Gedankenstücke

(m)ein Leben durch den Sucher

Das iPad: For Science & on the Road

Posted by Bastian • Tuesday, November 30. 2010 • Category: Aktuell: , i love my computer
Nachdem Birgit im letzten Posting auf die Vorzüge und Nachteile des iPads im Lehrbetrieb an der Schule eingegangen ist will ich auch kurz noch etwas dazu schreiben wofür ich das Ding im Alltag einsetze. Für mich sind dabei vor allem 2 Komponenten wichtig gewesen: Zuerst wäre da der Einsatz beim pendeln. Wer einen guten Anteil seiner Lebenszeit in Bussen und Bahnen verbringt sollte sich die Zeit da vertreiben und im Idealfall bei Bedarf produktiv werden können.

Für mich heisst das vor allem: Feeds lesen, den ganzen Social Media-Krams nutzen können, Blogpostings tippen, Mails versenden und Co. Also alles Dinge die sowohl auf dem iPhone als auch am Notebook gehen. Allerdings macht es in den normalen Bussen und Zügen nicht gerade Spass sein Notebook auf den Beinen zu balancieren. Mal ganz abgesehen von der doch begrenzten Akku-Kapazität (Obwohl das MacBook Pro seit letzter Woche einen neuen Akku implantiert hat: Mehr als 3 1/2 Stunden Laufzeit sind nicht drin, und das auch nur unter optimalen Bedingungen).

Das iPhone nimmt zwar viel weniger Platz weg. Dafür ist das längere Lesen von Feeds trotz Retina-Display nicht unbedingt ein Spaß. Und auch wenn die Akku-Laufzeit etwas besser ist: Nach 4-5 Stunden Benutzung ist der Spaß vorbei, mit dem Bonus-Feature, dass man dann nicht mehr telefonisch erreichbar ist. Und so gut die virtuelle Tastatur des iPhones auch ist: Längere Mails oder Blogpostings schreiben sind darauf extrem bescheiden.

Für mich füllt das iPad damit im Pendel-Alltag genau die Nische aus. Feeds lesen, Videos schauen, eBooks lesen, Social Media-Foo befüllen. Dabei nicht zu winzig und nicht zu gross. Und der Akku hält bislang zuverlässig 2 Tage durch. Damit dürfte sich das iPad zumindest für mich auch zum idealen Konferenzbegleiter mausern und damit sowohl den Rücken schonen als auch das nervige Steckdosen-Such-Spiel erledigen. Und damit bloggen kann man auch, siehe diesen Eintrag.

Dazu kommt noch der Einsatz auf der Arbeit, wo das Ding hauptsächlich als PDF-Reader genutzt wird. Als Naturwissenschaftler quält man sich ja jeden Tag durch Berge von Veröffentlichungen, die man meist eben als PDF erhält. Dabei leisten mir sowohl Mendeley als auch GoodReader gute Dienste. Mendeley indexiert und verschlagwortet schon auf meinem Mac und dem iPhone die Literatur (und hat ausgezeichneten Support für BibTeX). Und da die Quell-PDF-Daten in der Dropbox liegen hat auch GoodReader Zugriff auf die Dateien. Das schöne an GoodReader: Man kann direkt in den PDFs Annotationen, Notizen und sogar Skizzen ablegen. Damit fällt zumindest für mich das nervige Ausdrucken von Papern komplett weg.

Neben den Papern hat man so im PDF-Format gleich sämtliche technischen eBooks, Manuals & Co zur Hand. Selbstverständlich in komplett durchsuchbar. Und so bleibt der Workspace frei für den Code während man bequem in den Kochbüchern nachschlagen kann. Ausserdem ein nettes Feature: Über AirDisplay lässt sich das iPad über ein WLAN als zweiter Monitor an den Mac bringen. Je nach Netzwerkverbindung klappt das besser und schlechter. Um aber einen Blick auf Logfiles (oder in IRC/Jabber/Twitter) zu behalten reicht das allemal.

Für mich ebenfalls sehr praktisch und erstaunlich gut: Über iSSH lässt sich bequem die Verbindung zu Servern, egal ob in der Uni oder auf die eigenen Maschinen, herstellen. Mit der grossen Tastatur und dem ausreichend grossen Display kann man sich so auch bequem um die anfallenden Aufgaben kümmern.

Für meine Zwecke taugt das Ding bislang sehr gut. Ja, es kein Flash und es kann keine Piratenpads bearbeiten. Aber im Zweifel packe ich mir die entsprechenden Links in Instapaper und lese/schreibe später bzw. Schaue die Videos später. Was noch aussteht: Den Rechner mal für ein paar Tage ausgeschaltet lassen mit dem kleinen Ersatz.

Gastbeitrag: Mein Schatz...äh... Mein iPad

Posted by Bastian • Monday, November 29. 2010 • Category: Aktuell: , i love my computer, We Don't Need No Education
Ich gebe zu: Ich gebe es nur sehr selten (und ungern;-) in fremde Hände. Da bin ich eigen.

Ein paar Schüler und Kollegen durften natürlich schon einmal damit "spielen", sei es zum Ansehen einiger Unterlagen, z.B. Mindmaps (Schüler) oder anderer Apps (Lehrer) oder in der Langeweile einer Konferenz (die Variante Konferenz, die sich jedes Jahr wiederholt und wenig Neues bietet).

Ich gehe auch nur noch selten ohne iPad aus dem Haus. Es ist so praktisch., zwischendurch arbeiten, surfen, kommunizieren, spielen zu können. Leider hat dies in Schule noch nicht Einzug gehalten. Im Gegenteil führen wir immer noch die Diskussionen, dass Handys im Unterricht ausgeschaltet sein müssen (was ich in Grundzügen nachvollziehen kann, die Möglichkeiten eines anderen Unterrichts werden damit aber zunächst nicht einmal angedacht).

Die Schüler waren also zu Beginn des Schuljahres erst einmal sehr interessiert bis hin zu irritiert, was ich mit dem neuen Spielzeug so tue. Mittlerweile hat es sich aber zu einem normalen Bestandteil des Unterrichts entwickelt.

Was im Einzelnen habe ich also derzeit auf dem iPad und wofür nutze ich es:

  • Teachertool ist für mich mittlerweile unentbehrlich geworden und ersetzt meinen Lehrerkalender vollständig. Sämtliche Notenverwaltung befindet sich dort (verschlüsselt und mit Passwort versehen), das Kursbuch, die Bemerkungen (zu Schülern, zum Kurs etc.), die Aufgaben, die Fehlstunden sowie Checklisten (z.B: Wer muss noch für die Klassenfahrt bezahlen?). Mittlerweile habe ich einige Kollegen angesteckt, die diese App verwenden (meist auf dem iPhone). Die App ist jeden Cent wert, der Service sehr gut, auf Nachfragen per Mail bekommt man schnell und kompetent Hilfe.

  • Kalender (Memo an mich: Ich sollte mich an die Geburtstage meiner Schüler erinnern lassen. In der Hektik des Alltags geht da leider zu viel unter.)

  • Keynote Das gängige Präsentationsprogramm wird von mir eingesetzt, um Präsentationen über den Beamer zeigen zu können, z.B. im Unterricht, bei Elternabenden, Fortbildungen, Infoabenden etc.

  • Pages nutze ich nur relativ selten, weil ich längere Texte doch lieber auf einem normalen Rechner mit normaler Tastatur schreibe.

  • Touch Calculator, ein gratis Taschenrechner.

  • Presenter: Damit soll man pdfs und Webseiten etc. am Beamer zeigen können. Ich muss hier gestehen, dass ich noch nicht zum Testen gekommen bin. Die Kritik scheint zu sein, dass das Programm oft abstürzt. 

  • Articles, die Wikipedia (Großartig, wenn man mal eben im Unterricht etwas nachschlagen kann, auch immer anschaulich bebildert)

  • Gesetze für den BWL- Unterricht

  • SketchBook, zum Malen: Die App sieht sehr angenehm aus und bietet viele Möglichkeiten für verschiedene Einstellungen. Leider hatte ich noch keine Zeit, mich dort hineinzudenken (und so toll malen kann ich auch nicht). 

  • iThoughts: einfaches, intuitives Mindmapdesign; mit 5,99 € nicht ganz preiswert, das Geld ist die App aber nach meiner Auffassung wert. Mein bevorzugtes Tool für Brainstorming zu Unterrichtseinheiten, Themen, Aspekten. Export per Mail, so dass ich meinen Schülern meine Mindmaps zur Verfügung stellen kann. Besonders mein LK fragt explizit nach diesen Mindmaps. Ich würde mir eine Möglichkeit wünschen, die Mindmaps auch direkt am Beamer zeigen zu können. Weiß da jemand etwas?

  • iBooks Bücher: Kostenfreier Reader für Bücher und pdfs (aktuell habe ich da für die Schule für die nach den Weihnachtsferien kommende Reihe im LK Deutsch über Medien die neueste Studie (JIM-Studie, und für die Reihe zu Drogen/Drogenpolitik in der Handelsschulklasse die aktuellste EU- Studie)

  • Echofon Twittern gehört mittlerweile zu einer meiner Lieblingsbeschäftigungen. Ich bin nicht sicher, ob es schon unter "Sucht" fällt;-) Gerne mittlerweile auch bei Veranstaltungen nicht nur im politischen Umfeld, sondern auch bei Schulveranstaltungen (z.B. dem Besuch des Namensgebers der Schule: Richard von Weizsäcker oder die Teilnahme unserer Schüler an der Veranstaltung „Faszination Netzwelten“ des Arbeitskreises für Prävention in Coesfeld). Übrigens: Die Pressemitteilung hierzu, die auf der Homepage zu finden ist, entstand nachmittags mit Schülerinnen und Schülern des LKs interaktiv in einem Etherpad.) Dass es Twitter gibt, ist mittlerweile auch meiner Schulleitung bekannt (wobei ich davon ausgehe, dass der Großteil des Kollegiums Twitter nicht kennt und/oder nicht versteht). Anekdote am Rande: Im letzten Schuljahr hatte ich wutschnaubend (und mit einem hämisch lachenden Kollegen neben mir) aus dem Lehrerzimmer getwittert, dass ich das "heilige" Prüfungsheft mit allen Noten versehentlich mit einem ausgelaufenen Tipp-Ex-Stift versaut hatte. Am Vormittag danach kam ein Schüler und wollte nun auch endlich dieses Heft sehen (es war das Heft seiner Klasse). Ich bin dem Wunsch lachend nachgekommen (hatte aber bereits den schlimmsten Schaden beseitigt). Der Schulleiter hat mich auch -wie wir sehen- am Leben gelassen;-) Aus dem Unterricht heraus twittere ich natürlich nicht (wobei es gelegentlich in den Fingern juckt;-) (aber manchmal dann aus der Pause heraus oder in einer Freistunde). 

Schnick-Schnack


  • BeejiveIM zum chatten

  • Nightstand zum wecken 

  • Wallpapers, Schicke Hintergrundbilder

  • Plus einige Apps für Zeitungen, die ich nur sehr unregelmäßig nutze (fr, itaz, News Pro, FT Mobile Edition, Finanzen.Net, Prinz Magazin) und das WDR Radio.

Spiele:
Mein bisher größter Kritikpunkt bei der Nutzung des iPads:

Sehr schade finde ich, dass das IPad derzeit keine Bearbeitung von Etherpads erlaubt. Das ist angesichts der sonst wundervollen Möglichkeiten für mich eine große Einschränkung. Auch mit Schülern, Kollegen und in der Politik benutze ich diese sehr häufig und kann sie aber leider nur am Rechner bearbeiten. Ich hoffe darauf, dass dies ein findiger Tüftler bald auch für das IPad ermöglichen kann.

Tauglichkeitstest bei Sehbehinderung steht noch aus:

Ich habe eine in Schüben auftretende Erkrankung der Netzhaut, die gerne im Winter (also meist im Januar) bei Kälte auftritt. In den akuten Phasen ist meine Sehstärke deutlich eingeschränkt. Ich bin gespannt, wie ich dann mit dem iPad zurechtkomme.

Diese Erkrankung ist auch der Grund, warum ich mich gegen ein iPhone und für ein iPad entschieden habe. Ich erhoffe mir, dass ich auch in diesen Phasen gut damit weiterarbeiten kann.

Birgit Rydlewski, 40 Jahre alt, Lehrerin für Wirtschaftswissenschaften und Deutsch am Richard-von-Weizsäcker-Berufskolleg, Lüdinghausen/Dülmen; derzeit 1. Vorsitzende des LV NRW der Piratenpartei Deutschland

Was macht eigentlich der Dritte Korb?

Posted by Bastian • Friday, November 26. 2010 • Category: Aktuell: , The Pirates Gospel
Anfang des Monats bin ich, gemeinschaftlich mit Kathi, vom Bundesvorstand der Piratenpartei als Koordinator für die Arbeit zum Dritten Gesetz zur Regelung des Urheberrechts in der Informationsgesellschaft – oder auch kurz: dem 3. Korb – beauftragt worden. Ich hab mich auf die Zusammenarbeit mit Kathi gefreut und bislang haben wir vor allem hinter den Kulissen an dem Thema herumgewerkelt. Aber in der dieswöchigen Flaschenpost, dem Newsletter der Piraten, ist ein kurzes Interview mit uns erschienen. Okay, Interview ist dreist gelogen. Kathi und ich haben uns selbst die Fragen gestellt und wir wollen damit erstmal klar machen um was es überhaupt bei dem Thema geht und natürlich auch Mitstreiter finden. Im Text geht es vor allem um die Historie der ersten beiden Körbe und was man bislang vom dritten Korb erwarten darf. Ihr könnt die gesamte Flaschenpost als PDF herunterladen. Oder auch, etwas netter formatiert, direkt hier lesen:

Flaschenpost: Hallo Bastian. Hallo Kathi. Es ist schön, dass ihr euch dieses wichtigen Themas annehmt. Wie kam es zu dieser Beauftragung?

Bastian: Der ganze Urheberrechts- und Lizenz-Komplex begleitet mich jetzt schon seit ein paar Jahren und so hab ich natürlich auch die fatalen Urheberrechts-änderungen der letzten Jahre mit verfolgt. Seitdem im Juni die ersten Anhörungen zum Dritten Korb begonnen haben, hat sich bei den Piraten nicht mehr viel zu dem Thema getan. Inspiriert durch die gute Arbeit durch die Beauftragungen bei INDECT, ACTA & Co habe ich zusammen mit Kathi überlegt, ob es nicht sinnvoll wäre so etwas auch für den 3. Korb zu initiieren. Nachdem wir das Thema mit Wolfgang Dudda und Andreas Popp besprochen haben, kam es dann zu der Ausschreibung, für die sich sowohl Kathi als auch ich beworben haben. Und obwohl die Beauftragung vorläufig nur auf mich gefallen ist, werden wir das Thema zusammen bearbeiten. Gerade weil Kathi in Berlin bei den meisten Veranstaltungen direkt vor Ort mitwirken kann, bietet sich das natürlich besonders an.

Kathi: Ich war von Bastians Idee auch gleich begeistert. Durchs Studium (elende Theorie...) und durch die Arbeit in einer wissenschaftlichen Bibliothek (noch elendere Praxis) habe ich leidvolle Erfahrungen mit dem aktuellen Urheberrecht gemacht. Wenn nun um den Dritten Korb gerungen wird, müssen die Piraten dringend für die Rechte der Nutzer eintreten. Besonders die Privatnutzer - die wir alle sind - haben so gut wie keinen Fürsprecher in diesen Beratungen. Ich habe aber nur wenig Hoffnung, dass bei den nächsten Anhörungen die Piratenpartei irgendwie einbezogen wird. Das, was wir bisher davon mitbekommen konnten, kam ausschließlich von den wenigen engagierten Urheberrechtlern und Wissenschaftlern, die angehört wurden. Die spärliche Presseberichterstattung drehte sich fast nur um eigenes Terrain, das Leistungsschutzrecht für Presseverleger.

Flaschenpost: Um was handelt es sich überhaupt genau bei dem dritten Korb?

Bastian: Als "Dritter Korb" wird das dritte „Gesetz zur Regelung des Urheberrechts in der Informationsgesellschaft“ bezeichnet, das derzeit von Justizministerium und Bundestag vorbereitet wird. Die umfangreiche Reform des deutschen Urheberrechts wurde durch die Richtlinie zum Urheberrecht im Informationszeitalter der Europäischen Union von 2001 nötig. Und obwohl der Titel der Richtlinie und der Gesetze sich so fortschrittlich anhört, sollte man sich davon unter keinen Umständen blenden lassen. In den ersten beiden "Körben" wurde das Urheberrecht unter dem Einfluss der Verwerter- Lobby und auf Kosten der Allgemeinheit massiv verschärft.

Kathi: Die bekanntesten Beispiele dafür sind in Piratenkreisen wohl das Verbot von "offensichtlich rechtswidrig hergestellten Vorlagen" Privatkopien anzufertigen und der rechtliche Schutz von DRM-Systemen. Aber auch im Bereich Bildung und Wissenschaft wurde die Nutzung von geschützten Werken in Intranets sehr restriktiv, um nicht zu sagen, realitätsfern gefasst. Diese Sachen wurden bereits im Ersten Korb 2003 durch die rot- grüne Koalition beschlossen.
Dem Zweiten Korb von 2007 verdanken wir schließlich die Kriminalisierung von Peer-To-Peer-Tauschbörsen und die anschließenden Massenabmahnungen. Aber zum Beispiel auch, dass Bibliotheken digitalisierte Werke an Computer-Arbeitsplätzen nur so häufig anzeigen dürfen, wie analoge Varianten im Bestand vorhanden sind. Die sich durch die Digitalisierung ergebenden Chancen wurden hier eindeutig verspielt. Und die Bedingungen in der Privatkopie-Schranke wurden in beiden Gesetzen so weit ausgedehnt, das diese heute praktisch nicht mehr zu gebrauchen ist.

Bastian: Und es ist zu befürchten, dass sich die Lage nach dem Dritten Korb nicht verbessern, sondern noch weiter verschlechtern wird...

Flaschenpost: Wie weit ist denn der Prozess um den dritten Korb?

Bastian: Die Arbeit an dem Dritten Korb hat im Juni diesen Jahres angefangen. Federführend war bisher das Bundesjustizministerium, weshalb die Konsultationen unter Ausschluss der öffentlichkeit stattfanden. Und so hatten nicht nur wir als Piraten keine Möglichkeit daran teilzunehmen, sondern es wurde auch die breite öffentlichkeit so ihrer Mitwirkung in diesem Stadium beraubt. Stattdessen wurden mit den Lobbyvertretern der Verwertungsindustrie mal wieder die üblichen Verdächtigen an den Tisch gebeten. Wenn im nächsten Jahr der Deutsche Bundestag bzw. der Rechtsausschuss die Beratungen übernimmt, hoffen wir, dass dies transparenter geschieht. Einer der zentralen Punkte soll zumindest das Urheberrecht für den Wissenschafts- und Bildungssektor sein. Bislang wurden Forderungen seitens der Wissenschaftsgemeinschaft immer vertröstet, und so ist es kein Wunder, dass Deutschlands Open-Access-Bewegung in vielen Bereichen noch in den Kinderschuhen steckt. Wir unterstützen die Forderungen des Aktionsbündnis „Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft“ und hoffen, dass dieser Zusammenschluss von zahlreichen Wissenschaftsorgansiationen genug Gehör findet. Und auch wenn mittlerweile viele Fraktionen angekündigt haben ein unabdingbares Zweitverwertungsrecht zu begrüßen, sollte man hier weiterhin wachsam sein.

Kathi: Außer zur Förderung von Open Access hat man wenigstens noch eine Anhörung zum Problem der "verwaisten Werke" durchgeführt. Das sind solche nicht wenigen Werke, dessen Rechteinhaber nicht auffindbar oder feststellbar sind. Dies ist bei einem Urheberrecht, das 70 Jahre nach dem Tod des Urheber andauert, schon beinahe vorprogrammiert, zumal bei Werken, an denen mehrere Personen beteiligt sind wie zum Beispiel Filme. Das Fatale an der Situation ist, dass zum Beispiel Archive und Museen, die solche Werke gerne digitalisieren und verfügbar machen würden (und es wegen Medienzerfalls sogar müssen!), dies nicht dürfen bzw. sich strafbar machen, wenn sie es dennoch tun. Im Zweifelsfall können sie für ihre Arbeit, das kulturelle Erbe zu erhalten, verklagt werden. Dieses Risiko gehen öffentliche Institutionen - im Gegensatz zu Google - in der Regel nicht ein. Hier müssen also dringend Regelungen geschaffen werden, die den allgemeinen Zugang zu diesen Werken ermöglicht und sichert.

Bastian: Ein wichtiger Punkt bei dem wir Piraten die Augen unbedingt offenhalten und aktiv werden sollten, ist das Leistungsschutzrecht für Presseverleger, das in den letzten Wochen und Monaten oft durch die Medien geisterte. Die Verlage arbeiten auf ein eigenes Schutzrecht hin, durch das zur Vervielfältigung nutzbare Geräte mit Abgaben belegt werden sollen. So wie Urheber bzw. Verwerter durch Pauschalabgaben auf Druckern, CD-Rohlingen, Computern etc. entschädigt werden, wollen die Verleger nun ihre "Leistung" noch einmal zusätzlich entlohnt haben. Dabei ist besonders bedenklich, dass sich die Entwüfe der Verlage gegen Suchmaschinen wenden. Dienste, die nur kleine Informations-Häppchen aggregieren, remixen und verlinken, wie Google News beispielsweise, sollen so nicht nur zur Vergütung gezwungen werden. Gleichzeitig wollen die Verlage ein Verbotsrecht eingeräumt haben. Damit wackelt sogar die Freiheit des Zitats und damit die Informations- und Meinungsfreiheit! Leider hat sich die Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger bisher hinter diese Forderung gestellt.

Kathi: Darüber hinaus sind Dinge wie eine weitere Einschränkung der Privatkopie und auch ein Verbot intelligenter Aufnahmesoftware für Webradios im Gespräch. Es gibt also mehr als genug Gründe, wieso wir uns sorgen sollten.

Flaschenpost: Und was können wir Piraten dagegen unternehmen?

Bastian: Damit der Dritte Korb nicht zu so einem der Allgemeinheit schädlichen Machwerk verkommt, müssen auch wir Piraten jetzt aktiv werden. Und das heißt vor allem den Widerstand in der breiten Bevölkerung zu aktivieren und so gut es geht zu bündeln, um das Feld nicht wieder der Verwerter-Lobby zu überlassen. Im ersten Schritt sind wir gerade dabei hier den Kontakt zu ähnlich eingestellten Organisationen herzustellen. Und da das Feld Urheberrecht kein gerade Kleines ist, brauchen wir natürlich noch Unterstützung. Sei es durch Leute, die in der Materie bereits tief drin stecken, sei es durch Leute die Werbematerial entwerfen können, Texter und ja: Eigentlich all diese Dinge, die man für eine Kampagne benötigt. Denn auch wenn der Gesetzesentwurf noch vergleichsweise am Anfang steht, sollten wir uns darauf einstellen, dass wir auch mit diesem Thema auf die Straße müssen.

Kathi: Und wenn man weiterdenkt, ist eine breite Diskussion und eine weitergehende Positionierung der Piraten zum Urheberrecht natürlich sehr wichtig. Auch
da gibt es noch viel zu tun, wie man bei den Diskussionen zu den Urheberrechts-Anträgen auf dem Parteitag in Chemnitz gesehen hat. Aber das ist eine andere Baustelle. :-)

Keine Angst!

Posted by Bastian • Tuesday, November 23. 2010 • Category: Aktuell: , The Pirates Gospel
Natürlich habe ich Angst vor Terror

„Terror, der (Substantiv, m)
Bedeutungen:[1] Schreckensherrschaft.
[2] Systematische Verbreitung von Angst und Schrecken.

Herkunft:Der Staatsphilosoph Thomas Hobbes (1588-1679) betrachtete den „terror of legal punishment“, den Schrecken gesetzlicher Bestrafung, als notwendige Voraussetzung für das Funktionieren eines Staates. Während der französischen Revolution war „terreur“ die Selbstbezeichnung der Herrschaft Robespierre's und der Jakobiner. In dieser Zeit fand der Begriff Terror Eingang in die deutsche Sprache.“

siehe auch: http://de.wiktionary.org/wiki/Terror

Ja, vor genau der Art Terror habe ich Angst. Nämlich vor der Form den die Regierung zur Zeit verbreitet. Und zwar viel viel mehr als es ein paar durchgeknallte Spinner mit angeblichen Bomben jemals auszulösen vermögen. Denn wer terrorisiert hier eigentlich wen?

Bastian Greshake
http://www.twitter.com/gedankenstuecke


Ja, ausgerechnet ich, der Mensch der die Worte „Keine Angst“ systemweit durch das Makro /ka auslösen kann. Aber ernsthaft: Unter Wir haben keine Angst gibt es eine schöne Aktion die sich gegen die aktuelle Hysterie und Panikmache wegen der Terrorwarnungen zu stellen. Oben könnt ihr meinen Beitrag dazu lesen. Und vielleicht hat hier ja noch der eine oder andere Lust seinen Beitrag einzureichen. Text, Standbild, Video, Audio. Werdet kreativ.

Ein kurzes Fazit vom Netzpolitischen Kongress

Posted by Bastian • Sunday, November 14. 2010 • Category: Aktuell: , The Pirates Gospel
Die Bundestagsfraktion der Grünen hatte für die letzten beiden Tage zu ihrem Kongress zu Netzpolitik in den Räumen des Paul-Löbe-Haus geladen und zusammen mit dem bezaubernden Herrn Urbach habe ich mich auch auf den Weg dahin gemacht. Und eigentlich kann ich das Fazit was gestern Abend auf der Abschluss-Party diskutiert wurde nur unterschreiben: Es ist gut, dass das Thema bei den Grünen ankommt und das man versucht sich Wissen dazu anzueignen. Allerdings stecken die Grünen als Gesamtpartei so ziemlich in den Kinderschuhen was das angeht, auch wenn es vereinzelte Mitglieder gibt die in Netzpolitik schon fit sind. Sauer aufgestossen ist mir dabei allerdings die Tatsache, dass oft so getan wurde, als wären die Grünen per se schon kompetent was das Thema Netzpolitik angeht. Gerade die Eröffnungsrede von Renate Künast war dabei nicht mehr als ein zusammengegoogeltes Buzzword-Bingo. Dabei war das mangelnde Wissen mehr als einmal offensichtlich. Dabei ist es nicht verwerflich, dass man keine Ahnung hat wovon man redet und sich deshalb Hilfe sucht. Aber irgendwie sollte man dann auch schon so ehrlich sein und das auch offen zugeben können und nicht den Experten vorspielen.

Sonst hat diese Hilfestellung glaube ich ganz gut geklappt, so mein Eindruck in den Gesprächen am Rande. Für Leute die in den Themen nicht seit Jahren drin stecken gab es einen guten Überblick über die aktuellen Debatten. Besonders positiv aufgefallen ist mir dabei die Rede von Reto Hilty zum Urheberrecht die man auch als PDF runterladen kann und die aktuelle Situation ziemlich gut zusammenfasst. Weniger spannend war hingegen der Workshop „Jenseits der Korbflechterei. Interessenausgleich im Urheberrecht” der am Freitag morgen stattfand, was aber auch daran lag, dass der Workshop dermaßen voll bzw. überfüllt war, dass es doch mehr auf ein reines konsumieren für die meisten hinausgelaufen ist (oh, und daran, dass die Kulturflatrate immer noch nicht tot ist).
Ebenfalls sehr spannend fand ich die Barcamp-Session zum Öffentlichkeitsbegriff von Hannah Arendt bei der unter anderem @9er0, @mspro, @elicee, @jensbest, @rka und der @herrurbach und ich dabei waren. Von @9er0 gibt es dazu auch bereits einen Blogbeitrag der den Slot behandelt.

Zwei Dinge sollte man beim nächsten Mal noch optimieren: Erstmal sollte keine Vermischung bzw. Überschneidung von Workshops & Barcamp-Slots stattfinden, da letztere auf jeden Fall darunter leiden. Und das ist schade, denn gerade mehr Interaktivität hätte dem Kongress oft gut getan. Und es muss mehr Pausen geben: Das Programm war voll und es wurde wie üblich standardmässig überzogen. Dabei Leben so Kongresse von den Pausen wo man sich austauschen und kennenlernen kann. Und ja: Man übt noch. Und das ist gut. Glückwunsch zum Auftakt.

Wenig neues im Westen...

Posted by Bastian • Wednesday, November 10. 2010 • Category: Aktuell: , i left my home
...außer einem Umzug, einem mehr oder weniger geregelten Job und ein bisschen neuem Code. Der Umzug nach Frankfurt hat gut geklappt, neben den üblichen Piraten-Verdächtigen bin ich hier auch schon über uralte Freunde gestolpert die mittlerweile hier wohnen. Apropos stolpern: So viel Brüderschaft trinken an konsekutiven Abenden hatte ich glaube ich schon lange nicht mehr. Ernsthaft beschweren kann ich mich über mein Stipendium auch nicht: Auch wenn es sonst leider keinen einzigen (Bio-)Informatiker am Institut gibt funktioniert das meiste doch irgendwie. Die Genom-Analysen gehen langsam aber bestimmt vorwärts und dabei auch über das hinaus was ich in der BA-Thesis bereits analog auf Transkriptom-Ebene angewandt habe. Ganz wissenschaftlich durch Learning by Failing (hard). Aber auch wenn Philipp gut 10 Zeitzonen entfernt in Australien sitzt und sich die Sonne auf den Pelz brennen lässt hilft er mir freundlicherweise. So weit so gut. 



Und hier noch die obligatorische Eigenwerbung. Ich hab ja schon ein paar Mal Werbung für den Meme Analyser gemacht. Mittlerweile hat das Ding einen erweiterten Feature-Satz. Na gut, eigentlich ist es nur ein Feature: Man kann nun endlich 2 verschiedene Meme direkt vergleichen lassen. Das Ergebnis wird dann in einem Graphen dargestellt. Wer also schon immer Wissen wollte ob #Piraten oder #Ninjas cooler sind kann das genauso untersuchen wie die Frage wer im evolutionären Kampf zwischen #blumenkübel und #blumenkuebel gewonnen hat. Abgesehen davon ist der Code immer noch extrem messy und langsam. Wer sich mit dem Setup Python, MySQL, der passenden MySQLdb-Library für Python und dem Bottle-Framework auskennt möge sich deshalb immer noch melden. Alternativ werde ich irgendwann wohl doch einen Rewrite in Ruby starten.



Und damit auch erstmal wieder Ende und aus: Morgen geht es dann zum Netzpolitischen Kongress der Grünen in Berlin.