Gedankenstücke

(m)ein Leben durch den Sucher

Ein Intranet für unsere Schule

Posted by Bastian • Tuesday, March 22. 2011 • Category: Aktuell: , We Don't Need No Education

Weiß hier die rechte Hand eigentlich, was die linke tut?

Meine erste Schule, damals nach dem Referendariat, 2003.
Über 3.000 Schüler, drei Schulstandorte, ca. 160 Lehrer, diverse Bildungsgänge, Abteilungen, noch mehr Teams, Konferenzen. Wer hat hier eigentlich den Überblick? Die räumliche Distanz, aber auch das Chaos eines normalen Schultages (unter Umständen noch mit Fahrten zwischen den Standorten) zeigten mir bereits deutlich, dass digitale Vernetzung von Vorteil sein könnte.

Ich geriet weiterhin -weitgehend ohne mein Dazutun- in eine Fortbildung über Netzwerke in Schulen (der genaue Titel ist mir glatt entfallen).  Hieraus entstanden im „Intranet-Team“ die ersten Ideen, was eine Plattform für die Schule können soll. Wen müssen wir überzeugen? Mit wem muss man reden? Wer bezahlt das? Was darf es kosten? Wer entwickelt das?  Welche Anforderungen haben Kollegen/Schüler? Wie viel Zeit wird es brauchen? Für uns, aber auch in der Gesamtimplementierung. Einfach war: Der Informationsfluss sollte verbessert werden zwischen den Kollegen an den unterschiedlichen Schulstandorten. Zu viele Informationen gingen unter im Chaos der Fächer oder an den Pinnwänden. Der immense Kopierbedarf sollte verringert werden. Schwierig in der Praxis: Die Umsetzung hat letztendlich Jahre gedauert. Aber das, was wir heute als Lernplattform, Informationsbrett usw. benutzen, ist m.E. in den Jahren der Überarbeitung richtig gut geworden.

Jetzt aber mal ein wenig praktischer. Hier landet man, wenn man sich anmelden will:




Um einen Überblick zu behalten, haben wir folgende Namenskonventionen: Lehrer melden sich an mit nachname,  Schüler melden sich an mit nachname_vorname. Wir bestehen also auf Klarnamen, aber seien wir ehrlich: Im Beruf nennt sich vermutlich auch niemand „Wilder Hengst 24“. Es wäre ansonsten für die Administratoren fast unmöglich, Zuordnungen vornehmen zu können und Zugriffsrechte zu vergeben. Aber bremst dies Schüler auch aus? Im Positiven (weil es keine typischen Mobbingbereiche gibt; keine Freiräume, anonym zu handeln) oder eher im Negativen (weil es die Entfaltung beschränkt, weil man sich überwacht fühlt)? In unserem Intranet werden unterschiedliche Bereiche angeboten. Ein gemeinsamer Bereich für Schüler und Lehrer („Schule“). Hier können Stellenanzeigen, Termine für alle, Informationen etc. abgelegt werden.




Für die Lehrer auch sehr wichtig: Das „Lehrerzimmer mit allem, was eine Pinnwand im Lehrerzimmer gewöhnlich bietet. Weiterhin gibt es Teamräume/Fachgruppenräume für Lehrer und/oder Schüler, Klassenräume für Kurse/Klassen etc. Ein ganzer Teil unseres Schullebens lässt sich dadurch vereinfachen. Einladungen für Konferenzen werden dort veröffentlicht, man kann auf der Plattform nach Stichworten suchen (und hoffentlich das Protokoll der Konferenz finden). Der Kalender bietet eine Gesamtübersicht aller Termine. Handouts für Referate müssen nicht mehr für alle kopiert werden, sondern können einfach von den Präsentierenden im Raum der Klasse eingestellt werden. Zur Abschlussprüfung stehen viele Informationen/Arbeitsblätter/Hausaufgaben/Linksammlungen einfach zur Verfügung. Der Nutzungsgrad ist dabei sowohl vom Interesse und Engagement der betreuenden Lehrkraft abhängig, aber natürlich auch davon, wie viele Informationen die Schüler von sich aus einstellen.

So sieht beispielsweise ein Teil eines Klassenraums aus (hier am Beispiel meines Deutsch Leistungskurses):




Außer der Unterteilung in diverse Ordnerstrukturen gibt es die Möglichkeit, Chats und ein Forum pro Raum einzurichten. Hier können Hausaufgaben, mögliche Klassenausflüge etc. diskutiert werden.




Ich liebe die Gruppenmailfunktion. Da alle Schüler meiner Kurse mit Mail angemeldet sind, kann man mit wenig Aufwand ganze Kurse per Mail erreichen.
Hier ein weiteres Beispiel aus meiner eigenen Klasse. In der sehr selbstgesteuerten Unterrichtsreihe zum „Kaufvertrag“ finden die Schüler in diesem Bereich ihre Gruppeneinteilung, Hinweise zum Arbeiten, einen Link zu den beliebten „Etherpads“, die Termine, wann welche Gruppe mit welchem Teilbereich ihre Unterrichtsstunde halten wird und den Link zu meinen Blogbeiträgen über diese Unterrichtsreihe.





Eine Plattform ist nur so gut wie ihre Anwender

Die ganz großen Schwierigkeiten sind bis heute geblieben. Es geht um Akzeptanz und um verlässliche Informationen. Das funktioniert aber eben nur, wenn die zuständigen Kollegen/Abteilungsleiter usw. die im Intranet veröffentlichten Inhalte aktuell halten, überprüfen, Abgelaufenes löschen, Wichtiges ergänzen, Termine lückenlos sind. Es geht um Zuverlässigkeit. Je mehr sich Kollegen darauf verlassen, dass z.B. keine Termine fehlen, desto mehr müssen alle darauf achten, dass neue Informationen, Terminverschiebungen, Raumänderungen etc.  kommuniziert werden. Eine recht breite Akzeptanz haben wir vor allem durch viele Schulungen erreicht, die wir angeboten haben. Nicht jedem Kollegen ist intuitiv klar, wie man Artikel hinzufügt, Dateien hochlädt etc. Schülern unterstelle ich zunächst einmal, dass sie viele Anwendungsmöglichkeiten schneller begreifen. Man sieht aber auch gelegentlich Probleme bei der Akzeptanz von Schülerseite. Das hatte ich so zu Beginn nicht erwartet. Eine Plattform der Schule ist halt nicht Facebook oder Schüler-VZ. Die Motivation, sich dort hineinzudenken, sich einzubringen, ein Profil zu gestalten, Links einzustellen und aktive gestaltend tätig zu werden, ist deutlich geringer als bei Netzwerken, die man in der Freizeit nutzt.
Warum ist das so? Hier erscheint langfristig eine Evaluation notwendig.

Ich wünsche mir zwar Ernsthaftigkeit, aber auch durchaus mehr Mut, selber Inhalte beizusteuern.  Die Wiki-Funktion wird kaum genutzt, auch Foren eher selten. Es gibt kaum Profile mit Bildern. Privates wird hier scheinbar ungern mit dem Schulalltag vermischt. Die Teilnahme an einem Schulintranet basiert eben nicht auf Freiwilligkeit, so wie das bei privat genutzten Angeboten im Bereich „social media“ der Fall ist, sondern die Schüler empfinden sich eventuell als Teil einer „Zwangsgemeinschaft“, sowohl in der Schule, der Klasse, aber eben auch im Intranet. In meiner Idealvorstellung wäre der Übergang nicht so hart und deutlich. Kann Schule nicht selbstverständlicher Teil des gesamten Lebens sein und damit Teil eines Gesamtprozesses lebenslangen Lernens?

Für die Technikfreaks:
Das steckt dahinter:




Vermutlich hätten wir auch in der Schule Kompetenz genug, um die Plattform selber zu betreiben. Allerdings ist dies sehr aufwändig, so dass wir den Auftrag außerhalb vergeben haben.  Damit haben wir ein Unternehmen, was uns als Ansprechpartner bei technischen Neuerungen, Problemen etc. zur Verfügung steht.


Zur Person: Birgit Rydlewski, 41 Jahre alt, Lehrerin für Wirtschaftswissenschaften und Deutsch am Richard-von-Weizsäcker-Berufskolleg in Dülmen/Lüdinghausen, digital immigrant, politisch engagiert. Kontakt über: rydlewski@gmx.net Telefon: 0177 7792284

Zur Schule: Richard-von-Weizsäcker-Berufskolleg, zwei große Schulstandorte in Lüdinghausen und Dülmen (plus angemietete Räume in einem Schulgebäude in der Nähe), Bildungsangebote in den Bereichen „Wirtschaft und Verwaltung“, „Ernährung und Hauswirtschaft“, „Sozial- und Gesundheitswesen“, „Technik und Agrarwirtschaft“ für Schüler ohne Abschluss bis zum Abiturienten oder Berufsschüler, Europaschule.

In welcher Gesellschaft möchte ich leben? Educamp Bremen #echb11

Posted by Bastian • Monday, March 21. 2011 • Category: Aktuell: , We Don't Need No Education
Ich bin noch überwältigt von allen Eindrücken. Bekannte getroffen, viele, wundervolle Menschen kennen gelernt, Anregungen erhalten, Diskussionen geführt usw.

Welche Sessions fand ich besonders gut?

Mir ist leider der Titel entfallen. Ein Kommunikationstrainer hat dargestellt, wie man als Lehrer (aber durchaus auch sonst in der Gesellschaft) in Situationen gerät, die ein Dilemma sind. Man möchte keine Noten geben, aber "das System" schreibt es einem vor.

Es ging um Authentizität, Echtheit. Er definierte Wahrhaftigkeit als Authentizität plus Angstfreiheit. Das hat mir sehr gut gefallen. Vor allem darüber hinaus, dass man nur dann emphatisch handeln könne, wenn man angstfrei sei.

Weitere Folge daraus: Aus dem Eindruck, seine Werte nicht leben zu können, kann Burnout entstehen.

Es gilt also: Jeder sollte immer mal reflektieren, warum man etwas tut. Was sind die Motive für mein Handeln? Passt das zu mir oder habe ich nur Angst, meinem Chef nicht zu gefallen? Angst vor dem Shitstorm der Parteikollegen, weil ich eine dort unpopuläre Meinung vertrete? Angst vor den Presseberichten?

Wenn meine Überzeugung ist, das "Richtige" zu tun, muss ich aber eventuell die Ängste hinterfragen. Gebe ich nur Noten, weil ich selektieren muss? Schreibe ich die Klausur so, weil das "immer so gemacht wurde"?
Twittere ich nur das, was von mir erwartet wird, damit ich nicht angreifbar bin?

Welche Fragestellungen bleiben bei mir offen?

Egal, auf welche Konferenz ich gehe, mir scheint es so, als würden verschiedene Themen immer wieder von unterschiedlichen Menschen angesprochen.

Wie soll sich Gesellschaft verändern? Wie funktioniert Teilhabe? Was muss dafür getan werden? Welche Medien können wobei helfen?

Mit einem Entwickler von Software kam auch die Frage nach der Vergütung auf. Er hat 9 Monate seiner Zeit in die Entwicklung gesteckt. Wie wird das nun an die Interessenten gebracht? Er muss davon leben, aber er hat durchaus auch Interesse an anderen Konzepten. Kann man so etwas frei verfügbar machen? Haben freiwillige Bezahlsysteme eine Zukunft? Ich finde die Idee großartig, selbst entscheiden zu können, was mir ein Produkt oder eine Dienstleistung wert ist. Aber von mir selbst denke ich auch, dass ich recht großzügig bin. Das trifft aber sicher nicht auf alle Menschen zu, oder? Kann man das lernen? In welcher Form von Gesellschaft?

Ein anderer großer Komplex war die Diskussion um Privatsphäre.  Lehrer scheinen da (auch bei einer Veranstaltung mit den eher offenen Exemplaren) sehr darauf bedacht zu sein, ihr Privatleben vor Schülern verbergen zu wollen. "Das geht die Schüler nichts an." Ich frage mich, ob ich eventuell zu naiv bin. Immer schon hatten meine Schüler ganz selbstverständlich meine Handynummer und private Mailadresse. Ich habe das immer als Bereicherung und Vereinfachung empfunden. Bei Krankmeldungen bekomme ich schnell morgens eine SMS. Man kann Nachfragen recht umgehend beantworten etc.

Meine Einstellung hierzu hat sich vor allem in der Kommunikation mit einigen Bekannten und Freunden geändert. Der tiefgreifende Einschnitt war aber sicher der Posten des Vorsitzes im LV NRW der Piraten. Mein halbes Leben war mit einem Schlag öffentlich. Sicher könnte man auch da mehr auf das Privathalten von privaten Informationen achten. Ich habe das für mich aber anders entschieden. Meine Badetweets scheinen immer noch Piraten zu beschäftigen;-) Ich bin mehrfach angegriffen worden für das Tweeten über private Dinge. Sex darf man nicht erwähnen (also sagen irgendwelche Leute). Das Problem hat man als Lehrer ähnlich. Lehrer haben nach weitläufiger Meinung keinen Sex zu haben. Und wenn schon, dann doch bitte schön heimlich.

Ich möchte aber in meiner Idealvorstellung eine Gesellschaft, in der man ganz selbstverständlich ein Mensch mit allen Facetten sein kann. Auch Lehrer waren mal betrunken, auch Lehrer machen Fehler, auch Lehrer heulen mal und sogar Sex soll da gelegentlich vorkommen.

Es ist die Entscheidung jedes Lesers, ob ihn das interessiert. Die Entscheidung, ob man etwas offen kommuniziert, sollte aber m.E. nicht auf der Angst basieren, dass irgendwer irgendetwas gegen einen verwenden könnte.

Nun kann ich als Beamte vielleicht gut reden, mögen einige denken. Vielleicht ist meine Beförderung gefährdet, wenn ich zu offen bin, wenn ich offen kritisiere, wenn ich nicht immer systemkomform handele, wenn ich nicht bei der "richtigen" Partei bin.

Aus Angst verbiegen möchte ich mich aber sicher nicht. Das bedeutet auch, dass wir etwas verändern müssen. Menschen müssen weniger erpressbar sein.

Dafür möchte ich eine Gesellschaft, die Individualität verkraftet und unterschiedliche Meinungen. Eine Gesellschaft, die verzeihen kann.
Birgit Rydlewski ist, 41 Jahre alt, Lehrerin für Wirtschaftswissenschaften und Deutsch am Richard-von-Weizsäcker-Berufskolleg, Lüdinghausen/Dülmen

Urheberrechtsverletzungswahnsinn: 5000 Euro Strafe, pro Tag

Posted by Bastian • Wednesday, March 16. 2011 • Category: Aktuell: , The Pirates Gospel
Picassos Guernica gehört wohl zu einem seiner bekanntesten Werke (immerhin kenn sogar ich, als Banause, es). Er malte es nachdem die spanische Stadt Gernika während des spanischen Bürgerkriegs durch einen Luftangriff zerstört wurde und das Gemälde zeigt eindringlich die Konsequenzen von Krieg.

Nadia Plesner ist eine dänische Künstlerin, die zur Zeit in den Niederlanden studiert. Sie hat Picassos Idee aufgegriffen und mit der Darfurnica ein Gemälde geschaffen, dass sich mit den Konsequenzen der Darfur-Krise, sowie der Gleichgültigkeit unserer Medien zu dem Thema beschäftigt. Anstatt den Blick nach Darfur zu wenden, beschäftigt sich der Rest der Welt lieber damit das Schicksal von C-Promis wie Paris Hilton zu verfolgen.

Und genau mit diesem Werk hat sie, nach Ansicht eines niederländischen Gerichts, eine Urheberrechtsverletzung begangen. Allerdings haben nicht die Rechteinhaber von Picassos Werk sie verklagt. Sondern Louis Vuitton, die damit den Titel Spitzen-Vollkoffer sowas von der verdient haben. Der Grund wieso geklagt wird: In dem Gemälde von Plesner sieht man ein afrikanisches Kind, welches neben einem hässlichen Hündchen eine Tasche, die an Louis Vuittons Design angelehnt ist, trägt.

Das Gericht, vor welches Louis Vuitton gezogen ist, hat ihnen recht gegeben. Und das ganz ohne Plesner anzuhören. Sie soll jetzt für jeden Tag an dem das Gemälde so weiter existiert 5000 Euro an Louis Vuitton zahlen. Damit darf sie das Werk auch weder ausstellen, noch auf ihrer Webseite zeigen. Eine englische Übersetzung der gerichtlichen Anordnung ist bereits online.

In wie weit es von Louis Vuitton klug ist, dieses Werk über gerichtliche Urteile entfernen zu wollen sei mal dahingestellt (Streisand, anyone?). Ob es in dem Fall wirklich um den Schutz eines Designs geht, oder ob es Louis Vuitton doch mehr darum geht, dass man nicht im Kontext von Kriegsverbrechen und hungernden Kindern gesehen will ebenso. Aber der Fall zeigt mal wieder ziemlich eindrücklich, wie Schutzrechte für geistiges Eigentum genutzt werden können, um die Meinungsfreiheit und die künstlerische Freiheit zu unterdrücken.

Und da helfen eben auch, die so oft als Lösung herbeigesehnten, Schranken im Urheberrecht oder Fair Use-Klauseln in meinen Augen nicht wirklich weiter. Nicht nur, weil es für den Laien nicht wirklich ersichtlich ist ob man sich noch durch Schranken oder Fair Use gedeckten Bereich bewegt. Sondern auch, weil es erstmal ziemlich egal ist, ob man Recht bekommen würde.

Finanzstarke Unternehmen, wie die Majorlabels oder hier eben Louis Vuitton, können schlicht erstmal klagen und damit eine Menge Druck auf Betroffene ausüben. Mit einem ausreichend auf IP-Rechte spezialisiertem Team und einem ausreichend hohen Streitwert ausgestattet, wird sich jeder, der so angeklagt wird, überlegen ob es ihm den Stress wert ist: Lange Klagewege gegen Konzerne, mit ungewissem Ausgang und der Möglichkeit am Ende zu verlieren und dann horrende Summen zu zahlen? Wer will das schon auf sich nehmen? Kein Wunder, dass viele deshalb auf außergerichtliche Einigungen zurückgreifen.

Gerade bei den IP-Rechten bleibt es wohl dabei: Recht haben, Recht bekommen und Gerechtigkeit sind drei verschiedene Paar Schuhe. Nadia Plesner wird sich erfreulicherweise gegen das Vorgehen wehren.

*UPDATE* Bei Twitter bin ich auf ein schönes Alternativ-Muster für die Handtäschen hingewiesen worden.

Lernen erfolgreich gestalten

Posted by Bastian • Saturday, March 12. 2011 • Category: Aktuell: , We Don't Need No Education
Ein Rückblick auf diese Veranstaltung (natürlich aus meiner sehr subjektiven Sicht).

Für so einen frühlingshaft schönen Tag hatten sich in meinen Augen eine doch recht große Anzahl interessierter Lehrer um 10.00 Uhr im Goldsaal in Dortmund eingefunden, um der Eröffnungsrede von Frau Löhrmann zu lauschen. Ich muss gestehen, dass ich noch nicht ganz wach war und im zweiten Teil davon -auch aufgrund der hohen Buzzwortdichte- einfach gedanklich abgedriftet bin.

Erfreulich bei solchen Werbeveranstaltungen der Schulbuchverlage sind natürlich die kostenlosen Getränke. Überhaupt war der gesamte Kongress kostenlos, nicht umsonst, hoffe ich.

Den Werbecharakter merkt man dann natürlich in einigen Veranstaltungen auch recht massiv. Die Verlage wollen ihre Produkte verkaufen. Das gilt auch für die Hersteller von Whitebords (über die ich den ersten Vortrag besuchte). Das darauf vorgestellte Programm "Pfifficon" (Freiburger Verlag) ist sicher so einsetzbar. Die älteren Leser unter euch werden sich vielleicht an "Der große Preis" erinnern. So ähnlich ist dieses Programm auch aufgebaut. Ich setze solche Spiele auch ohne Whitebord schon gerne als Wiederholung und Auflockerung im Unterricht ein.

Inspiration:

Wolfgang Matthes, den ich dann im zweiten Vortrag bewundern durfte, hat zwar auch mindestens ein Buch geschrieben und will das sicher auch gerne verkaufen, aber dies war dem Vortrag wirklich nicht anzumerken. Von den wenigen Einblicken kann ich mir gut vorstellen, dass dies ein Lehrer ist, bei dem der Unterricht richtig Spaß macht, weil er mit so viel Begeisterung und Charisma bei der Sache war. Der Vortrag war dementsprechend kurzweilig und viel zu schnell vorbei.

Der Mann vom Ministerium (Richard Stigulinszky), der dann im Anschluss über "Systematische Unterrichtsentwicklung im BK - konsequente Strukturierung von Bildungsangeboten, Curricula, Handreichungen, Beratung und Lehrerfortbildung" informieren wollte, hatte es dementsprechend bei mir schwer. In solchen Vorträgen habe ich immer wieder das Gefühl, dass eine Vision/Inspiration/eine weiterentwickelnde Idee von Schule fehlt. Meine Kritik via Twitter muss ich trotzdem insofern korrigieren, dass ich im Anschluss noch ein angenehmes Gespräch mit ihm hatte, was mir zumindest gezeigt hat, dass hier eine Öffnung für Ideen, wie Schule in 10 Jahren sein könnte vorhanden ist.

Im deutschen Schulsystem sind aber wohl keine Revolutionen zu erwarten...

Eigentlich wollte ich noch einen vierten Vortrag besuchen über Abitur online, bin aber stattdessen nochmal durch die Ausstellung der Schulbuchverlage geschlendert.

Neben den mir weitgehend bekannten Medien ist mir ein Verlag in all den Jahren noch gar nicht aufgefallen, weshalb ich ihn hier extra erwähne: Der Wochenschauverlag.

Die Antwort auf meine Anfrage, ob die regelmäßige Ausgabe der Zeitung "Wochenschau" mit unterschiedlichen interessanten Themen auch als pdf bezogen werden kann, erwarte ich per Mail...

Insgesamt hat sich die Veranstaltung gelohnt, allerdings waren die Pausen zwischen den einzelnen Beiträgen sehr kurz. Das haben wir bei der "Open Mind" besser gelöst, finde ich. Auch würde ich mir bei solchen Kongressen mehr Diskussionsmöglichkeiten wünschen. Vortrag/Impuls über 30 min. und danach Diskussion. Schließlich sind wir alle Experten und können durchaus mitreden beim Thema "Bildung".
Birgit Rydlewski ist, 41 Jahre alt, Lehrerin für Wirtschaftswissenschaften und Deutsch am Richard-von-Weizsäcker-Berufskolleg, Lüdinghausen/Dülmen

Rollentausch: Die erste Unterrichtsstunde meines Kurses

Posted by Bastian • Wednesday, March 9. 2011 • Category: Aktuell: , We Don't Need No Education
Ich gebe zu. Ich war nervös. Die Vorbereitungszeit war sicher lang genug, aber die Themen für eine an selbstständiges Arbeiten noch nicht gewöhnte Gruppe auch recht komplex. Außerdem hatte ich in den zahlreichen betreuten Gruppenarbeitsstunden mitunter das Gefühl, dass die Arbeit zu oberflächlich war (was sich leider in dieser Gruppe bestätigt hat).

Die erste Stunde hatte die Themen "Zustandekommen und Inhalte des Kaufvertrages".

Einige Fehler konnte ich anhand der vorab eingereichten Materialien im Vorfeld finden, bei einigen Inhalten zeigten sich die Schwächen aber erst im Verlauf der Unterrichtsstunde. Ich bin gerne bereit, über strukturelle Probleme hinwegzusehen, aber nach sechs Wochen Vorbereitungszeit tue ich mich schwer mit sachlichen Fehlern.

Einige Hinweise von mir (z.B. den Einstieg über einen Fall zu wählen, um überhaupt zu verdeutlichen, warum dieses Thema bearbeitet wird, um also die Problemstellung anzureißen) wurden leider nicht beachtet.

Die erste Stunde war also insgesamt noch sehr schwach. Trotzdem musste ich jetzt gucken, die Gesamtgruppe nicht zu sehr zu demotivieren, denn letztendlich sollen alle möglichst aus den Fehlern lernen, so dass dies eventuell im Verlauf der nächsten Stunden besser werden kann.

Der Einstieg erfolgte über eine Powerpointpräsentation. (Wie gewöhne ich Schülern ab, zu glauben, dass Powerpoint die Lösung für alles ist? Dieses Hauptsache "Powerpoint". Von wem haben die das nur?) Das Hauptproblem an der Stelle war aber  eher noch das relativ sinn- und planlose Hintereinanderreihen von Fachbegriffen (teilweise noch falsch verwendet).

Ich habe als erste Hilfestellung bei Twitter dieses Video empfohlen bekommen, was ich meinen Schülern gleich weitergeleitet habe:




Und hier noch eins:




(Besonders Beispiele für die erste Folie habe ich letztens noch in einem anderen Kurs gesehen.)

Aber zurück zur Unterrichtsstunde:

Insgesamt enthielten alle Materialien recht viele Rechtschreibfehler. Da besteht wenig Ehrgeiz, eine Arbeit auch schön gestalten zu wollen, scheint mir. (Oder merken die Schüler das einfach nicht?)

Die Verteilung der Aufgaben innerhalb der Gruppe (mit zwei Schülerinnen und zwei Schülern) war sehr unausgewogen. Während ein Schüler recht eifrig Hilfestellung anbot bei der Gruppenarbeit in der Erarbeitungsphase, wirkten die restlichen Schüler überfordert bis gelangweilt. Hier ist mir nicht einmal wirklich klar, ob die Thematik bei allen Schülern überhaupt ausreichend erarbeitet worden war.

Die Präsentation der Gruppenergebnisse in der Erarbeitungsphase wirkte unnötig, denn die Ergebnisse wurden nicht aufgenommen, sondern an der Tafel gab es anschließend vorgefertigte Lösungen, die nicht viel zu tun hatten mit den Lösungen der Gruppen. (Das passiert aber durchaus auch Referendaren.)

Die Struktur war verbesserungswürdig, es wurde zu oft gesprungen zwischen verschiedenen Bereichen des Themas. Es fehlten sinnvolle Visualisierungen (das Plakat am Ende der Stunde war zu klein und daher keine Hilfe).

Am Ende wurde die Zeit knapp, so dass ein komplettes Arbeitsblatt weggefallen ist.

Es ist also noch ein weiter Weg bis zu wirklich selbstständiger Arbeit, aber bis zum Abschluss haben wir auch noch 1,5 Jahre Zeit ;-)

Es erscheint mir auf der Basis dieser Erfahrung sinnvoll, alle Unterlagen plus die komplette Planung vor einer solchen Unterrichtsstunde einzusehen, um Fehlerquellen früher ausschließen zu können.

Zudem ist mir (im Falle von unvorhersehbaren Problemen) nicht klar, wann ich eingreifen soll. Bei manchen sachlichen Fehlern hoffe ich eventuell zu lange auf das Korrektiv der gesamten Gruppe. Wenn ich aber unmittelbar eingreife, frustriere ich unter Umständen sehr früh. Da muss ich sicher noch einen entsprechenden Weg für mich finden.

Die Besprechung der Stunde fand ich zunächst etwas mühsam, da die Gruppe selbst kaum Aussagen machen konnte über die Qualität ihrer Arbeit. Die Anmerkungen der beurteilenden Gruppe (die sich mit Hilfe von Bewertungsbögen eine Meinung gebildet hatte) war aber anschließend recht fundiert und mit guten Verbesserungsvorschlägen.



Ich gebe also die Hoffnung noch nicht auf und freue mich auf die nächsten Stunden mit den Themen "Annahmeverzug", "Mangelhafte Lieferung/Schlechtleistung" und "Lieferverzug" .


Wie es weiterging:

Um den geneigten Leser nicht zu langweilen, fasse ich die nächsten Stunden kurz zusammen:

In den stattgefundenen weiteren Stunden gab es gute Ideen (Rollenspiele, Fälle etc.), aber auch immer wieder ähnliche Probleme, die ich zukünftig angehen will:

Foliengestaltung gelingt nicht (Schriftgröße zu klein, viel Text, kaum Anschaulichkeit)

Strukturprobleme (Inhalte in eine sinnvolle Reihenfolge zu bringen, gelingt nicht durchgängig)

Teilweise gab es auch noch sachliche Defizite (diesbezüglich haben die Gruppen nach den von ihnen ausgewerteten Tests nächste Woche auch noch die Gelegenheit, Fragen und Begriffe zu wiederholen und zu klären für die dann entscheidende Klausur).

Visualisierung gelingt kaum; Themen werden zu wenig systematisch aufbereitet und dargestellt, Anschaulichkeit fehlt

Gerade im kreativen Bereich können wir alle noch lernen. Ich kann z.B. auch kaum zeichnen. Deshalb habe ich mir mal ein Buch (Vorsicht Werbung) bestellt (und hoffe, dort Anregungen zu finden, die ich zusammen mit den Schülern zur Verbesserung unserer Fähigkeiten einsetzen kann).  Auch hierzu folgt natürlich demnächst ein Erfahrungsbericht...
Birgit Rydlewski ist, 41 Jahre alt, Lehrerin für Wirtschaftswissenschaften und Deutsch am Richard-von-Weizsäcker-Berufskolleg, Lüdinghausen/Dülmen

Relevanzkriterien

Posted by Bastian • Tuesday, March 1. 2011 • Category: Aktuell: , i love my computer
Das allgemeine Informationsüberangebot im Netz verstört ja so manchen. Um der Flut an Daten Herr zu werden nutzt jeder so seine eigenen Mechanismen. Manche lesen nur einzelne Newsseiten, direkt im Browser. Andere abonnieren so viele RSS-Kanäle wie irgendwie möglich und markieren einfach regelmäßig alles als gelesen. Und hoffen dann darauf, dass die relevanten Informationen schon so oft veröffentlicht werden, dass sie nicht untergehen weil die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass man sie irgendwann liest. Wieder andere nutzen eine ganze Reihe sozialer Filter und lassen sich dadurch informieren.

Meine Informationen beziehe ich vor allem aus einem Haufen RSS-Feeds (145 sind es laut Google Reader zur Zeit), darunter Feeds von Zeitungen, von Blogs, von Aggregatoren wie ResearchBlogging und abseits davon aus meiner Twitter-Timeline und durch Twitter-Suchen. Während die RSS-Feeds zumindest zum Großteil von mir selbst angelegt wurden (wenn man das Sharing-Feature des Google Readers mal vernachlässigt) erfüllt die Timeline den sozialen Filter und spült da Links und Quellen nach oben.

Je häufiger einzelne Links gepostet werden, desto wichtiger oder relevanter sind sie dabei vermutlich. Auch wenn man, dank der nativen Retweet-Funktion, nicht mehr wirklich einen Überblick darüber bekommt wie oft einzelne Artikel empfohlen werden, ist das eigentlich ein ganz gutes Maß für den Impact einzelner Links. Allerdings: Wenn man nicht den ganzen Tag vor seiner Timeline liest und jeden einzelnen Tweet liest, dann ist es nicht ganz trivial mitzubekommen, welche Links gerade „heiss“ sind. Außerdem ist das im Kopf mitzählen wie oft etwas gepostet wurde keine dankbare Aufgabe. Und vor allem eine Aufgabe für die Computer mit ihrer Fähigkeit zu zählen viel besser geeignet sind.

Mit Paper.li, Twittertim.es & Co gibt es zwar schon automatisierte Lösungen um die eigene Timeline auszuwerten. Aber ich hab mir deshalb selbst eine kleine Lösung für das Problem gebastelt. Zum Teil aus Neugier, zum Teil um eine selbst-gehostete Lösung und zum Teil auch einfach „weil es geht“.

Auf dem Server der auch den Phylomemetic Tree hostet läuft sowieso 24 Stunden lang am Tag mein irssi. Und neben dem Rumhängen in IRC-Chats nutze ich es, via twirssi, auch für Twitter. Und da die gesamte Timeline dort sowieso mitgeloggt wird lag es relativ nah diese Datenquelle dafür zu verwenden. Und so parst ein kleines Python-Script jetzt am Ende jeden Tages sämtliche Links des Tags aus dem Logfile, verwandelt die Short-URLs gegebenenfalls wieder in die Ziel-Adressen, erstellt das Histogramm für den Tag und baut aus den häufigsten Links des Tages einen RSS-Feed. Und der ist öffentlich zugänglich, falls ihr euch also dafür interessiert was ich jeden Tag so lese, dann viel Spaß damit.

Und hier der obligatorische Disclaimer: Das Ding hab ich gestern Nachmittag kurz zusammengehackt. Es ist also nicht fertig und hat noch Fehler. Z.B. sind die Umlaute in den Titeln manchmal zerschossen.