Keine Angst, die große Zeit der Thesen ist vorbei. Und ich wollte jetzt auch nicht meine eigenen ans nächstbeste Imageboard posten. Aber spannend ist es doch wo sich dieses Internet einsortiert. Während die Verwertungsindustrie aka Content-Mafia immer wieder den Kommunismus des Internets ausruft und fürchtet, dass sich
«alles für alle und zwar umsonst» durchsetzen könnte. Die, Vorsicht Buzzword, Internet-Aktivisten auf der anderen Seite fordern die Freiheit des Internets nicht weiter zu beschränken. Verkehrte Welt im Internet?
Vermutlich nicht ganz, denn irgendwie sind beide Ansätze, auf eine Art und Weise ja nicht ganz verkehrt. Denn das Internet ist, zumindest in Ansätzen, der feuchte Traum jedes Kommunisten. Wann waren kreative Produktionsmittel jemals so weit in den Händen eines jeden einzelnen? Auch wenn der Zugang zum Internet bei uns noch kein Grundrecht ist haben mehr Menschen den je die Möglichkeit sich Gehör zu verschaffen, sich auszudrücken. Die Preise für die Produktion von Bild, Ton und Video-Formaten sinken weiter und Produktionen die noch vor einigen Jahren Leuten mit viel Geld vorbehalten gewesen wären sind nun für fast jede erschwinglich geworden.
Auf der anderen Seite wird die Freiheit des Internets betont. Und dabei ist auch die Freiheit des Marktes gemeint. Doch anders als in der
realen Welt™ wird online in den seltensten Fällen mit Geld bezahlt. Klar,
Flattr,
Google Ads & Co machen es möglich sich seine Werke auch versilbern zu lassen. Doch die eigentliche Währung ist Zeit. Denn jeder Rezipient hat, noch viel radikaler beschränkt als sein Geld, 2 Dinge zur Verfügung: Aufmerksamkeit und Zeit. Kein Kredit der Welt verhelfen einem zu mehr davon. Und dementsprechend überlegen die Leute auch was sie mit Aufmerksamkeit belohnen. Feedreader, Twitter und dieses ganze, soziale Zeugs im Internet ermöglicht es. Man bekommt die Nachrichten, Texte, Bilder, Videos die einen potentiell interessieren. Nach Hause geliefert und konsumfertig. Im Idealfall produziere ich daraus selbst wieder etwas und gebe es in den Kreislauf zurück.
Dinge die für mich nicht taugen fliegen dabei dann ganz einfach aus dem Reader, Leute die nichts spannendes auf Twitter verbreiten werden unfollowt. Jeder hat die Möglichkeit gelesen und gehört zu werden. Das recht darauf hat keiner. Und jeder hat die Freiheit jene Dinge zu ignorieren die für ihn keinen Mehrwert darstellen. Und so entsteht die unweigerliche Fragmentierung in Parallelgesellschaften im Internet. Da tummeln sich die Scienceblogs neben Homöopathie-Foren, genauso wie Katzenbildchen in friedlicher Koexistenz mit Torture Porn lebt. Und wohl kaum ein Reader wird dem anderen gleichen, auch wenn es im Internet-Mainstream Überlappungen gibt.
Und ich finde das ziemlich gut, so wie es ist. Denn in meinen Augen sind es alle 3 Faktoren die das Internet zu dem Medium gemacht haben wie wir es heute kennen und alltäglich nutzen: Freier Zugang zu den Produktionsmitteln, der Konkurrenzkampf um Aufmerksamkeit und die Fragmentierung in Zielgruppen. Problematisch wird es, wenn diese Freiheit und Gleichheit unter Beschuss gerät. Das Stichwort lautet
Netzneutralität. Wenn bestimmte Dienste bevorzugt behandelt werden und ihre Daten schneller, besser oder zuverlässiger rund um die Welt transportieren können dann wackelt das Konstrukt.
Zum einen weil die Produktionsmittel damit de facto aus den Händen der Allgemeinheit genommen werden (Dienste können nur noch von jenen Angeboten werden die das nötige Kleingeld für eine bevorzugte Behandlung haben). Und zum anderen ist der Markt damit nicht mehr wirklich frei. Denn plötzlich spielt es wieder verstärkt eine Rolle wer Informationen anbietet. Zwar mag eine gute Idee immer noch eine gute Idee haben. Aber wie hoch ist die Motivation eine Alternative zu YouTube zu nutzen wenn sie dank
QOS-Regeln so langsam ist, dass ich sie nicht bedienen mag?
Unter
Pro Netzneutralität gibt es eine Petition die bereits von über 4000 Menschen unterzeichnet wurde und die sich dafür einsetzt den Status Quo zu erhalten.