Gedankenstücke

(m)ein Leben durch den Sucher

Die nächste Leseliste

Posted by Bastian • Friday, February 18. 2011 • Category: Aktuell: , with a wonder and a wild desire

Seit der letzten Leseliste hab ich mich wieder durch ein paar Bücher durchgewühlt. Was seitdem durch den eBook-Reader des Vertrauens gegangen ist: 



  • Biosensors gibt es als kostenloses PDF und ist eine ganz spannende Sammlung von Essays über, nunja, halt Biosensoren. Denn es ist gar nicht so einfach chemische Komponenten nachzuweisen (Chemiker mögen mich da korrigieren, aber so weit ich an meine Chemie-Praktika zurückdenken kann ist es nicht wirklich trivial und eine Heidenarbeit in Stoffgemischen einzelne Komponenten nachzuweisen). Daher versucht man bei Biosensoren einfach von der Natur hergestellte Detektoren zu verwenden. Viele Stoffe werden von unserem Körper ja bereits durch Proteine sehr gut erkannt und verwendet. Wenn man die Proteine auf Materialen in Nano-Größe immobilisiert, dann kann man daraus ganz tolle Sensoren bauen. Ist ganz spannend zu lesen, setzt aber vermutlich ein Grundwissen in Chemie & Biologie vorraus. 

  • The Expression of the Emotions in Man and Animals von Charles Darwin, denn der Mann hat ja nicht nur entscheidend zur Entstehung der Evolutionstheorie beigetragen sondern war nebenbei auch an Botanik, Ökologie, Taubenzucht und eben auch Verhaltensbiologie interessiert. In dem Buch beschäftigt er sich mit Gesten und Mimik in Mensch und Tier und offenbart dabei nicht nur, dass er ein hervorragender Beobachter war, sondern auch wie Gesten & Mimik ebenfalls evolutionäre Wurzeln haben. Disclaimer: Man merkt dem Buch den Entstehungszeitpunkt an, man sollte also im Kontext lesen können.

  • Dann kamen auch wieder 2 Bücher von Cory Doctorow dran: For The Win ist wieder ein Roman über Jugendliche, so wie Little Brother zuvor. Diesmal geht es aber nicht um den Überwachungsstaat sondern über Ökonomie. Dabei kann der Leser nicht nur viel über die Grundlagen der Wirtschaftstheorie (und so spannende Dinge wie das Coarse-Theorem) erfahren sondern auch darüber wie das Internet die Wirtschaft verändert. Und weil es ein Roman ist wird das ganze nicht langweilig trocken präsentiert sondern es geht um jugendliche Gold-Farmer die in MMORPGs ihr Geld verdienen, ausgebeutet werden und eine globale Gewerkschaft gründen. Gibt es auch wieder kostenlos als eBook.

  • Das zweite Werk von Doctorow war die Kurzgeschichtensammlung With a Little Help. Dabei geht es unter anderem um Netzwerke die sich wie Ameisenkolonien verhalten (man Vergleiche es mit dem B.A.T.M.A.N.-Protokoll der Freifunker), die Enstehung der ersten echten künstlichen Intelligenz oder auch darum wie Google böse wird. Ebenfalls umsonst als eBook erhältlich. Aber Cory freut sich über Spenden für das Buch.

  • Access to Knowledge in the Age of Intellectual Property ist ein extrem umfangreiches Werk welches Essays zum Komplex Copyrigh, Freier Zugang zu Wissen & Co enthält. Dabei geht es nicht nur um die offensichtlichen Vorzüge und die Revolution im Bereich freies Wissen durch das Internet. Sondern auch um Probleme: In wie weit können wir überhaupt von wirklich offenem Zugang reden, wenn ein Großteil der Weltbevölkerung nach wie vor einfach gar keinen Zugang hat. Und auch die Problematik im Bereich Pharmapatente (Man denke an HIV, Malaria etc.) werden beleuchtet.

  • Gene und Stammbäume ist dann wieder mal ein biologisches Lehrbuch, von einem meiner ehemaligen Professoren mitgeschrieben und behandelt sehr eingängig das gesamte Thema der phylogenetischen Stammbaum-Rekonstruktion. Wer also Wissen möchte wie man aus Gen-Sequenzen die Abstammung der Arten (und noch einiges mehr) rekonstruieren kann, der kann hier nachlesen. In den ersten Kapiteln werden dabei auch die Grundlagen der notwendigen Biochemie recht allgemeinverständlich wiederholt. Im Mittelteil geht es dann viel um Algorithmen und Software-Tools die dafür existieren (mit guten Step-By-Step-Anleitungen, dürfte aber doch mehr was für Biologen sein). Und gegen Ende gibt es dann noch ein paar Beispiele über Wissen, was mit solchen Methoden generiert wurde. 

  • Und auf Hinweis von Philipp hin habe ich mir dann auch noch The Diary of a Resurrectionist durchgelesen. Dabei geht es darum wie die Anatomen im Grossbritannien des 19. Jahrhunderts an ihre Leichen für ihre Kurse gekommen sind. Denn mit dem steigenden Bedarf an ärztlicher Ausbildung stieg auch der Bedarf an anatomischer Ausbildung. Da es keine Gesetze zur Eröffnung von Anatomieschulen gab wurden reihenweise solcher Schulen eröffnet. Und damit stieg auch der Bedarf an Leichen für Lehrzwecke. Dummerweise gab es offiziell nur eine Quelle dafür: Die Leichen der zum Tode verurteilten. Und das waren bei weitem nicht genug um den Bedarf zu decken.

    "Glücklicherweise" war die Exhumierung von Verstorbenen zu dem Zeitpunkt aber kein Verbrechen (was mit Verschiffung in die Kolonien oder dem Tod hätte bestraft werden können) sondern nur ein Vergehen, sprich: Als Strafe gab es maximal ein Bußgeld oder einen Gastaufenthalt im Knast. Und diese Kombination führte dazu, dass alsbald sämtliche Schulen mit dem neugeschaffenen "Berufsstand" der Ressurectionists zusammengearbeitet haben. Die haben des Nachts Gräber geplündert und die Leichname an die Schulen verkauft.Das eigentliche Tagebuch macht nur den kleinsten Teil des Buchs aus, stattdessen gibt es aber eine sehr schöne Einordnung dazu wie es dazu gekommen ist, wie die Resurrectionists ihrem Job nachgegangen sind und wie man dieses Vorgehen schlussendlich abgestellt hat und wieso das Problem in anderen Ländern so nicht vorhanden war.

Und jetzt viel Spaß beim lesen. Denn wenn ich das richtig sehe, dann müsste es erfreulicherweise sämtliche hier genannten Titel kostenlos als eBook oder PDF geben.

Etikettenschwindel?

Posted by Bastian • Wednesday, February 16. 2011 • Category: Aktuell: , We Don't Need No Education
Im Rahmen des pädagogischen Tages unserer Schule habe ich teilgenommen an dem Modul "Selbstgesteuertes Lernen", durchgeführt von einem Moderator der Bezirksregierung Münster.

Vorab: Es gab durchaus spannende Gespräche mit Kollegen, es gab auch Erweiterungen zu Methoden, die ich noch nicht kannte, aber trotzdem bleibt irgendwie das Gefühl zurück, dass dort längst bekannte und von vielen Kollegen angewendete Methoden unter neuem Namen ("Segel") "verkauft" wurden.

Ich empfinde Lernen nicht per se als "selbstgesteuert", nur weil Gruppenpuzzle oder ähnliche Methoden dabei vorkommen. Letztendlich waren, zumindest bei dem heute kennen gelernten Teil, alle "Methodenketten" sehr stringent durchgeplant. Sicher ist es schön, wenn die Schüler bei "Methodenkette 5" gleich wissen, in welcher Form sie das Grobraster Einzelarbeit, Gruppenarbeit, Präsentation/Sicherung durchführen sollen, trotzdem empfinde ich das nicht als "selbstgesteuert".

Ich muss allerdings dazu sagen, dass ich mich mit weiterer Literatur unter diesem Stichwort bisher nicht beschäftigt habe und dass im weiteren Verlauf der Entwicklung solcher selbstständiger Phasen durchaus etwas angedacht sein könnte, was meiner Definition von "selbstgesteuert" näher komme, aber bis zu diesem Moment bin ich ein wenig enttäuscht.

Natürlich muss man bei solchen Fortbildungen für ein großes Lehrerkollegium darauf achten, dass man alle Kollegen ansprechen kann und vielleicht wäre ein größerer Schritt in eine andere Richtung von Schule für einige Kollegen zu viel auf einmal.

Wünschen würde ich mir aber, dass Lehrerkollegien, Steuergruppen, Moderatoren etc. auch den Mut finden, Paradigmenwechsel nicht nur vorzuschlagen, sondern diese auch konsequenter zu durchdenken.

Ich wünsche mir auch Fortbildungen, die konkrete Handlungshilfen im Alltag geben, aber darüber hinaus wünsche ich mir auch Fortbildungen/Veranstaltungen etc., bei denen Ideale von Schule durchdacht werden können.

Ich wünsche mir mehr Utopie, mehr Traum von einer besseren Schule, mehr wirkliche individuelle Förderung, mehr Mut.

Welche Formen von Schule mit welchen Möglichkeiten wollen wir in 10 Jahren?
Birgit Rydlewski ist, 41 Jahre alt, Lehrerin für Wirtschaftswissenschaften und Deutsch am Richard-von-Weizsäcker-Berufskolleg, Lüdinghausen/Dülmen

Zukunft durch Bildung – Kraft durch Freude

Posted by Bastian • Monday, February 14. 2011 • Category: Aktuell: , The Pirates Gospel
Sehr geehrter Herr Greshake,

ihre Webseite http://twitter.com/gedankenstuecke weist ein hohes Maß an Qualität, Aktualität und Vernetzung mit Leser und anderen Webseites auf. Aus diesem Grunde treten wir an Sie heran, um Ihnen ein auch für Ihre Webseite interessantes Projekt vorzustellen.
Emails die schon so anfangen, da kann man sich ja sicher sein, dass es entweder nicht so richtig doller Spam ist oder, dass man von vermeintlichen PR-Genies, Social Media-Beratern oder SEO-Experten auf Linkfang angeschrieben wurde. In diesem Fall wohl eine Kombination aus allem... Eine Marketing-Agentur die eine selbsternannte Bildungsumfrage unterstützt...
Viele politische und gesellschaftliche Themen erhalten heutzutage zumeist nur dann öffentliche Präsenz, wenn Menschen wie Sie auf Ihren Web-Angeboten auf wichtige Themen aufmerksam machen und sich mit anderen Kommunikatoren vernetzen.
Und in der Regel funktioniert das auch ganz ohne PR-Agentur, die kostenlose Werbung haben will. Oder wer hat in Tunesien oder Ägypten die PR-Kampagne auf Twitter und Facebook organisiert?
Ein Thema, welches die Unterstützung von Kommunikatoren wie Ihnen in Deutschland verdient hat, ist das Thema Bildung.
Ich fühle mich ja gleich so in die Verpflichtung genommen, weil in HTML-Mails geschrieben wird, dass ein Thema wichtig ist. Und ich nur ganz alleine zur Rettung der Welt beitragen kann...
Die Methode der Online-Befragung vertritt den demokratischen Gedanken des Internets. Jeder kann frei seine Meinung äußern und jede Meinung hat dasselbe Gewicht.
Und wer das größere PR-Budget hat, der wird gehört. Das ist der demokratische Gedanke von Marketing-Heinis. Davon wie repräsentativ Online-Umfragen sind mal ganz zu schweigen. Vielleicht sollte man mal das Bildblog oder Pharyngula befragen...
Den Initiatoren BILD, Hürriyet, Roland Berger Strategy Consultants und der Bertelsmann Stiftung ist es wichtig, dass bei dieser Online-Befragung nicht die Initiatoren, sondern das Thema der Umfrage im Vordergrund steht. Bildung geht alle etwas an, aktuell und zukünftig ist ein funktionierendes Bildungssystem eminent wichtig für Deutschland.
Da haben sich ja die richtigen Leute gefunden. Die BILD hat mit BILDung ja so viel zu tun wie mit Journalismus. Und den Strategy Consultants und der Bertelsmann Stiftung geht es natürlich genauso um den Wert von echter Bildung, und nicht etwa um möglichst effiziente Arbeitskräfte. Oder wie die Bertelsmann Stiftung in ihrem Leitbild in schönstem Neusprech formuliert: „Die Grundsätze unternehmerischer, leistungsgerechter Gestaltung [sollen] in allen Lebenslagen zur Anwendung gebracht werden.” Leistungsgerechtigkeit, der feuchte Traum der FDP... Fragt mal Leute die von Bildung ein bisschen Ahnung haben, was die davon halten.
Prominente Testimonials wie unter anderem Bundespräsident Christian Wulff, Franz Beckenbauer, Moderatorin Nazan Eckes, Comedian Atze Schröder, TV-Koch Horst Lichter, Volkssänger Heino und viele weitere konnten gewonnen werden, um die Studie zu unterstützen.
Jetzt bin ich überzeugt! Wenn ein fundamentalistischer Christ, ein netzweitbekannter Abmahn-Assi und ein abgewrackter Schlagerstar eine Bildungsstudie unterstützen, wie könnte ich dann nicht? Immerhin scheinen die Testimonials ja vor allem als abschreckende Beispiele zu fungieren: „Passt auf liebe Kinder, das könnte aus euch werden, wenn ihr nix ordentliches lernt.” Für etwas anderes können die nicht wirklich taugen, oder?
Sie können mit Ihrem Webangebot entscheidend dazu beitragen, dass sich möglichst viele Mitbürger an der Umfrage beteiligen und so Bewegung in das Thema kommt. Zudem erhalten Sie von uns regelmäßig aufbereiteten Content und exklusive Informationen. Zusätzlich erstellen wir eine Verlinkung zu Ihrer Webseite auf dem offiziellen facebook-Profil der Bildungsstudie und erwähnen Ihren Twitter-Account auf @tuthiernichtszusache.
Gibt es ernsthaft Blogger, außer dem Pallenberg, die auf die Masche mit „exklusiven” Informationen reinfallen?
Wichtiger Hinweis: Diese E-Mail kann Betriebs- oder Geschäftsgeheimnisse oder sonstige vertrauliche Informationen enthalten. Sollten Sie diese E-Mail irrtümlich erhalten haben, ist Ihnen eine Kenntnisnahme des Inhalts, eine Vervielfältigung oder Weitergabe der E-Mail ausdrücklich untersagt. Bitte benachrichtigen Sie uns und vernichten Sie die empfangene E-Mail. Vielen Dank.
Genau, erst mal Spam versenden und hoffen, dass er bzw. sein Inhalt veröffentlicht wird und dann so einen nichtigen Footer in der eMail unterbringen... Ich weiss ja nicht...

Die gesamte Kampagne ist genau das, was man am Blogger-Internet-Marketing-Zeugs eigentlich nur verabscheuen kann. Die Hoffnung auf einfache Backlinks, Blogger die für ihre PR-Maßnahmen nicht bezahlt werden sollen, den demokratischen Anteil des Internets nicht im Ansatz verstanden, und dazu auch noch organisiert von einigen der fiesesten Organisationen in ganz Deutschland.

Ich hab mich spaßeshalber mal ein bisschen durch die Umfrage geklickt. Und vom wissenschaftlichen Standpunkt her dürften die Ergebnisse in etwa so repräsentativ und aussagekräftig wie die INDECT-Fragebögen sein. Gleichzeitig offenbaren die (meist ohne Freitext-Option festgelegten...) Antwortoptionen, welches Geistes Kind die Umfrage ist: Bei der Frage danach wer entscheiden sollte auf welche weiterführende Schule ein Kind kommt stehen zur Auswahl: „Eltern“, „Lehrer“, „Lehrer & Eltern“, „Die Noten“. Von den Kindern? Keine Spur... Und auch die anderen Fragen haben mehr den Tenor von „Bildung für alle? Ist das gerecht gegenüber denen, die Arbeiten?”.

Ein schönes Beispiel dafür, wie man das Internet nicht verstanden haben kann und wie man Umfragen nicht aufziehen sollte, wenn man sich echten Erkenntnisgewinn verspricht...

Lernen lernen

Posted by Bastian • Saturday, February 12. 2011 • Category: Aktuell: , don't crash the ambulance, We Don't Need No Education
Wo waren wir stehen geblieben? (An der Stelle habe ich mal einen Duden bemüht. Ich muss nämlich gestehen, dass ich diese Getrennt- und Zusammenschreibung der Rechtschreibreform (oder der Reform der Reform) nicht immer stimmig finde.)

Meine Klasse arbeitet in Gruppen an der Unterrichtsreihe zum Kaufvertrag mittels "Lernen durch Lehren".

Im Laufe der Gruppenarbeit haben wir diverse Gespräche in der Klasse geführt, wie diese Arbeit im Idealfall laufen könnte. Ok. Ich habe geredet und die Klasse hat mehr oder minder gut zugehört.

Ich muss sagen: Diese Woche hatte ich mehrfach echt so einen Hals. (Und das durchaus im tatsächlichen Sinne. Ich bin ätzend verspannt von dem ganzen Ärger.) Ich muss weiter ausholen: Lehrer sein ist zu dieser Zeit des Jahres anstrengend. Da stehen Zeugnisse an (die gerne auch noch Fehler haben und dann mehrfach gedruckt werden). Diverse Fortbildungen lagen gerade jetzt (weil dann angeblich ruhiger ist. Witzig...) Jedenfalls würde ich nicht ausschließen, dass ich dann sowieso etwas angespannter bin als im Alltagsgeschäft. Hinzu kam aber erschwerend, dass die Leistungen der Klasse sich in der Zeugnisliste massiv wiederfinden. Faktisch würden mit den Zeugnissen 9! Schüler oder Schülerinnen der Klasse das Schuljahr schaffen. Von 29. Das ist frustrierend. Nicht nur für die Schüler, sondern auch für mich.

Ich habe meine Klasse nämlich sehr gern. Ich möchte, dass möglichst viele den Weg in die Oberstufe und zur Abschlussprüfung erfolgreich absolvieren.

Realistisch betrachtet sieht das derzeit nicht so gut aus. Zu dem üblichen Stress standen also in dieser Woche diverse Gespräche mit Kollegen, anderen Beratungslehrern, Fachlehrern, meinem Schulleiter und natürlich Einzelgespräche mit den Schülern an. (Nächste Woche steht dann noch zusätzlich der Elternsprechtag an.)

Jetzt komme ich aber endlich zum eigentlichen Problem:

Gestern noch haben wir, also ich... darüber geredet, dass ich sehen will, dass die Schüler auch etwas für ihren Abschluss tun. Dazu gehört für mich angesichts der fortgeschrittenen Zeit bis zu den zu haltenden Unterrichtsstunden auch, dass die Schüler bei einem Stundenausfall nicht rumgammeln oder zu Mc Do fahren, sondern die Zeit mit sinnvollen Tätigkeiten ausfüllen (dabei können sie durchaus selbstständig entscheiden, ob das nun aktuell gerade bei Mathe, Rechnungswesen oder der Arbeit für BWL in den Gruppen wichtiger ist).

Alleine klappt das aber einfach nicht. Wie ich es drehe und wende: Einige Schüler nutzen jede erdenkliche Möglichkeit, um abzuhauen oder andere Sachen zu machen.

(Nein. Das sind nicht alle Schüler. Es gibt auch viele in der Klasse, die super arbeiten. Ja. Ich sehe das!)

Aber die Schüler, mit denen ich quasi täglich darüber diskutiere, sind mir zu viele.

Ohne Aufsicht (manchmal auch mit) ist es total laut in der Klasse. Ich kann Rewe auch im Schlaf, wenn es sein muss, aber bei der Lautstärke fällt es selbst mir schwer, eine etwas anspruchsvollere Aufgabe korrekt zu beenden.

Es ist für viele Schüler enorm schwer, sich selber Inhalte anzueignen. Ich mache den Schülern keinen Vorwurf, denn ich gehe davon aus, dass sie nie die Gelegenheit hatten, dies zu lernen. Was aber in aller Welt haben einige Sek. I-Schulen eigentlich gemacht in all den Jahren?

Meine Vorstellung von Schule besteht eben nicht aus vorgetanztem Frontalunterricht. Leider ist die Umstellung auf andere Methoden auch für Lehrer sehr anstrengend, wie ich gerade feststelle.

Es geht nicht vordergründig um Inhalte. Im Moment geht es mir vor allem darum, dass die Schüler am Ende des Jahres gelernt haben, sich selber mit Wissen/Sachinhalten auseinanderzusetzen. Viele geben mir zu schnell auf. Wir reden hier von 3-10 Seiten Text, anspruchsvoll ja, aber nicht unüberwindbar. Schließlich haben das Generationen von kaufmännischen Angestellten vorher auch schon geschafft.

Wir haben vor 5 Wochen mit der Arbeit an den Themen begonnen. Dafür sind wir nach meiner Einschätzung nicht weit genug in einigen Gruppen. Bei einigen Schülern sitzen nicht einmal im Grundsatz die Sachinhalte. Von Planung einer Unterrichtsstunde sind wir da noch sehr weit entfernt.

Parallel haben wir in dieser Zeit in einer Doppelstunde pro Woche die Grundlagen des Rechnungswesens wiederholt. Ebenfalls in Gruppen, die sich je nach Leistungsstand zusammenfinden konnten.

Hier klappt die Arbeit mittlerweile recht ordentlich. Leider fällt es aber auch an dieser Stelle einigen Schülern schwer, Defizite auszugleichen, weil dann nachmittags oder am Wochenende Aufgaben bearbeitet werden müssten.

Die Zeit für solche ausführlichen Wiederholungsphasen habe ich in diesem Schuljahr nur, weil das Schuljahr recht lang ist.

Ich nehme mir auch gerne diese Zeit für solche freien Arbeitsphasen, aber je näher wir den angedachten Terminen für die zu haltenden Unterrichtsstunden im Fach BWL kommen, desto unruhiger bin ich bezüglich der bisherigen Ergebnisse.

Vielleicht brauchen die Schüler aber auch den Termindruck, um wirklich zur Sache zu kommen. (Sowas kenne ich bei mir auch. Stichwort: Prokrastination)

"Nebenbei" erhoffe ich mir auch noch eine Zunahme von sozialen und anderen Kompetenzen in dieser Reihe: Sich als Teil einer Gruppe zu empfinden, die Verantwortung dafür wahrzunehmen (auch für die gesamte Klasse, denn das werden die Inhalte sein, die Teil der nächsten Klausur sind), Zuverlässigkeit, aber auch das Interesse über den normalen Stundenplan hinaus, Aufgaben und Nachbereitung als etwas Selbstverständliches zu begreifen im Prozess des lebenslangen Lernens.
Birgit Rydlewski ist, 41 Jahre alt, Lehrerin für Wirtschaftswissenschaften und Deutsch am Richard-von-Weizsäcker-Berufskolleg, Lüdinghausen/Dülmen

Verleger und das Internet...

Posted by Bastian • Wednesday, February 9. 2011 • Category: Aktuell: , The Pirates Gospel
Mit dem Start-Up Commentarist gab es, zumindest kurzzeitig, auch in Deutschland mal wieder eine ganz nette Idee: Die Seite aggregierte von über 1000 Journalisten Kommentare und Meinungsartikel und sortierte sie Kategorien zu. Neben der Überschrift und einem kurzen Anriss gab es dann den Link zu den Artikeln in voller Länge, zu den Webseiten auf denen die Kommentare erschienen sind. Im Endeffekt also nichts anderes als Google News für Meinungsartikel. Dummerweise haben sie ihre Pläne dabei ohne den Starrsinn und den fehlenden Verstand, in Dingen neue Medien, von deutschen Verlegern gemacht: Denn sowohl die Süddeutsche als auch die FAZ haben sofort rechtliche Schritte angedroht. Und deshalb ist die Plattform damit auch schon wieder offline.

Eine ausführliche Beschreibung und sehr gute Bewertung der gesamten Vorgänge findet man beim Spiegelfechter und ich teile seine Einschätzung so weit. Hier sieht man jetzt schon wo hin die Reise der Verleger mit einem ja bereits angedachten Leistungsschutzrecht gehen soll: Nämlich ins Land der unbegrenzen Einnahmequellen. Es wäre ja auch zu schön, wenn man Google News, Plattformen wie Commentarist und auch jeden Blogger für Text-Auszüge zur Kasse bitten könnte um so doppelt zu verdienen. Denn was die Verlage ja gerne unter den Tisch fallen lassen: Sie verdienen so schon an jeder Verlinkung potentiell ganz gut. Durch Besucher die über Verlinkungen von Google, Blogs & Co zu ihnen kommen steigen nicht nur die Besucherzahlen sondern auch ihre Reichweite. An der sich wiederum die Preise für Werbung festlegen lassen. Und so hilft jeder Klick entspannt dabei sich die Taschen zu füllen. Oder was glaubt ihr, wieso wirklich jede Nachrichten-Seite aus den Verlagen mit strunzdummen Foto-Klickstrecken daher kommt? Anstatt aber jedem für Verlinkungen die Füße zu küssen droht man lieber mit dem Anwalt.

Und irgendwie habe ich den Eindruck, dass auch die Verleger einfach nicht verstanden haben welches die eigentlichen Chancen des Webs sind. Denn die Zeiten des One-Size-Fits-All sind im Web eindeutig angezählt. Immer mehr Leute beziehen ihre Nachrichten auf sie zugeschnitten: Ob über den RSS-Reader, ihre Twitter-Timeline, Facebook, Flipboard oder, ganz ohne Wissen um die Technik dahinter, über die "dynamischen Lesezeichen" im Browser. Warum sollte ich mir auch den Boulevard-Teil nach Hause liefern lassen, wenn ich nur das politische Tagesgeschehen verfolgen will? Oder eben per Hand alle Verlagswebseiten nach klugen Kommentaren abgrasen?

Denn das liebe Verlagshäuser ist die Zukunft. Auch wenn ihr RSS aus schon nicht verstanden habt, wie eure verstümmelten Feeds, mit nichtssagenden Symbolbildchen und 1 1/2 Sätzen langen Anrissen beweisen. Ihr spekuliert darauf, dass Nutzer deshalb auf eure Seite kommen und euch Klicks bescheren. Aber ich will irgendwie nicht so recht daran glauben, denn für meinen Teil verzichte ich lieber ganz auf eure Feeds. Oder lasse mir die lesbare Form direkt über Readability ausgeben. Ob euch das Klicks bringt: Keine Ahnung. Aber zumindest ist es Werbefrei. Das man Volltext-Feeds anbieten kann, die dann sogar Werbung beinhalten zeigen die deutschen ScienceBlogs. Und ich verrate euch was: Anders als im Browser haben nur die wenigsten Leute im Feedreader einen Werbeblocker installiert.

Aggregatoren bieten dabei so viele Vorzüge im Kampf gegen das, was Cory Doctorow in einem seiner Romane im Vorwort so schön umschreibt: "The big problem isn't piracy, it's obscurity." Menschen die sonst nie auf die Idee gekommen wären eure Angebote zu nutzen, sei es Mangels Wissen darum oder Mangels Interesse am Gesamtpaket, kommen dadurch auf eure Webseite. Ein Beispiel, das zeigt wie es gut funktioniert, ist der Aggregator "Give me something to read", der aus Instapaper-Empfehlungen eine handverlesene Liste großartiger Artikel erzeugt. Aber dafür muss man natürlich Vertrauen in die Qualität der eigenen Angebote und Inhalte haben. Wenn das nicht da ist, dann hilft aber auch kein Schreien nach strengeren Gesetzen mehr...