich da derzeit in der Einstiegsstufe vom Gehalt und vom "Ranking") kann man sich ärgern und dem aus dem Weg gehen. Genau bis zu dem Moment, wo ich in direkte Konfrontation einbezogen werde, sei es als Beratungslehrerin, weil Schülerin A ein Problem damit hat, dass Lehrer B sie beleidigt oder weil Kollegin C zu mir kommt, weil ich ja für irgendeine Aufgabe zuständig sei (die sie auch locker selbst erledigen könnte). 


Es ist aber an der Stelle -und nun komme ich zum Beamtenrecht zurück- auch vermutlich als Abteilungsleiter und Schulleiter so, dass man quasi doch nur sehr wenig machen kann, wenn jemand seinen Aufgaben wirklich nicht nachkommt oder gar ausfällig wird. 


Ich bin froh, dass ich Beamtin bin, vor allem, weil ich mit meiner Augenerkrankung weitgehend Schutz erwarten kann, selbst wenn es schlimmer werden sollte. Trotzdem hoffe ich, dass ich gegen alle Widrigkeiten auch mit einer möglichen anstehenden Beförderung nicht "käuflich" werde. (Diplomatischer soll ich werden beim Äußern von Kritik und mich besser ins System eingliedern.)


Ich hoffe sogar darüber hinaus, dass ich den Mut habe, auszusteigen, falls ich meinen Ansprüchen an die Arbeit nicht mehr gerecht werde. Falls ich keinen Spaß mehr habe, an dem was ich tue. Falls ich meinen Humor verliere. Oder falls es mir keine Freude mehr bereitet, mit Schüler, Kollegen und anderen Menschen eine Idee weiterzuentwickeln.
Zur Person: Birgit Rydlewski, 41 Jahre alt, Lehrerin für Wirtschaftswissenschaften und Deutsch am Richard-von-Weizsäcker-Berufskolleg in Dülmen/Lüdinghausen, digital immigrant, politisch engagiert.