Aus der interfraktionellen Strategiegruppe E-Government
Posted by Bastian • Monday, September 27. 2010 • Category: Aktuell: , The Pirates Gospel
Zusammen mit Markus ging es heute Nachmittag in die Sitzung der interfraktionellen Strategiegruppe E-Government der Stadt Münster und das war wohl auch die erste Sitzung der Gruppe mit Piraten-Beteiligung. Auf der Tagesordnung standen neben dem ePerso und der Nutzung für E-Government-Zwecke auch die Umsetzung von ePayment-Methoden in den Verwaltungszwecken, die Optimierung des Rats-Informationssystem und ein wenig Einblicke in die Social Networking-Aktivitäten der Stadt.
Zum ePerso gab es die obligatorische Demonstration des Pass selbst als auch des Kartenlesegeräts. Dabei wurde das Grobkonzept von PIN-Eingabe, Trust-Servern etc. erklärt und es wurde auch auf die vom CCC hingewiesenen Sicherheitsprobleme mit den Standard-Lesegeräten eingegangen. Die Stadt Münster wird diese Standard-Lesegeräte trotzdem verteilen. Insgesamt 50.000 Stück sollen zum Start des ePerso bereitstehen (30.000 direkt bei der Stadt und 20.000 werden an andere Institutionen vergeben). 30.000 entspricht dabei der Anzahl an Personalausweisen die jedes Jahr in Münster beantragt werden. Also sollen alle Bürger die im ersten Jahr einen neuen Personalausweis beantragen mit einem passenden Standard-Lesegerät ausgestattet werden.
Allerdings ist noch nicht ganz klar ob die georderten Lesegeräte bis zum Start überhaupt verfügbar sind. Und auch die Umsetzung von E-Government-Lösungen die mit dem ePerso umgesetzt werden sollen wird bis zur Einführung wohl knapp. Man hofft allerdings seitens der Stadt auf eine Punktlandung. Aber lassen wir uns mal überraschen. Im ersten Schritt sollen jedenfalls in 5 Ämtern Prozesse mit Hilfe des ePersos durchgeführt werden können. Darunter fällt unter anderem das Finden von Kindergartenplätzen sowie der Antrag auf Abholung von Elektroschrott (allerdings wird die AWM den ePerso wohl nicht entsorgen).
Die elektronische ID, mit der man solche Amtstätigkeiten und später wohl auch Einkäufe & Co tätigen können wird, wird quasi als Opt-Out zur Beantragung des ePerso zur Wahl gestellt. Allerdings wird jeder Bürger auch darauf hingewiesen, dass eine spätere Freischaltung dieser Funktion extra kosten wird. Ich kann mir schon vorstellen was die Mehrheit der Bürger in dem Fall aktiveren lassen wird, weil es umsonst ist...
Spannenderweise kann der ePerso standardmässig, und das war mir neu, nicht als elektronische Unterschrift genutzt werden. Dafür benötigt man als Endbenutzer noch ein extra Zertifikat, welches es gegen Geld aus der privaten Wirtschaft zu kaufen gibt. Und damit ist der ePerso für Amtsgeschäfte leider erstmal weitgehend nutzlos, denn viele Amtsgänge benötigen eben nun mal eine Unterschrift...
Ein anderer Punkt wo die Stadt nun aktiv werden will sind die angebotenen Methoden um zu Zahlen. Bislang setzen die Ämter vor allem auf das Lastschriftverfahren. Allerdings ist das bislang wohl den Ämtern überlassen, was genau sie anbieten. Hier soll eine Vereinheitlichung über eine zentrale Stelle stattfinden. Dabei soll auf jeden Fall die Kreditkarte als Zahlungsmittel eingeplant werden. Ob man Paypal und GiroPay anbieten soll ist gerade in Gesprächen und die Kosten dafür werden evaluiert.
Zumindest ein wenig erfreuliches gibt es auch bei der Ratsarbeit zu berichten. Der Stadtrat ist nun flächendeckend mit WLAN ausgestattet, Zugang gibt es wohl für Ratsleute & Co wenn ihre MAC-Adresse freigeschaltet ist. Und auch bei den technisch versierteren Ratsmitgliedern häuft sich der Unmut über das aktuelle Ratsinformationssystem. Denn es gibt bislang wohl keine Möglichkeit sich alle Vorlagen per Knopfdruck zu ziehen sondern die sind alle brav in einzelne PDFs verkapselt und dürfen einzeln per Hand runtergeladen werden. Noch trauriger ist allerdings die Bürger-Schnittstelle. Hier gibt es nur riesige PDFs mit Tagesordnungen und Ergebnissen. Natürlich ist das ganze Webfrontend nicht durchsuchbar. Also hilft nur das planlose runterladen und dann durchsuchen der PDFs. Metadaten sind genauso Fehlanzeige.
Da gibt es noch einigen Nachholbedarf seitens der Stadt. Allerdings zieht die sich auf die Position zurück, dass sie das System des Marktführers nutzt und der hat in seinem System wohl solche Funktionen nicht vorgesehen. Es scheint also nicht so, dass es hier eine schnelle Lösung geben wird...
Der letzte Punkt auf der Tagesordnung war das Auftreten der Stadt in sozialen Netzwerken. Bald kriegt die Stadt ihre eigene Facebook-Seite. So weit ganz nett. Und der Oberbürgermeister hat mit Direkt zu Lewe auch seine eigene Plattform. Dort können Bürger fragen an den Bürgermeister stellen und die Fragen anderer Bürger bewerten. Die am besten bewerteten Fragen werden dann auch beantwortet. So weit ganz nett die Idee. Bei der Idee so etwas doch für alle Mitglieder des Rats, analog zu Abgeordnetenwatch, anzubieten gab es dann aber gleich Gegenwind: «Wer hat denn so viel Zeit so etwas zu beantworten? Da müssen die Fraktionen doch extra Leute für einstellen die sich darum kümmern!»
Ich sehe ja ein, dass die Ratsmitglieder neben ihrem Job alle ehrenamtlich tätig sind. Aber so wie es als Ratsmitglied dazu gehört sich auf den Volksfesten in seinem Stadtteil blicken zu lassen, so sollte es im Jahr 2010 auch dazu gehören, dass man für die Bürger online Rede & Antwort steht. Ganz abgesehen davon glaube ich auch, dass so eine Online-Plattform im Endeffekt sogar eine Zeitersparnis bedeuten kann. Denn viele Bürger schreiben jetzt schon Mails, Briefe & Co an die Ratsmitglieder, Fraktionen etc. Und wenn man die immer einzeln beantwortet muss man manche Fragen n-fach beantworten. Effizienter ist es da, wenn man online schon nachschlagen kann ob die Frage schon beantwortet wurde. Immerhin ist schon wer anders auf die Idee gekommen etwas ähnliches vorzuschlagen und wird das wohl bei der nächsten Sitzung, die im Januar sein wird, vorstellen.
Und auch Markus und ich werden da wohl etwas vorstellen: Nämlich LiquidFeedback. Heute konnte das Thema nur kurz angerissen werden, denn die Sitzung wurde so schon überzogen und im Anschluss fanden die Sitzungen der Fraktionen statt. Und da bald der Haushalt verabschiedet werden soll gab es da wohl mehr Gesprächsbedarf.
Zum ePerso gab es die obligatorische Demonstration des Pass selbst als auch des Kartenlesegeräts. Dabei wurde das Grobkonzept von PIN-Eingabe, Trust-Servern etc. erklärt und es wurde auch auf die vom CCC hingewiesenen Sicherheitsprobleme mit den Standard-Lesegeräten eingegangen. Die Stadt Münster wird diese Standard-Lesegeräte trotzdem verteilen. Insgesamt 50.000 Stück sollen zum Start des ePerso bereitstehen (30.000 direkt bei der Stadt und 20.000 werden an andere Institutionen vergeben). 30.000 entspricht dabei der Anzahl an Personalausweisen die jedes Jahr in Münster beantragt werden. Also sollen alle Bürger die im ersten Jahr einen neuen Personalausweis beantragen mit einem passenden Standard-Lesegerät ausgestattet werden.
Allerdings ist noch nicht ganz klar ob die georderten Lesegeräte bis zum Start überhaupt verfügbar sind. Und auch die Umsetzung von E-Government-Lösungen die mit dem ePerso umgesetzt werden sollen wird bis zur Einführung wohl knapp. Man hofft allerdings seitens der Stadt auf eine Punktlandung. Aber lassen wir uns mal überraschen. Im ersten Schritt sollen jedenfalls in 5 Ämtern Prozesse mit Hilfe des ePersos durchgeführt werden können. Darunter fällt unter anderem das Finden von Kindergartenplätzen sowie der Antrag auf Abholung von Elektroschrott (allerdings wird die AWM den ePerso wohl nicht entsorgen).
Die elektronische ID, mit der man solche Amtstätigkeiten und später wohl auch Einkäufe & Co tätigen können wird, wird quasi als Opt-Out zur Beantragung des ePerso zur Wahl gestellt. Allerdings wird jeder Bürger auch darauf hingewiesen, dass eine spätere Freischaltung dieser Funktion extra kosten wird. Ich kann mir schon vorstellen was die Mehrheit der Bürger in dem Fall aktiveren lassen wird, weil es umsonst ist...
Spannenderweise kann der ePerso standardmässig, und das war mir neu, nicht als elektronische Unterschrift genutzt werden. Dafür benötigt man als Endbenutzer noch ein extra Zertifikat, welches es gegen Geld aus der privaten Wirtschaft zu kaufen gibt. Und damit ist der ePerso für Amtsgeschäfte leider erstmal weitgehend nutzlos, denn viele Amtsgänge benötigen eben nun mal eine Unterschrift...
Ein anderer Punkt wo die Stadt nun aktiv werden will sind die angebotenen Methoden um zu Zahlen. Bislang setzen die Ämter vor allem auf das Lastschriftverfahren. Allerdings ist das bislang wohl den Ämtern überlassen, was genau sie anbieten. Hier soll eine Vereinheitlichung über eine zentrale Stelle stattfinden. Dabei soll auf jeden Fall die Kreditkarte als Zahlungsmittel eingeplant werden. Ob man Paypal und GiroPay anbieten soll ist gerade in Gesprächen und die Kosten dafür werden evaluiert.
Zumindest ein wenig erfreuliches gibt es auch bei der Ratsarbeit zu berichten. Der Stadtrat ist nun flächendeckend mit WLAN ausgestattet, Zugang gibt es wohl für Ratsleute & Co wenn ihre MAC-Adresse freigeschaltet ist. Und auch bei den technisch versierteren Ratsmitgliedern häuft sich der Unmut über das aktuelle Ratsinformationssystem. Denn es gibt bislang wohl keine Möglichkeit sich alle Vorlagen per Knopfdruck zu ziehen sondern die sind alle brav in einzelne PDFs verkapselt und dürfen einzeln per Hand runtergeladen werden. Noch trauriger ist allerdings die Bürger-Schnittstelle. Hier gibt es nur riesige PDFs mit Tagesordnungen und Ergebnissen. Natürlich ist das ganze Webfrontend nicht durchsuchbar. Also hilft nur das planlose runterladen und dann durchsuchen der PDFs. Metadaten sind genauso Fehlanzeige.
Da gibt es noch einigen Nachholbedarf seitens der Stadt. Allerdings zieht die sich auf die Position zurück, dass sie das System des Marktführers nutzt und der hat in seinem System wohl solche Funktionen nicht vorgesehen. Es scheint also nicht so, dass es hier eine schnelle Lösung geben wird...
Der letzte Punkt auf der Tagesordnung war das Auftreten der Stadt in sozialen Netzwerken. Bald kriegt die Stadt ihre eigene Facebook-Seite. So weit ganz nett. Und der Oberbürgermeister hat mit Direkt zu Lewe auch seine eigene Plattform. Dort können Bürger fragen an den Bürgermeister stellen und die Fragen anderer Bürger bewerten. Die am besten bewerteten Fragen werden dann auch beantwortet. So weit ganz nett die Idee. Bei der Idee so etwas doch für alle Mitglieder des Rats, analog zu Abgeordnetenwatch, anzubieten gab es dann aber gleich Gegenwind: «Wer hat denn so viel Zeit so etwas zu beantworten? Da müssen die Fraktionen doch extra Leute für einstellen die sich darum kümmern!»
Ich sehe ja ein, dass die Ratsmitglieder neben ihrem Job alle ehrenamtlich tätig sind. Aber so wie es als Ratsmitglied dazu gehört sich auf den Volksfesten in seinem Stadtteil blicken zu lassen, so sollte es im Jahr 2010 auch dazu gehören, dass man für die Bürger online Rede & Antwort steht. Ganz abgesehen davon glaube ich auch, dass so eine Online-Plattform im Endeffekt sogar eine Zeitersparnis bedeuten kann. Denn viele Bürger schreiben jetzt schon Mails, Briefe & Co an die Ratsmitglieder, Fraktionen etc. Und wenn man die immer einzeln beantwortet muss man manche Fragen n-fach beantworten. Effizienter ist es da, wenn man online schon nachschlagen kann ob die Frage schon beantwortet wurde. Immerhin ist schon wer anders auf die Idee gekommen etwas ähnliches vorzuschlagen und wird das wohl bei der nächsten Sitzung, die im Januar sein wird, vorstellen.
Und auch Markus und ich werden da wohl etwas vorstellen: Nämlich LiquidFeedback. Heute konnte das Thema nur kurz angerissen werden, denn die Sitzung wurde so schon überzogen und im Anschluss fanden die Sitzungen der Fraktionen statt. Und da bald der Haushalt verabschiedet werden soll gab es da wohl mehr Gesprächsbedarf.




