Gedankenstücke

(m)ein Leben durch den Sucher

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Posted by Bastian • Monday, May 31. 2010 • Category: Aktuell: , The Pirates Gospel
Letzte Woche im Rahmen einer Familienfeier ging es mit der werten Verwandtschaft um die Piraten. Und dabei kamen wir dann auch auf die Infostände zu sprechen die vor der Landtagswahl stattgefunden haben und dann harsch kritisiert wurden: “Ihr müsst ja mal aufpassen was für Personal ihr da an die Stände stellt. Die waren ja zum Teil nicht nur hässlich sondern auch noch  ganz schlecht gekleidet.”

Und da musste ich erstmal schlucken und mir auf die Zunge beissen. Denn die böse, 140 Zeichen lange, Antwort lag mir schon auf den Lippen. Nicht nur die Vorstellung, dass Parteien - insbesondere wir - da bezahltes Personal hinstellen ist völlig realitätsfremd. Wir sind froh über jeden Menschen der sich bereit erklärt eine Schicht am Stand zu übernehmen. Völlig egal ob mit oder ohne Parteimitgliedschaft.

Auch diese Einstellung was für Menschen dort stehen müssen finde ich ziemlich befremdlich. Mir ist es recht egal wer da steht. So wie es mir auch egal ist wer auf der anderen Seite des Standes steht. Wer zu uns kommt um sich zu informieren den begrüße ich freundlich.

Egal ob es der stadtbekannte Alkoholiker mit roter Nase, der Junkie vom Bremer Platz, der BWL-Student mit rosa Polo-Hemd oder der Bankier von gegenüber ist. Denn in dem Augenblick sind sie alle gleich: Jeder mit seiner Stimme die er bei der Wahl den Piraten geben kann und jeder zumindest mit einem Grundinteresse an uns.

Und dann zählen auch nur die Argumente die man vorbringt, wieso man sein Vertrauen gerade uns schenken sollte. Was für Ziele verfolgen wir? Was für ein Menschenbild haben wir? Und in was für einer Welt wollen die Piraten leben?

Und bei einer Sache bin ich mir da sicher: Ich will nicht in einer Welt leben in der man Parteien oder auch ganz allgemein Menschen danach bewertet wie hübsch die Leute sind oder wie sie gekleidet sind...

Die Monetarisierung von Blogs?

Posted by Bastian • Saturday, May 29. 2010 • Category: Aktuell: , i love my computer


Ich bin wohl einer der letzten die über Flattr bloggen, so nachdem der Hype jetzt fast wieder vorbei ist. Wer davon noch gar nichts gehört hat sollte sich das kurze Video oben ansehen um die wichtigsten Fragen geklärt zu kriegen.

Aber kurz gesagt ist es eine Micro-Payment-Plattform mit «Kulturflatrate light-Ansatz» die davon lebt, dass die Benutzer sich gegenseitig für Content mit Kleinstbeträgen belohnen. Jeder User legt selbst fest was er im Monat ausgeben will. Und dieser Betrag wird dann gleichmässig aufgeteilt. Auf alle Inhalte die man über einen lustigen kleinen Button ausgewählt hat.

Ist das nun die heisse neue Art um Geld mit Blogs zu verdienen? Keine Ahnung, vermutlich nicht, dafür dürfte es bislang zu wenig Anwender geben und auch die Tatsache das man vor allem Geld zwischen Personen die sowieso schreiben tauscht spricht erstmal dagegen. Aber ich lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen. Drüben im Piratencafe taggen wir nun auch unsere Podcasts mit dem Flattr-Knöpfchen. Mal schauen was das bringt.

Ich zögere allerdings mein eigenes Blog mit Flattr auszustatten, obwohl schon einige Nachfragen kamen ob das bald käme. Und das eigentlich aus zwei Gründen: Zum einen ist da das allgemeine Lizenzmassaker, denn der Einsatz von Flattr fällt sicherlich schon in die Kategorie «kommerziell». Und schliesst damit sicherlich einige Lizenzen aus, so zum Beispiel die verschiedenen Non Commercial-Derivate von Creative Commons.

Und dabei nutze ich ja selbst die CC BY-NC-SA. Wobei ich so langsam selbst nicht mehr so sicher bin ob ich da nicht wechseln sollte. Zumindest das NC könnte ich eigentlich mal fallen lassen. Aber das ist eine andere Geschichte. Ich glaube nicht, dass ich irgendwo hier NC-Inhalte verbaut habe die nicht meine eigenen sind, allerdings würde es mich in der Auswahl von Content schon einschränken. Das ist die erste Abwägung die ich treffen müsste.

Und der andere Punkt ist: Will ich überhaupt euer Geld für die Inhalte hier? Die Zeit die ich hierfür investiere und das Geld was ich hier reinstecke für Hosting-Kosten etc. wird das Blog eh nicht einspielen. Weder durch Trigami oder Google Adsense noch durch Flattr. Und der symbolische Wert? Wenn mir jemand ein paar Cent oder Euro zukommen lässt für einen Beitrag den er toll findet? Oder für einen netten Link, ein lustiges Video oder whatever? Ich glaube eigentlich freue ich mich viel mehr über einen netten Kommentar, über einen Trackback, eine nette Mail oder etwas ähnliches.

Klar, das machen die wenigsten, aber würden mehr Leute dieses Knöpfchen drücken? Ich bin unschlüssig. Was meint denn die werte Leserschaft? Geld oder Liebe?

Eindrücke von der SIGINT

Posted by Bastian • Monday, May 24. 2010 • Category: Aktuell: , i left my home
Von Samstag bis Heute fand die diesjährige SIGINT im Mediapark Köln statt. 3 Tage voller Mate, Meta und spannender Vorträge, mässig informativer Panels und dem obligatorischen Socialising beim Tschunk. Auf ein paar Panels & Vorträge möchte ich dabei noch mal kurz eingehen.

Das Panel zum Thema Urheberrecht mit dem frisch wiedergewählten Jens Seipenbusch und Vertretern der Contentmafia ergab wenig neues. Die Mafia findet Raubkopien doof denn Leistung muss sich wieder lohnen. Außerdem würde ja kein Künstler mehr Werke produzieren wenn dafür nicht das liebe Geld winkt. Das ist natürlich Blödfug, denn wer nur des Geldes wegen Zeug produziert sollte das bitte nicht Kunst nennen. Und sich selbst auch gefälligst nicht Künstler sondern vielleicht besser Contentmafia-Zuarbeiter. Kunst funktioniert einfach nicht in dem man die nächste Münze in den Schlitz wirft.

Künstler™ die auch Kunst™ produzieren tun das im Regelfall aus purer intrinsischer Motivation heraus, weil sie es wollen und sich über das Medium ihrer Wahl ausdrücken wollen. Wenn dabei noch Geld abfällt: Gerne. Wenn nicht ist das aber halt so. Weder mit meinen Tweets, noch meinen Blogposts, noch meinen Fotos habe ich in den letzten Jahren irgendwann einmal Gewinne erzielt. Aufgehört habe ich seltsamerweise trotzdem nicht.

Und natürlich beschwerte sich die Contentmafia mal wieder über die bösen 1-Click-Hoster ala Rapidshare und Tracker-Anbieter ala The Pirate Bay. Weil die Leute verdienen ja Geld im Internet mit den Produkten anderer Leute. So weit so richtig. Nur sollte sich die Mafia auch genauso einmal fragen wieso andere Menschen es geschafft haben im Internet funktionsfähige Geschäftsmodelle zu entwickeln während sie hauptsächlich jammern wie schrecklich doch alles ist. Eine Lösung war dann auch auf diesem Panel nicht in Sicht.

Am Sonntag Morgen gab es die Keynote «Yes We Could: Hackers in Government» von Nick Farr. So circa seine These auf den Punkt gebracht: Hacker wären ideal um Politik zu machen aufgrund ihrer Problemlöse-Strategien, weil sie es gewohnt sind in Netzwerken zu arbeiten und weil sie sich nicht davor scheuen auch unbequeme Wahrheiten anzusprechen. Während der gemeine Politiker bislang keine Ahnung hat, keine sinnvollen Lösungsmöglichkeiten sucht und vor allem Leute anlügt um bloss wiedergewählt zu werden.

Kann man sicher so sehen und die Idee ist auch wirklich charmant. Leider übersieht diese These wohl mindestens zwei Probleme die Hacker davon abhalten quasi automatisch bessere Politik zu machen: Zum einen ist es ein elementarer Unterschied ob man irgendwelchen Code bzw. sein System Zeile für Zeile auseinandernimmt oder ob man den politischen Code/das politische System ändern will. Während man bei Software relativ ungezwungen von außen auf ein System einwirkt muss man sich für die Politik in das System begeben, Teil davon werden und sich zumindest gewissen Spielregeln beugen. So wie man die zugrunde liegende Physik von E-Systemen halt auch nicht einfach umgehen kann.

Und zum anderen ist die Frage ob es wirklich ein Vorteil ist, den Leuten schonungslos die Wahrheit ins Gesicht zu sagen oder ob ein guter Prozentsatz von Wahlberechtigten nicht einfach angelogen werden will. Sprich: Wird man dafür gewählt, dass man Leuten ins Gesicht sagt, dass ihr System broken ist? Ich meine die FDP verspricht auch hauptsächlich immer wieder unrealistische Steuersenkungen. Und obwohl so langsam jedem klar sein sollte, dass da nur der Wunsch Vater des Gedanken ist wählen immer noch ausreichend viele Leute eine Lüge.  

Heute Mittag gab es dann noch den Vortrag «Antropofagia» von Martin Butz zum Thema Menschenfresser und Kultur. Eine frühe Fassung seines Talks habe ich im Februar schon auf dem Bildungscamp in Köln gesehen, mittlerweile hat er seinen Vortrag aber noch etwas ausgebaut und vor allem um ein «Manifest der Aneignung» ergänzt. Das Ganze ist de facto ein Plädoyer für einen spielerischen Umgang mit Kunst & Kultur und für eine Remix/Mash-Up/Something-Culture. Das «Manifest der Aneignung» umfasst folgende Punkte die ich für recht unterschreibenswert halte:

1) Stelle immer die Frage: Was hat das mit mir zu tun?
2) Solange du bastelst und lernst, lebst du. Perfektionismus verhindert mehr als er bewirkt.
3) Gebrauchsanweisungen sind nicht unbedingt deine. Wann und wie die Dinge gebrauchstauglich sind, entscheidest du.
4) Stelle deine Selbstbestimmung sicher und übernimm Verantwortung. Vertraue in wichtigen Dingen keinem Experten.
5) Arbeite mit dem was da ist. Es ist immer etwas da.

Das Gender-Panel fand ich ziemlich lahm muss ich gestehen. Was vielleicht aber auch daran lag, dass nur Leute mit gleichen Ansichten auf der Bühne saßen. Das macht Diskussionen erfahrungsgemäß nicht ganz so spannend. Aber ja: Diskriminierung ist doof, Vorurteile auch wenn man sie nicht revidieren kann. Egal ob das nun wegen des Geschlechts, der sexuellen Orientierung, der Hautfarbe, der Anzahl Arme oder anderer generischer Kategorisierungen passiert. Und ja: Man sollte den Mit-Lebewesen denen man begegnet mit einem Mindestmaß an Respekt begegnen. Nichts neues im Westen möchte man meinen, ist aber wohl auch im Jahre 2010 noch nicht überall angekommen.

Lohnenswert wird es sicherlich auch sein sich die Aufzeichnung des Vortrags «Hoist The Colours!» von Roland Gratzer anzuschauen. Es geht also um so wirkliche Piraten mit Schiffen & Co. Sehr kurzweilig gehalten mit sehr viel Humor. 

adACTA - Der Song

Posted by Bastian • Friday, May 21. 2010 • Category: Aktuell: , The Pirates Gospel


Es begab sich zu einer Zeit, da der fabulöse Herr Urbach auf Twitter doch den Hinweis aufschnappte, dass der adACTA-Day unbedingt einen mindestens ebenso fabulösen Song bräuchte um die Leute in die richtige Demo-Stimmung zu bringen.

Ein Pad und ein paar Tweets die talentierte Schreiberlinge suchten weiter stand der Text fest.

Nach ausreichend Klinkenputzen auf den digitalen Kanälen fanden sich dann auch begeisterte Musiker die sich an das Songwriting und Vertonen des Textes machten. Und nun seht ihr das Ergebnis oben, den Text und den Song als Download findet ihr im Freibeuterhafen.

Und da das ganze Stück unter einer Creative Commons BY-NC-SA Lizenz steht dürft ihr es natürlich auch wild remixen. Die einzelnen Spuren findet ihr hier als ZIP-Download. Falls ihr also kreative Verwertungsmöglichkeiten seht: Bedient euch und seid fleissig.

Falls ihr mit im Kampf gegen ACTA helfen wollt: Herr Urbach benötigt ganz dringend Support.

Stopp ACTA!

*UPDATE*

Der genauso fabulöse @sparta644 hat auch über ACTA gebloggt.

Weiter geht’s

Posted by Bastian • Monday, May 10. 2010 • Category: Aktuell: , The Pirates Gospel
Die Wahl ist um. In Nordrhein-Westfalen haben die Piraten 1,54 % der Stimmen holen können. In absoluten Zahlen sind das 119581 Zweitstimmen die wir für uns verbuchen können. Bei der Bundestagswahl waren das noch 158585 Stimmen und damit 1,7 % in NRW.

Das ist ganz sicher kein tolles Ergebnis, besonders wenn man sieht, dass gut 39000 Wähler abhanden gekommen sind und vor gut einer Woche noch die Parole «Jetzt ist alle Möglich» ausgegeben wurde und der eine oder andere wohl schon einen Piraten als Ministerpräsidenten gesehen hat. Aber ich denke alles in allem können wir irgendwie zufrieden sein. Ein Haufen Leute hat alles gegeben, sich den Arsch auf der Straße abgefroren, wie bescheuert Plakate aufgehängt und hat sich auf Podiumsdiskussionen mit Kaffee den Magen verdorben.

In meinem Wahlkreis gab es 999 Stimmen für mich als Direktkandidat (1,4 %) und 931 Stimmen für unsere Landesliste (1,3 %). Danke an jeden von euch, der mir seine Stimme gegeben hat. Und auch wenn es für das Direktmandat knapp nicht gereicht hat (Die CDU hat mit 49,6 % der Erststimmen knapp gewonnen) war es mir eine wahre Freude im Kreis unterwegs zu sein. Auf Podiumsdiskussionen und in Schuklassen zu sein, von euch da draußen so viele Eindrücke zu bekommen und so viel zu lernen. Danke dafür. Und ich hoffe ich mache etwas daraus.

Und jetzt ist auch genug geweint über das Ergebnis. Es gibt noch genug zu tun, auch ohne Mandat in einem Parlament kann man Politik beeinflussen. Packen wir es an.

Die Piraten-Identität

Posted by Bastian • Sunday, May 2. 2010 • Category: Aktuell: , The Pirates Gospel


Im Rahmen von Hildegard für Bingen gab es auch eine Session zu der Piraten-Identität und wie man diesen grausigen Slogan «Wir sind nicht rechts, nicht links sondern vorne» endlich mal mit etwas inhaltsvollerem ablösen könnte. Im Rahmen der Session hat die Zusammenfassung «Die größtmögliche individuelle Freiheit bei maximaler Chancengleichheit» sehr gut abgeschnitten und das trifft für mich so ziemlich den Kern der Piratenbewegung.

Der wundervolle @zeitweise hat das Ganze nun in einen genauso wundervollen wie kreativen Werbespot gegossen. Und ich bin froh, dass ich ihm dabei helfen durfte am Text zu werkeln.