Die nächste Leseliste
Posted by Bastian • Friday, February 18. 2011 • Category: Aktuell: , with a wonder and a wild desireSeit der letzten Leseliste hab ich mich wieder durch ein paar Bücher durchgewühlt. Was seitdem durch den eBook-Reader des Vertrauens gegangen ist:
- Biosensors gibt es als kostenloses PDF und ist eine ganz spannende Sammlung von Essays über, nunja, halt Biosensoren. Denn es ist gar nicht so einfach chemische Komponenten nachzuweisen (Chemiker mögen mich da korrigieren, aber so weit ich an meine Chemie-Praktika zurückdenken kann ist es nicht wirklich trivial und eine Heidenarbeit in Stoffgemischen einzelne Komponenten nachzuweisen). Daher versucht man bei Biosensoren einfach von der Natur hergestellte Detektoren zu verwenden. Viele Stoffe werden von unserem Körper ja bereits durch Proteine sehr gut erkannt und verwendet. Wenn man die Proteine auf Materialen in Nano-Größe immobilisiert, dann kann man daraus ganz tolle Sensoren bauen. Ist ganz spannend zu lesen, setzt aber vermutlich ein Grundwissen in Chemie & Biologie vorraus.
- The Expression of the Emotions in Man and Animals von Charles Darwin, denn der Mann hat ja nicht nur entscheidend zur Entstehung der Evolutionstheorie beigetragen sondern war nebenbei auch an Botanik, Ökologie, Taubenzucht und eben auch Verhaltensbiologie interessiert. In dem Buch beschäftigt er sich mit Gesten und Mimik in Mensch und Tier und offenbart dabei nicht nur, dass er ein hervorragender Beobachter war, sondern auch wie Gesten & Mimik ebenfalls evolutionäre Wurzeln haben. Disclaimer: Man merkt dem Buch den Entstehungszeitpunkt an, man sollte also im Kontext lesen können.
- Dann kamen auch wieder 2 Bücher von Cory Doctorow dran: For The Win ist wieder ein Roman über Jugendliche, so wie Little Brother zuvor. Diesmal geht es aber nicht um den Überwachungsstaat sondern über Ökonomie. Dabei kann der Leser nicht nur viel über die Grundlagen der Wirtschaftstheorie (und so spannende Dinge wie das Coarse-Theorem) erfahren sondern auch darüber wie das Internet die Wirtschaft verändert. Und weil es ein Roman ist wird das ganze nicht langweilig trocken präsentiert sondern es geht um jugendliche Gold-Farmer die in MMORPGs ihr Geld verdienen, ausgebeutet werden und eine globale Gewerkschaft gründen. Gibt es auch wieder kostenlos als eBook.
- Das zweite Werk von Doctorow war die Kurzgeschichtensammlung With a Little Help. Dabei geht es unter anderem um Netzwerke die sich wie Ameisenkolonien verhalten (man Vergleiche es mit dem B.A.T.M.A.N.-Protokoll der Freifunker), die Enstehung der ersten echten künstlichen Intelligenz oder auch darum wie Google böse wird. Ebenfalls umsonst als eBook erhältlich. Aber Cory freut sich über Spenden für das Buch.
- Access to Knowledge in the Age of Intellectual Property ist ein extrem umfangreiches Werk welches Essays zum Komplex Copyrigh, Freier Zugang zu Wissen & Co enthält. Dabei geht es nicht nur um die offensichtlichen Vorzüge und die Revolution im Bereich freies Wissen durch das Internet. Sondern auch um Probleme: In wie weit können wir überhaupt von wirklich offenem Zugang reden, wenn ein Großteil der Weltbevölkerung nach wie vor einfach gar keinen Zugang hat. Und auch die Problematik im Bereich Pharmapatente (Man denke an HIV, Malaria etc.) werden beleuchtet.
- Gene und Stammbäume ist dann wieder mal ein biologisches Lehrbuch, von einem meiner ehemaligen Professoren mitgeschrieben und behandelt sehr eingängig das gesamte Thema der phylogenetischen Stammbaum-Rekonstruktion. Wer also Wissen möchte wie man aus Gen-Sequenzen die Abstammung der Arten (und noch einiges mehr) rekonstruieren kann, der kann hier nachlesen. In den ersten Kapiteln werden dabei auch die Grundlagen der notwendigen Biochemie recht allgemeinverständlich wiederholt. Im Mittelteil geht es dann viel um Algorithmen und Software-Tools die dafür existieren (mit guten Step-By-Step-Anleitungen, dürfte aber doch mehr was für Biologen sein). Und gegen Ende gibt es dann noch ein paar Beispiele über Wissen, was mit solchen Methoden generiert wurde.
- Und auf Hinweis von Philipp hin habe ich mir dann auch noch The Diary of a Resurrectionist durchgelesen. Dabei geht es darum wie die Anatomen im Grossbritannien des 19. Jahrhunderts an ihre Leichen für ihre Kurse gekommen sind. Denn mit dem steigenden Bedarf an ärztlicher Ausbildung stieg auch der Bedarf an anatomischer Ausbildung. Da es keine Gesetze zur Eröffnung von Anatomieschulen gab wurden reihenweise solcher Schulen eröffnet. Und damit stieg auch der Bedarf an Leichen für Lehrzwecke. Dummerweise gab es offiziell nur eine Quelle dafür: Die Leichen der zum Tode verurteilten. Und das waren bei weitem nicht genug um den Bedarf zu decken.
"Glücklicherweise" war die Exhumierung von Verstorbenen zu dem Zeitpunkt aber kein Verbrechen (was mit Verschiffung in die Kolonien oder dem Tod hätte bestraft werden können) sondern nur ein Vergehen, sprich: Als Strafe gab es maximal ein Bußgeld oder einen Gastaufenthalt im Knast. Und diese Kombination führte dazu, dass alsbald sämtliche Schulen mit dem neugeschaffenen "Berufsstand" der Ressurectionists zusammengearbeitet haben. Die haben des Nachts Gräber geplündert und die Leichname an die Schulen verkauft.Das eigentliche Tagebuch macht nur den kleinsten Teil des Buchs aus, stattdessen gibt es aber eine sehr schöne Einordnung dazu wie es dazu gekommen ist, wie die Resurrectionists ihrem Job nachgegangen sind und wie man dieses Vorgehen schlussendlich abgestellt hat und wieso das Problem in anderen Ländern so nicht vorhanden war.

